Mannheim
Compact Memory

Der Jugendbund · 1930-10-01 · 10 (10.1930) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jugendbund
Volume
16 (1930)
Issue
10 (10.1930)
Date
1930-10-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6492456-6352311-6352571--0982-4929123
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Programm - Idee - Arbeit Gedanken zur Situation des Uerbandes Vorbemerkung Du- Münchener Tagung hat zum Schluß die Krise de» Verbandes in den Hintergrund treten lassen. Sic besteht aber nach wie vor. Sie zeigt sich als Krise der Idee, der Vcrbands-;dee\ insbesondere, als Krise der Arbeit, der Verbandsarbeit insbesondere, und als Tcilerscheinung des letzteren Gebietes zeigt sie sich insbesondere im vorliegenden '* ogramm der Leitung. (Naturgemäß wird dieser Punkt zuerst behandelt werden müssen.) Die m München und zum Teil schon in Dresden als ..Opposition" auftraten, konnten uns w eder in der it *» i*chcn Dresden und München, ais die Krise immer deutlicher wurde, noch in München selbst einen We| aus ihr zeigen. Nun muß von anderer Seite dies versucht werden, denn es ist notwendig, über den Rahmen des spärlich in München Gehörten hinaus zu sehen, ob und welche Wege aus ihr herausführen. Manche und wahrlich nicht die am wenig wertvollsten Menschen des Verbandes haben diesem vor und nach München resigniert den Rücken gekehrt. Das sind keine Zufälligkeiten. Wem ts Ernst ist mit der Aufgabe des Verbandes. Helfer der jüdischen Jugend zu werden, denn das ist er noch nicht, wer noch glauben kann, daß dieses Ziel erreichbar ist. kann nicht die Augen verschließen vor der Gefahr, in d*r U-r Verband sich befindet, und welche zum wenigsten die ist. in unjugendliclicr Mittclparteilichkeit (man kann dies auch Bourgeoisie oder irgendwie anders benennen) zu versacken. Nicht im Namen einer neuen Opposition sei das Folgende dargelegt. Nicht auf Positionen oder „Opposition" kommt es an. Ks kommt darauf an — nach wie vor —, die Menschen /u erfassen und zu bewegen, und es ist kein Grund zu zweifeln, daß dieser Leitung dies gar nicht möglich sein sollte. Aber gerade deshalb ist es auch unsere Pflicht, ihr dort, wo ' sie uns auf falschem Wege zu sein scheint, entgegenzutreten. . wie dies hier zum Teil geschehen muß. In unserer Hand liegt ' ~ es, den Verband aus seiner Sackgasse herauszuführen, damit * das Motto der Münchener nicht leere Phrase werde T. Pto g ra m in. l'i. ih u.' Leitung li.it unihr Programm vorgelegt: Kampf gegen den Nationalsozialismus. Ausgestaltung di»r Hilfe imcl Arbeit für «Ion überparteilichen Palästinaanfban. Stolz praogl;tri erster Stell«1 d>-r Kampf gegen den Am i-i'iiiiH-iitu-. (Das war wohl, gemeint; denn uns als Hunil ■-• -M ja in «lieser Richtung nur der antisemitische Teil der nationalsozialistischen •Lehre, ehr nationalsozialistischen I!.-mdl'ungon etwas an. und außerdem beschränkt sieh «1er Irttiseniitisnius ja keineswegs auf die Nationalsozialisten.) Diesen Punkt im Programm eines ßnndes der Jugend, dazu uhli noch an erster Stelje. lehnen wir iinbctlingt ah. Mit ..'!,!■ Schärfe sei oa gesagt": Wir wollen kein Centralvercin .I. üt-. liff fugend jüdischen Glaubens sein und wollen aueh kein, r wenlen! Wir anerkermen «Iii' Arbeit dos C. V.. unil unsere Pflicht ist es — mögen wir in nianehen Methoden auch m l. T'-r Ansicht -ein —. in Sachen des Abwehrkampfes unsere •fugen«! auf diese Arbeit hinzuweisen. Wir anerkennen den l.'.-i.li-bund jüdischer FfontsoMäten und -eine Bemühungen im Kampfe gegen den Antisemitismus eine Einheitsfront zu bilden und unser«' Pflicht i-t es. unsere Menschen darauf iiin/r.v. i-.'ii. W ir anerkennen, daß die zionistische Vereinigung den Kampf gegen den Antisemitismus zu einer wichtigen Seite ihrer Parteiarbeit gemacht hat. mögen inanchepi, wie beim C V„ amh manche Methoden dieser Irbeit Iii. iit genehm sejn. und unsere Aufgabe ist es. unsere Renschen darauf hinzuweisen. Hat schon einmal einen Rund •>.!. r Verein der .lugend gt-gehen. der -.'in Programm •nit .iuer negativen, wenn für den einzelnen auch noch so n .iw.-ndig.'ii. ganz und gar im Sinne dieser Jugend unproduktiv.-n Forderung beginnt? Ja. daß er diese Forderung, - Organisationen (bestehen. <lie jene gut erfüllen, über- 'lattpt in -ein Programm aufnimmt? Man fasele nicht immer .ii ihr hierdurch zu bildenden Einheitsfront (Freund Reinhard!). Abgesehen davon, daß von allen jüdischen Parteien unil Arm Frontbund, wii getagt, daran gearbeitet wird. diese Ii.....t wird einfach natu r not wendig da sein, wenn h r Drufk ent-prei-hend noch größer auf uns lastet (geborene Fi iglinge zählen nicht mit), und sie wird in dem Ausenblick loch nicht mehr da sein, wo dieser i >ru< k dann wieder nachläßt. Gelingt ih r Juirend nur auf diesem Wege Einigung, dann -..11 sie lieber die Hände ganz davon lassen. Ein Sehutzburnl i-t noch lange keine innere Einheit. l'i.