Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 11/12 (11.1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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I gerade viele ältere Freunde, die für die sonstige aktive il innerhalb unseres Verbandes selten zu haben waren, sofort als erste für diese schwere und nicht immer ibare Arbeit gemeldet haben. vielen' Gemeinden haben unsere Helfer die Kragen rollt, die uns Herzenssache sind. Viele Gemeindei haben in den Feiertagsnummern Aufrufe unserer iiide gebracht, manche Rabbiner haben die Feicrtags- -funde' dazu benutzt, von der Kan/el die jüdischen Arbeit? her an ihre Pflicht zu mahnen. Iii Hannover. Dresden, Leipzig, Plauen. Halle und iclen anderen Orten sind unsere Freunde an jeden jiidin Arbeitgeber herangetreten und haben örtliche Veriitlungsstellen errichtet, unseren Helfern werden für ihre ..ffentlichungen die Gemeindezeitungen bereitwilligst ii Verfügung gestellt. Aus den Mitteln unserer Kopfsteuer wurde, soweit dies möglich war in besonderen Fällen, viel Elend gemildert und manchem, der verzweifeln wollte, der Glaube an die Menschen zurückgegeben. Besonders erfreulich fand ich Spenden von Verbandsfreunden, die nicht durch uns. trotz unserer Bemühungen, sondern anderweitig nach langer Arbeitslosigkeit Stellungen bekamen, und von ihren ersten Gehältern Spenden als Zeichen der Gemeinschaft abführten. Auch den Vereinen, die freiwillig, ohne aufgefordert zu werden, ihren Obulus zur Linderung der Not gaben. wA -adiireinäfie Verwendung der Beträge der verdiente Dank. Helft mir die Not unter unseren Verbandsfreunden zu lindern! Waldemar Strauß. Friedensarbeit Politische Rundschau. \n allen Ecken und Enden unseres Kontinents flackern I-. di-tisrlie Tendenzen auf, die in einem wesentlichen Teil ihrer Auswirkungen das politische Denkjn der jungen Generation zu beeindrucken versuchen. Es .Ist daher nicht ver- « nndcrlich. daß die entschieden freiheitlich und fortschrittlich gerichteten Kreise im Enger der Jugend mit aller Klarheit —■ und heute muß ein Ja ein Ja und ein Nein ein N.?in «ein! — in die Oeffentlichkeit treten. Eine Fülle von Manifesten und Kiklärungen, Formulierungen von großer Prägnanz, rufen Mir Abkehr von der „(iesinnung" einer Einstellung, die als Karikatur irgendwelcher sozialistischer Gedankengang.- zu r grauenhaften Verwirrung politischer Gefühle geführt Zur rechten Zeit eben kommt das vom „Joint Peaoe ■ inncil" (Wien. Döblergasse 2"20) verantwortlich gezeichnete Manifest gegen die Wehrpflicht und die militärische Ausbildung der Jugend". Dieses Dokument trägt die Unterschrift .niilinfter Friedenskämpfer. Zu erwähnen sind u. a.: Valentin Rulgakoff (Rußland). Se. Eminenz der Rischof von Birming- :im. Dr. Albert Einstein. Berlin, Selma Lngcrlöf. Romain Kolland, Stefan Zweig, Thomas Mann, Professor Quidde. . 1 Wells, l'pton Sinclair. Im Anschluß daran veröffentiiht ein deutsches Komitee eine Erklärung, die darauf Unit, daß trotz der Abschaffung der Wehrpflicht in Deutsehnid ..unter bewußtem Verschweigen der modernen Entwickln;.' der Kriegswissenschaft- und -technik die Wiedereinfüh- 'lm; eines Wehrpflichtsystems. sei es auch in der Gestalt Miliz oder nur Arbeitsdienst jähr propagiert" wird, itschland — so schließt diese Erklärung — wird nie und nimmer mit den Mitteln der Gewalt die ihm gebührende Stellung wieder erlangen können, nie und nimmer ist mit , len Mitteln des Krieges der Friede zu sichern. Deutschland ikenne vielmehr, daß. wenn es den Frieden will, es nur eines irhereiten darf: den Frieden!" L'nterzeichnct haben unter lir vielen andern: Julius Bab. Alfred Doeblin, Nikolaus n. l.ion Feuchtwanirer. Vitus Heller. Professor Dr. Franz K"!lcr. Alfred Kerr. Professor Martin Rade. Wilhelm Sollinn, Arnold Zweig, Paul Oestreich. Käthe