Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 11/12 (11.1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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iii. Iii Dagewesenen hat: aber jede Zeit und alles Geschehen haben Vorläufer aus den Heilten des ■ vorherigen Stadianis herausgestellt.;iitf daß sie für Bedürfnisse und 'Sitte von (jiHttc und morgen Balm brechen. Die Berul'-uin-c hichiung und ferproletärisierung* ist viel zu ofj hesproeben, am hier noch Neue? darüber zn sagen, obwohl die Auswirkung bei jedem einzelneu anders ist und gelbst eiue Duplizität von Erleben kaum dazu beitragen kÖmte, Uber Mißstände und seelische Not hinwegzuhelfen. Aber eben diese Berufsumsebicbtung und Verschiebung materieller \'erbältnfese haben Situationen geboren, die vor /.wanzig Jahren nur Sudermanns Pessimismus hätten zugeschrieben werden,können. l'nsere Arbeitslosigkeit, unsere »Sorge um unsere Kxistenz, die am Baumwollraden der W irt- «ebaft bangt, dies und noch vieles andere erfüllt uns mit einem Pessimismus fnr den Viele der Generation vor uns noeh beute kein Verständnis haben, weil sie Unnötige Drapierung unseres 1« Iis darin sehen, was aus Angst 4ni'l Sorge ums morgen in unserer Seele wühlt. Wenn wir di" Mehrzahl unserer glanbeBSgenössischcir Cbers betrachten, so haben sie nach der Schulzeit irgendein kaufmännische Lehre genossen, und dann, länger oder kürzer, je wie es iler väterliche (teldbentel und das Hauptbuch erlaubten, sieh in der sclu>u< u Weit umgt'Sencn, um dann als Sohn oder Erbe das säti'ilieh''- (m:.-ih.it'i zu übernehmen, auszubauen und durch Möglichst gunstige Heirat zu finanzieren oder zu sanieren: alles drei Begriffe, die von Erziehung, moralischem Empfinden und persönlichem Ehrgeizohne weitere diktiert waren. I nd über die Situation von heute brauche ich hier nichts zu erzählen, wir wissen alle viel zu viel und viel zu -.-itr darum, der mehr und mehr dem Untergang zustrebende Mittelstand hat uns Gruml und Boden von Existenz und Zukunft genommen. Es mühte nun ein neutrales Niveau geschaffen werden, auf welchem sich die zwei Generationen in-!I'en. aussprechen unil nach Möglichkeit helfen sollten. Die Gemeinde in ihrer gefestigten Struktur i-t Nährboden und Hort jüdischen Lebens und warum sollte sie nicht ll.iiciu des Neuen sein? Zuerst versuchsweisip, dann u ii Absicht, doch immer mit Erfolg, Imbun nun verschiedene Gemeinden Jugendliche, meist Vorstände von Jugendvoreinen, Tiihrcr von Jugendlichen in ihre Gemeindevertretungen berufen, um die Möglichkeiten gegebener Situationen zu erschöpfen. Die Ehrfurcht und daobligatorische, unbedingte Antoritätsgefühl vor den Mitgliedern der Gemeindevertretung wich jenem gesunden AchtungsgeffibL das ans Diskussionen Gespräche und aus imaginären Halbgöttern Menschen werden läßt. Es ist die Möglichkeit gege.ben. für alle Interessen von uns Jungen einzutreten; die Aelteren werden gezwungen, sich mit unseren Problemen zu beschäftigen, wenn -ie eaupersönlicher Initiativesiebt tun wurden. l>i>' in letzter Zeit steigende Zahl von Jugendheimen ist nicht zuletzt auf die jugendlichen Mitglieder der Gemeindevertretung zuriiekzuttihreli. desgleichen die Zuschüsse, Welche Verbände und Kreise zu genießen haben. Ein unwillkürlich hervorgerufener Konnex führt eben, diesen Organisationen auch viel moralische Stütze und Hilfe zu: einmal ilarauf intensiv aufmerksam gemacht, erklären -i:-L Aeltere ohne weiteres dazu bereit. Heimabende, Vorträge usw zu leiten und ungewollt, ilper unbedingt, kommen sie Wünschen und Forderungen konkreterer Art auch offener entgegen. Es i-t einzig und allein .