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Der Jugendbund · 1930-09-01 · 9 (9.1930) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
16 (1930)
Issue
9 (9.1930)
Date
1930-09-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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werden kann. Es muß auch ausgesprochen werden, daß die Teilnahme von Gruppen, deren Auffassung von kultureller und staatsbürgerlicher Erziehung der unserigen ternstcht. ja von uns bekämpft werden muß, allein noch nicht zur Ablehnung einer großen Partei genügt. Die Staatspartei, mit deren Programm sich unsere Freunde allein auseinanderzusetzen haben, hat in der Judenfrage befriedigende und durch die Aufstellung eines jüdischen Kandidaten teilweise bestätigte Erklärungen abgegeben. Eine Auseinandersetzung mit dem Jungdo über den Arierparagraphen und seine uns widerspruchsvoll erscheinende Auflassung über den Geist staatsbürgerlicher Erziehung mußte unseres Erachtens von unseren jüdischen Freunden bürgerlich-demokratischer Einstellung in den Reihen der Staatspartci gesucht werden. Wir stehen auch nicht an, zu erklären, daß wir als jüdischer Erziehungsbund zu gegebener Zeit eine grundsätzliche Aussprache mit den Leuten um Arthur Mahraun suchen und die Anerkennung der Wertigkeit unserer kulturellen Arbeit fordern werden. Zusammenfassend wird betont, daß diese Wahlen für uns Juden über sich selbst hinausweisen, daß sie Anlaß werden sollten zu einer endgültigen und in breiter Front erfolgenden Aktivierung der jüdischen Jugend in den politischen Parteien. Wir glauben, daß dann auch dem von bewährten jüdischen Organisationen seit Jahrzehnten geführten Abwehrkampf ein ganz anderer und in die Tiefe gehender Erfolg beschieden sein wird. Damit ist bereits gesagt, daß wir die Notwendigkeit dieses Kampfes betonen und unsere Freunde während dieser Wahlen in den Reihen der Kämpfer dieser Vereine sehen möchten. W ir begrüßen die Vereinigung der politischen jüdischen Spitzenorganisationen zu gemeinsamer Abwehrarbeit und erblicken darin ebensosehr einen Beweis der Einsicht unserer Führer wie eine neuerliche Bestätigung unserer Grundauffassung vom Primat gesamtjüdischer Haltung. In dem Bestreben um die Bildung und Vertiefung einer solchen Einheitsfront werden die Führer uns immer an ihrer Seite finden. W enn als unsere Situation im Augenblick dieser Wahlen als Scheidepunkt für die politische Aktivierung des einzelnen nach außen, vielleicht auch für die Neuorientierung jüdischer Gruppen nach innen anzusehen ist, wenn uns altneue Aufgaben aus dem Ernst der Stunde erwachsen, so darf auch an dieser Stelle der vor Wochen bereits an die Bünde ergangene Aufruf zur Kleinarbeit im Wahlkampf nicht vergessen werden. Jedes Mitglied unseres Verbandes muß sich im Wahlkampf an der ihm gemäßen Stelle betätigen. Keine Arbeit ist zu gering: Zettel verteilen," Saalschutz, Wahlschleppdienst gehören zur Vorbereitung des Wahlerfolges ebensosehr wie Agitation durch Wahlreden und Diskussionen. Ein Mindestmaß von Arbeit, persönlichen und sachlichen Opfern, muß von jedem jungen jüdischen Menschen verlangt werden. Wir wollen unsere Arbeit zum 1'4. September 1930 als das ansehen, was sie unabhängig von dem Ausgang dieser Wahlen sein kann und wird: Der Beginn politischer Aktivierung jüdischer Jugend und wahrer staatsbürgerlicher Arbeit aus unseren Reihen heraus. H. F. Was sollen wir deutschen luden tun? Offene Antwort an G. H. von der „Deutschen Republik". Frankfurt am Main, Mitte Juli 1930. Ihr ..Olfener Brief" an die deutsche Judenheit hat eine Aufnahme gefunden, mit der Sie zufrieden sein dürfen. Ob 2 Sie von dem Echo, das er in der deutsch-jüdischen Presse hnd ebenso befriedigt waren, möchte ich füglich bezweifeln. Ihr Ruf nach Selbstermannung der deutschen Juden gegenüber der wachsenden Gefahr von der Seite der Hitler-Mannen löst.;n dem führenden national-jüdischen Organ naturgemäß die r. neute Empfehlung der nationaljüdisch-zionistischen