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Der Jugendbund · 1930-11-01 · 11/12 (11.1930) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
16 (1930)
Issue
11/12 (11.1930)
Date
1930-11-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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iL \llon Bünden und Junggruppen dos LV. wird dring.....1 pfcbleo: v.iii jeder Art kostspieliger Veranstaltungen und Belsen, insbesondere aber von Vergnügungen, die dem Ernst der Stumle nicht angepaßt sind. Anstand zu nehmen, Wanderungen und Trctfahrtcn nur in die nähere Umgehung zu unternehmen, künstlerische Feiern zugunsten der sozialen Hilfe zu verunstalten, ■ler jüdischen Jugend die Hintergründe der heutigen Krise durch wirtschaftliche und politische Schulung aufzudecken mittels: a) Arbeitsgemeinschaften und Kursen, evtl. unter Leitung nichtjiidischer. geeigneter Referenten usw., ">,i Austausch von Zeitungen und politischen Zeitschriften innerhalb der Bezirksgruppen, <•) Schaffung einer politischen Zentrale Innerhalb der Leitung des LV., 5. auf ihre Mitglieder einzuwirken, daß sie an «lein antifaschistischen Abwehrkampf aktiv teilnehmen durch: a) ideelle (Referate usw.) und finanzielle Unterstützung derjenigen Parteien, die nach ihrer Stärke und bisherigen Praxis willens und in der Loge sind, mit Aussicht auf Erfolg die (refahr des Nationalsozialismus und Antisemitismus zu bekämpfen, b) durch Beitrag und aktive Mitarbeit in den eindeutig republikanischen Parteien und Weltorganisationen und in der aktiven Friedensbewegung, im Anschluß an die Tätigkeit des Kreises jungjüdischer Pazifisten. Begründung 1. 107 nationalsozialistische Abgeordnete im Reichstair, etwa 3(Mimm organisierte \Sl>APIer, die Berliner Un ruhen. 2. Die politische und wirtschaftspnlit ischc Inaktivität und Unkenntnis innerhalb der jüdischen Jagend Mitteldeutschlands. B e r t h o I d S i im o n s o Ii n, B ■rnburg. Arbeitslosigkeit und Krise Eine Vorschau auf den Führerkursus in Laiigenschwalbuch. Weihnachten 19>0 Unter allen großen praktischen Friedensaufgaben ist die Bewältigung der Arbeitslosigkeit die größte und dringlichste Aufgabe, eine Aufgabe für die Gesamtheit der im kapitalistischen Kulturkreis jetzt lebenden Menschen, ein" Aufgabe ior allem auch für die. junge. jetzt in die Praxis einrückende aeration. Denn Tür jeden einzelnen w-ird die Entfaltung ler Verkümmerung seine.- Könnens und Wollen-, -eines harakters und Wertes, sein So-Sein, ja selbst die Möglichkeit deii bloßen Da-Seins jetzt entscheidend bestimmt durch den l instand, ob.er Überhaupt eine — wenn auch noch so unliefriCdigende —> Erwerbsarboit finde und sie nicht wieder .••iliere. Und für die Gesamtheit, für unser Volk, für alle . ipitalistischen Völker — seien sie nun aus dem äußeren Krieg als Besiegte oder als Sieger entronnen — ist langdauernde und massenhafte Arbeitslosigkeit der eigentliche Innere Feind, ein gemeinsamer Feind, das nationalinternationale Uebel. neben dem modernen imperialistischen Krieg die gefährlichste Erscheinungsform einer kollektiven Krankheit, welche die Funda mente des Volkslebens gerstört, alle höhere Kultur gefälirdet, alles uns Wertvolle in Frage stellt, mit allgemeiner Barbarisierung, mit Bestiaii-ierung uns bedroht. Die Massenarbeitslosigkeit ist ein Krebs am Leibe des Volkes. Aber Aufgaben, welche wir nicht subjektiv aus unsercur- -j.ieltrieb und Kraftüberschwang heraus selbst uns stellen. indern welche objektiv, ohne unser Wünschen und Wullen. in der harten äußeren Wirklichkeit uns gestellt werden — rdq werden auch gelöst oder sie verschwinden, weil dieiehigen, die sie nicht lösen, ins Nichts verschwinden. Weilen Mut noch nicht verloren hat, soll mithelfen an der Lösung iicser Aufgabe, dieser Aufgabe für unsere Gegenwart, für unsere Generation. Aber diese Aufgabe ist schwierig, ud ihre praktische Lösung durch die entschlossene ruhige