Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 7/8 (7.1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitungen nicht. Ardere Gemein-.'eblätter beschrankten sich auf die Wiedergabe des „Jta"-Berichtes über den Verlauf der Tagung, oder gaben Feuilletons aus der Feder eines Ortsvereinsmitgliedes wieder. Irr der ...Jüdischen Liberalen Zeitung" finden wir einen Aufsatz unseres Freundes Schönberger, Aachen, der sich insbesondere durch eine außerordentlich gut konzentrierte Wiedergabe des Buberschen Referats auszeichnet. Der Artikel ist vollkorrmen unpolemisch gehalten, wenn er auch die Aussprache des zweiten Tages als wenig fruchtbar bezeichnet und herbe Worte der Kritik für die Ausführungen der Diskussionsredner findet. In der „C. V.-Zeitung" ist zunächst nur ein als Vorbericht aufzufassender kurzer Artikel zu finden, in dem als Resümee der Tagung der Sieg des von der alten Verbandsleitung aufgestellen Programms festgestellt wird. Für die Beilage „Von deutscfi-füdischcr Jugend" ist ein ausführlicher kritischer Bericht versprochen, auf den wir gegebenenfalls zurückkommen werden. Die .Jüdische Rundschau" (mit ihr das ..Jüdische Echo", München, und die ..Jüdische Zeitung füjr Ostdeutschland") bringt einen ausführlichen kritischen Bericht, auf den wir näher eingehen müssen. Wir sind von Seiten der „Jüdischen Rundschau" seit Jahren nicht mit Wohlwollet! verwöhnt worden. Die großen .Verbandsereignisse der letzten Jahre wurden nicht erwähnt oder mit kurzen Randbemerkungen abgetan. Nur die Dresdener Tagung und ietzt München wurden ausführlich besprochen. Ks empf ehlt «ich. den Münchener Bericht unter Hinzuziehung des Artikels über Dresden zu lesen. ' Der Kritiker der Münchencr Tagung, hat, «o glauben wir. das Wesen un-ercs Verbandes nicht erfaßt und das, was wir gerade als seine Stärke ansehen, d;c Mannigfaltigkeit seiner .Mitgliedschaft urd d'e daraus resultierenden Spann ingen als seine Schwäche kennzeichnen zu müssen geglaubt. Hierdurch, so schreibt er. sei ihm eine klare politische Stellungnahme mit den für die Mitglieder gebotenen Konsequenzen versagt, "nd so müs'e der Verband den Ereignissen stets nachhinken. Wir glauben, daß es gerade umgekehrt ist, urd daß die Ere"gnis«e von München auch den Berichterstatter eigentlich des Gegenteils hätten belehren müssen. Eine Jugendorganisation in der von ihm gewünschten klaren politischen Stellungnahme dürft" 'im deutschen Judentum unnötig sein. Sie wird immer nur ein Anhängsel der großen politischen Or^ani'ationen bleiben und in allen ihren Entscheidungen und__Stellungnahmen von der Mutterorganisation abhän gig bleiben: neue Entscheidungen |werden stets in der politischen Organisation, vielleicht mit! Hilfe der jungen Mensche" nie aber innerhalb der Jugendorganisation fallen. Wir hingegen sind in unserer Idee und i hinsichtlich der Aufstellung unseres Programms von allen ' politischen Organisationen unabhängig fwas uns vielleicht die herbe Kritik dieser Organisationen zuzieht) wir arbeiten nicht für eine dieser Organisationen, sondern für die Gesamtheit des deutschen Judentums. Unsere Entscheidungen fallen nicht von der politischen ifotwendigkeit einer Partei her, sondern unter Berücksichtigung der Gesamtsituation. Der Verzicht auf einseitige politische Stellungnahme bedingt zwar ein Abwarten in manchen Situationen, aber die zeitlich spätere Entscheidung bedeutet deshalb niemals ein Nachhinken, sondern die Erfassung eines Problems* von einer anderen Seite und von der Totalität jüdischen Lebens her. Man will uns oft als eine Organisation zweiten Grades stempeln, und auch in dem oben bezeichneten Artikel der „Rundschau" fallen wohlwollende Worte der Anerkennung unserer Verdienste, die uns trotz aller guten Worte als zweitklassig hinstellen. Wir werden uns durch diese Kritik nicht beirren lassen. Die Ueberzeugung der Notwendigkeit unseres Verbandes und des Wertes seiner Erziehungsarbeit auf gesamtjüdischer Grundlage hat sich uns nie stärker aufgedrängt als in den entscheidenden Stunden von München, da wir uns im Augenblick der Gefahr einer Spaltung stärker denn je zusammenfanden. Die einheitliche Wahl der