Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 10 (10.1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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,l• jri■ 11 7 nicht teilbar ist. und Infolgedessen die einxetneji Monate lind Quartale des Jahres eine verschiedene Länge attf- . insbesondere auch jeder Kalendertag in .jedem Jahr ,nf «■inen anderen Wochentag lallt. Mau will nun diesem i instand, der in wirtschaftlicher Beziehung (Lohnberechnong, ' nsberechnjing) manclierlei Schwierigkeiten mit sich bringt, 'dadurch begegnen, daß man das .Jahr zu 864 Tagen zählt. io mit genau 52 Wochen, und mit 1 Quartalen zu je '•1 Tagen, und je 2 Monaten zu SO und 1 Monat zu :il Tagen ■ >,.r :>;"). Tag des bürgerlichen Jahres wird an irgend einer Stelle als Blanko tag eingeschoben, d. h. als namenloser; ig, der in das Wochengefügo nicht einbezogen i-t und keinen ' r üblichen Woehentagsnamen trügt. All»- vier lahro kommt . r jetzige Schalttag als 2. Blankntag hinzu. Die natürliche Rückwirkung dieses beabsichtigten Blanke- .'s auf den jüdischen Kalender besteht darin, daß unser »abhat aus dem n m Wochenende festgelegten 's' .iTg zu einem wandernden Tage wird. Kr füllt ilani) in jedem Jahre auf einen anderen Tau der Woche. Daß i- Judentum der Welt alle Anstrengungen machen muß. um ::ien solchen Zustand zu Verhindern, liegt auf der Hand.! ' ii-o das religiöse Moment wie auch das wirtschaftliche Zwingen uns. unsere ganze Kraft gegen die Einfuhrung des absichtigten Blahkotages einzusetzen. Den Sahbat, dieses Anbeginn einiresetzte Merkmal einer aus (lottcs Willen i-prungenon Schöpfung, können wir uns nicht als einen :•• ■weglichen, sondern nur als einen im wahrsten Sinne des Wortes r Ii Ii c n il r n Tag Vorstellen. Taucht der Sabbat in ■i Tagen der Woche unter. s(( entschwindet der Welt das /. ichen, mit dein Israel und -eine Religion auf eleu gott- \\ eilten Anfang der Dinge, auf das dem Gottesmund eut- lömte: ..Ks werde Licht" hinweist; — Hinzu tritt, daß die absichtigte Reform das Ohnehin so erschwerte Halten des Sabbats noch viel schwieriger gestaltet, fast Iiis zur Uninüg- Ii hlceit Die Stellung im Wirtschaftsleben, die der alte - imstag als Wochenende mehr und mehr einnimmt; die schon ielfaoh durchgeführte Halbtagsarbeit an ihm-, die Möglichkeit t den jüdischen Geschäftsmann, am Sonntag die Feier- ■t Hilden des Sabbats in seinem Büro einigermaßen aus- ■ gleichen —-diese Umstände haben 'iis jetzt einer wesentlichen Zahl von sabbatgläubigen und -willigen Juden ihr Viisharren unter der Sabbatfahne durchaus erleichtert. Dazu lyiniiit noch die liahogeriickte An-sicht einer allgemeinen inftügigen Arbeitswoche, die am Sonntag und seinem v'ortag all.>s Erwerbsleben einstellt. Damit wären für die ilihatinstittition ungeahnte neue Erleichterungen eröffnet: ■ nn das schwerste Hindernis des Existeni- und Konkurrenzaniptes wäre, soweit es am Sabbat hängt, fast völlig aushaltet. Aber das alles mir dann, wenn die Woche bleibt ' :•■ bisher, und der Sabbat .auch weiter vor dem Sonntag •Iii. Fallt er zwischen Montag und Mittwoch, oder zwischen ■Minerst.ig und Sonnabend, -o kommt er in der Fttnftage- ''. itswoclie nicht nur als zweiter Ruhetag nicht zur allge- »einen Aufnahme, sondern bedeutet für seine Beobachter, eben liefl dritten Kuhetag und damit einen weiteren, vielleicht borhauptnicht inehr .tragbaren Ausfall an Arbeit und ■rdienst. Ks i-| ••in Au-weg gezeigt worden, den Blanko!.ig einifiUiren und trotzdem die bisherige Wocle- und ilainit den bbal in ihrem attgeheiligten Ablauf nicht zu berühren: iiu'Iich die Blanko tage zu Blanko w o c h c u zus.u.....enlasseu und sie nach Bedarf den einzelnen Jahren ils p. Woche anzufügen. Man hat auch an Blanko in n n i I e -■dacht, die dementsprechend als 13. Monate angereiht werden iitnnteh. Wie sich die Wirtschaftsk reise, besonders in Amerika, ■'».diesen Auswegen stellen werden, ist ungewiß, und der rfolg sehr fraglich. haß man auch in Deutschland der Hunzen Angelegenheit die ernsteste Aufmerksamkeit zuwendet. ■ rglbt sich aus Mitteilungen der großen Tageszeitungen im i aiife dieser Woclnm. Sache de? Judentums in allen Landern