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Der Jugendbund · 1930-11-01 · 11/12 (11.1930) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
16 (1930)
Issue
11/12 (11.1930)
Date
1930-11-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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(iemeindestube bringen müßten, Ist «lies: Jeder Jude. :- Mensch voll gewertet werden kann. i-t berechtigt ,,• ,| erpflichtet, in-der Gemeinde mitzuarbeiten, sei er der -ie oder der größte Steuerzahler, «ind an dem Ort seines \\ n-itzes schon Eltern oder Großeltern ansässig gewesen ili i gel er seit kurzem erst als Gcmcindcmiti:lied zugezogen, iHime er aus dem Osten oder aus deutschen Landen. Auch die Verteilung der Vnrstandsämter in der Gemeiode und die Zusammensetzung der Repräsentanz müßte idieser Einstellung heraus anders erfolgen, als es bisher Mich ist. Die Auswahl der Persönlichkeiten muß sich hier _',ieclitcrweise und nur allein nach den Mitgliedern der lemcinde richten, d. h. es muß, wenn ein erheblicher Prnzentin Handwerkern. Arbeitern und Angestellte!) vorbanden ist. zum Blindesten diesem Verhältnis entsprechend die Verlang dieser Aeinter erfolgen, ganz abgesehen davon, daß durch die soziale Arbeit in den Gemeinden nur vertieft widcn kann. Auch die Heranziehung der Gemeinde zur lulltussteiier müßte aus diesen Gesichtspunkten heraus be- -liiiimt verdien, z. B. kann, wie es auch nur selten anzutreffen :-t. de.r beireffende Prozentsatz Von der Einkommensteuer .'.drückt werden auf Kosten eines gleichzeitig außerdem zu! inlagenden Prozentsatzes aus der Vermögenssteuer. Es müßte in den Gemeinden von Jungen. Menschen dahin \trkt werden, wenn es auch äußerst selten zu einem •igeneii ^Jugendheim reicht, auf andere Weise, z. B. durch Mieten eines gemeinsamen Zimmers seitens der Gemeinde inil aller ihrer Vereine und Institutionen, eine Möglichkeit eil fortwährenden Zusammenkünften zu schaffen. Es gilt, »teil Konnex mit den jungen Menschen herzustellen, die nicht in der Gemeinde beheimatet, sondern als Angestellte in dtiui betreffenden Orte tätiu sind. Es kann auch in den mittleren und kleinen Gemeinden auf diesem Wege erreicht werden, daß alle Mitglieder der Gemeinde, unter welclier Flagge oder im Kähmen welcher Vereinigung, spielt hierbei kaum eine Rolle, öfter sich zusammenfinden, um die Fragen des Tages zu besprechen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Gewiß, man weiß, wie wenig Freizeit der Kampf um die Existenz heute dem einzelnen läßt, aber gerade bei uns Juden muß diese Zeit aufgebracht werden im Hinblick auf den Antisemitismus, der uns umgibt, vor allem aber, um uns gegenseitig durch die Fortbihlung_ und Erhaltung, soi es auch unserer kleinsten Gemeinschaft, zu stützen. Man müßte auch versuchen, um jeden Preis Anschluß an solche Orte der näheren Umgegend zu gewinnen, von denen man weiß, daß nur noch ganz vereinzelte Glaubensgenossen dort wohnen. Ks darf das natürlich gerade hier nicht in einer irgendwie nach reberheblichkeit aussehenden Form geschehen; es müssen und werden sich in jeder Gemeinde Menschen finden, die den richtigen Ton für diese so ungeheuer wichtige Kleinarbeit finden. Es mag aussehen, als otTdiese Dinge keine neuen seien und das sind -io auch eigentlich nicht. Aher wenn tauge jüdische Menschen sehen, wie Jahr und Jahr Vergeht, ohne daß daran, einer selbstverständlichen Gerechtigkeit folgend, etwas geändert wird, so werden sie. wissen, wie ihr Aufgabenkreis beschaffen sein wird, wenn sie gestalti ml an dem Weg. den eine jüdische Gemeinde einsehlägt, mitarbeiten. '■' Dr. J. S p i e r . Höchst. Was erwarte ich von der Arbeit des Preuß. Landesverbandes? Als Ergebnis einer Rundfrage der Redaktion über das Thema „Was erwarte ich vom Preußischen Landesverband?" erhielten wir folgende Artikel. t Der Preußische Landesverband Jüdischer Gemeinden hat ine auf ein Land, auf einen Teil des Reichsgebieteberankte Organisation, zwei Aufgaben: 1 Bearbeitung und konzentrische Erfassung der cinlen regionalen Gemeindeverbände und örtlichen Gemeinden, cliederung der aus religiösen oder weltanschaulichen ildeu abseits stehenden Verbände. 