g.inisierto kollektive Tat verlangt auch entschlossenes i 'iliiges Denken, Vor-Denken — ein dem Tun vorausgehendes enken, ein Denken der Minderzahl derer, die denken können, ür die Mehrzahl derer, denen die Uebersicht und die Urteilskraft fehlt. Sie verlangt also auch neben dem guten Willen die theoretisch-kritische Besinnung durch logisch kühle und strenge Verarbeitung der genau konstatierten und klar geordneten Erfahrung; sie verlangt nicht nur gute Absicht, -tindcrn auch richtige Einsicht. Richtige Einsicht jedoch ist -• lade hier nicht leicht — nicht nur so nebenher und wie iip Spiel — zu gewinnen. Und sie ist doch so notwendig, i enn das dürfen wir nie vergessen: jede große gesellschnft- \ eränderung und Reform, jede Veränderung der Wirklikeit hin zu etwas mehr Menschlichkeit, Vernunft und Miehkcit. verlangt nicht nur Leidenschaft und sittliche >6rung, ein warmes Herz, sondern auch Verstand. Wissen, eilsfühigkeit, einen kühlen Kopf. Niemand von uns ahei weiß, wie lange wir noch den kühlen Kopf benalten könne», wie' viel Zeit uns noch bleibt zu ruhig-nüchterner Ueberlegung. Denn wenn einmal statt der Schaufensterscheiben die Maschinengewehre lind Handgranaten krachen, dann wird — wohl für Jeden — die kühle Besinnung etwas schwierig. Aber jetzt haben wir noch Zeit zum Nachdenken — eine vielleicht knapp bemessene Schonzeit. Diese wollen wir nutzen. Darum soll in diesem Kurs die Arbeitslosigkeit mit ihren Folgen — und was ihre Bekämpfung iui Maßnahmen fordert — besprochen werden. Aber man kann die Arbeitslosigkeit niemals verstehen, wenn man sie isoliert — nur für sich — betrachtet. End mau kann sie nicht meistern, wenn man die Axt nicht au die Winzeln legt. Man muß auch die wirklichen Ursachen der Massenarbeitslosigkeit kennen — sonst verschiebt selbst guter und tatkräftig eingreifender Wille bloß die Arbeitslosigkeit von diesem auf jenen Menschen, von diesem auf jenen Beruf, von diesem Ort,an einen anderen, oder er vergrößert sie gaT im Bemühen, sie. zu verkleinern. Wir müssen also auch einiges von dein, was Ii i n t c r der Massenarbeitslosigkeit steckt, wir müssen einiges von den Struktur- und Knnjuiikturveränderungeii der Wirtschaft wissen und das Charakteristische der spätkapitalistischen Epoche, unsere Gegenwart, gegenüber der mit dem ersten Weltkrieg in die Vergangenheit versunkenen liochkapitalistischen Epoche erörtern. Denn alle diese Probleme stehen in unlösbar engem Kausal- und Fuuktionalziisaiiiinenhang: und der so objektiv gegebene Prohlemkreis ist darum sehr groß, kompliziert und schwierig. Er kann in drei kurzen Tagen auch bei allem Fleiß niemals erschöpfend behandelt werden. Die Hinlenkung der Aufmerksamkeit auf die allerwichtigsten Tatsachen und offenen Fragen und die kritisch.• Prüfling jener Meinungen und Vorschläge, weh he am stärksten jetzt »las Tun beeinflussen, muß uns genügen. Mehr als eine grobe Orientierung und mehr als eine starke Anregung zu eigenem Nachdenken und Weiterl ersehen kann hier* nicht geboten werden. Wir müssen—bescheiden -ein. wir müssen auf eine Fülle gerade der Interessantesten Krört«> rungen verzichten: wir wollen uns aus Gröb-te halten. Aber wir wollen es uns dabei doch nicht leicht machen. _ Dieser Kursus bietet keinerlei Unterhaltung, auch keine geistreiche Unterhaltung. I>ic Teilnahme verlangt vielmehr von jedem schwere anstrengende Arbeit und auch Selbstdisziplin insofern, als leeres Geschwätz und langes Reden zu vermeiden, alles möglichst kurz. klar, einfach, nüchtern — und immer im Zusammenhang mit dem jeweiligen Gegenstand der betreffenden Sitzung — .zu sagen ist. Die einzelne Sitzung dauert LH bis 2'j Stunden, und ist prinzipiell immer erfüllt durch Zusammenarbeit, durch wirkliche Co-Operationen in dem Sinne, daß alles, was jeder aus seiner eigenen Alltagserfahrung heraus und durch eigenes Nach- "~ 13

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