Bewi aus. Das haben Sie schwerlich bezweckt. Im konserva Lager glaubt man Sie dahin verstehen zu müssen, daß d t deutschen Juden in der republikanischen Bewegung wei Zurückhaltung üben, sondern mehr in die vorderen Kamp: einrücken sollten. Das konnten Sie nicht meinen. Den.:;i wäre den in steter Alarmbereitschaft stehenden Republik:: q gewiß nicht erwünscht, ihre faschistisch-reaktionären F« t auch noch durch Herausstellen der Juden zu reizen und :. gleich der frech-aufhetzenden Rede, republikanisch und jüd h sei gleichbedeutend, einen Schein von Berechtigung zu gc Uns Juden aber hätten Sie mit Ihrem, gewiß gut gemeinten Aufruf psychologisch das Verkehrteste geraten, wenn Sit wirklich gemeint hätten, wir sollten die brutalen Neigu: n unserer völkischen Hasser zur rasenden Gier aufreizen, ii : wir uns bei jedem Anlaß ihren wutschnaubenden Blicken aus. .setzten. Die C. V.-Zeitung durfte mit berechtigtem Stolze darauf hinweisen, daß Sie die den Juden drohende Gefahr (Mi ht schwärzer malten, als es in diesem bewährten Organ er deutsch-jüdischen Abwehr seit Monaten geschah. Sie glar'it, daß die- Warnung von nicht-jüdischer Seite her ihr eigenes Mühen um die Lockerung des Geldbeutels der C. V.-Anhar. r f.irdcrn werde, und sieht darin Ihr Verdienst. Das üb rparteiliche ,,Israelitische Familienblatt" aber meint, mit dem Appell zur Sammlung der deutschen Judenheit im „Reichsverband" Ihrer Absicht am besten zu entsprechen. Die Vielheit der Deutungen, die Ihre Worte demnach er« iuhren, dürfte Ihnen dargetan haben, daß eine bestimmtere Fassung Ihrer Wünsche an die Adresse der Juden wohl am Platze gewesen wäre. Und doch — ich glaube, es ist nicht gar so schwer, das richtig zu verstehen, was Sie meinen und andeutend verlangen. Auf Ihnen lastet fraglos eine bange Sorge, was werden soll, wenn die deutschen Juden sich nicht tätiger selbst um ihr Geschick bekümmern. Und Sie glauben zugleich, durch den Hinweis auf die Notwendigkeit gestaltender Taten all das gesagt zu haben, was den deutschen Juden nottut. Ich würde Ihren Rat, wenn er so gemeint wäre, frei: jig begrüßen, um so freudiger, als er gleichen Gedankengär. en und Forderungen entgegenkommt, denen ich in Reden schon vtzr Jahresfrist, in schriftlicher Form unter dem Thema „Mehl Aktivität" vor Wochen Ausdruck gab. Es ist gewiß so, daB wir Juden dem Hetzen und Verleumden der Nationalsozialis.en gegen uns am sichersten den Boden entzögen, wenn wir an iie Stelle von deren unerfüllbaren Versprechungen und wirklichkeitsfremden Plänen wahre Gestaltung zu setzen vermöchten, ja nur eine gestaltende Tat, die einen wahrhaften Ausbl ck auf bessere Zukunft ermöglicht. Es ist nun nicht so, als ob man jüdicherseits nicht Jie Sehnsucht hätte, eine rettende Tat für die an der Wirtschaft leidende Allgemeinheit zu vollbringen. Ich weiß von lebhaften Aussprachen und intensivem, gemeinsamem Denken über die Grundfragen der Wirtschaft in beachtsamen jüdischen Zirkeln. Wenn die Oeffentlichkeit nichts davon hörte, so ganz einfach deshalb, weil ein schöpferischer Gedanke bis jetzt nicht aufblitzte, und Bescheidenheit verbot, von bloßem Mühen viel Aufhebens zu machen. Sie irren eben in dem Punkte, wo Sie dem Durchschnitt der Juden eine überragende Fähigkeit im Bereiche der Wirtschaft zusprechen und darum von der jüdischen Gesamtheit den genialen, die Not überwindenden Ein all erwarten, zu dem die deutsche Nationalökonomie, die ehr tlich-germanischen Wirtschaftsführer und etliche Wirtschaf'.sminister bis heute nicht fähig'waren. Die Eigenart des beweglichen und fleißigen Durchschnitts-Juden in der Wirtschaft zu analysieren, würde zu weit führen. Sie läßt sich vielleicht kurz als kluges Anpassen und eifriges Ausnutzen der wer.i.-n Chancen kennzeichnen, die man dem Juden seitens der nichtjüdischen Umwelt durch Jahrhunderte ließ und heute wiejer in kalter Selbstsucht läßt. Ja, einen genialen Wirtschaft-

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