Kollwitz usw. na Reihe von Friedensgruppen stellt sich ebenfalls hinter Erklärung, so z. B. Bund religiöser Sozialisten, Kreis ingjndischer Pazifisten. Friedensbund deutscher Katholiken. ■ itholische Weltjugendliga. Vereinigung der Freunde von ligion und Völkerfrieden. Deutsche Liga für -Menschen- •chte. Friedensgesellschaft. Christlich-Soziale Reichspartei, nternationale Frauenliga. Die sozialistische Arbeiterjugend erläßt einen Aufruf -'■■ii den Faschismus, dessen deutsche Spielart identisch liidenfeindac lmft übelster Sorte ist. Außerdem bringt die -presse ein Manifest der Gruppe revolutionärer Pazin 'Kurt Miller), das auf die drohenden außenpolitischen ■Mcklungen hinweist. Warnung vor dieser Situation, die 1 den Jahren 1913/14 gleicht, zumindest ähnelt. Auf daß 1 ind überrascht werden möge ... Zu derselben Zeit K" it ein Ruf von jenseits des Rheins: die französischen Inteilektuellen wenden sich an das geistige Deutschland, „Wir erleben Massendemonstrationen, und Kriegsparaden", aber nun wartet man auf die eindringlichen Mahnungen derer, die im Reiche der Literatur und des Geistes etwas zu sagen haben. Thomas Mann hat diesen Ruf angenommen und erwidert. Die Internationale der Geistesarbeiter sollte von der Solidarität der internationalen Industrie- und Einanzmagnaten lernen! Was die Wirtschaft schon längst erkannt und durchgeführt hat. nämlich die Bindungen der Internationale, — das sollte endlich auch die Intellektuellen zu einer Gemeinschaft der Kultur treiben. So muß es natürlich einigermaßen auffallen, daß der Innenminister Dr. Wirth einem beabsichtigten Rundfunkirespräch zwischen Pater Strathmann. dem bekannten Führer des Friedensbundes deutscher Katholiken, und Dr. Kurt Miller über das Thema „Können Kriege verhindert werden?" die Zustimmung versagt hat. Diese Haltung, die man als eine Art Rücksichtnahme auf die nationalsozialistischen Strömungen deutet, wurde in einer Protestkundgebung im Berliner Stadthaus scharf zurückgewiesen. Das Zwiegespräch, das etwa eine Stunde dauerte, wurde dann im Rahmen dieser Versammlung von den beiden Rednern auf hochinteressante Weise durchgeführt. Beide Friedenskämpfer kamen zu einer ' Bejahung der Frage. Zuletzt wurde in einer Resolution verlangt, daß das Zwiegespräch alsbald im Rundfunk stattfinden möge. Die Liga für Menschenrechte veröffentlicht ihr Winterproernmm. das in seiner Vielgestaltigkeit und in der Auswahl der Referenten an der Spitze derartiger Veranstaltungen marschieren dürfte. Zur Behandlung stehen die Themen: Strafrecht und Sexualität, Meineidseuche, politische Justiz. Giftcaskrieg der Zukunft, Vereinigte Staaten von Europa. Kirche und Kriesr. politische Imponderabilien usw. Unseren Freunden seien diese Veranstaltungen dringend empfohlen. Der Vorsitzende des Frankfurter Frie<lensvereins, Rektor Walter Huoskem fordert mit Unterstützung namhafter Persönlichkeiten zur Schaffung eines Internationalen Pazifistischen Zentralinstituts in Frankfurt auf. Diese Stelle soll, nach den bis jetzt darüber bekannt gewordenen Be- —■ richten, der geistigen Vertiefung in der Arbeit um das Problem des Völkerrechts unil des Friedens dienen. Von hier aus soll der Kampf gegen die Vergiftung der öffentlichen Meinung, vor allem der Presse, mit wirksamen Mitteln aufgenommen werden. Zu den zahlreichen Aufgaben des Instituts gehört auch die Veranstaltung von Antikriegsi Ausstellungen in allen Teilen und Gemeinschaften des Landes. Da der Kelloggpakt in den meisten Staaten Bestandteil der Gesetze geworden ist, dürfte die Gelegenheit, ein derartiges Institut zum offiziellen Erziebungslnstrument zu machen, auch von den Regierungen mit einem gewissen Interesse verknüpft sein. Die große westdeutsche Tageszeitung „Dortmunder General-Anzc'iger" bringt drei große Abhandlungen über 9