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Der Jugendbund · 1930-07-01 · 7/8 (7.1930) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
16 (1930)
Issue
7/8 (7.1930)
Date
1930-07-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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■ Iii. . ii Mi diesem stolxen Menschengeschlecht «lie Selbstrerni« litung .lr.>!it. Dia es so i-t —und ich sage es noch einmal, . - ist picht 11>- ga nze Wahrheit, aber <l< r Teil <l«-r Wahrheit, der kii wenig erkannt wird —. liegt es imheute zunächst .!>. meine Freunde, «renn wir «Ii«-—Stunde der "ernsten Bei r.um .-. wie Gemeinschaft werden könne, widmen wollen, iiiis in »Her Sueiilcrnheit deutlich zu machen, was Gemein- •■ Ii.iil i-i itiid was sie also nicht ist. Furchten Silnicht, daß irlr nunmehr «mihtiefgründige wi--'ii-. ii ittlii Irr Erörterung beginnen werd.\ Wenn ich keine DVtyligt vorhabe, habe ich .nu ll keine Vorlesung vor. -umhin ii-Ii will nur so viel sagen, wie nötig ist. damit wir in- \. rst"ln ti. Tin größer deutschet Soziologe. Max Weber, unterschied; u i». bcii < JeVeilsehaft und < lomeiuscluift. oder wie er es formulierte, Vergesellschaftung und Vergemeinschaftung, zwisclu'ii I Werden von (.. -olr-. halt und dem Entstehen von Geinein- I. iit. auf fohrcnde Weise: Vergesellschaftung sei auf Inter- ■--en. also tui' tuten-----ngemeinsamkelt begründet, Ver. i:l!iiie,iiis»'li;\ttiing -ei auf Gcftthrsgoiueinsamkeil begründet. t>a* -• li.-ini mir ni.lit ganz'zulänglich zu -ein. Ich liiti überhaupt -. Inbedenklich, wenn man eine objektive Wirklichkeit. -.■i •- in'der Thenri.....'er Praxi-, auf Gefühlen zu gründen \ er-iieht: .ii.....bjektive Wirklichkeit ist eine des Seins. muß i!-.> in! einer Voraussetzung l>erulien. die nicht bloß-in den Seelen steckt, sondern die alle umschließt, die in ihr -teilen. |)a- Gefühl reichte nicht zu. um zu begründen, was Gemeinschaft s, i. W enn, sieh Menschen, die mit den bestehenden Verhältnissen leidenschaftlich unzufrieden Sinti, die das leidenschaftliche Gefühl dec Auflehnung gegen-die gegenwärt ige Gesellsehaftsonluung haben, zusammentun zu einem rcVoluliouärcu Verein, so legen sie ihre Leiden-, harten, ihre I u/.ut'i iedeiili. it-- und Auflehnuugsgcfühlc zu-;.....uei>. aber eine i'. in. in-, halt i-i dadurch dieser Verein noch lange nicht g«i»oi'ilei.. sondern'er i-t schleeht und rei ht din-h nur ein Verein. Ks' kann sein, daß «jomoiiischaft .inihm wird, aber dadurch, .I iier die Gefühle der zu-.Humeiigest lilos-enen Per- -.»u.'ii /uainmengelegt hat. dadurch i-t zwi-ehen iliesen Por- -.ii. ii Gemeinschaft noili larnge nieht entstanden. Ich Iii... hl*■ ni.ht unterscheiden zwischen Intere—en- und tlefühisverbänd, sondern zwischen Intere-scn- und Lohen— verband. Gesellschaft nennen wir einen Intcre-scnvcrband. i .eiiiein-i hafi einen Lebensvcrbpnil. Wenn Menschen ihn' Int. i. --en lie--. r. erfolgreicher durchsetz»!! zu können meinen. 'I i.Inn Ii. daß sie gleiche oder ähnliche Interessen zusammentun, dann entsteht . in gesellschaftlicher Verband. W enn aber Menschen nicht -weniger als ihr Lehen — aber bitte ersetzen Sie Leben ni.ht durch etwa- Gefühlsmäßiges, nicht durch etwa*, danur in irgendeiner Festtags-lumle erklingt, Leben i-t Alrtäg. i-t all.