Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 4 (4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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mm DIE JUNGGRUPPE Alle Einsendungen sind an Herbert Felsenlhol. Düsseldorf. Grai-AdoH-SlraBc 14. zu richten. Vor München r Aufbau. Wir bauen und bauen. In die Höhe und in die Breite. Je Dimensionen müssen genügend berücksichtigt werden, in weiter, flacher Bau ist sicher, doch fehlt ihm die hervoragende Höhe, die zum Aufstieg anfeuert. Ein hochgeschosseor Turm ist leicht zu stürzen — und vielfach unerreichbar :nsam. Wir Junggruppier bauen einen Bund. Wir bauen und h tuen. In die Höhe und in die Weite. Viele Menschen wollen ivif erfassen und Hohes wollen wir erreichen. Alle tragen ihren Teil zum großen Werk bei. Doch alle eiten nur wenige Jahre. Dann kommen neue Arbeiter. Hat -ich bisher das Niveau des großen Baues sichtbar gehoben, so muß nun hier und dort ein Stück wieder abgetragen werden, um .den neuen Arbeitern den Weg zum Bau. ihre Mitarbeit . ihaupt zu ermöglichen. Verschiedene alte Arbeiter murren. Sie halten einen Teil ihrer geleisteten Arbeit für vernichtet. Sic spüren die Begrenztheit menschlichen Schaffens. Jedes Jahr, besonders um die Osterzeit, ändert sich das liilcl unserer Gruppen. Nachwuchs verlangt Niveausenkung. Die Aelteren murren. Sie sollen noch mal von vorne anfangen? Sitwollen weiter! Zu leicht vergessen sie, daß die vor ihnen gerade für sie dasselbe Opfer gebracht haben. Eine einmal geleistete Arbeit nochmal mit Jüngeren durchzuführen! Ein Opfer? Nein, eine Pflicht der Dankbarkeit: Sie nahmen von den Aelteren, sie geben's jetzt den Jüngeren — und damit ■och sich selbst aufs neue. Kehren wir noch einmal zum Bild zurück! Während des Baues erkennen wir, daß diese und iene Maßnahme verkehrt war. Wir ändern unseren Plan und heben mit der neuen Durchführung die Gesamtwirkung. Einmal ändern wir den ganzen Plan, werfen das ganze Projekt des ersten Architekten über den Haufen. Ob zum Nutzen oder Schaden, zeigt sich erst -päter. Damit die einheitliche Linie des Baues 'gewahrt wird, muß er in den Händen des ersten Architekten bleiben! Ein Bund wie der unsere bedarf der Gesamtführung eines ncrufenen Mannes. So nur kann der Bund einheitlich und ■t;irk sein. Nicht das große Tamtam, nicht äußere Umgestaltung, Umsturz noch äußerlicher Erfolg, die zwingende organische Kntwicklung garantiert die Dauerhaftigkeit unseres Bundes. Die-Zeit. Gestern. Unsere 2\i Jahre umfassende Bundesgeschichte zerfällt in drei Perioden. Die erste Periode (bis Mitte 28) bedeutet ein ständiges Ansteigen, ein Werden. Doch noch ist alles unklar, uneinheitlich. — Klarheit bringt der;,Bund". i Ich setze diese Periode noch vor Pfingsten 29 Gaimühle an; denn Pfingsten begann bereits der „Zerfall".) Das stärkste Bewußtsein eines Bundes bringt 28, Gelsenkirchen. Allmählich ist eine Klärung eingetreten. In G. wird eine Grundlage gefunden (auf der aber erst genau ein Jahr später aufgebaut wird). Nach G. Mockt die Entwicklung. Gaimühle kann nicht über die Lage iiinwegtäuschen. An Haupt und Gliedern hapert's. Die verfrühte, zersetzende Auseinandersetzung über die Bundesidee grassiert. Pfadfinderei, Romantik am Lagerfeuer füllen (uns nicht aus. Der Bund zerfällt. Heute. Heute befinden wir uns in einer neuen Epoche. Im Dezember 29 haben wir in Düsseldorf und Frankfurt dort wieder angefangen, wo wir ein Jahr früher einsetzen sollten: Das Judentum als Grundlage unserer Arbeit. Wir umreißen ein lüdisches Minimalprogramm für alle Gruppen, um über alle Schwierigkeiten hinweg allmählich eine einheitliche Grundlage zu schaffen. Harmonisch um den ständig wachsenden Zellkern ..Jüdisches" ordnet sich unser ganzes Bund-Leben. Eine Ernüchterung ist eingetreten. Keine Diskussion über Ideen und Ideale quält uns. Lernen und arbeiten ist die Forderung. Morgen. Vor uns liegt ein neuer Prüfstein: München. Dort werden auch wir Junggruppier