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Der Jugendbund · 1931-01-01 · 1 (1.1931) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
17 (1931)
Issue
1 (1.1931)
Date
1931-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Wir freuen uns sehr, feststellen zu können, daß die Vereine bei der Aufstellung ihrer Programme in den letzten Monaten sich eng an die von der Verbandsleitung herausgegebcnen Richtlinien gehalten haben. Wie wir bereits in «li'ti vorigen Berichten erwähnten, wurde als Hauptthema in fast sämtlichen Banden „Kampf gegen den Nationalsozialismus" behandelt; daneben behandelte man weiterhin die übrigen in München beschlossenen Programmpunkte. Besonders erwähnen mochten wir .an dieser Stelle den Freihurger Bund, welcher eine recht gut besachte Arbeitsgemeinschaft über den Oberparteilichen Palästina-Aufbau eingerichtet hat.- Aehnliclie Berichte liegen uns noch von einer ganzen Anzahl anderer Vereine vor, die wir leider wegen Raummangel nicht aufführen können. Erfreulich.'rwei-e ist li<' Frage der Sozialen Hilfe in den letzten Monaten sehr in 'las Blickfeld der Vereine gerückt. Per Karlsruher Verein veranstaltete einen großzügig arrangierten Werbeabend unter dem Thema ..Soziale Hilfe'*, an welchem über 300 Personen leitnahmen. Dresden und Pforzheim haben Arbeitsgemeinschaften über dieses Thema eingerichtet. Pie uns alle bewegenden Wirtschaftsfragen, von welchen Juden und Niehthadea gleichermaßen berührt werden, haben auch in der Arbeit unserer Vereine ihren Niederschlag gefunden. Ueber dieses Problem wurden in den Bünden Höchst, Offenbach. Trier. Karlsruhe, Mainz und Oberhausen Ausspracheabende eingerichtet. Ks ist eine begrüßenswerte Tatsache, daß sehr viele Bünde trotz der politischen und wirtschaftlichen Kri-e. in der wir uns befinden, nicht vergessen haben, sich mit rein religiösen Fragen zu befassen. So wurden an vi n Orten Kurse über Bibel und jüdische Geschichte eingefii :t. Wir möchten hier die Vereine Hannover, Görlitz, Sötern, Burgsteinfurt. Lübeck und Osnabrück erwähnen. Am 10i Dezember feierte der Göttinger Bund - :l gajftbrigea Bestehen. Rei dieser Gelegenheit sprach I! :r Rabbiner Dr. Kronheim, Bielefeld, über „Die Not der jiidi- , Jugend". Per Vortrag hinterließ bei allen Zuhörern e i n nachhaltigen Kindruck. — Wir betrachten es als einen gr Frfolg unserer Arbeit, daß sieh die Stiidentcnvcrbindun. n endlich aktiv an der Arbeit der Vereine beteiligen. So«. | in Heidelberg als auch in Köln wurden Vertreter des K und des K. J. V. in die Vorstände der Bünde delegiert. V r hoffen, daß dies nur ein Anfang ist und daß wir derar! Belichte in kürzester Zeit auch von allen andr n Universitätsstädten vorliegen haben. Abschließend t. wir noch mit. daß sich auch in Schlesien neues Leben I merkbar macht. So wurde unter der Assistenz von V und Sohn Jastrow. Forst, in Guben (N.-L.) ein Jugendh i gegründet. Pie achte Neugründung in zwei Monaten! Eine anerkennenswerte Leistung vollbrachte der Jiidi-. \ Jiigendbund Ahaus. Pieser. einer der kleinsten Verteil unseres Verbandes, veranstaltete am 11. Januar 1931 Wobltitigkeitsfest und konnte den ansehnlich.-!) Betrag 155 Mark an die Soziale Hilfe, für 'Noilinilerung iüdis.l Krwerbslosor, überweisen. C. I" Buchbesprechungen Lic. Dr. Hans Hartmann: „Die junge Generation in Europa." (Der Neue-Geist-Verlag Berlin 1930.) Der in der internationalen Jugendarbeit seit langem erfolgreich tätige Verfasser gibt in dieser sehr aufschlußreichen Broschüre zunächst einen Ueberblick über das Jugendleben in den verschiedenen Jugendbünden und Organisationen des heutigen Europa. Ausführlich behandelt werden Deutschland. . Frankreich, England, die nordischen Länder und Italien. Die ( übrigen Staaten werden in einem Kapitel: ..Jugend in Europa hie und da" zusammengefaßt. Der Vorzug dieses rein deskriptiven Verfahrens besteht darin, daß der' Leser zunächst einmal einen authentischen Ueberblick über die verschiedenen Jugendbestrebungen in den europäischen Ländern bekommt. Es handelt sich dabei aber etwa nicht um eine rein zahlenmäßige Darstellung. Der Verfasser kennt die einzelnen Länder und Jugendorganisationen aus eigener Anschauung. Seine Beschreibung der tatsSchlichen Zustände weitet sich darum zugleich zu einer Charakteristik des betreffenden Landes und seiner Bewohner überhaupt. Selbstverständlich benutzt der Verfasser gleichzeitig die Gelegenheit, um in eine kritische Betrachtung des Programms der einzelnen Jugendorganisationen einzutreten. Besonders