- Tage; Tag um Tag, Stunde um Stunde, hohe und niedere Situationen, Ansprüche des Himmels und ih r Erde, itli's zii-aiiiiu .ii. nichts weniger meine ich. wenn;. i. -age Li h. n. Verband de. Lei» u- — wenn also Mens* In n ihr I." Ii en zusammentun, niiteiiiaiid-T IcIm-ii wollen, dann. ». im dienicht bloß Beschluß bleibt, wenn dienicht' bloß etwaist, was doch nur vom Geist ausgegangen i-t und im (.,-,-!. bleibt, sondern wenn da- Wirklich in das Krdreich des I .1.. nfüllt - dann elit-fehl al- Schicksal und Berufung zwischen den Menschen Gemeinscliaft. Gemeinschaft, al-n ein I.. I.en-v . rhaml. der von den M -n-chon. die ihm am.ri hören, mit ihrem tranzeij Wi—i. Im ja hl und in ihrem ganzen Wesen bewährt wird, .in Lebeitsverbaiil. wcsciismnßig gelebt, .also ni. hl bliiß mit einem Teil unseres I»a-ein-. nicbl hb>l> mit Geist oder. Gefühl, mil irgendwelchen hohen Hingen In an-, -tilidcrn mit Haut und Haaren, mit Leib und Seele, mit Hohem uml Stederein'. schlechthin mit dieser ganzen Kxistcnz bejaht, bewährt, gelebt. Ma. In n wir imdas an einem Beispiel deutlich, da-, .venu es heute genannt winl, ein kritisches Beispiel ist. an dem Beispiel ih r Familie, hie Familie i-t ein Beispiel ganz besonderer, bjespndcr* wichtiger Art. Ich glaube nicht, daß ein '.v.ihre- Gemeinwesen anders -ich Zusamnicnhildcn kann als nikleinsten Geweinsi-haftszeHeii. Ich glaub«1 nicht, daß ein Gemeinwesen au- Individuell entsteht, -und.'in es entsteht aus ne in-, halten. Aber ein wirkliches Gemeinwesen, eine ■etile große M.mscliongeuieiiischaft. die -o liesehaffeu ist. .laß / .vi-. Ii.-n beliebigen ihrer Mitglieder, die je und je irgendwo /■ii-1niiHonk..inmen, Gemeinschaft im Augenblick ihres Zu- »ämiucukouimcns da i-t und-sich entfaltet, ich sage, eine --,,]. I,.- Gemeinschaft kann nur auorganischen Gcmeinschaftsgeblldeu. auwirklichen Paliillii u werden. Ich kann au kein itaueiiewesen. dakoiiiuieu -oll. an keine Wildergeburt <ler .Gemeinschaft ohne Wiedergeburt dieser Gemcinscliaftszelle. 4 der Familie, glauben: der Familie, blutsmäßig verbünd.-i.. End schiek-alsmäliig im engsten Verband miteinander lebende Menschen. 1>I..... Familie ist zweifellos in die Krise der 6 c. meinschaft. die wir in unserer Zeit durchmachen, sn Lhii getreten, daß sie. vielleicht noch vor kurzem der letzt..- unverfälschte liest von echtem Gemeinschaftsleben, jetzt ircradezu ein Schulbeispiel für den Verfall der Getneiltschti .ihgibt. Die Familie ist ihrem Wesen nach ein echter Lebenverband, aber dieser Lebensverband ist in ein Verfallsatadiui eingetreten, wo er nicht mehr von allen seinen Ultgliederi vve-en-iuiiGig bejaht und bewiihrt wird. Ks ist ein wachsend. : Widerspruch, eine Kluft entstanden zwischen der objektiv. Verfassung dieses Lebensverbalides und der subjektiven B«. Ziehung zwischen seinen Mitgliedern. Ks gibt noch dies. . I.ebensverband, aber er winl in sehr vielen Familien ni. v mehr wahrhaft durchlebt. Familie ist noch Schicksal, aber -. ist nicht mehr Lebenswille derer, ilie in dieses Schicksal tui: einander verflochten sind An die-em Beispiel können vv. es uns ganz deutlich machen, wie sehr es auf Wiedergeburt, auf Erneuerung ankommt. Nicht Fortsetzung, nicht Weitet -chlcppen. sondern durch den Abgrund dieser Krise Unduri I in allein Krnst. unerbittlich, ohne sich etwas VOrZUUMChei ohne alle Illusionen hindurch zu einem neuen L.'bcn. zu ein >ut neuen Geiiieinschaftswerden. das