Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 7/8 (7.1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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IVr Verband li.it sich in den letzten Jahren nicht nur -tark vergrößert, er li.it auch .in innerem Antrieb, festerem ■ /.ii-.iriiiMi'n-t Iiiuli seiii-r an sieh grundverschiedenen Teile itncl allmählich an äußerer Bedeutung immer melir gewonnen. I IMekonnte schon nach der Dresdener Tagung vor 2 Jahren festgestellt werden. Port erweiterte iler gemeinsame Tati wille der I telegfert ui »Ii«- umfassende Organisation. Tn München schuf der gemeinsame Ernenn rungswille eine lebendige Bewegung. I>io Stoßkraft dieser Bewegung, und damit dij> Durchdringung iler Masse jüdischer Jugend mit der Idee des Verbandes, wird künftig durch .-inen stark konzentrierten und verkleinerten Vorstand tatkräftig gefördert werden. Nur die (erheblich verjüngte, auf drei Mitglieder beschränkte) VoThondsl.Mtung. sowie dir Fachbearbeiter (Kasse. Xothilfe, I Zeitschrift) und die mir Zeit Iii) Vorsitzenden der Landes- verbände nebst einem Vertreter der JunBgrup|>on bilden nach d.r neuen Satzung den Vorstami. Auch der Bei ml ist dezi- I iniert. TMe Junggmppcn, rli.- Teile des Verbände«, aus denen er Inen Kraft und neues Leben schöpfen soll, sind anihrer bischerigen Existenz neben dem Verbände hinüber-: [geieircl zu in den Verband eingegliedert! n Lobenszentren! Per \' Hemd haut -i, h auf der Xusaniuieiischließung der fast ärtl | nunmehr einheitlich .A'erbandsviroine" genannten) Lfttgei>dvereillc, -bände unil rgräuppen auf. hie Zusammenfassung räumlich aneinander/grenzender Y'erbändsvoroine innen jeizt gleichmäßig La n.d e sverhaudi' bezeichneten) Verbandsprganeu hat dadurch an Bedeutung gewonnen, daß ilen •I.andesv,ihiuid......in Mifwirkuugsrechl bei der Aufnahme und dem Au-- Muß der Verbamisvereine ihre- Gebiets eingtip-äumt worden ist. Bei kflnftigen DelegicrtentagUngen i-t «Ii«- Vertretung mehrerer Yerbamlsvereinc durch einen Delegierten nicht nebr zulässig. Jetler Delegierte darf höchstens einen Ver- »amlsrcrein vortreten! (Ks empfiehlt sich daher schon heute lie GriTndulig von Reisekassen für die in z.wei Jäliren stattjndende Delegi.'rtentagung.i' End weil ich gerade von Kasse - treibe: die bisherige Verpflichtung der Verbamisvereine, •ine Kopfsteuer von Jii Pfennig, au die Verbandskasse qhzu- 'iihren. erhöht «ich um das Notopfer von ."> Pfennig auf i"> Pfennig, und Jial die Maßsrah:' erhalten, ilaß künftig für ..ille Mitglieder, auch für diejenigen, die etwa als GeiChwister. Ehefrauen usw. die Verbandszeitschrift nicht ho-; iehen. oder aus Irgendwelchen anderen Gründen an <lie Ver- 1 ianils\i-n-ine Beiträge nicht bezahlen, die Kopfsteuer zu. enti iebten i-t. Für die Junggroppcn bestellen Ermäßigungen i er Kopfsteuer. Dies sind die wes*entlicben Punkt.' der organisatorischen Emorrlttuos des Verbandes und die für seine Arbeit von den Mitgliedern aufzubringenden Mittel auf Grund der Miinchener T.-ijruinjsbesehlüsse. hie^besie Organisation uujzt aber, nichts, wenn sie starres i : i-i bleibt! Dasselbe gilt von den in München beschlossen.»