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Der Jugendbund · 1930-09-01 · 9 (9.1930) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
16 (1930)
Issue
9 (9.1930)
Date
1930-09-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Politik rechnen müßte» Die Menschen unserer Generation erkämpfen sich zum größten Teil Bildungsmöglichkeit und Lebensraum in bescheidenem Umfange. Aber wir haben einen vorteil den Aelteren voraus: für jene bedeutet Lebens- >chwierigkeit entweder Resignation oder Radikalisierung, je nachdem, ob durch Interessen und Interessentenmobilisierung eine Besserung erhofft wird oder nicht. Für uns gab es immer neben der Welt des Broterwerbs die der Menschenformung. Für uns bedeutet Lebensschwierigkeit weniger Mangel an Brot a!« geistige Not. Daraus kommt die innere Verpflichtung des jungen Menschen zur Aktivität mit dem Ziel, in die zahllosen Gruppen der Interessenten die Querverbindung uneigennützigen und somit gesamtnützigen .Tugend wollens einzuschalten. Schon einmal hat die Jugend den Versuch von Mitarbeit unternommen. Nach dem Zusammenbruch 1918 ordnete sie sich in einem Rausch von GcmeinschaftserleEhis-Wollen in die Gesellschaft und ihre Arbeit ein. Die Erfahrungen dieser Mit-' nrbeit der Jugend sind gewiß weit entfernt von Erfüllung. Wieder paart sich darum Unzufriedenheit mit den Zeitverhältnissen in unglücklichem Zusammentreffen mit der Erkenntnis jugendlicher Ohnmacht. Unnötig zu sagen, daß trotzdem Resignation unjugendlich wäre, daß sie praktisch Selbstaufgabe bedeutet. Erkennen wir .Jbch. daß es sich, wenn nicht gleich alle Blütenträume reifen, um Umstände handelt, die auch äußerlich nur überwunden werden, wenn wir mithelfen. — Was-besagt gegen solche Aufgaben, gegen Ziele von solcher Bedeutung für die Einführung jugendlichen Geistes in das Leben, die Tatsache, daß sich unser Empfinden oft sträubt gegen Menschen und Methoden. Nichts zwingt uns zur Auseinandersetzung mit ihren Mitteln — wenn wir für uns die Leistung ins Feld führen können. Daraus ergibt sich: Jugendliche- Politik bedeutet auf der einen Seite Arbeit an uns selbst, auf der anderen Seite Mitarbeit am und im Ganzen. Ueber unsere Besonderheit als jüdische Jugend ist in dieser Situation nur ein kurzes Wort — erfreulicherweise — nötig. All die Dinge, die für die Jugend gültig sind, gelten für uns als Juden in erhöhtem Maße. Viele sind durch die starken Widerstände der L'mwelt, die uns nicht nur als jungen Menschen gelten, in einen seelischen Abstand geraten, der den Weg zum Tun besonders beschwerlich macht. Vergessen wir nicht, daß es unsere Dinge, unsere Ideen sind, von denen man uns fernhalten will. Verfallen wir nicht der Mentalität des geprügelten Knaben, sondern beseitigen wir die Widerstände von innen und außen durch Arbeit, durch Mitarbeit. Politik ist Handeln, das Wesen des politischen Menschen ist Aktivität. Alfred Hirsqhberg, Berlin. Bücher zum Kampf gegen den Nationalsozialismus a) Nationalsozialistische schritten I. Das Programm der NSDAP, und seine weitansekaaHehen Grandgedaaken, Von Dipl.-Ing. Gottfried Feder. M. d. R. . Feder, der Prophet des Heilandes Hitler, eröffnet mit dieser Schrift als erstem Heft eine sogenannte Xationalsoziali-ti-rhe Bibliothek. Diese Heft." ..-ollen ein ganz einheitliches und geschlossenes Bild dl von geben, wie sich der Nationalsozialismus zuden verschiedenen Aufgaben unseres öffentlichen Löbens stellt, und wie er die Mangel und Fehler zu beseitigen gedenkt". Auf der Umsehlagseitc von Heft 1 -nid in der neuesten Aufläse die inzwischen erschienenen weiteren fünfzehn Hefte einzeln aufgeführt. Sie ziehen zu Felde gegen „di.1 llerr-chaft der Börse", ..Dawes-Pakt" und ..Yi'iirig-J'laii". ..Freimaurerische Weltpolitik" und ..Waren- . haus];olitik". Auch versuchen sie die Aufgaben der sozialen Baupolitik, der Gemeindepolitik und uer Wehrpolitik abtasteefcen. Ais fernere Themen sind in Aussicht genommen ..Judcnfrage". „Weltfinanz"'. „Inflationsverbre dien" und andere. Die abgeschlossene Reihe soll „das amtli'ho Schrifttum der Partei bilden". Das erste, von Feder geschriebene lieft enthält die 25 Punkte des kanonisch „unabänderlichen", unfehlbaren 4 Programms der NSDAP. (NB. Der 17. Punkt hat bereits dtreh Hitler eine authentische „Auslegung" erfahren.) Gegenüber der heutigen „Diktatur des Profitariats" kommen im l'rogramm die Prinzipien der „universalistischen