nunmehrigen Verbandsleitung ist von uns keinen Augenblick als persönliche Anerkennung, sondern immer nur als der einheitliche Wille der verantwortlichen Vertreter des Verbandes zur Fortführung unterer Arbeit im «elbstgewählten Kreise aufgefaßt worden Wjr haben uns durch den ehrlichen Pessimismus in den eigenen Reihen nicht entmutigen lassen. Wir werden auch duirch die herbe Kritik von außen unbeirrt dem deutschen Judentum zu zeigen versuchen, daß wir unsere Erziehungsauigabe nicht als ein Nachgehen von anderer Seite vor- 10 gezeichneter Wege auffassen, sondern uns stark fühlen, den eigenen Weg selbstgewählter Erziehungsarbeit zu schreiten. Denn als den großen Erfolg der Münchener Tagung dürfen wir ansprechen, daß sie uns die dringenden Aufgaben der Stunde aus dem Schwall der Erörterungen klar mitgegeben hat, Aufgaben, die bei intensiver Erfüllung jedes einzelne Mitglied des Verbandes in die aktive Arbeit der Bünde und Gruppen einspannen werden: .Der Kampf gegen den Nationalsozialismus" „Der Ausbau der sozialen Hilf e." ..Die Arbeit an dem überparteiischen Palästina-Aufba u." Wir gönnen anderen gerne den 'Ruhm, dem deutschen Judentum diese Aufgaben aufgezeigt zu haben. Wir treten bescheiden zurück vor den Führern des deutschen Judentums. d;c Wegweiser der politischen Neugruppierumgen sind. Unsere Arbeit wird die Erfassung des einzelnen jungen Menschen und seine Erfüllung mit den dringenden Aufgaben der Stunde sein Wenn wir ihn erziehen zu einer klaren Erkenntnis der Gesamtsituation, zum Wis-ien i'm seine jüdische Existenz und 711 der Erfüllung der ihm gestellten Aufgaben, so wird er den Weg in^die jüdische Ocffcntlichkeit finden. Ob auf den von anderen vorgezeichneten Wegen oder zu neuen Begebenheiten, das wird seine Zukunft lehren. Herbert Felsenthal. Satzungen des Verbandes der Jüdischen Jug^nduereine Deutschianns geittäl den Beschlüssen der B. ordentlichen I tolosricrtontnguii'j am S. und 0. Juni KMi in Wochen. I. I><t Verband. § 1. Ivr Vorband der jüdischen Jii"end\eroine 1 »outscliland- ■zieht die in ihm vereinigte .Iuvenil auf der Grundidee um fassender VeufralitiM zu bewußtem Judentum in RMantt- 'iiili-ehein 1 lenken und Wollen und im Geiste Staatsbürgerlieber Gesinnung. § 2. Hei den Venill-t.lltliniren de- Verbandes seiner 1 nnde-- verbümle und der Verbnnil-vereine darf nlehff (jwehehcii was gn^gou «las iüdi.-che R«digionsg«?*etz verstört II. Oer Vorstand. . § 3. l>er Vorstami des Verbände« he-tohi aus: I item Vorsitzenden. '?. den zwei stellvertretenden Vorsitzenden 'V den Yor-itzenden der I liidesvoibüu lo. bzw. deren Stell Vertretern. 1 item von den Janggrtippen gewählten Yert reter. "> den Sachbearbeitern für: it Ka--«■nverwaltuns. M Zeitschrift. ei soziale Xnthilfe. Die Delegiertent.iirunir wühlt den Vorsitzenden und die beiden stellvertretenden Vorsitzenden. Diese bilden die Ver bandsleitang. Bind für die Führung <Ier Yorbandsgöschürt' xofneinsam verantwortlich und vertreten den Verband. Die Deleei<*rttmtarunff wühlt ferner dii> Sachbearbeiter Beschlüsse von erheblicher Tr;i«'»'eit" müssen in dringenden Füllen, die einen Aufschub bis zur nächsten Del«" "i«*rt«?ntacunc hiebt dulden, von dem Vorstand trefaftt worden Hie Ansteilunr eines Gesrhäftsffihrers und sonstiger Au "( stellti-M i-t Brtetie «Je« Vorstände«*' I'ie Verb.indsleit iin« tritt mindesten* dreimal, der Vor fand mindestens einmal jährlich zu ejner Sitzung zusammen. /n deaanter Bokantitsrabo der Tag utrdrrung zwei Woehejn vorher* schriftlich einzuladen i>t. Jede Sitzung des Vor standen, der wenigstens «lie llülfte der Mitglieder beiwohnen, ist besehlnßfübiL'. Ti'u- VorbandetcHnng ist nur in ihrer Gesamtheit hosehlußfähig. TU. Der Beirat. § ■ \iis bewährten. Persönlichkeit.-u wird ein Beirai gebildet, dessen Mitglieder von der Doloiriorfoiilagung "e wählt werden. Dem Beirat geboren ferner an je ein Ver tretor der Groftfrijrc r,ir rieiUsehland VIII I'. O. B. B.. d< - Jödisflien Frauenbundes, des Allgemeinen Deutschen Rabbiner Verbandes und des hVic hshiimles der indischen I.ehrervcrein Deutschlands, sowie dem Vertreter des Verbandes im Reichausschuß der Deutschen JiiL'emlverbündo.