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Der Jugendbund · 1930-11-01 · 11/12 (11.1930) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
16 (1930)
Issue
11/12 (11.1930)
Date
1930-11-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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Essen sind ebenfalls die Vorbereitungen zum Bau eino Jugendheimes in Angriff genommen worden. — Mit einem hervorragenden Programm wartet der Jüdische JugendvereiH Düsseldorf auf, welcher in einem Monat 17 (!) Abende ver- ■•m.-taltet. Es sei noch eine sehr interessante Neueinrichtung des Jugendvereins Hannover zu erwähnen, welcher verglicht, die Siteren Mitglieder und früheren Freunde de- Verein* zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenzufassen. — Zu. Schluß möchten wir auf den Verein Wanna' Eickel hi;> weisen, welcher einen Vortrag von Herrn Pfarrer Dr. Li Hans Hartmann Uber ethisch-religiösen Sozialismus \v anstaltete. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn andere Verei: diesen Beispiel folgen und in einen regen Konnex mit ander nichtjiidischen Jugendverbanden eintreten würden. C. F Allweltlicher Kongreß für das arbeitende Palästina Aueinem Bericht nn-cre- Verbandsfreund.-s Mehler ( Berlin ) über den All weit liehen Kongreß für das arbeitende Palästina entnehmen wir die folgenden Ausführungen: Sonntag vormittag sprach als erster nach der Eröffnung Ernst Toller. Kr Sprach davon, daß das Notwendigste eine möglichst gute und tri -dln-he Einigung mit den Arabern sei. Er selbst wünsche den Zusammenschluß dei arabischen und jüdischen Arbeiter Paliistinas. Eine große Gefahr für die joden wäre, daß sie eingekeilt seien zwischen den Interessen deimperialistischen England und dem erwachenden Nationalbewußtsein der Araber. Er warnte vor allem auch vor einem nationalistischen Judentum im Lande. Auf sMner Reise habe er am Ii in Palästina nationalistische Pfadfinder getroffen, die sieh von den jungen Nationalisten Europain nichts unterschieden hatten. ..Ea-i lii-mie ist keine innernationale Angelegenheit, ein«" Welle lies Faschismus gebt durch die ganze Welt, und davor muß mau -ich hüten." Man müsse in d.'n arbeitenden Arabern unsere Brüder -eben und mit ihnen gemeinsam in der Histadruth eine Einheitsfront bilden. Dann folgte ein sachliches, klares Referat Arthur Ruppins über die soziale Struktur des jüdischen Volkes: Er führte folgendes au-: Bei der Zerstörung des I .indes 'im Todo-- i.ihr de- Augu-tugab es zirka l'; Millionen .luden, sie waren . in Zwölftel der 1! -voikerung des römischen Reiches. Im Mittelalter sinkt die jüdische Bevölkerung durch Verfolgungen. Wanderungen, schlechte hygienische Einrichtungen. Im l& Jahrhundert nehmen die .Inden wieder an Zahl zu. er-t jetzt ist die Sterblichkeit größer als der GebtirtcnüberschuS. Das triff hauptsächlich für Westeuropa zu. Jetzt sind in Osteuropa zirka lö Millionen Juden, die inen bedeutenden Anteil an der jüdischen Kultur haben, di sie (lurt noch vielfach eigen - Sprache, "eigene Trailition und eigene Tracht haben. Auch haben sie dort eigene Berufe, wie Schankwirt, Kleinhändler, Trödler usw. In Frankreich beginnt ilie Assimilation am frühesten, schon vor der Gleiehberechtigungserklärung Mirabeaus im November 17'M. Im 10. Jahrhundert tritt eine -t rrke hovölkerung--tatistlsehe Wandlung -in. das Leben in den Städten i-t jetzt gesunder und hygienischer, so daß die Sterblichkeitsziffer sinkt, während «Ii'- <'>ehurteriziffer bleibt. Innerhalb von 1:10 Jahren verzehnfachen sich die Juden, wahrend die übrige Bevölk< rung sich nur ">- bis timal vermehrt. Seit 1870 aber beginndie Zahl wieder zu. sinken, in Westeuropa zuerst, im Osten 30 bis -Ii» Jahre später. Amerika, das um 1800 nur wenig. Juden hatte, beherbergt jetzt VA Millionen. Die