-.telie der Persönlichkeit, gesunde und berechtigte Forderungen der Gemeinschaft, im hier behandelten Ausschnitt der Gemeinde gegenüber vorzutragen und aus Beispielen. Hefte -ich der Vorteil leicht rekonstruh ren. Selbst wenn früher jugendliche Ideen ujid Wünsche von Gemeindemit^lieilern in den Heprä-aitanteasitzungeii vorgetragen wurden, so waren die Vortragend) n doch nicht immer die richtigen Mittler, weil sie trotzdem von fremden und nicht .oh eigenen Dingen"sprachen. All uns>reu Bitten und Forderungen stehen Gegenforderungen entgegen und der Instanzenweg war ein viel zu umständlicher, um zu Positivem zu führen. Wünsche, die sich int Laufe des Jahreherauskristallisieren, werden nunmehr in der Gcincindesitzung von * - dem Vertreter klar formuliert vorgetragen und wenn sie auch nicht alle Und restlieh erfüllt werden, so Iii< immer ein Weg finden, der Vernunft und Logik gangh j.t Meines Erschiene wäre es Ehrenpflicht jetler Gemeinde ine* Vertrel r der lugend an ihren Katstisch aufzunchmi ( J; -ie sich einerseits tätige Mitarbeiter und Nachwuchs „ r, und andererseits der Jugend ermöglicht, an Stell, ,on Vetternw irtschaft und persönlicher Eigenbrötelei Klarl.. im| Hecht zu setzen. Es kommt nicht allein auf die Ho: ,1,.,. Zuschüsse an. sondern mindestens ebensoviel auf das („ . lieh? Verhältnis von Gemeinde zur Jugend. Erna K up p e n he im II. Wenn wir den Einfluß erörtern, den junge jü-i ..;„. Menschen, zumal wenn -ie durch unseien Verband hin gegangen sind, an der Gestaltung jüdischer Gemeinde, aktivierend nehmen können, sofern sie dazu durch ein 'vint im Gemeindevorst and oder in der Gemeinderepräsentaii .m der Lage sind, -o kann es steh hier nicht darum hau In, alle die Hinge nochmals zu betrachten, die uns aus Au-: ihi innren. \ or allem aus dem Kreise unsere» Verbandes in leg letzten zwei Jahren bekanntgeworden 3ind. Ich inline da nt, daß Verband.-f roiinde. die in einem (lenicindegremium au: u Kurin der Gemeinde einwirken können, nicht so sehr Diage /nt Erörterung bringen sollten, die -ich z. B. um den Bot II des Jngindheimes oder, um es deutlicher zu sagen, um renl finanzielle Stützung der ortlichen Jugendvcreine dre n. Darum kann es .-ich nämlich in der augenblicklichen katastrophalen W irtschaftslage, wenigstens in den mittleren and kleinere n Gemeinden, katim mehr handeln. Um was es heut« geht, i-t meiner" Meinung nach folgendes: Kin Mensch, d t jung ist und si< h seine W'andelb uki ii jedem Ding und jedem Ereignis gegenüber erhalten hat. muß seilen, daß der Weg, den die meisten Gemeinden bezüglich ihrer inneren Gestaltung und ihrer äußeren Verwaltung heute noch geben, von den Zeiclun der Zeit fast unberührt geblieben sind. Wenn man sieht, wie oft mit rein techmn Dingen der Verwaltung viel Zeit dahingebracht wird, anstatt nic ht nur zu den brennendsten jüdischen Fragen des Tag« Stellung zu nehmen, sondern auch zum eigenen kleinen Teil von Gemeinde*wegen selbst zu versuchen, denselben gerecht zu werden, §o kann es nur von Nutzen für die Gemein Ie- 'stube von heute sein, wenn jüngerer Geist, der die Dinge Jej Tages wirklicher sieht und die Nöte der Zeit auch niei-t inmittelbarer fühlt, sich an ihrer. Arbeit beteiligen darf und soll. Ich meine — um eeinmal mit einem Schlagwort zu sagen — Kampf der sogenannteo autokratischen Pari — Psychologie, für uns Junge eine Sache von vorgestern. ir zu viele der heutigen Gemeinden leider noch eine Sache vaa heute. Gegen diese Grundhaltung, die nie in der Lage -t. geniüinschaftsfördernd und gcineinschaftsbihlcnd zu wirken, muß jeder junge.Mensch, der in Gemeinden mitarbeiten kann, "bei jfeder sich bietenden Gelegenheit Sturm laufen. Es handelt -ich da Dicht um die Erhaltung einer gerechtfertigten i.ud wertvollen Tradition der Gemeinde, sondern — mit aller Ebfr lichkeit muß es gesagt werden — um ein gewaltsames Fort führenwotlen der bürgerlichen Gesellschaft unseres jüdischen Mittel-tandcvon ehedem, der. abgesehen davon, daln durchweg stets mit-amt .-einen Kindern über seine Verhältnisse gelebt hat. heute nicht wahr haben will, daß er di'- ir ihn einzig mögliche Umstellung zum Tage vollziehen ntui. Ei-t an der Zeit, auf der ganzen Linie einer Wertacht uig geistiger und vor allem menschlicher Qualitäten zum Siege zu verhelfen, es müßte in den mittleren und kleineren taeinden insbesondere endlich die Reform der jüdi? . eta Gesellschaft von gestern durc hgeführt werden. Dazu künm-n natürlich die berufenen Führer der Gemeinden, ich meine'die Rabbiner und Lehrer, beispielhaft mithelfen, indem -ie manches Mal ihre Grundhaltung zu Besitz und Besitz' .: '1» insofern ihrer Gemeinde vorleben, als jedes Mitglied dieser ihrer Gemeinde ihnen gleich lieb und beachtenswert ist. Was in den Gemeinden meist rehlt und was junge Menschen, vor allem solche, die irgendwie hündisch organisiert waren, mfl