Gcscllsrl] Ordnung des .wahren Staates'" zum Ausdruck. Es folg' in lockerer Disposition zunächst eine Paraphrase der „Gl I gedanken", die „schlicht und einfach" und „für Jedenn ,n verstandlich" lauten: Gemeinnutz und Eigennutz ,| Brechung der Zinsknechtschaft. Dies „ist die stählerne \ um die sich alles dreht". Weiterhin werden „das Sta und Wirtschaftsprogramm" systematisch nach Gebieten ibgehandelt. Die Reihenfolge ist: Staatspolitik, Wtrtscb politik, Finanzpolitik, Sozialpolitik, Kulturpolitik, W; rpolitik. Dieses Kapitel, das den Großteil der Broschüre einnimmt, ist für die Erkenntnis der nationalsozialistis. n I Vnkungsweise besonders aufschlußreich. Sogar der ge den Rechtschreibung und Grammatik wird zur Verherrlich _» des „nordischen" Gedankens Gewalt angetan. So bet$1 s ..römisches Recht", aber „Deutsches Gemeinrecht". Ob i n. gut von „wikingorhaftesten Deutschen" reden kann, ist 8 iles Sprachgefühls. — Gekämpft wird nur gegen die r breiten Masse sieht- oder spürbaren Gebilde der kapital:■•> sehen Wirtschaft: die Banken mit ihrem Netz von Deposit kassen und die Warenhauser mit ihren Rolltreppen und f rischungsräumen. Von internationalen Kartellen, wie r IRG.. von denen der einfache Mann k^inc Vorstellung h t, und die doch die Konjunktur entscheiderfder bestimm n können als Warenhäuser und Batiken, von Schwerindu-t und GroPgrundbesitz ist so gut wie «rar nicht die Rede. Und gerade hier sitzen die eigentlichen Feinde des Mittelstand '-, dessen Interesse der Nationalsozialismus sentimental wairnahmen will. — Liest man unvoreingenommen Fedc-i Broschüre, so muß man den Eindruck erhalten, daß daa ..feindliche Ausland" den Juden den Auftrag erteilt hat. die ..deutsche Wirtschaft zu Schächten". Ein pathologischer Verfolgungswahn tobt sich darin aus, nur gelegentlich unterbrochen durch Reminiszenzen an di<: humanistische Schulbildung des Verfassers. Man ist sehr überrascht, wenn Foilr plötzlich 'von Platns „Wächtern des Staates" spricht, um SO mehr, als beinahe im selben Atemzug der Antisemit Fritsch von ihm den Ehrentitel „Altmeister" erhält. Mit geschickt.t Dialektik wird zum Schluß der Marxismus selbst noch aU „kapitalistisches Truggebilde" hingestellt. Linker Hand, rechter Hand, alles vertauscht! 2. Wesen. Grundsätze und Ziele der XSD.*P. Das Programm der Bewegung. Herausgegeben und erläutert von Alfred Rodenberg. Rodenbergs Broschüre ist entsprechend dem Parteiprogramm in 2") kurze Kapitel eingeteilt, deren jedes einen l'rogrammpunkt bespricht und erläutert. Rosenberg hat eine besondere Fertigkeit in der Herausarbeitung von anschaulichen Hilllern. Der Jude i-t ihm der „plastische Dämon des Verfalls der Menschheit". Die Banken erhalten das Kennwort „llebräorhmken". Als eine der Aufgaben de* Zukunfl.-staates erscheint ihm. festzustellen, „inwieweit und an welchen Stellen der Talmud, der Scliulehan-Aruch z. B. Betrug der Juden an Nichtjuden zulassen bzw. direkt religionsgesetzlich vorschreiben". Noch nicht einmal das habe :i l'rit-ch und seine Jünger in jahrzehntelanger Forschung - arbeit herausbekommen können. 3. Der nationale Soziali-nui-. Von Rudolf Jung. Jung.-ein Sudetenileutscher. der sich zu Oswald Spengler bekennt, will „Grundlagen. Werdegang und Ziele" des nationalen Sozialismus in historisch-wissenschaftlicher Form darlegen. Er kündet den altgermanischen Genossenschaft •- gedanken. dem „Spekulation«- und Terminhandcl" fernlagen, wohingegen schon im Ilten Aegypten eine gewisse Menschciv gruptie die „Tarnopoler Moral" zur Geltung gebracht hätt \ Wi'stennomaden und (iroßstadtmenschen sind eines Stamme-, gegen sie wirken etwa die Fugger. der Alte Fritz od. r Rockefeiler — meint Jung — als harmlose Wirtschaftmenschen. Fichte, Friedrich List und Adolf Wagner soll die geistigen Väter des Nationalsozialismus gewesen sein auch Damaschke als Rodenreformer erhält zunächst eine gut Note. — Die deutsche Sprache liegt dem Verfasser besonder am Herzen. Man erfährt, daß „Sittigung" soviel wie Kultur bedeutet Die Theaterloge wird in I aube umgetauft Fest Vorstellungen werden dann wohl folgerichtig „Laubhütten fest" genannt werden?! 4. Adolf Hitler. Mein Kampf. 2. Aufl. 1930. Bd. 1. Eine kl i i rhinnig. Bd. 2. Die nationalsozialistische Bewegung. Der Wälzer, zu dessen Niederschrift Hitler sich zwe. einhalb Jahre Zeit während seiner Festungshaft in Land-

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