- Bekämpfung des Antisemitismus also gehört nicht zu unseren unmittelbaren Aufgaben. Sie gehört wohl in dem dargelegten Sinn zu dem stillschweigenden Aufgabenkrcider Leitung, aber niemals in deren programmatische Erklärung. Daß wir glücklich heute so weit sind, zum inneren Aufbau offenbar de? äußeren Feindes zu bedürfen, dai'si eine Krisenerscheinung. Ausgestaltung der sozialen Hilfe: Wiederum ein Punkt des Kampfes gegen einen äußeren Feind, nur daß sich «lie-ci nicht allein gegen uns Juden richtet. Ich nannte die sozial Hilfe einmal eine Präventivmaßnahme. Die Wurzel der Schäden und Nöte deckt sie nicht auf und will es auch nicht Sie gibt unseren Menschen keinerlei Innere YVcgzeigo, nacht sie nicilt härter fürs Leben, vertieft ihre Einsicht nicht in ilie Gegebenheiten ihres menschlichen und jüdischen Dasein- Soziale Hilfe ist mehr und mehr ebenso selbstverständlich notwendig wie Essen und Schlafen. Damit die Mensche:, anständig zu essen haben, damit sie für sich für ein Dach uber dem Kopf sorgen können, deshalb ist sie ja da. Gerade -o gut könnte man anständig Essen und Schlafen in ein programmatische Erklärung setzen, l'nsore Menschen wollen etwas anderes von ihrem Verband. Sie wissen auch gany L'iit. daß zu einer großzügigen Hilfe dem Verband noch in viel, viel größerem Maße die Mittel fehlen, als sie unseren jüdischen Wohlfahrtsnrganisationen ohnehin schon fehlen I»ie Leitung kann und muß darüber wachen, daß die hierfür eingerichtet«! Stelle mit allen Mitt.dn (auch mit der Zeitung | in den 'Vereinen sich Menschen und Unterabteilungen schaff' zu ihrer Hilfe. Sie wird wohl auch mit den bestehenden Wohlfahrts'in-titutioiien Hand in Hand gehen müssen. Aber das sind alles .selbstverständliche. stillschweigende Arbeiten, diktiert lediglich von der äußeren Notlage unserer Menschen. Sie gehören nicht zu den notwendigsten Arbeilgebieten des Verbandes, gehören nicht in eine pro grammatische Erklärung seiner Leitung. Sind wir ein. Wohlfahrtsvereinigung. oder gibt es für uns nur gemeinsame Ziele, die uns äußere Notlage aufzwingen? Die doch eben fallder Leitung offenbar notwendige Festsetzung dieses Punktes ist wiederum ein Hinweis auf die Krise des Verbandes. Arbeit für «len überparteilichen Palästinaaufhau: Dakiblgt schon eher wie ein Punkt lebendigen Vorwärtsweisen- Sehen wir ab?r genauer hin. so werden wir leicht erkennen können, daß auch dieser Pronrammpunkt ein von außen dik tierter ist. ohne, daß er auf etwahinweist, was unsere Menschen innerlich bereichern könnte, sei es menschlich oder rein jüdisch. Nur das diesestnaj weder feindliche Manschen noch feindliche Umstände, sondern die jüdische Oeffentlichkeit diktiert hat. Ja. wenn es sich um den Aufbau handeln würde, den man in den Köpfen und Herzen unserer Menschen dadurch vertiefen könnte, daß man ihn^n Palästina als solches. Palästina im Aufbau und Palästina als Problem näher brächte! Aber der A u f b a i. Palästinas wird nie ein überparteilich) r sein, er wird notwendig immer getragen sein von Zionisten oder doch National joden. Es ist im Sinne, wie es di.* Leitung meint, ganz falsch, vom Aufbau zu reden. Die Jewish Agency baut Palästina nicht auf. Sie ist lediglich «Ii" Finanzinstitution für «len Aufbau. Sie ist das wichtigst)' äußere Werkzeug für den Aufbau. Mag sie juristisch di ' aufbauende Organisation gegenüber England und dem Völker bund sein, so wird doch jeder zugeben, daß der Aufbau dem Sinne nach nicht von ihr selber geschehen kann. Denn auf die Menschen kommt es an. Palästina ist solange keine über parteiliche Angelegenheit, als die bewußte und ausgesprochen.' Zugehörigkeit zum jüdischen Volke noch keine ist. Das werdende Palästina anerkennen, zu merken, daß ein jüdische- Palästina «ler Diaspora nur nützlich sein kann, heißt noch nicht Palästina aufhauen. Die psychologischen Voraussetzungen, daß die jüdische Oeffentlichkeit mehr und mehr zur Agency kommen wird, sind eben gezeigter äußerer dieser Oeffentlichkeit nützender Art. Diesen Voraussetzungen allein ist der Verband auch gefolgt. Vollkommen richtiger Weise und ziemlich stillschweigend. Es ist ganz unersichtlich, warum diese rein äußerliche Angelegenheit (und nicht mal diese kann wie die vorhergehenden zur äußerlichen Gemein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.