Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 7/8 (7.1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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, i„ n weil sie Schöpfung ist. angelegt ist darauf, Gemeinschaft zu «rerden, «laß diese ganze Welt ohne Abstrich Stinte der Verwirklichung Gottes werden kann. Und ich glaube auch daran daß dieses Ziel der Schöpfung mit den Entscheidungen, lifo wir in diesem, in jedem Augenblick treffen, unlösbar verknüpft ist. Was uns zu wissen frommt, ist, daß es keines mich so ungewöhnlichen Augenblick in eines jeden von uns illorgewShnliobatetn Alltag gibt, wo es nicht eine solche Verknüpfung der Krlösung der Welt mit unserem — prnlel.irisicrten oder nicht proletarisiert.-n — Alltagsleben gibt, hie ..Tretmühle" ist nun einmal die heutige Welt, und eben -ie also, so schwer das auch erscheint, ist der uns gegebene lind aufgegebene Ort für jene Verknüpfung. Wohl ist Gemeinschaft zu wollen, aber nicht als „Gemeinschaft'4, SO daß man die Form der Gemeinschaft von jedem Sinngehalt abgeschält zu erlangen sucht, sondern »ie ist so zu wollen, daß man den Sinn seiner eigenen' Gruppe In Ihrem Gomein- -eliaftsgehalt gemeinschaftlich erfüllt. Ks gilt, innerhalb einer Gruppe die Situationen, die sie antreten, geroein -i h.iftlich zu bewältigen und ehemladurch Gemeinschaft zu er wirklichen, ohne sie zum Programm zu machen, ohne zu sagen: Jetzt will ich Gemeinschaft, jetzt erlebe ich Gemeinschaft. Gemeinschaft Ist eben nur im Alltag, in seiner Gegebenheit, in seiner Niederträchtigkeit zu verwirklichen. Ich bin durchaus dagegen, die Zweiteilung de- Lebens zu akzeptieren, die in eine Tretmühle und eine Tret mühleniniheit. Wenn wir die Tretmühle hinnehmen -ollen als etwas, wovon man sich nur in einem Teil des Tages. jM einem Teil der Woche befreien kann, aber sie im übrigen hinnehmen so wie sie ist, dann vi rewigen wir sie. Und dann gibt es nicht etwa eine Freizeit, die anders beschaffen ist, sondern die Freizeit wird dann von der Tretmühle durchfärbt, und es wird keinen Augenblick in der Freizeit geben, der nicht Tretiiiühleuhaftigkeit in sieh hatte. Der soziale Kampf ist nicht genug. Ich spreche von dem Tunkt an. wo der soziale Kampf sich als ungenügend erweist, um ein echtes Menschenleben, ein echtes Gemeinschaftsleben ii begründen. Her soziale Kampf ist in diesem Punkte nicht nur ungenügend, sondern sogar irreführend, da er darauf ausgeht; die Zeit der Tretmühle nur herabzusetzen, und glaubt, damit genug getan zuhaben. Selbstverständlich ist um die Kürzung des Arbeitstags mit allen sachlich gebotenen Mitteln zu kämpfen. Damit ist alter noch nichts im Knt-ch iileiHlen getan. Ich bin durchaus bei den um ..mehr Zeit"" kämpfenden Gruppen. — aber ihre Verblendung liegt darin, daß sie meinen, damit sei genug getan. Eine Tretmühle, die 7 oder C oder T> Stunden dauert, kann in kürzester Zeit sowohl "i bezug auf die negative Gesamtempfindung wie auf die ungünstige Beeinflussung der Freizeit ebenso mächtig geworden sein, wie jetzt eine längere. Dafür hat die Zeitlänge .dsolche keine unmittelbare Bedeutung. Dies,ist eins der I liensprohleme. die mir am schwersten am Heizen liegen. Probleme, wo ich mich nicht einfach dem oder jenem Parteien üben anschließen kann. fliese Kragen, die jetzt von der SPD. und. KPD. als utopisch verschrien sind, sind die bronnendii Fragen. Weil das I ober entzwei gerissen ist. dürfen deshalb diese Zweiteilung Iii Hölle und Ilöllenfreiheit -auktionieren? Diese so unmenschlich durchratfonlertc Vihoitsweiso. die als Prinzip nichts anderes kennt, als die Viisniitzung der physischen Menscbenkraft. ohne Rücksicht auf ine Menschen Würdigkeit der Arbeit. Kine soziale Bewegung. ■ ie dieses nicht einbezieht, ist von dem Weg zur Gemeinschaft ''geschnitten. ■ Also, um was es geht, ist — und vielleicht haben wir luden als Anteilnehtnende an dem sozial, >n Kampf der •utigen Menschheit gerade dieses Wort in ihn zu werfen — erkennen, daß all die sozialen Forderungen miteinanil -r '•eh unter das Lnsallesche Wort von der verdammten Bch ii I nislosigkeit fallen. Zu wenig fordert die soziale Belegung der Zeit, zu wenig geht sie darauf aus. das ganze -oziale Leben durchmenschlichen zu wollen. Die ftati^nali-ierung der Wirtschaft, der Technik wird besorgt von einer .....oechlichan ratio. Heute rationalisiert die menschliche ratio aber im Rücken der Menschlichkeit. Ich meine also nicht, daß wir romantisch suchen sollten, hinter die Rational iserung zurückzuspringen, sondern daß wir dieser ratio menschliche Aufgaben stellen. Kin Gemeinschaftsleben wird in die M -nschheit erat dann Einzug halten, wenn diejenigen, die die ratio, rationell verwalten, neue Aufgaben stellen