Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 1 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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D€D ,PUG€iyj>BIJ1NP (niTTfe'iunoen des veeewnDes oep jüpiscHen juefcnDvefieine oeuTSCHLflnps 17. Jahrgang Düsseldorf, Januar 1931 Nummer 1 Soziale Gesinnung Die Hinrichtung des Dezernates Soziale Hilft» ist eine ilcf wesentlichen Aufgaben unserer Bewegung. Mit bei> jaterter Zustimmung wurde in München dieser Plan einer ilill-arbeil uufgcnominen. Der Antrag auf Zahlung einer monatlichen Kopfsteuer wurde einstimmig angenommen. hie Beschlüsse verpflichten zur technischen Ausführung, doch treten ullcrdings «St-liwierigkeiten ein, wenn bei unseren Menschen nicht eine Grundhaltung vorhanden ist. die eine »olcbe Arbeit zur Selbstverständlichkeit macht. Das bedeutet: Soziale Gesinnung, gegenseitige Hilfe als Konsequenz einer Kikenntnis muß den einzelnen bestimmen. Ks soll nicht im Sinne dieser Ausführungen liegen, etwa^ iiii -e Beschlüsseals jene Krkcnntnis zu preisen und ein' Loblied auf ilie bereitwillige Zustimmung unseres Forums /.ur monatlichen Sonderabgab» von 5 Pfennig zu singen. I n-erc Aufgabe erscheint es, zu untersuchen,-wie sich dio Zustimmung bei je<lem einzelnen umwandeln muH in über- *i*ii'!Tle Tat. Betrachten wir den Aufbau vieler Vereine. Das Leben der Kille'spiegelt sich in allen Kleinigkeiten, in allen ge- --Il-chaftlichen Differenzierungen wider. Der Verein ist der Treffpunkt, wo sich die Menschen zusammenfindeu, um einen Vortrag anzuhören und ahnliches. Wille zur Annäherung ist in den einzelnen Kreisen (lies Cliquen) nicht vorhanden, weil hier eine innere Umstellung notwendig wäre, zu der iür einen solch festgefügten Kreis keine Veranlassung voriegt. Innere Umstellung aber ist eine Voraussetzung jeder Arbeit, deshalb, woil diese gesellschaftlichen Unterschiede In den nächsten Nummern der Verbandszeitschrift soll die Meinung unserer Verbandsfrounde Ubor folgende Themen Nirtert worden: Ost- und Westjuden Im Verfmnd, Jugend und Kunst. Wir bitten alle Freunde, die zu diesen Fragen etwas - igen inöcht..... uns ihre Gedanken hierüber zu übermitteln und hierdurch am Ausbau unserer Zeitschrift als lebendigem \ .-druckswillcii unseres Verbandes raitzuarbeitjn. zersetzend wirken. Ks wird nach dem Geldbeutel, nach der beruflichen Stellung und vielen ähnlichen „Veranlagungen" entschieden. Tendenz einer Vorkriegserziehung herrscht noch vor, die sich das '„Hinauf" zum Ziel setzte, nnsehlußsuchend an „höhere Kreise", weil man hierunter allein vorwärtsstreben verstand. Trotz vieler Aufklärungen der letzten Tage über den Zustand der Verproletarisierung, trotz der Lehren, die die wirtschaftliche Kntwicklung der heutigen Zeit uns immer wieder von neuem gibt, will man ein „Hinunter" nicht anerkennen, ein „Hinunter", das nicht etwa geistige Momente umfaßt, sondern bedingt ist durch die wirtschaftliche Situation. Ks bedeutet für uns: sich abfinden mit diesem Zustand uml den ernsthaften Versuch zu unternehmen, auch unter dies?n Voraussetzungen sich sein Leben positiv einzurichten. Beginn einer sozialen' Arbeit tritt also bereits beim Zusammenkommen in den Vereinen durch Bemühungen um diesen gesellschaftlichen Ausgleich zutage. Bei dieser Gelegenheit ist auch die Frage Ost- und West Judentum ernsthaft zu betrachten, um endlich einmal alle die Vorurteile, ilie in großen Teilen des deutschen Judentum« heute noch herrschen, auszumerzen. Wahrhafter Wille zur Gemeinschaft, gemeinsame Aufgaljen erfordern einen genieinsamen Weg. Außerdem bedeutet t-oziale Gesinnung nicht etwa ..Kachmonistuni". Ks ist nichts damit getan und noch weniger erreicht, wenn man glnubt, in einer Geldspende oder mit einer herzlichen Rede seine soziale Gesinnung bewie.-t u zu haben. Seitdem Menschen leben, hat es immer Verschiedenheiten in ihrem Dasein gegeben. Der Wille zum Ausgleich, die stete Bereitschaft hierfür, bedeutet schon sozial«.- Gesinnung. Das ist auch der Sinn, der in allen' Gesetz u des Judentums lebt. Das Blut des einen Ist nicht roter;.ldas Blut des anderen, heißt es im Talmud. Unter diesen Voraussetzungen werden ohne jegliche Schwierigkeit Aliforderungen des Dezernates für soziale Hilfe erfüllt werden, um die heute noch viel gebeten werden muß. Die praktischen Auswirkungen für einen Verein und für den einzelnen in der Richtung sozialer Arbeit sind ungeheuer groß. Sie weisen auf Mitarbeit in den sozialen Institutionen der Gemeinden, auf Patenschaften und vieles andere hin, das wir in einem besonderen Artikel behandeln wollen. Soziale Gesinnung mit dem Willen einer ständigen Bereitschaft ergibt eine Unmenge Verpflichtungen. Erich Altnmnn. Jüdisches Leben in Pommern Wir bfttten beabsichtigt, in der .Tanuarnummer irrundsätzliche Ausführungen zu der Lage der .luden im Osten Deutschlands uml für die Besonderheit der Aufgaben unseres Verbandes in diesen Gebieten zu bringen. Leider war die Anteilnahme der von uns aufgeforderten Persönlichkeiten nicht sn groß, da& wir am uon Hingegangenen Koi trägen des uns und unsere Freunde im Osten gleicherweise interessierenden Gebietes einen fassenden Kindruck vermitteln könnten. lassen daher nachstehend nur einen Bericht über das jüdische Leben in. Pommern folgen und behalten uns vor, zu dem Gesnmtproblem ein anderes Mal Stellung zu nehmen. ~l. >J FUr d& Waat- und Sü»W«ut.-.-l.«ü ist das W?ft £o&mftrtt ein rätselhafter Begriff. Wenn man gar noch von Hintaricrn spricht, dann stellt man sich irgendein dunkles ungefähr in der Nähe des Nordpols vor. Daß da Juden 1