!! Richtlinien für die Arbeit: Bekämpfung des*.Nationalsozialis- 'jiu- und Erhaltung . unserer staatsbürgerlichen Rechte! soziale X<«thilfe! End außer Deutschland. Mitarbeit, am iiber- |larteili<hcn Palästinaaufhau lehne Verpflichtung für ahnend eingestellte Verbamisfreunde)! Es liegt an uns allen, die Organisation durch unsere Arbeit, durch unselbst, mit lebendigem Geiste'zn erfüllen! Weife Jeder, mit aller Kraft, und — mit ganzen Herzen! I . Erwin Seepall. z. Zt. Berlin. Wiener Brief uon der Uerbandsreise Liebe Yerbandsfreundin! I Wenn ich erst heute dazu komme. Dir. wie versprechen. ■ Inise Zeilen über die Reise nach Wien und deren Erlebnisse i: senden. -,, geschieht es; weil ich mit Absicht erst Distanz gewinnen wollte, damit di- Wesentliche sich vom Neben- - i. Iii iehen -i lieide. . - . I. Du bist mit den vielen Freunden'am Miinchener Bahnhof zurückgeblieben. ,währ>Mid wir (67 au der Zahl), bedauernd, daß wir Euch zurücklassen muhten, nach Passau ft reu. Die.. Hitze des Tages machte die Reise nicht gerade angenehmer.* aber die Großzügigkeit, mit der Herbert, unser neuer; Verbandsvorsitzender. für uns.sorgte (indem er an- .d*ijcn Reisenden weder Keknoch Obst im Miinchener Bahnhof zurückließ), ließ uns manches überwinden. In Pa--au gibt's di.' Donau! Deshalb mußten wir selbstvirs.tnudlich .direkt an ihren-Ufern soupieren, und manch' 8 ausgelassene und auch nachdenkliche Groppe spazierte n.i. : den Abeändeaeen bis nach Mitternacht den Strand entl,,.. Die wenigsten werden ausgeschlafen gehabt haben, aber |< erlitt 11i< Ii fuhr um ">.:«i l'hr morgens iler l> impfer. der ie.. in 11stümliger abwechslungsreicher Fahrt nach Wien bracht Eine Vertretung des Gemeindevor-l.indes entbot uns :r Hafen den Grit des indischen Wien. Autobusse brachten ij in das zum ..Verhandshoti 1" gewordene ..< 'mitinental ". N begann für die Leiter der Fahrt. Dr. Josef Spicr, Höchst, m. .lue I-rael. Hannover, die bisher nur ihre Wurde zu fühl hatten, der 'schwierigere Teil. Wie all gewordene Fremdenführer, gepaart mit väterlicher Gftte'. sorgten sie musl gtHtig dafür, daß die gesamten organisatorischen Dinge - reihuiiL'-loabwickelten, l ud nun. Hebe Freundin, tollst ' noch wissen, daß wir au diesem Abend ein optMctit Mahl in dein Restaurant Bratschak tjcb kai.....- Dfr um Bezugnahme auf' den Verbami besonders empfehlen) -ein nahmen. Es wurde fast 11 I hr. bis unser Freund Wißiuat, ugebensebt" hatte. (Später hat das g. -amte Ritual zwar ni. in meinen Händen, aber in aieinem sonoren Te""1' K*'-egeii l'ie meisten Freunde waren noch in der I nge. durch d ahendlii he Wien zu bummeln und sj( h die restliche Bolen Inng de- Parlamentes knxuseiien, währcml i( h mich, mit Ie sehmorzen. die nicht darnufhin nntersucht, seien, woher kamen und wodurch -ie verschwanden, in- Bett legte. Wie es sich für vornehme Leute l'i zieml. zeigen wir an datieren Margen mit modernen R«ndfiihrtomnlbussi»n los uihiließen unalle Sebenswürdiirkeiieii ih r alt -n und noch viel interessanteren neuen Stadt unter ,\s-i-t.iz