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Der Jugendbund · 1931-01-01 · 1 (1.1931) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
17 (1931)
Issue
1 (1.1931)
Date
1931-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Man ist natürlich gegen diese unerhörten Lasten der Repara- D. Aber wo ist das einhellige, religiöse Aufbegehren ■n diese Gipfelleistungen neuartiger Versklavung, gegen ie durch und durch unmoralischen Forderungen? Haben ,;re jungen Menschen denn eine Schuld an der blöden Zernheit eurer damaligen Politik, die uns all diesen Jammer .bracht hat? Ist das ethisch, ist das gerecht, ist das vielleicht . ligiös? Was für ein Widersinn im Geschehen: gerade i Instanzen und die maßgebenden Führer der religiösen \\enschheitsgruppen hüllen sich in Schweigen, — und den Protest überläßt man, ohne vom Schamgefühl innerer Unzulänglichkeit erschüttert zu werden, den Vertretern einer auf dem Prinzip der Gewalt stehenden und infolgedessen durchaus nirel'giös gerichteten Weltanschauung! - Sollen sich denn die Sünden der Krieg^zcit immer wiederholen? Ich weiß: die Wirtschaftslononen werden lächelnd kommen und den bekannten Schmus aufwärmen: Reparationen -ind doch nicht Schuld an dem Massenelend, Sehen Sie mal, in England, in Amerika , . . Und in Oesterreich, wo man M.gar ... . Durch diese Erkenntnisse wird die Unmoral der Milliardentribute um kein Jota geringer. Unsere Religion verlangt von uns jeden Kampf gegen die Unterdrückung, gegen soziale Ungerechtigkeit, gegen die Ausplünderung der Massen, die ja ohnehin in einem materiellen und seelischen Zusammenbruch ohnegleichen vegetieren. / Es bleibt, trotz aller Bedenken und Einwendungen der Realpolitiker und Berufsdiplomaten" 'deren Wert und Beübung uns nach den Erfahrungen einer „großen"' Zeitwirklich nicht mehr sorglos schlafen lassen dürfte!), die Forderung des religiös-ethischen Auflehnens und Ablehnens! Und da w!rd unter erster Ruf recht deutlich an die großartigen Verbände;tiid religiösen Organisationen des amerikanischen Judentums ergehen: U.S.A. ist das Land der Welt, das in der Frage der Reparationen den internationalen Schlüssel in der Tasche hat. Nicht etwa, daß wir im Jargon unsrer nationalsozialistischen Gegner der Ansicht huldigen: das U.S.A.-Judentum sei der gewaltige Eintreiber und Einnehmer! Die jüdischen Massen Amerikas verelenden genau so rücksichtslos und konsequent wie die übrigen proletarischen Massen der Welt. Und die Segnungen der Tributmilliarden, die man dem Proletariat und dem (bitte, das ist heute dasselbe, — ich sage es nur von wegen . . .) Mittelstand auspreßt, rieseln in die Tresors der „christlichen" Magnaten genau so gewissensruhig, wie in die der „jüdischen" Mit-Magnaten. Aber wenn wir diese Forderung des Protestes an die religiösen jüdischen Verbände der Vereinigten Staaten richten, dann drängt hier der Wille, die Religion einzureihen in die Kampflinie gegen eine unsagbare und in ihren Folgeerscheinungen unausdenkbare Politik der Verelendung. Eine Religion, die in dieser Zeit der Katastrophen nicht eindeutig auf der Seite der ausgepowerten und verzweifelnden Massen zu finden ist, hat aufgehört zu existieren, hat keine Daseinsberechtigung mehr — und wird immer mehr als Museumsstück zusammenschrumpfen.». Unsere Konsuln sollten darüber nachdenken, daß im Kampf um religiöse Verwirklichung sehr, sehr viel versäumt worden ist. Auch die heftigsten Belastungsproben nehmen einmal ein Ende. Krieg und Nachkriegszeit haben unheimlich viel Vergehen wider den Geist des Religiösen angesammelt. Seltsam, mit welcher Sicherheit die psychologisch wertvollsten Momente verpaßt worden sind! Die religiösen Führer sollten endlich den Platz an der Notbremse freigeben. Und darum fordern wir in unserm Ringen um Gerechtigkeit und um das endliche Sichtbarwerden eines religiös-ethischen Anfangs den radikalen Kampf gegen die mammonistische Gesinnung, die am unbarmherzigsten in den Tributzahlungen der sogenannten Reparationen eine dauernde Stabilisierung ihrer Gewaltprinzipien zu erreichen sucht! — J. Raphael. Langenschwalbach Yorberieht. Ja, es wurdet gearbeitet, d»8 kann man wohl -agen. Allfl diese 7-V ■ jungen Leute. diran dein!' ahrcrkiirsus teilnähmet!, waren mit einem F.ifer unrl einer' Lust am Lernen dabei, wi< man sie wohl selten -.