nicht ziistandekoiiimen kann wenn wir uns irgendwie hinwcglügen über <lie Fragwürdig keit der Stunde. I ml damit hängt die Frage nun anmittelbar zusammen: wL' kann Gemeinschaft werden? Hängt das Von uns ab? Kann mau überhaupt Gemeinschaft herstellen, machen:' Kann mau letztlich Gemeinschaft in solcher Weise wollen wie Menschen etwa» vorhaben, sich einen bestimmten Zweck setzen, sich Mittel überleben, wie mau mit möglichst geringem Kraftaufwand diesen Zweck möglichst vollständig erreicht' Kann ein solches Wollen von Gemeinschaft überhaupt •:. raten? Ich glaube. Ihnen sagen zu müssen, daß es nicht geritten kann. Stellen Sie sieh etwa vor. ein Mensch nehme siel, vor, Persönlichkeit zu werden. Kr wacht eines schönen Tag« - auf und sagt: ..Pas geht nicht SO weiter, ich muß eine Per BunlichkeU werden." Lassen Sie nun diesen Jugendlichen sieh davornehmen und ihn vom Morgen bis zum Abend unuh la-.-ig darauf sinnen, wie er eine Persönlichkeit werden könne. Ich weiß über sein späteres Leben nichts zu sagen aber eines weiß ich mit Bestimmtheit: alles kann er werden nur Personlichkeil nicht. Lj;ihl verschiedene Wege zur Persönlichkeit, aber es gibt ei neu Weg. einen genx sichenui Weg. Persönlichkeit zu verfehlen, nämlich: sie so zu wollen Leider ist es ähnlich mit -Gemeinschaft. Ebensowenig wie mau Persönlichkeit herstellen kann, ebenso ist es mit der Gemeinschaft: diese hohen Weit.' entstehen nur als Neben piodukt. Wenn ein Mensch reiht schaffen auf Knien lebt und qlli rechtschaffene- Lebenswerk -ich vornimmt, wenn er in der Situation, in die er gestellt ist, denen gegenüber, mit denen ihn das Leben zusammenführt, sich bewährt, also ein reellte- Meii.-chenleben führt, dann wird, auch wenn er das Wort Persönlichkeit nicht kennt, schon .inihm so etwas wie ein. Persönlichkeit werden. Ebenso verhall es sich mit Gemein Schaft. Wenn Menschen miteinander wirklich etwas zu Inn haben, miteinander erfahren und miteinander auf diese El fahrung leheusmäßig antworten, wenn Menschen eine leben dige Mitte haben, um die sie gereiht sind, dann entsteh' Gemeinschaft rvisehen ihnen. Wem, sie girr nicht ,,Gemein Schaft" meinen, wenn sie sich nicht einbilden, daß einer nur -einem Nebenmann zur lochten und seinem Nebenmann zur Linken die Hand zu reichen brauche, damit ein Beigen um die ganze Welt geschlossen -ei. «renn vielmehr alle, die -ich miteinander verbinden, fühlen und wi-sen. daß in ihrer Mitte etwas ist. gleichviel ob sie es zu nennen vermögen oder ob'enamentori bleibt, dem sie durch ihr Zusammensein oder Zitsammenkommen so dienen können, wie diese Mitte es von Urnen (rjerlangt, dann entsteiil Gomeinschafi Nicht durch die ICrelSSiefaung, somlern durch die Kailieuziehiiiig entsteht Ge meinschaft. Betrachten wir nun in.diesem ZftSanunenbang die großen historischen pemeinschaflsfor.....it. Denn nur zu leicht wirJ. namentlich in einer gehobenen gemeinsamen Stimmung, etwa der einer gelungenen Tagung, der Abstand unserer Wirklich keit. nnssrer Fragwurdigkcil zu den graCen tüstorieet..... Ceineinschalten veikaiint. .Ich möchte Iiier nur die zwei groften gesehicl|tlichcn Gcnu>insebaftsformen hervorbeben, die 1111,1 ■.....infachsten Völksgemtdnschafl und Religibnsgemciuschaft nennt, obwohl beide Worte nicht ganz glücklich sind.

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