iles Heben: würdigen und sachkundigen Jügemhh'zernenteii der Gemeind. Wien. Herrn'Gehlers. vOrfiihren, Ja, lieJ»- Freunditi. I1 wirst Dieb wundern, die Gemeinde Wien hat einen Jugend dezernenten. wenn Im es auch au den Verhältnissen, die un geläufig sind, gemessen, kaum Für möglich haltst. I iisen' Rei-e war für im- und das indische Wien ei, Erlebnis, Die Gemeinde gab uns einen Empfang, hei den. u. a. der Vizepräsident der (ein. iude. Herr Dr. QrPMstoili ein., besonders hensliclie Begrlißun^siinspraehe hielt, und rei ehrte bei,dies»>r («elegenhcit jtdem eine ..Geschichte d'> Wiener Juden", l'ie Logen hatten uns Freitag abend >• Gast. Hier trafen wir bei roichhosctzl. r Tafel mit, iuilgei luden Wien> zusammen. Reden wechselten einajuli'T ab timl rata Schluß halte steh außer der Feierlichen uml erhebende! Freit.iL'ahend-t imniung eine Verbnmlenheit zwischen den Menschen im Raum nrjrebi-n. die ItoffcuBicb' well nbot djes. Rejse hinaus dauern wird. Von den Gottesilienstfn; 1 i■ 1 ■ Freundin, will ich Dir nur sagen, daß sie (selbst für di. ienigon. die sonst keine cüfrigen Synagogengänger idnd) ein Krlebnis »raren, das die Rei-e nach Wien allein gelohnt hätt. Alles stürmte auf uns ein: war neu. int 're--ant Uml -ehenswert! iih es da- Schloß Schönbrünn mit -einem alten aristokratischen Park, der Kobenzel mit der herrlichen Ansicht auf Wien, der Prater mit toinem ausgelassenen Volks treiben, der Ring mit ihn auf Effekt' gebauten i.ffentlidtei Gebäuden oder die großen auder Wohnunjrssteuer erbauten VVohnsledInngen der Stadt Wien («leren Mietpreise für unübrisrens unglaublich billig sind) waren oder das iQdisehi Wai-enh.i'is. das Herzlgrab. - das \'ersofgURgshaus mit ileiii alten tausendiilhrigen jüdischen Friedhof, das gemütliafl. Wesen der Bevölkerung, dalebhatte und doch ruhige Treiben in den Kaffeehäusern, wo mau stundenlang sit/.,T kann und immer wieder unverlangt frische« Wasser vorin-etzt bekommt, alle-, lieh,- Freundin, verdichtet sich ans zu dem Zusammenklang- ..Wien". End als Krönung kommt hinzu, daß die Reisenden (ali-is VerWnd) familienhafte Bande fühlten, die auf die Wiener .luden, mit denen wir zu- -amtnenkauien. wie Furtkcn Übersprangen. Die prakti-li. Seite, wie'GemeinschafI werden kann, liebe Freundin, wenn auch nicht in Bubcrs tiefem Silin, haben wir erfahren. , Alles klappte vorzüglich: da« Reisebüro Schenker, ilnrffi -. inen liebenswürdigen Agenten Herrn Flußmann, hat -ein Sache ebensogut gemacht wie die jüdische Gemeinde; vc treten durch die Herren Dr. Orenstc.in; Direktor «leider uml Dr. Klaber. die sieh imselbstlos zur Verfügung stellten. wie. last not least. im-ere Fnlner: — sje hallen alle dazu heigetragen, daß uns ,(,.,■ Abik-Uied von Wien so schwer fiel. Gemund.Mi und der Traun-'.-. Salzbürg, de-sen Vertretimuuns am Bahnhof verpaßt -, war durch eine kurze Begrüßung des dortigen Rabbineram Abend ersetzt worden. Berchtesgaden und Königs,... (wo viele bereits sich für den Rest ihrer lerien einnisteten- — unzählige Photos zeigen den rühren .h u Abschied -. alle flog traumhaft an u.fs vorüber, und