2, II i n arbeitung zum Zusammenschluß mit den (Übrigen •h'sverbänden zum deutschen, ju: eventuell zum groß- 1 sehen .Reichsverbande (unter Hinzuziehung der deutseh rrciebtschen Gemeinden). Doch nicht allein auf organisatorische Dinge darf sich \rbeit des Landesverbandes beschränken. Sie muß bis ■l iefe zur Belebung des religiösen Lebens, zur Erweite r und Verbesserung der sozialen Institutionen, zur VereitllchUng der jüdischen Parteiungen beitragen. Hierbei ist besondere Aufmerksamkeit der Situation in Ii-eben Kleingemeinden zu widmen. Es soll nicht ver- ' werden, daß wertvolle Verdienste auf dem Wege über 'rovinzialausschüsse erworben worden sind. Aber eine ■ nie Hemmung für diese Arbeit bedeutet die schwierige '•haftslagc und der damit zusammenhängende Fortfall bisher ehrenamtlich tätigen Menschen, die jetzt weit iis früher Arbeitszeit und Kraft den beruflichen Err'ii-sen widmen mirssen! Daher muß vom Landes« laude und seinen bisherigen Führern erwartet werden. - ■• alles daran setzen, um jüngere Kräfte zur Mitarbeit ■Wimen, die mit der Schaffensfreudigkeit des jungen n und erfüllt von den Idealen der Jugend sich den n des 1 andesverbnndes zu unterziehen bereit sind. ■ ii guten Rückhalt für die Erfassung solcher Menschen r Laudesverband dort haben, wo er sich mit den [eilten und örtlichen Kreisen unseres überparteilichen rbandes zu gemeinsamem Handeln verbindet. — ^< haffung von Bezirksrabbinaten und Bezirkslehrer- 'ii den ländlichen Gebieten gehört ebenso zu den notwendigsten Aufgaben. Es wachsen in mancher Kleingemeinde jüdische Kinder auf. die weder Religionsunterricht, noch sonstwie Möglichkeiten zur Erlernung und Erfahrung jüdischer Werte haben, die weder einen Jüdischen Gott.-- dienst noch andere Einrichtungen kennen lernen, audenen Sie Zusammenhang zu jüdischer Tradition und jüdischer Zukunft ersehen. — All das ist den Menschen, die den Landesverband tragen, nicht neu. Ks muß aber immer eindringlicher der Oefl'entliclrkeit. besonders den Menschen in den Großgeineindeii. vor Augen geführt werden, wie wichtig und wie schwierig dies Dinge sind. Denn gerade die Mensehen der G rnßgeineindei.. dif den Landgemeinden mancherlei Gutes bringen könnten, sie schaden, indem sie immer erneuten Mdnungskampf in di jüdische Oeffentlichkeit tragen und dadurch eine ruhige und sachliche Weiterarbeit erheblich hindern! Wir jungen Mensehen halten schon oft genug auf 4io erforderliehe Einheitsfront hingewiesen! Schafft sie endlich! Möge der Landesverband Mittelpunkt dieser Einheitsbewegung in der jüdischen Oeffentlichkeit werden! — E r w i n S e e g a 1 I. II. . Die Anfrage unserer Verbandsleitung kommt mir zwar etwas unerwartet, aber, nicht ungelegen. Sicherlich hat mehr als eine Form vorgelegen, um gerade unseren Verband zu einet solchen Frage zu veranlassen. Wie nämlich der V. .1. J. D. bei seiner Gründung eine Basis schaffen wollte, auf der sich die gesamte jüdische Jugend zusammenschließen kann, so hat er — vielmehr die In ihm zusammengeschlossenen Richtungen — sogar die Pflicht, aus der Praxis für die Praxis zu sprechen. Was ich von dem Preußischen Landesverband erwarte ist leider nicht das. was ich von ihm verlange. Mit dieser Feststellung will ich jedoch die bis jetzt geleistete Arbeit nicht verkennen, sondern ich habe im Gegenteil die Segensreiche Hilfe. Unterstützung" leistungsschwacher Gemeinden. Anstellung von Lehrern und Rabbinern usw. stets bewundernd anerkannt. »Es steht fest, daß auch <liose Arbeit von zentraler Seite ausgeführt werden muß. aber diese Unterstützung darf das Endziel und der Endzweck des Preußischen Landesverbandes nicht sein.

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