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Der Jugendbund · 1930-09-01 · 9 (9.1930) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
16 (1930)
Issue
9 (9.1930)
Date
1930-09-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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wurde durch einen Freitagabend-Gottesdienst, geleitet von der Berliner Reformgemeinde, eingeleitet, während dessen Ilse Wolff, Führerin der Reformgemeindejugendgruppe, in glänzendem Englisch aus der Thora vorlas. Der 22, Juli aber war der Tag der Jugend. Unter gemeinsamer Leitung von Rabbi Mattuck, Leiter der Jugendgruppe der Londoner Liberalen Jugend, und Dr. Hoffmanns. Frankfurt, der bekannte Iii-Führer, sprachen die Delegierten über ihre Organisationen. Hilde Lachmann-Mosse, Berlin, berichtete über die Reformgemeindeiugendgruppe. Dr. Hoffmann über den Iii; bemerkenswert ist. daß dieser, obwohl jugendbewegt, den Kampf gegen das Elternhaus scharf ablehnt. Dennis Fay, London, beschrieb die Organisation der Londoner Liberalen Jugend, die, eine Gruppe ehemaliger Schüler der liberalen Religionsschule, Außenstehende nur fallweise aufnimmt und eine verblüffende Tätigkeit auf vielen Gebieten entfaltet. Der zweite Teil über religiöse Jugendphilosophie wurde von einem hochklassigen Referat von Betty Markus, Iii, Berlin, eingeleitet; es folgte Rabbi Issermann. New York, mit einem trüben Bild ameri- . kanischen Assimilantentums, ohne aber überzeugende Gegenmaßnahmen vorzuschlagen fdie liberale Jugend ist in Amerika noch nicht organisiert). Zum Schluß bot Leslic Edgar, London, ein zutreffendes Bild der religiösen Einstellung der liberalen Jugend Englands. Diese Tagung war ein Erlebnis und wurde von vielen Seiten als der Höhepunkt der Gesamttagung bezeichnet. Der Abend nicht erfreulich. Dr. Hoffmann stellte einen Antrag auf Errichtung eines Jugendweltverbandes, der von England und Amerika scharf abgelehnt wurde. Bewundernswert war die englische Verhandlungstechnik. Niemand hatte geglaubt, daß es zu dem für 10 Uhr als Abschluß vorgesehenen Tanz kommen würde, Rabbi Mattuk endete aber um nur 20 Minuten später mit den Worten: Es ist einstimmig beschlossen, die Frage der Jugendzusammenarbeit dem Jugendausschuß des Haupt Verbandes zu überlassen, „nun geht tanzen". Ein sehr gelungener Abend hielt die Teilnehmer bis 1 Uhr, eine für London unerhört späte Stunde, zusammen. Edgar Wolfers, London. 2. Kongreß der jüdischen Jugend vom 4. bis 7. August 1930 in Genf. Als Pressevertreter nahm Paul Forchheimer, Nürnberg, an dem Kongreß teil. Sein Bericht bestätigt die in allen jüdischen Zeitungen wiedergegebenen Eindrücke. Es war kein Weltkongreß, sondern eine Zusammenkunft einiger der Union Universelle de la Jcunesse Juive geistig nahestehenden Bünde, deren Arbeit sich um den Begriff des Palliereschen Judaismus und einen nicht klar ausgesprochenen Zionismus gruppiert. Immerhin kam es zur Gründung eines Weltbüros (der Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Jugendvercinigungen in Genfl, als dessen Aufgabe insbesondere der Austausch der Erziehungsprogramme und Verlautbarungen der angeschlossenen Bünde bezeichnet werden. Wir stehen mit diesem Büro bereits in Fühlung und werden zu gegebener Zeit über seine Einrichtung und Arbeit ac dieser Stelle berichten. Soziale fiilfe Dezernat: - Waldemar Strauß, Berlin SW 68, Ritterstraße 52. Unterdezernenten: Nord- und Westdeutschland: Erich Altmann, Wanne-Eickel, Mozartstraße 7. Süddeutschland: Hans Sternheim, Stuttgart, Kasernenstraße 13. Mittel- und Ostdeutschland: Fritz Levinger, Berlin W 50, Prager Straße 29. Die Vertrauensleute der Landesverbände und Bünde wollen sich schnellstens mit den oben benannten Unterdezernenten in Verbindung setzen. Es wird auf den dieser Tage erschienenen Rundbrief über ..Soziale Hilfe" verwiesen, der alle erforderlichen Anregungen enthält. Auf sämtlichen Landesverbandstagen wird eine besondere Arbeitsgemeinschaft über die Fragen der sozialen Hilfe stattfinden. Das Vertrauensmänner-System muß binnen