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Der Jugendbund · 1931-03-01 · 2 (3.1931) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
17 (1931)
Issue
2 (3.1931)
Date
1931-03-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Sprung steht mau außerhalb der jüdischen Tradition in Politik-Religion, da, wo niemand mehr darauf verfällt, daß all diese neuen Pläne zur Verjüngung der Gesellschaft schon von den alten jüdischen — und sehr politischen] — Propheten ausgesprochen wurden und somit eigentlich gar keine Veranlassung vorliegt, diese „synagogal-privathaus liehe" Religion auf paneuropäischem Gebiet zu internieren und zu säkularisieren! So liiuft dann das frischgebackene Judentum neutralisiert (ja!) auf der Börse der internationalen Politik herum, und käme dann einer der Outsider auf die unglückliche Idee, sich'die ehrlichen Makler dieser neuen N'ote auf ihre — nach dem Namen zu erwartende _ Eigenirtigkeit anzusehen, bevor er auf sie bietet, dann findet er rote Gehröcke, die vermuteten rassigen Gesichter aber undefinierbar, allen Gehalts entkleidet. Diesmal wäre dann endlich der tausendste Versuch gelungen,. das vielgeprüfte Judentum „radikal" umzukleiden. Juden sind wir zwar nicht mehr — aber zugelassen. Wir haben den Antisemiten den Minderwert unserer Jahrtausende gehegten Werte endlich geglaubt und unsere geschundenen Judenseelcn in ' All- ■ inenschlichkeit rein gebadet — so rein, daß keine Körper Mieben, sondern nur Schmutzreste. Jetzt werden wir sofort irrogant und betrachten uns als „Arznei für die Welt"! Man erwartet nun selbstverständlich von der so „radikal" falsch verstandenen und „konsequent" verdrehten Bibel, daß sie sich dies neue Kleid zu ihrer Silberhochzeit mit uns Juden anziehen läßt und wird ihr einen strengen Verweis ob ihrer „Kircfilichkeit" erteilen, wenn sie schüchtern zu konstatieren tragt, daß ihr das Kleid nicht sitzt und daß sie wünschte. wieder wie früher verstanden zu werden. Denn weder sei sie „entsittlichend" gewesen noch „unaufrichtig". Alles, wa,- man an ihr kritisiert habe, 6ei voller Lieblosigkeit anders woher zusammengeholt worden. Man zitiere sie zwar noch täglich, aber man lebe nicht nach ihr und benutze die Zitate, um sich neue Bibeln zu schreiben, in denen aber von jüdischer Gemeinschaft und jüdischem I eben nichts zu lesen sei, sondern von „Weltmeinung", „besseren Ideen" (das beleidige sie!), „radikalen Aenderungen", „Politisierung". Sie müsse sich daher leider entschließen, ein Wort eines dieser modernen Mosesse — der Raphael heiße — zu unterschreiben, wenn er gesagt habe: „Diese Diskreditierung des Begriffes jüdisch ist es, die uns niederdrücken muß"!! — Wie kommt gerade Ihr dazu, zu behaupten, ,,es gab viele jüdische Politiker, aber was sie leisteten, war so furchtbar wenig jüdisch"-? „Furchtbar wenig ... Euch haben sie bestimmt unterboten; denn sie haben wenigstens die Finger vom Judentum gelassen und ihr Lebtag nicht die Frechheit besessen, sich für seine „konsequentesten" Vertreter auszugeben und den Platz an der „Notbremse" von den „religiösen Führern" freigemacht zu bekommen! Unsere Religion „verlangtvon uns den Kampf gegen die Unterdrückung!! auch, aber gegen die, die Ihr Juden versucht. Wir jüdische Jugend wollen die Führer sein „im Kampf um religiöse Verwirklichung" und sagen Kampf, radikalen Kampf all denen an, die unsere „Eingliederung ins politische Ringen" anstreben um den Preis ■der Au.