Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 4 (4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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"Welches Gluck! Welches Glück! Ein Sack vollgestopft mit Gold! Er nahm ihn selbstverständlich mit und machte sich sofort auf den Heimweg. Unterwegs traf er *das alte, bucklige Weib, und gern gab er ihm etwas von dem vielen tlold. Auch das kleine Mädchen traf er wieder, und gab ihm von dem Gold, l'nd traf auch den alten Mann. Und gab ihm etwas vor dem Gold. L'nd nachher setzte er -einen Heimweg fort. — , Er kam nach Hause. Sonderbar, — er merkte plötzlich: er war «ganz, ganz anders geworden; er war zu einem Mann herangewachsen, groß, ernst, stark. Er war einst in die Welt .gezogen, weit, weit. — war viel heriwigewandert. ehe er «Jas Glück gefunden hatte. Es hatte so furchtbar lallte gedauert. L ud hatte es zuletzt doch gefunden! Andern Menschen hatte er mit diesem gefundenen Glück geholfen, und es war ihm mich viel übrig geblieben, an Gold, aber — was noch besser ist — an dem Bewußtsein, mit dem (Fortsetzung von Seite «>.i erneut, daß die Kreise der iüdischen Jugend mit dem Programm und der Intensität der Arbeit des Jüdischen Friedensbundes nicht ohne weiteres zufrieden sein können. Schon das ganze Arrangement zeigte Risse. Rabbiner Dr. Prinz, der im Januar der iüdischen Friedenskundgebung in Bertin überhaupt erst die besondere Nuance gab. und Rechtsanwalt Dr. Laserstein — ein bewährter Vorkämpfer des entschiedenen Friedensgedankens — hatten abgesagt, vertreten war selbstverständlich die Prominenz: Großloge. Frauenbund, vom Friedensbund: Dr. Nossig. Es blieb nichts anderes übrig, als daß ich mit einem Referat über Programm und Weg des Kreises iungiüdischer Pazifisten den Anfang machen mußte. Dieser Kreis, der als eigene Fraktion dem Jüdischen Friedensbund angeschlossen ist, vertritt die Ansicht, daß die Frage des Friedens nicht ohne die soziale Frage zu lösen ist, und daß im Zeitalter des Imperialismus, der hochentwickelten internationalen Industrie, der \ orbereitungen zum Gift- und Gaskrieg und des Ausschaltens leglicher Art sogenannten persönlichen Heldentums der Krieg in jeder Form, auch der. den man ..Verteidigungskrieg" nennt, zu bekämpfen ist. (Soeben erfährt man ja, was man schon lange wußte: Die internationalen Geschäfte der Kruppschen Rüstungsindustrie während des Weltkrieges!) Wenn man mit sehr ängstlichen Mitteln und Wendungen unseren Kreis zwar auf der einen Seite gerade wegen seiner Entschiedenheit zu „bekämpfen" sucht, so dürfte es sicherlich von größerer Bedeutung sein, daß sowohl Professor Albert Einstein als auch die konsequent pazifistischen Verbände und Führer aller Richtungen gerade unserer Arbeit in den jungjüdrschen Reihen mit großer Sympathie gegenüberstehen und daß wir erst dieser Tage ein besonders herzliches Schreiben der Aufmunterung vom Direktor der Nachrichtenabteilung des Völkerbundes erhalten haben. Dr. Lubinski, Unterdezernent im Jugcndpflegeamt der Berliner iüdischen Gemeinde, hat zwar aus seiner sozialistischen Einstellung heraus zu einer Ablehnung des Jüdischen Friedensbundes kommen müssen, die Front im Jüdischen Friedensbund (Kapitalisten schwerster Observanz sitzen hier zusammen mit Sozialisten!) ist imstande, von den wirklichen Zielen sozialer und damit pazifistischer Arbeit abzulenken und eine Tätigkeit vorzugaukeln, die in Wirklichkeit gar nicht existiert. Diesen Standpunkt dürfen wir. die das Judentum in seiner Gesamtheit als aktiven Faktor der Zeitgestaltung sehen wollen, nicht anerkennen. Unser Ziel ist es gerade, den jetzt im Jüdischen Friedensbund zur Herrschaft gelangten pseudo-pazifistischen ..Kampf", der nur in der „Sammlung" von Verbänden besteht die gar keinen Zusammenhang mit einem pazifistischen Willen haben, aus der platonischen Unzulänglichkeit seiner oft genug mehr als zweideutigen Richtlinien zu führen — unser Ziel ist: hinter den leeren Begrifi „Frieden" (Wort der Mode und Symmetrie!) des Jüdischen Friedensbundes den positiven Willen zur Neuformung