wirtschaftliche Lage der Juden ist besonders in Osteuropa sehr DDgttu stig. in Polen sind 35 Prozent ohne feste Beschäftigung. Ii Rußland sind viele Juden, die aus Handel und Handwerk vertrieben sind, ohne Stellung. Auf dem Lande sind hier ungefähr T.">OfKi Juden beschäftigt. Im ganzen arbeiten überhaupt nur V; Million in der Landwirtschaft, davon ent fällt der größte Teil auf Palästina. Die schwierige Lage in Rußland und Polen ist ein großes Problem, da heute die Auswandorungsinöglichkeiten sehr gering sind. Die Kinder Bind in Rußland und Polen jetzt vielfach ihres Wirtschaft liehen Fortkommens Kragen in nichtjüdischen Schulen. Der religiöse Zusammenhang ist überall ein viel geringerer geworden, im Westen etwas früher, im Osten etwas später. In Amerika ist jetzt wieder starkes Streben nach jüdischem Wissen, trotzdem wächst Vt Million der Kimler ohne jede Kenntnis jüdischer Tradition auf. Die Mischehen, in denen nur 10 Prozent der Kinder jüdisch erzogen werden, nehmen inner mehr zu. Juden gehen so verloren naeh dem Gesetz der: Entropie in der Physik: Kräfte, die verschwinden, gehen in anderen auf und kennen nicht mehr herausgeholt werden. Darum ist. zur Erhaltung der ethnischen Einheit der Juden Palästina unbedingt notwendig. Palästina soll das geistige Zentrum sein, aber nicht so, wie es bei Achad Haam oft falsch verstanden wurde, daß einige überragende geistige Institutionen dort geschaffen werden, sondern «laß dort eine Kulturgemeinschaft entsteht, von der neue Impulse ausgehen Weil Palästina ein unentwickeltes Land ist. so braucht beim Aufbau keiner verdrängt zu werden, sondern der Fellache wird lernen, aus dem Roden mehr herauszuwirtschaften. Wir gehen in ein kulturell unentwickeltos Land, dessen Wirt- -chaft wir mit eigener Arbeit aufbauen wollen. Wir glauben daß wir aufbauen können, ohne zerstören zu müssen, und in Palästina herrscht stärker als überall das Gefühl, das neue Sociale Formen notwendig sind. Dieses Referat war neben den sehr warmen Begrüßungsreden der Belgier Camljle |luy«mau« und Louis Pievard da* Eindrucksvollste des Sonntags Antrag1 an die Erfurter Delegiertentagung1 Wir bringen im folgenden einen Antrag, welcher von der Erfurter Delegiertentagung des Mitteldeutschen Landesverbandes angenommen Wurde und sieb in denselben Gedankengangen bewegt wie der von Jack Raphael bei der Nordwestdeutschen Tagung vorgebrachte und der Form halber Isiebe Vorhand-horicht) nicht angenommene Antrag. Anlrag vom 2«.. Oktober 10*• Bünde und Jtinggruppen Oeffentlichkeit der Vor- I'ie Erfurter DeU-giertentagung wolle beschließen: [; Es wird allen Mitgliedern der iijiscres LV. zur Pflicht gemacht: 1. Sich jn ihrem Auftreten iu der antwortung der jüdischen Gesamtheit gegenüber bewußt zu sein und größter Zurückhaltung, wo erforderlich, zu befleißigen. _'. Soweit sie zu den wenigen Glücklichen gehören, an denen die Not der Zeit vorübergegangen ist, nicht nur 12 jeden Luxus zu vermeiden, sondern zur Stärkung der sozialen Xothilfe des Verbandes in verschärftem Maße (Sei es durch freiwillige Spenden, sei :s durch Zuschläge zum Beitrag) allmonatlich beizutragen. Soweit -ie selbst ein Einkommen von mehr als 3000 Mark jährlich haben, einen beträchtlichen, aber sozial gestaffelten Teil des I ch Schusses zugunsten jüdischer Arbeitsloser. Verarmter, notleidender Künstier und Studierender zur Verfügung zu sielten (mittels der dafür vorgesehenen Organisationen). Im Sinne dieser Forderungen, die augenblicklichen Notlage, sondern Ethik hervorgehen, auf ihre Eltern zuwirken. nicht nur aus der au« der jüdischen und Bekannten ein- Die Notlage weiter Jugendlichen, erfordert Bessergestellten. Itcgriindiing. Kreise, namentlich vieler jüdischer Opfersinn und Zurückhaltung der*

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