Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 11/12 (11.1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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her Preußische Landesverband muß nun die Erwartung, die die deutschen Joden bei seiner Gründling auf ihn gesetzt haben, endlieh erfüllen. IX" Reichs verband muß den Preußischen Landesverband ablösen. Die Grunde, die dem Reichsverband hinderlieb waren, bestehen wahrscheinlich heute noch. Mich intern—irren, meinem Standpunkt entsprechend, d i e Gründe, die bis .heute die religiösen Verbände, wie Halborstädtor- Hessischer Verband bestärkten, eine semeinsame G r \\ n - dun? abzulehnen, am meisten. Ihre objektiven Gründe sind berechtigt. Heute, in der'Zeit des Ausgleichs, wo der Völkerbund Gesetze für die Minderheiten schafft, darf auch ein .Reichsverband der jüdischen Kulturgemeinden keine Vertretung repräsentieren, die -ich zahlenmäßiges Recht über die religiöse Minderheit durch Delegierte sichern würde. Das Roliginnsgosotz i-t Gewissenssache, und kein Ding, über das map einfach abstim'mrn kann. Die Vertretung der'deutschen Juden muß entweder wie unser Verband (i 2) das (Jeligionsgcsetz als oberstes Gesetz anerkennen oder darf nur als Repräsentanz, nicht aber als gesetzgeberische Körperschaft >i|. r Macht existieren. Unter dieser Voraussetzung wird ein Reiehsverband aller Juden in Deutschland, der endlich im Namen aller Juden sprechen darf, Tatsache w. „ Sollten aber trotzdem auch dann noch bei den religiösen Y, r bänden Abneigungen bestehen, so rufe ich ihnen die \V t unseres großen Lehrers Raschi S. A. in Erinnerung, der : -r bei dem ersten Wochenabschnitt die Frage auf wirft, warmr wurde das Geschlecht der Sintflut, obwohl es sich nur Menschen Verginc. härter bestraft, als das Goschlei hl Turmbaus, das sieh doch offen gegen G'tt empörte:1. -• antwortet: Bei den Menschen des Turmhaus, heißt es: hatten nur eine Sprache und einerlei Worte, d. h. sie « unter -ich sehr einig. Hieraus sieht man, daß bei G'tt di Einigkeit bei den Menschen sehr hoch geachtet ist. die I". einigkeit dagegen verhaßt. Wenn auch das Beispiel etsehr weit zurückliegt. =n ist es immer noch zeitgemäß. 1-. Stärkeren gebührt immer der Vortritt, in diesem Falle i-: der Preußische Landesverband. Er muß die Initiative greifen. Es ist keine leichte Aufgabe, aber deshalb um - verlockender und der Mühe unserer Edlen wert. : Das; des Reichsverbandes der deutschen Juden steht in groifb Nähe. Adolf Stern, fiolsonkirchoi Politische Arbeit Referat, sehalten auf der Tagung de- Nordwestileutschen Landesverbandes in Bremen tj Man kann keinen zur Liebe zwingen. Man kann aueli keinen zum Politisieren oder gar zur Politik zwingen. Wehn das — gerade innerhalb unserer Verband-vereine melir als nötig zitierte — Wort wahr sein sollte: Politik verdirbt den Charakter, — — dann müßten unsere Yorbandsfreundo beinahe ohne Ausnahme recht einwandfreie, vorbildliche ■ Charaktere sein. Wie gesagt: Politik i=t nicht so ohne weiteres jedermanns Sache. Obwohl man eigentlich durch die Kraßheit der Gegenwart geradezu gezwungen wird. Politik zu treiben, politisch zu arbeiten. Lebertrieben wäre es. gleich von vornherein in unseren Kreisen eine Schar von Politikern oder solchen, die es gern sein möchten, heranzuzüchten. Schändlich wird die Sache erst, wenn gerade jetzt, wo Oer Schrei nach der Schaffung eines politischen Sinne- oder einer Art politischer Gesinnung, oder meinetwegen eines politi-chen Instinkts, eine Sorte, die scheinbar auch im Anblick von 107 nationalsozialistischen Reiehsta'gsabgeordrieten nicht alle wird, sich an die Oberfläche dos Verbandes drangt und aus 'ihrer reichlich bejammernswerten X6I eine Tugend machen möchte: Hört. Ihr Herren: Neutralität!! Diese Angst vor der inneren Entscheidung, diese Nachfahren von Krapülin-ki