Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 11/12 (11.1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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'iL'kcit Uber die Forderung ihrer Rechtsstellung im St iitte bestehe. Notwendigkeit, gemeinsame Aufgaben gemeinsam zu .ins der solidarischen Haltung der Gemeinden in pr, i!-<u zu einer solchen in Deutschland zu kommen, die Ein- iler Juden in den Ländern zu erweitern zu der'Einheit I r .luden im Reich, rief nach dem Kcichsvcrband der ijfUtschefl Juden. Die Parteigegensätze im Landesverband i , ii nicht zu überwinden, der Reiehsvcrband kam nicht -:.uide. Zwei Aufgaben, für deren Scheitern wir den alten Yer indstag verantwortlich machen müssen. Wir wollen gerecht sein. Allein der Zusammenschluß ■ ii über 7(Mi Gemeinden schuf eine neue Atmosphäre gegentigen Vertrauens, schuf ein gesteigertes Verantwortungsnrufttsein der Großen für die Kleinen, schuf die Möglichkeit, Tausenden von Fällen beratend und helfend einzugreifen, irekte und indirekte Verhandlungen mit den Behörden, Hilfe in politischen und Rechtsfragen, das Bewußtsein der teiireinden, stets eine Instanz zu haben, die ihre Rechte vertritt, ihnen :iach Möglichkeit hilft, das solidarische Auftreten nach außen hat in einer Zeit schwerster Bedrängnis io'n innen und außen alte Kräfte gestärkt, neue gelöst. Doch mehr haben wir verlangt und werden wir ver ingen. Traurig zum Teil ist das Bild, das die Arbeit der ~.....lerausschüsse, insbesondere des Bevölkerungspolitischen Ausschusses bietet. Oft völlige Verkennung der Tatsachen, mehr die Lust an geistiger Turnerej als der ernste Wille, ntscheidende Arbeit zu leisten. „Oft Verquickung weltinschaulicher mit politischen und sachlichen Gesichtspunkten, l ud noch ein Wort der Kritik. 'Wir preußischen Juden haben ein Parlament, das mit unsere Geschicke regiert. Wir haben dieses Parlament, weil wir es wollen. Wie sieht es aus? Man sollte annehmen, daß die besten, fähigsten Köpfe unserer Gemeinschaft sich -ii-ammcngefuudcn haben zu gemeinsamem Wirken, daß Sachkenntnis und Eignung allein entscheidend für die Aufstellung der Kandidaten war. So sollte es sein. Was geschah? Vom ersten Tag an setzte eine Parlaments-;>ielerei ein. Die Parteien stellten Listen auf, setzten die im die Partei Verdienten auf die Listen, ohne Kücksicht laraof, ob sie auch der neuen, größeren Aufgabe gewachsen •Aaren. •So zog ein Ungeist in das Haus, das alle geistigen Kräfte Ics Judentums hätte sammeln sollen. Fünf Jahre jüdisches Parlament, fünf Jahre Enttäuschung für alle ehrlich Wollenden. In wenigen Wochen soll der neue Verbandstag gewählt »erden. Wir sehen ihm mit all der Hoffnung einer Generation ntgegen, die nur noch zu gewinnen, nicht mehr zu verlieren liat. Wir begrüßen die neue Vertretung der preußischen Juden, gleichviel, in welcher Zusammensetzung sie s'ich .-'i n wird, mit allem Optimismus, den wir nach vergangenen 1 iliiungen noch aufbringen köijncn, begrüßen sie, mit dem lien Willen zur Mitarbeit, aber auch mit dem ßntlenen Wollen, Wandel zu schaffen. Her kommende Verbandstag hat seinen Weg klar vor- - -"lehnet. f I 'ic Verfassung muß geändert werden. Das undemotischC Zweikammersystem muß ersetzt werden durch das jeder Entscheidung berechtigte Parlament. Der Rat darf :it mehr bestimmende Körperschaft, nur noch den Willen - Verbandstages ausführende Exekutive sein. Jugendliche Politik Wir veröffentlichen nachstehend die Ausführungen zweier Verbandstreundo Uber jugendliche Politik im Gemeindeleben. I. W er vor zwanzig Jahren gesagt hätte, daß junge w uscben von noch nicht 25 Jahren Sitz und Stimme in der indevertretung haben, den hätte man als futuristisch Das Wahlrecht muß geändert werden. Noch sind die Zwanzigjährigen nicht wahlberechtigt, noch bezweifelt man ihre Reife und ihr Recht, im Gegensatz zur Reichsverfassung. Das Listensystem muß abgelöst werden durch die Persönlichkeitswahl. Wir brauchen keine Statisten im Parlament, wir brauchen Menschen, die vor ihrer Wahl dem Wähler Rechenschaft über ihr Wollen geben. Die Pnrtcünaschine muß überwunden werden. Der Abgeordnete ist seinen Wählern verantwortlich, den Menschen, deren Vertrauen ihn ins Parlament schickt, nicht seiner Partei. . ■ . .