■ Iii. Jeden Tag fanden drei bis vier Arbeltegenjclnnehnften -i.iii, doch auch dawar Ihnen noch nicht genug. Außer der Arbeitsgemeinschaft von l>r. Kit/mann über das Arbeit — iwenproblen wurden inuli zwei weitere eingeschoben: „Er- -ioliungsf ragen" von Kurt Heiz (Berlin) und ..Bevölkcimgspolitisebes*1 fron Fritz Kahn (Frankfurt). Am Freitag ihI Samstag hielt Cur! Friedmann (Düsseldorf) noch zwei lir schone Bibelabenae ab. Die angeschnittenen Fragen ml Probleme Interessierten iW -l.uk. daB selbst in den kurz liertrionen Pausen noch lebhafte Debatten über diesen oder jenen Ptinkt stattfanden. Zwischendurch wurden kleinere und größere Wanderungen in den Taunus unternommen. Abend« fand sich alles gemütlich im Hotel Hanau zusammen. I >a wurde gespielt und gesungen, gelacht und getanzt. Sehr hübsch war der letzte Abend, an dein die Offenbacher Junggruppe einen lustigen Abend improvisierte, der allgemeinen Beifall fand. So vergingen die vier Tage im Fluge. Am Sonntagrormittag fand die letzte Arbeitsgemeinschaft statt. In kurzen Referaten wurden noch einmal die Ergebnisse der Arbeitsgemeinschaften zusammengefaßt und wir kamen zu dem Schluß, daß die Tagung durchaus gelungen.sei. Dieser Ansicht war auch Dr. Ritzmaiiii. der in seinem Schlußwort Mgte: ..Ich habe noch nie vor einem so fleißigen, eifrigen und interessierten Auditorium gesprochen." Tuta. Aus dem Leben des Verbandes \ In den Monaten Dezember und Januar fanden noch _.-iide 1 l.dcgiertcntagungeii statt: Landesverband Bayern: Tagung am 90. November 1980 Nürnberg. Das Qauptreferal hielt Studienrat Schaalmaun. Hellen, über das Thema ..Was soll auunserer Jugend : Ii n"? Der Referent befaßte sich mit den. wichtigsten 1-1 liaftlichen, politischen Und religiösen Problemen unserer i und stallte als Grundlage der jüdischen Gemeinschaft, gewollt oder ungewollt, die indische Lehre hin. In der Nachmittag folgenden Aussprache wurden u. a. die Tatig- -berichte der einzelnen Vereine vorgelegt. Welche zum -Ion Teil recht zufriedenstellend arbeiten, ÄW besonders tige angenommene Anträge möchten wir die hach- •iidcn anführen: 1. Persönliche Fühlungnahme des i -Verbandes mit jüdischen Arbeitgebern zum Zwecke -tellonverinittlung und 2. Gründung einer bayerischen de. In der die Tagung beschließenden Vorstands Wahl rde de r altbewährte Vorsitzende Dr. KeßleT einstimmig b rgewühlt. Landesverband Pfalz Saar. Die Tagung de- Landeindes war auf den II. " Januar nach Saarbrücken einfen worden. Mit Ausnahme einiger kleinerer Landbunde -amtliche Vereine und Vorstandsmitglieder und /.ableiste vertreten. Der,.lirreinlv-rein Saarbrücken hatte igong liebevoll vorbereitet. Alle Organisationen der Synagogengemeinde Saabrücken üU^rln'achten : ihre Grüße. Der Synagogenchor verschönte die Voniiittagssitzung durch Gesang?. — Auf Grund eines längeren Referates des Verbandsvorsitzenden beschäftigte sich die Tagung mit dem Thema „Jugend und Gemeinde", wobei insbesondere die Anwendung der Richtlinien der Verbandst.-itung für das diesjährige Wiiiterprograniin auf die Einordnung der Verbandsmitglieder in die Gegenwartsaufgaben der Gemeinde geprüft wurden. Die Berichte der Vereinsvertreter zeugten ebenso sehr von der eifrigen Arbeit in den Bünden als auch von den ungeheuren geistigen und maTeriellcn 'Schwierigkeiten, mit denen insbesondere die kleineren Vereine zu kämpfen haben. Bei der Vorstandswahl wurde Irvin Eppstein wiedergewählt. L'nter den Beisitzern können wir Max Jankelowitz. den früheren Geschäftsführer des Landesverbandes Pommern begrüßen. Der neue Vorstand wird insbesondere versuchen, den Richtlinien der Gilde auch im Saargebict Geltung zu verschaffen. In den Wcjlmachtstagen fand in Langenschwalhaeh ein von der Verbandsleitung mit dem Landesverband Hessen gemeinsam veranstalteter Ftlbrcrkursus mit dem lliiuptthcnia „Arbeitslosigkeit und Krise" statt. I'eber diesen sowohl in geistiger als auch menschlicher Beziehung befriedigenden Kursus wird noch an anderer Stelle berichtet.

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