und Waschlapski kokettieren mit dem Begriff Neutralität, um den Schrecken vor der eigenen I'nzuhinglichkeit weiter zu verborgen. Pas sind dieselben Ritter, der mit ihren neutralen Entschließungen hinter allen Problemen und Zeitfragen herhinken. — sie witterten ja »neb -1 hon mehrmals den Zusammenbruch ihrer ..Neutralität", -ie wollten in unseren Reihen die Fragen um Palästina, um die sozialen und pazifistischen Auseinandersetzungen tol- -rhweigen. — es sind diejenigen, die-den Begriff der Neutralität zum Deckmantel eines recht behaglichen Indifferente um- Machen, und denen ich nur ein Wort unseres Yerbandsfreundes Ludwig Löwenstein entgegenhalten möchte: ..Sorgt ilafür. daß Neutralität nur Form bleibt, aber nie Inhalt wird!" - II. , Politische Arbeit als Notwendigkeit unserer Zeit zu schildern, heißt Eulen nach Athen tragen. Wem heute noch nicht die Augen aufgehen, dem ist nicht zu helfen, und der werfe sieh selbst möglichst bald zum alten Eise« oder der werde Mitglied der Deutschen Staatspartei, Mehr als einmal, monatelang vor dieser Wahl, and aufreizender, als es manchem NeutralitätswSchter gepaßt hat. labe ich zur politischen Aktivierung aufgefordert. Lin öffentlicher Ruf im ..Israelitischen Eamilienblatt" mußte natürlich verpuffen, denn es war Sommer. Ferienzeit, und es gibt noch Buh orte in DeutschlandT In derselben Zeit raste die politische Welle der Nazis in mehr als 40 000 Versammlung Pie jüdischen Propheten dieses Sommers lächelten ironi-- 1 Nu. wenn schon!! Wenn es soweit ist. wählen wir sozi demokratisch oder — um es mit der Kundschaft nicht verderben — staafsparteilich. und die Emanzipation i=t . rettet. 1 Außerdem gibt es einen C. V. Soll sich der den Kni zerbrechen mit. den Nazis!! Wir zahlen doch Monatsheiträg ' Pie jüdi=chen Propheten, die jede politische Arbeit \ r abscheuen und sie anderen tiberlassen, sind heute wieder 1: Werke: Nu. wenn schon! Gut. 107 Nazis im Reichstag! W 1 können sie schon groß beschließen? Schächtverbot? Mi wird protestieren, aber in Bayern ist man doch auch v\ Tagesordnung übergegangen, und außerdem soll es ja au. vorkommen, daß das Schächt verbot in der Praxis bereit- < mehreren Juden sanktioniert wird, dadurch, daß man 1 mit nicht rituell geschlachtetem Fleisch vorlieb nimmt. AI-- das ist nicht tragisch! End andere Beschlüsse der Nazis? Vielleicht Numci 1 clausus und dergleichen? Kommt Zeit, kommt Rat. Wen alle neutralen Stricke reißen sollten, dann vertraut man: all die amerikanisch-jüdischen, Finanzmagnaten, daß sie o\ Herrn (loebbels die Kredite sperren würden, und dann wiif di-e Nazis schon wieder abebben . . . ('•ott erhalte unseren Leuten diese Behaglichkeit!! III. Tragisch ist es. daß wir überhaupt gezwungen sin., unsere ganze politische Arbeit als Abwehrarbeit gegen de Nationalsozialismus, oder besser gesagt: gegen den Ant' -emitismus (denn ohne die Judenfoindsehaft wären die Xäzl zweifellos der I'nterstützung weiter jüdischer Unternehmer kreise sicher! ) zu beginnen. Jawohl: zu beginnen' I in unseren \erhandsvcreinen ist jede politische Arbeit heut«, •mit geringen löblichen Ausnahmen ein Beginn! Pie Schreckhaften unter uns mögen sich beruhig 1 Politische Arbeit heißt nicht* Nun rin in die SPD., oder g ' in das Reichsbanner, oder gar auf die Barrikaden,Wenn Republik in Gefahr ist. Unsere politische Arbeit muß beim ABC einsetzen. ' da will ich, ohne Schönfärberei, aber auch — Sie gestäf; verehrte neutrale Zeitgenossen! — ohne Rücksicht auf evtl. Ruhebedürfnis nachfolgende Thesen und Rlchtlini n unterbreiten: L Wir gehen, ganz nach pädagogischer Grundregel, v. rf: Bekannten zum Unbekannten. Wir behandeln Ereignisse.....f Tagespolitik, meinetwegen, wenn das besonders ziehen sollte, antisemitische Vorkommnisse. Da aber die Welt und ü rc Zusammenhänge weiter als bis zum nächsten Gummiknüppel