der Gesellschaft und ihrer Erscheinungsformen zu setzen. „Frieden" an sich ist kein Problem, kein Programm kein Kampf. Er ist nur ein Teil der großen sozialen 8 (ilück gute Taten und sieb selber ein innerlich zufrieden Leben geschaffen zu haben. (Deutsch von J Raphael Gautagung Am Sonntag, dem 16. März er., hielt der Gau 2, und zv. die Gruppen Düsseldorf, Duisburg, Hamborn und Oberhausc n Selbeck seinen Gautag ab. Wenn auch der Weltergott ur nicht gerade günstig gesinnt war, so ist der Tag doch angeneh verlaufen. Manfred Vöhl hielt, wie immer gut, eine Arbeilgemeinschaft über die Jewish Agency, die leider sehr oft durc: Werwolf-Rowdys unangenehm gestört wurde. Für die Jünger, hielt Max Mandellaub eine Arbeitsgemeinschaft über Ostui Westjudentum. — Der Nachmittag wurde durch Geländespu angenehm vertrieben. "Gegen 5 Uhr war die Schlußfeier, auf dt die Führer ihren Bericht über die Arbeit ihrer Gruppen gäbe So trennte man sich gegen Abend, vollbefriedigt ob des schöne Tages. . Auseinandersetzung aller Zeiten, und ganz besonders sichtha: kraß unserer Epoche. Der Verband ist „in corpore" dem Jüdischen Friedensbun beigetreten, ohne irgendwelche Verpflichtungen ideeller Ar: ohne Bedenken ja sogar ohne die Spur einer bestimmte Arbeitslinie innerhalb dieser Friedensorganisation. Mit der bloßen „Beitritt" — sei es zur Jewish Agency, sei es zu;i Friedensbund — ist es für eine derartig achtunggebietend. Organisation jüdischer Jugend, wie sie der Verband im deut sehen Judentum darstellt, nicht getan! Unsere lieben Bürge wissen, daß schon der Beitritt zum Kegelverein irgendwie ver pflichtet! Natürlich —! Aber der Anschluß an eine Organi sation, die den Kampf für den Geist des Friedens zu rührt: haben soll, darf „ungestraft" erfolgen? Das Gros der Verbandsmitglieder hat weder eine Ahnuni vom Pazifismus im allgemeinen, noch vom Jüdischen Friedenbund im besonderen. Die paar Aktiven bekennen sich zun Programm des Kreises jungjüdischer Pazifisten. Der Verbann hat Erziehungsarbeit zu leisten, und es wäre zu wünschen wenn die Leitung eine enge Arbeitsgemeinschaft mit demKrciungjüdischer Pazifisten einginge, — der Jüdische Friedensbund aber soll sich überlegen, ob er — trotz und wegen der ihn- ..angeschlossenen Massen" —, eine bedeutungslose, organisierte Sekte bleiben, oder ob er unter der Forderung eines Bekennt nis.ves persönlichster Art in die Front entschiedener Friedenkämpfer einrangiert werden will. Siehe: Könige I, Kap. 18, Vers 21. Bücherschau Von jüdischen Bräuchen und jüdischem Gottesdienst Unter diesem Titel erscheint soeben ein Buch*), daweithin dankbar begrüßt werden wird. Es bietet eine Heber -icht und eine Einfühlung in den Geist der Grundfragen jüdischen Lebens, wie es sieh in unseren religiösen Bräuchen in der Familie und im Gotteshaus auswirkt. Sein Verfasser, der schon immer ein sicherer Kenner der jugendlichen Psycho u.ii-. igt sich treu geblieben: das Buch ist im Geiste neuer Jugendbildung gesehrieben, es will zu lebenformender Er ki nntnis führen. In übersichtlicher Gliedorutis und in .......Inder Darstellung ist hii r ein wichtiges Stoffgebiet Rh den Religionsunterricht so bearbeitet, daß den eeistis; seelischen Fähigkeiten der Jugend voller Spielraum bleiht und Konflikte zwischen Schule und Haus, wie sie geraddieser I'nterrichtsiregenstand leicht bringt, auf natürliche Weise vermieden werden. Diese Einführung, die weniger ii: die Breite als in die Tiefe -;eht und das Relictiiis-Ethische mit intuitivem Blick und pädagogischem Geschick heraus arbeitet, -n daß eine differenzierende Auffassung und Widerspruch nicht gut möglich ist. vermag die Schul gemeinde und das-Elternhaus als ein gemeinsames Ganzes zusammenzuführen. Wie viel ist diM-h ans die-en fein gemeißelten, kurzen und doch so an- -«•baulichen, lebensnahen und seelenvollen Abhandlungen, die über «las Formale hinausgehoben sind, zu lesen! Die Atme Sphäre, die diese Darlegungen durchweht, wird sich in der ) S. Müller: Von jüdischen Bräuchen und jüdischem Gottesdienst, Karlsruhe i. B., Ift.iO. Verlag Boitze.