Und in allen Lagern ist es, Protest zu erheben gegen eine lÄßnahme, die einen tiefer eingreifenden Wandel in den jüdischen Verhältnissen hervorzubringen geeignet ist, als irgendein Ereignis, man darf ruhig sagen seit fast zwei Jahrtausenden. Jeder Jude und jede Jüdin, insbesondere auch die j Ii d i s c h e .1 u g e u d in allen Gauen unseres Vaterlandes, muß in die Schranken treten und mit Nanicnsuntersehrift Verwahrung einlegen gegen die Schädigung, die mit dem Blankntag der heiligsten Einrichtung unserer Beligion. dem Kern und Grund unseres Gonesglutliens. droht. Möge sich die Organisation in Kürze bilden, die überall in Stadt und Land die Shinmlüng der I'ntersehriftenin die Wege leitet. Die jüdische Jugend wird dabei ein starker und gewichtiger Helfer sein können. Gläubigkeit? Festtage, sie mögen ernsten oder freudigen Charakters sein, tragen den Keim zuversichtlicher Stimmung in sich. Mag der Alltag uns auch noch so niederdrücken, der Festtag hebt uns wieder empor. Diese Meinung mag im allgemeinen richtig sein. Unsere Zeit hat ein anderes erlebt, nie Feiertage dieses Herbstes bannen nicht ganz die niedergedrüc kte und niederdrückende Stimmung, ilie auf uns allen, und wie OS den Anschein hat. ganz besonders schwer auT uns JnVten lastet. Die Unsicherheit der wirtschaftlichen Verhältnis-!., die Unklarheit der politischen Lage, Sie erzeugen einen Pessimismus, der dem Juden so gar nicht stehen will. Ks ist etwas in den Juden unserer Tage gefahren, was nicht zu seinem Wesen paßt, was nicht aus dein ('.eist der Festtage dieses Monats fließt. Kr ist in einem erschreckenden Maße vom Zeitgeist angefressen worden. von Jene* l'nglüubigkcit, die alles vernichtet. Ks handelt sich nicht nur darum, daß sehr viele Juden, jung und alt. ein anderes oder gar kein Verhältnis zur indischen Tradition haben, es handelt sich nicht um das Mehr oder Minder an Form, das man bejaht, es handelt sich auch nicht nur um unsere Beziehung zum WeltengrUnd allein, um unser Glauben oder Nicht glanpeii an (Sott Dem Y'orkriegsmenschen fehlte dieser Glaube mindesten« Bö sehr wie vielen von uns. Ks ist noch eines hinzugekommen selbst, .der Glaube an Fatalisteil geworden. was uns fehlt, — der (Haube an uns ine bessere Zukunft. Wir sind beinahe Menschen, ilie von sich und durch sich nichts erhoffen und .«lies dem Schicksal •- wird, so wird es. wir kOnnen nichts anheimstellen, ..wie da/u tun", und so gehen viele seelisch zugrunde oder sind auf dem besten Wege dazu. Das ist unser Unglaube von heute, der seine vermeintliche gute Stütze in der wirtschaftlichen Verelendung weiter jüdischer Kreise hnt. Die wirtschaftliche Not ist wahrlich groß, aber 'wir sollten uns davor hüten, uns an unserem Schmerz zu berauschen. Wir hören heute auch schon oft von einer geistigen Verelendung reden. Dieses tierede entspringt wiederum denr mangelnden Glauben an uns selbst- Sehen wir uns die jüdischen Menschen Osteuropas an! Haben sie in den letzten II«Ti Jahren unter glücklichen wirtschaftlichen Bedingungen gelebt:' Wahrlieh nicht, l ud dennoch haben sie in ihrer Gesamtheit und mehr noch in einer Fülle vlon Individuell kulturelle Leistung und kulturelles Niveau gezeigt, die in gar keinem Yorhültni> >u ihr.-r Wirtschaftsnnt stehen. Wir alle kennen in unseren Kreisen ost jüdische Mensehen, die mindestens so stark kämpfen müssen um das Brot des Tages wie die WestjüdiBchen Menschen) die aber dennoch die Zeit und die Kraft aufbringen zu „lernen", nicht nur in jenem alten SinueTles Wortes, sondern in seinem weitesten Verstände, die Zeit und Muße finden auch zui Marx und Lassallc, zu Thomas Manu und Arnold Zweig USW. usw. Sic bringen es nur fertig, weil sie Sich trotz aller Widrigkeiten des Tageskampfes den gesunden jüdischen Optimismus, den Glauben vor allem an -ich und ihr eigenes Können trefflich bewahrt haben, jener Glaube, der vielen deutschen Juden im Augenblick verloren zu gehen droht. Im Angesicht unserer Feste, die Künder und Mahner jüdischen Geistes und Wesens sind, besinnen wir. uns auf uns selqst, stärken wir unseren Glauben, vertiefen wir unsere Gläubigkeit, sagen und, betätigen wir unser - ~ „Und dennoch!" — A. Ph.