werden, der Technik, tlen Erfindern neue Aufgaben stellen, die nicht «Veniger, sondern vielleicht mehr Produktion ermöglichen, •iber eine Produktivität unter wirklicher Einbeziehung des lebendigen persönlichen Menschen. Und dieses ist möglich. Das int von der Technik aus nicht utopisch, sondern die Technik selbst biet >t Möglichkeiten, wenn man dies ernstlich meint, d. h. wenn man den Menschen, den Hauin. in dem er arbeitet, die Zeit, worin sich die Arbeit abwickelt, die Abwechslung /.wischen mechanischer und nichtmechanischer Arbeit, zwischen Industrieller ui^d landwirtschaftlicher Arbeit, die Möglichkeit einer vererblicben Arbeit -stel le USW. ernstlich in die großen technischen Aufgaben einbezieht. Das Proletariat ist kein Verhängnis und die moderne Arbeltsmet linde ist kein Verhängnis; sie wäre es erst, wenn wir zu der Falschheit der unmenschlichen ratio da sagen würden, wenn wir zur Zweiteilung des Lebenin eine Tretmühle und eine Tretmühleufreiheit .Ja sagen WOrden. Ks ist noch nichts verloren, denn nirgends — im Büro nicht, im (leschüft nicht — nirgends muß die Höllf -ein. LeberaH bat manmit leben digen Menschen zu tun Ueberall kann man fordern, daß die Arbeit menschenwürdig gestaltet wird. Zu dieser objektiven Forderung aber tritt eine zweite, subjektive, persönliche: daß man da, wo man steht, solange die sozialen Forderungen und jene eben angedeutete noch nicht erkämpft sind, selber die Menschlichkeit bewahre, -o gut es geht. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß manch der sozial am heftigsten Fordernden an ihrem Platz da-. was sie fordern, nicht so bewähren, wie es an diesem crtgOH. beschwerlichen, widerspruchsvollen Platz immerhin zu bewähren i-t. Keimmenschliche Situation i-t so verrott i. -n gottverlassen, daß nicht Irgendwie mitten, in ihr Verwirklichung geschehen könnte. Jeder Mensch hat es in seinem Elend mit anderen Menschen zu tun. und zu anderen Menschen kann man ja doch immer und überall so stehen, daß man nicht nur nimmt, sondern auch gibt, daß Unmittelbarkeitzwischen Mensch und Mensch istv daß Kameradschaft zwischen Mensch und Mensch ist. — Kiner von Euch hat gesagt, man müsse sich ..im Kleinen bewähren1', er hat reiht, nur daß das ..Kleine"' kein Kleines ist. Ks gjht in Wahrheit keiu Grolles und kein Kleines: bewähren bedeutet einfach das Ernst nehmen dessen, was man in dieser Stunde zu verantworten hat. Ks ist vom ('liussitlismus gesprochen worden. Kr lehrt, es komme darauf an. wie ein Mensch das tut. was er eben tut, Heiligung. Weg zu Gott, das bedeutet, daß der Mensch das. was er jetzt und hier zu tun h.it. rein und heilig tut. Das wesentlichste vom Menschen MW für die Verbundenheit zwischen Mensch und Gott i-t immer das. womit der Mensch sich in dieser Stunde abgibt, die Augenblicksverantwortung des Menschen, die Antwort, die der Metisch jederzeit g.'ben kann auf das, womit Gott ihn gerade anspricht. Durch das. was uns Stunde um Stunde unseres Alltag-, in der Tretmühle, widerfährt, sprich! Gott uns, eben uns. an. und wir können ihm antworten durch da-, wie wir da. In der Tretmühle, leben, in den Möglichkeiten dieses Raumes." dieser Z"it und dieser Situation. Da können wir die Heiligung üben, da können wir zu Gott hin. Wenn dt nicht, dann nirgends. Junggruppensltzung Ks gilt hier nur die geistigen Inhalte, nicht den äußerlichen Verlauf der Sitzung darzulegen. Eingangs verteidigte der bisherige Hundesleiter die BundosleitUllg mit dem Hinweis auf das Versagen vieler Gruppen und Gauleiter Dennoch glaubte die Versammlung sie nicht -o rein von Schuld in dem Versagen zu sehen, daß sie die Bundesleitung hätte beibehalten können. Hans May und Hans Ahraham wurden mit großer Mehrheit zu Bundesleitern gewählt. In der Folge leitete Hans May den Abend. Ohne programmatische Erklärungen legte er sachlich dar. was uns im Augenblick au Kleinarbeit mittut. Das Abhalten eines Hundescamps im August in der Nähe von Worms wurde 'beschlossen. In einer erweiterten (iauleitersitzung am nächsten Morgen wurden örtliche und sachliche FaHisi-haften für alle wichtigen Gebiete des Bundeslebens geschaffen. , Kurt Jonas, Frankfurt a. Main. Dia neu» struktur des Verbandes Die Wichtigkeit der Münch uier Tagung ergeben nicht allein die an anderer Stelle gewürdigten Gründe. Es ist notwendig, noch besonders auf das Ergebnis der Satzungsänderungen zu verweisen. Gerade darin zeigt -ich der lebendige Wille der Menschen im Verbände, daß sie Sowohl am Inhalt wie an der Form zu ändern und zu bessern suchen. Und wie stark dieser Wille geween ist. und, wie mannigfach seine Aeußerung"n. haben die zahlreichen Anträge in der vorigen Aufgabe dieses Blattes (Tagungsnuminer) hinreichend bewiesen. v ■ . ' : ■ « 7