-'■■' Der Kampf um die Judengesetzgebung muß' mit verstärkten Kräften geführt werden. Der Austrittsbewegung aus steuerlichen Gründen ist ein Riegel vorzuschieben. Wir "warten auf den Reichsverband der deutschen Juden, den Zusammenschluß, der in stärkster Weise ein Bollwerk gegen die Angriffe von Außen bieten muß, der alle Kräfte im Inneren zusammenzufassen und zu aktivieren hat. , . . Wir erwarten, daß die Arbeit für die GemeinJen stetig gesteigert wird, daß alle noch ungelösten Aufgaben nach Maßgabe der zur Verfügung stehenden Mittel der Lösung zugeführt werden. Wir erwarten ein größeres Verständnis gegenüber den die Jugend bewegenden Fragen, erwarten die Unterstützung der Pläne, die im Gesamtinteresse liegen. Wir erwarten von den Gemeinden, die heute wieder ihre Vertreter entsenden, daß sie sich ihrer Verantwortung in der Schicksalsstunde unserer Gemeinschaft bewußt sind, daß sie in höchster Anspannung ihres Leist ungswillens ihrer Solidarität Ausdruck geben und nicht abspringen, wenn sie um ihren Geldbeutel, sei er auch noch so klein, bangen. Wir fordern Opfer, die Pflicht sind. Wir fordern sie von jedem einzelnen, wir fordern sie von den Gemeinden. Aber wir fordern sie mit aller Bestimmtheit von den Abgeordneten, die jetzt ins Parlament gehen. Ihre Aufgabe ist nicht damit erfüllt, daß Sie einmal im Jahre bei den Abstimmungen ja oder nein sagen, Sie sind die Mittler zwischen den Gemeinden und dem Verwaltungsapparat, den wir uns geschaffen haben. Sic sind eine lebendige Kürperschaft, mit der einzigen Aufgabe, zu arbeiten. Ihre Reden nützen uns nichts. Sie sollen hinausgehen in ■die Gemeinden, deren Nöte kennen lernen, helfen und raten, sollen der Leitung des-Verbandes nicht nur durch Kritik, sondern durch aktive Mitarbeit zur Verfügung stehen, sollen sich kein Beispiel an der Parlamentsspielerei mancher Völker nehmen. Wir haben keinen Staat, keine staatliche Organisation. Unsere Zukunft hängt von der Verantwortlichkeit unserer Führer ab. Dio Jugehd ist sieh ihrer Verantwortung bewußt. Sie wartet darauf, daß die Parteien ihr Raum geben. Vielleicht ist es für diese Wahl schon zu spät. Dann möge aber die Erkenntnis sich Bahn brechen, daß die kommende Generation keine Zeit hat zu warten, daß sie früher gereift ist durch die harte Schule des Lebens, daß ihr Gestaltungswille stärker sein wird als der Parteiungeist, der einer alten Generation in Fleisch und Blut übergegangen ist. \. D'° Jugend von Mitbestimmung und Mitarbeit aufzuschließen, heißt, sich aufgeben. Heute noch ist die Jugend in Bereitschaft, voll ehrlichen Wollens, voll glühender Liebe zu ihrer Gemeinschaft. Viel ist an dieser Jugend gesündigt worden. Heute ist sie mündig. Ein überaltertes System gibt ihr nur die Möglichkeit, zu warnen und zu fordern. . Sie tut es iir dem Bewußtsein ihrer höchsten Verantwortung. Sie wird darüber wachen, daß ihre Warnungen, ihre Forderungen Gehör finden. Kurt London. im Gemeindeleben und unreif erklärt. Aber in einer Zeit, in welcher Kultur. Politik und Wirtschaft, die drei Ausdrucksgebiete menschlichen Tuns, von ruhenden Polen zu umstrittenen Theorien, vom Eigentum einer Besitzergruppe zum gemeinsamen Besitz gelangen oder vielmehr dies Gelingen mit allen Kräften angestrebt wird, in dieser Zeit bewegt sich did Welt. Nicht immer ist nur das Neue gut, weil es das Privileg des noch