Wurzer Frist in sämtlichen Vereinen eingerichtet sein. Bis dahin sind alle Stellengesuche und Angebote unmittelbar an die Unterdezernenten weiterzuleiten. In der nächsten Nummer der Zeitschrift wird die Liste . Vertrauensleute veröffentlicht werden. Aus dem Leben des Verbandes Junggrttfpen camp in Worms Die Erwartungen. Die Prosperitätskurve tj Bundes fiel bis Weihnachten lO'JO. Dann hielt sie sieh gleicher Höhe bis München. Port erhielt sie neue Auftri. kraft. Wird die richtig angesetzt oder nicht? Worms lol <•> zeigen. Wenn Worms gelingt (sprich: wenn die ne':. BoBdesleitttOg und die Führerschaft gut arbeiten), ist <h. Zukunft des Bundes auf lange Zeit gesichert. Wenn nicht ist das Chaos der jüdischen Jugendbewegung in Deutschl.i: vollkommen: Kameraden, Kadimah, wir. Der Platz. Worms mit Rhein und jüdischem Lebe.. Wegen letztem die guten Vorbereitungen, wegen erstem dl Platz: R h e i n terrasse-Wehrzollhaus, ein Sonntagsnachmi' »ng-ausflugsgasthof, X Stunde von Worms, an den Rhei wir-,'ii. Mit zwei feinen strohvollen Scheunen und einer ebc solchen Kegelbahn. (Beigabe: Hühner und Hähne, die ui. morgens von unseren Bäuchen herab ankrähten.) Ein weit, abgemähtes Feld als Spielwiese und Lagerplatz. Mit Fallobs' bäumen. Und ein Geländespielwahl dazu. Lager: gut schnakie (besonders gegen Abend). Hervorzuheben de 10 Meter hohe Fahnenmast mit Verbandsweihnachtsbaum. Anmarsch und Anbau. Wozu noch mehr Miniatur Weihnachtsbäume kamen auf den Wimpeln der Gruppen, di. ab Sonntag nachmittag anmarschierten. Erster Haufen Industriegebiet. Scheunengäste. Nur ein kleines Zelt wag- -ich hervor. (Nicht zu vergessen die guten Wormser it ihrem Hauptzelt mit Lagerleitung.) Zweiter Haufen: he stand aus Gckriimel, das sich langsam einfand (womit keit Werturteil verbunden sein soll, ihr Süddeutschen!). Dritter Haufen: Düsseldorf nebst Gau. Nebst Disziplin (Schlafen aur Befehl). Langsam zeigen sich Z^lte: Mammutzelte. Klepper zelte, bürgerliche Zelte. Letzte in der Mehrzahl (wo bleib' die Troletarisierung?). Der Platz ist ein Lager geworden Wir sind 110. An den letzten drei Tagen 150. D i e L eut e. Wenn ein Bund von 1000 I euten ein L.v.'e; mit 110 Leuten beschickt, kann man diese nicht als das ..('■•■ sieht des Rundes" bezeichnen. Am besten waren die Pimpfen, deren Frechheit Gutes für die Zukunft des Bundes erhoffet läßt. Die zahlreichen Mädels wußten überhaupt nicht, was sie mit sicli anfangen sollten, bis ihre Oberste (die leider nur zu kurz auf dem I ager war) die tägliche Mädchenstunde mit Kartoffelschülen einrichtete. Das klingt vielleicht alles etwas zu hart, ist aber — ich «agte es schon einmal — nient typisch für den ganzen Bund. ' da kaum geschlossene Gruppen da waren, deren Gesamt \ haltung im allgemeinen den einzelnen zu bestimmen pflegt Rs gibt jedoch noch viel Arbeit für die Führer. Die Führer: Etwas Neues erschien auf dem Lager Pie Jungführersrhaft. Sie verspricht etwas. Das Wetter und seine Wirkung. Das Lager entwickelte sich. Der Resren auch. Ks wolkenbrach. Mindestens einmal am Taue. Meistons zweimal. Und gelegentliel öfters. Der I ehm klebte pfundweise an den Schuhen. Aber manchmal schien auch die Sonne. Dann war die Stimmuli-' gut. Sonst zwar auch, aber dann war sie besser. Die letzt'-;. Tage war das Wetter gut: denn Hans May hatte geschnitten. Haare, ein weißes Hemd, und einen gereinigten Trenchcoat Deshalb konnte er auch die Woche über nicht auf dem Lagcttiln; doch Abrahans leitete gut und sich heiser. DcrBctrieb. 6.30 Uhr: „Aufstehen! In einer Viertel Hunde treffen wir uns zum Waschen am Uli •in' Dann Freiübungen!" 7.30 I hr: ..Mit Bechern zum Kakaoholen an treten! Jeder kriegt zwei Doppelte!" 8 Uhr: „Zehn Mädelzum Kartoffeln hiilen! Die Lagerpolizei putzt den Saal! Aufräumen!" 9.30 Uhr: „Die Jüngeren zur Arbeitsgemeinschaft an den Fahnenmast, die Aelteren vors Hauptzelt!" 12 Uhr: „Antreten zum Essen!" Bis 16 Uhr: „Still, zum Donnerwetter. Lagerruhe!" IG Uhr: „Antreten zum Gelände- oder

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