-trliederuns aus der uns heiligen jüdischen Tradition! Ell Rothschild, Lübeck. Ost- und Westjuden Wir hatten uns die Aussprache über dieses Thema anders gedacht. Seit Jahren erklären wir bei joder Gelegenheit und mit aller Höflichkeit, daß es für uns und unsere Arbeit eine Unterscheidung in diesem Sinne nicht mehr gibt. Seit Jahren müssen wir aber, insbesondere in den Großvereinen, immer mehr die Feststellung machen, daß es diesen Unterschied doch noch gibt. Warum Ost- und Westjuden auch bei der gesamtjüdischen Grundhaltung des Verbandes nicht oder nicht in dem erforderlichen Umfang untereinander in Verbindung treten, ob und welche Schuld vorliegt, welche Maßnahmen zu ergreifen wären, daglaubten wir von unseren Verbandsfreunden hören zu können. Vielleicht geben die nachfolgenden Anregungen manchem Verbandsfreund Veranlassung, in einer der späteren Nummern zu dieser, wie uns scheint, in höchstem Maße aktuellen Frage unseres Verbandslebens Stellung zu nehmen. I. Der Begriff Ostjuden hat mehrfach Wandlungen erlebt, er wird weiter Wandlungen erleben. Im 16. Jahrhundert begann der Westen in Bordeaux. ' -ten, das war Frankfurt a. M-, Metz, Magdeburg, Berlin. Hie dort lebten, nannte man Ostjuden. Bordeaux, das war das Sammelbecken der Fliehenden ■ius Portugal und dem unduldsamen Spanien, das 1492 seine -luden vertrieb und ihre Synagogen schloß. (Im Dezember 1930 hat man die erste wieder aufgemacht, konnten zum erstenmal Juden in einem als solchem anerkannten Gotteshause beten — seit 1492! Sogar einen Friedhof hat man ihnen gewährt. Aber die Kirche hat sehr protestiert dagegen. 1930. Dies nebenbei.) Also diese — übrigens sehr reichen — Flüchtlinge kamen nach Bordeaux. Und wenn die ärmeren Juden aus Frankfurt, Metz oder Berlin kamen, so wurde von Ostjuden gesprochen und man rümpfte die Na6e. (Was anderes kann man ja wohl nicht rümpfen?.) Man schimpfte sie „Tedesco". Wir schimpfen heute: „Polack". Das ist geschichtlich. Sie boykottierten die Aschkenasiiu, die von ihnen mehr Anfeindungen zu erleiden hatten als durch N'ichtjuden: „Sie brandmarkten alle fremden Juden als Landstreicher und Bettler, verleumdeten sie, daß sie durchweg ein ehrloses, betrügerisches Gewerbe betrieben und nahmen solchergestalt die Bürgschuft und Behörden gegen sie ein." . So berichtet Graetz. 0, Ben Akiba! Und da glauben unsere Ostjudenhetzer , und unsere Gemeinden in Sachsen und anderswo, originell zu sein, wenn sie einen Teil ihrer Mitglieder entrechten, weil sie aus dem Osten kommen. In Leipzig zum Beispiel gibt es zwei Drittel östliche und ein Drittel deutsche Juden. Durch ein verklausuliertes System aber haben die Ostjuden nur ein Drittel der Rechte und die deutschen Juden zwei Drittel, statt umgekehrt. Was die deutschen Juden dort aber nicht hindert, sich für waschechte Demokraten zu halten und sich liberal zu nennen. "Oh ihnen wohl die Bedeutung des Wortes Liberalismus bekannt ist? Und haben sie auch die Ostjuden um ihre Rechte gebracht, und waren sie es auch, die übers Ohr gehauen haben, recht kräftig sogar, so warnen die „deutschjüdischen" Kaufleute vom Brühl doch ihre jüdische wie christliche Kundschaft mit väterlicher Besorgtheit davor, sich ja nicht von den bösen Galiziern betrügen zu lassen. In anderen Gemeinden entrechtet man unsere Brüder aus dem Osten in folgender Weise: Eis wird vor der Wahl festgelegt, daß bei etwa 12 bis 14 Mandaten nicht mehr als „höchstens" zwei an „ausländische" Juden vergeben werden dürfen. In Braunschweiger Gemeinden gibt es ein Klassenwahlrecht. Ist es nicht Heuchelei; wenn man nach'außen hin nicht genug nach Fortschritt schreien kann und in den eigenen Gemeinden, wo man zeigen sollte, wie ehrlich man es meint, zum Teil eine Verfassung hat, die selbst einem hinterpommerschen Junker zu reaktionär wäre?! An dieser Stelle ist manchen Rabbinern, namentlich in Mitteldeutschland, der Vorwurf zu machen, daß sie versäumten, daß ihrige dagegen zu tun, ihrer Gemeinde das Unrecht vor Augen zu halten, das in solchem Verhalten liegt. Als der Reichsverband der Ostjuden in Deutschland in Magdeburg eine Tagung hatte, lud er. politischer Gepflogen-

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