gut gelungen scheinen mir die übrigen Kapitel, in denen das aller heutigen Jugend bereits gemeinsame Geistesgut herauszuarbeiten versucht wird. Da ist von der „neuen Haltung", vom „neuen Denken" und vom besonderen „Lebens- ' rhythmus" dieser Jugend die Rede. Der Verfasser ist sowohl philosophisch wie theologisch vollkommen auf der Höhe der Situation. Er weiß darum, weitab von den allzu abgenutzten Schlagworten einer ausgefahrenen Jugendbewegungsterminologie, eine geistesgeschichtliche Einordnung des Phaeriomens „Jugend" in die heutige Weltstunde vorzunehmen. Zu loben ist die Objektivität, mit der auch gegensätzliche Meinungen und Anschauungen vorgetragen und beurteilt werden. Der Hauptakzent wird natürlich in diesem Buch auf die Verständigungsmöglichkeiten innerhalb der Jugend und auf die Bestrebungen zur gemeinsamen Arbeit gelegt. Hartmann, der Pazifist, weiß hier besonders treffliche Winke zu geben. Die Broschüre müßte in jedem unserer Vereine gelesen und eingehend besprochen werden. Vielleicht wird das Echo, das seine Ausführungen gerade bei uns findet, den Verfasser veranlassen, der jüdischen Jugend und phrer Zielsetzung bei einer Neuauflage seines Buches eine etwas eingehendere Würdigung angedeihen zu lassen als in dieser Erstauflage. Hugo Hahn. Essen. ...lüili-ches Liederbuch." Jüdischer VerlagJ Berlin, 1930. Bei genügender Bestellung durch den Verband Vorzugspreis, kartoniert l..V> Mark, einzeln in Leinen 3 Mark. Vota deutschen Kreis im ..Makkabi'-Weltverbatid herausgegeben, liegt jetzt ein neues jüdisches Liederbuch vor. das -icher mit seiner großen Auswahl eine wertvollere Bereiche- 6 rang unserer Liederbibliothek sein wird. Pas hnndliei Rüchlein zerfallt in vier große Abschnitte: in hebriii-cli Lfeder, jiddische Volkslieder, Lieder mit jüdischem Inhau und allgemeine Lieder, außerdem befindet sieh am Schluß noch eine kleine Sammlung der bekanntesten Kanons. Rei den hebräischen Liedern ist die deutsche Uebersetzung angegeben, während bei den jiddischen Liedern erfreulich, weise noch eine Anleitung zum Lesen der jiddischen Texte beigefügt ist. Das "Liederbuch wird allen Ansprüchen göre. * | Und ist den Vereinen und .Tunggruppon für Wanderung. Fahrt und Spielabend sehr zu empfehlen. le—. Sabbatai Zewi von Josef Kastein. Ernst Rowohlt-Verlag. Pie alte Hoffnung des jüdischen Volkes soll emilich erfüllt werden, es soll aus seiner Redrüekung. die nun schon über 15Ö0 Jahre dauert, erlöst and In seine alte Hei n it zurückgeführt werden. Fs sollen an ihm die alten Vei heißungen in Erfüllung gehen, die die Propheten verkündeten, ja die Kabbalisten haben die Zeit genau vorausberechnet l'ie Anzeichen der Zeit deuten darauf hin: in Polen finde") blutige Judenverfolgungen statt: die Wehen des Messias. In diese erregte erwartungsvolle Zeit hinein wird Sabbat.li Zewi geboren, dessen Gebartstag (der 9. Av lß2fi> Und l.eben-uinstä nde dazu beitragen, zu etwa« Außergewöhnlichem bestimmt zu sein. Mit ungewöhnlich reicher Begabung eignet er sieh alles rabbinisehe Wissen au und ist in jungem Jahren bereits ,.('Iiacham". Lebensumstände tragen dazu In' daß in ihm seine Schüler und Freunde den Messias erkennen. So wird Sabbatai in eine Bahn hineingestoßen, die er anfangt nur ganz widerwillig betritt. Fr wird der gefeierte Kessins, alle Welt glaubt an ihn, wir erleben in dramatischen Bildern, wie sie Kästeln zeichnet, seinen Sturz, er endet einsam Jljl verlassen.— Ist Sabbatai def Betrüger, der die ganze Judi heit mit Hoffnungen erfüllte, die später zunichte wurd Fr kann eg nicht sein, denn die Menschen der Zeit zw.ui.' ihn. diese Rolle zu übernehmen. Wie alle Welt an i I glaubt, glaubt er selbst an seine Mission. Fr selbst spi I im Zeitgeschehen von damals nicht einmal die Hauptm!' er ist lediglich der Ausdruck einer von Zukunftshoffnung. a gesc hwängerten, überspannten Zeit. — Kastein hat in die-, i Werk ein getreues historisches Bild zu goben ver-t.m. das durclidrungen ist von seltenem Schwung einer dram< i sehen Gestaltungskraft, " r. „Elias schickt einen Traum", Festtagsspiel für die jüdis: e Jugend von Davin Schönberger. Verlag Günter Ranberg, Aachen, 1931. Preis 0,85 Mark. Mit großer Einfühlungsgabe in die Gedankenwelt um,, lungen Menschen hat Dr. Schönberger ein Festtagsspiel schaffen. Nicht nur, daß sein ..Elias schickt einen Traum begrüßenswerter Beitrag zur Jugendliteratur ist. in der sich sonders ein Mangel an Festtagsspielen bemerkbar macht.

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