über Gestern, Heute und Morgen reden. Nach dem gemeinsamen Thema: „Stellung zum Beruf" wird es für uns zwei spezielle Fragen geben: Die Frage der Einheit des Bundes der Jünggruppen und die Frage der Stellung des Aelteren (Junggrupplcrs). Wandlung. An unserem Bund spiegelt sich in schneller Folge die Geschichte der ganzen Jugendbewegung. Aus „Sturm und Drang" gleiten wir in ruhigere Bahnen. Es bleibt die jugendbewegte Form. Es bleibt uns die Sehnsucht nach der Erfüllung, c Doch alles ist klarer geworden, zielhafter. Wir glaubten, die Zeit ändere sich: doch nur wir machten eine große Wandlung durch. Nach uns werden neue Generationen dieselbe Wandlung erleben. Werden wir die Wandlung erkennen und verstehen'!1 HansAbraham, Gelsenkirchen. Ein Opfer der Indifferenz Vor ein paar Tagen wurde den Lesern der jüdischen Jugendzeitschrift „Das Zelt" mitgeteilt, daß die Zeitschrift mangels zu weniger Bestellung ihr Erscheinen hat aufgeben müssen; Die Zeitung, djte nur denkbar gut war, die interessante Artikel aus dem Leben des Judentums brachte — an dieser Stelle soll nichts gegen die Jugendbundzerhtng gesagt werden —, ist an der Interesselosigkeit der jüdischen jüngeren Jugend zugrunde gegangen. Der Verlag hat keine Mühe und keine Kosten gescheut, um „Das Zelt" seinem Ziel gemäß auszustatten und auszubauen. Er tat es in der Hoffnung, eine große Anhängerschaft zu gewinnen, die ihn in seinen Bestrebungen unterstützt. In den zwei Jahren seines Bestehens hat „Das Zelt" sich bemüht, zum Organ der gesamten jüdischenjüngeren Jugend des deutschen Sprachgebietes, ohne Unterschied ihrer Auffassung in religiösen und politischen Fragen, zu werden. Es wollte alle jüdischen Mädels und Jungens. gleichgültig, ob sie in Bünden vereinigt, zu einer großen Lehrerfamilie machen, die durch eins verbunden ist: den Willen. Jude zu sein und um jüdische Dinge zu wissen. Es war nur ein kurzer Traum. Hans Münchhausen, Oberhaiisen. Der Knabe, der das Glück fand "Diese kleine Gesohlt hie -tjiniint von Joanne l.'.ise Brozmnn, einer sehr jungen Leserin der amerikanisch-jüdischen Zeitschrift ..Youni: Israel'". Vor sehr langer Zeit — natürlich — lebte ein Knabe, der in die Welt wanderte, uro dut.liick zu suchen. Nachdem er eine kurze Strecke gegangen war. trat BT einen alten Mann. Der alte Mann frautcwhn. wohin rr denn wolle, „leb gehe in die Weit, um mein Glück Ru/flucnen," erwiderte er. — „Komm mit mir!" sairte «1er Alte. ..Nein", war die Antwort des Knaben. ..ich weiß ja nicht, vyhiii du mich führen willst." — Und Mi gingen beide fort, jeder den eigenen Weg. Bald darauf begegnete dein Knaben ein kleines Mädchen. I'nd die richtete an ihn dieselbe FfäjtC de« alten Mannes von eben] und wieder lautete die Antwort: „In die Welt gehe ich hinaus, um das C.lüek zu suchen." -- Das Mädchen sah ihn an und sprach: ..Komm1 mit. du sollst der glücklichste Mensch auf Erden werden!" Aber der Junge, lehnte ab und lächelte: ,„N"cin, — ich will allein geben, will mir mein eigenes Leben erobern. Denn wenn wir beide zusammen wandern, müssen' wir unser Glück dann auch miteinander teibm Es ist also besser, wenn jeder von Uli« seinen eigenen Weggeht." Dann traf der Knabe ein altes, buckliges Weib, das einen schworen Korb schleppte. ..O. hilf mir! Hilf mir!" bat die arme Frau den Knaben. Und weil er doch denselben Wog grade gehen mußte, so half er auch und trug die Bürde in ihre Hütte. I'nd zulelzt fragte sie ihn. wohin er überhaupt wolle. ..Mein Glück suche ich!" snste er. Das Weib antwortete: „Komm nur mit mir. Du sollst dein filfiek rascher finden, als wenn du in die weite, weite Welt »rändertest. — „I'nd ich möchte es trotzdem allein rinden!" sprach er. I'nd L'iiiir fort. Er kam an eine verfallene Mühle. Auf dem dunklen (lang stand ein dicker Sack. Die Mühle ist nicht .....hr in Betrieb. — dachte er. Aber es mag sein. doB kein Mehl vorhanden i.„t, — so dachte er weiter. Und neugierig sehritt er auf den dicken Sack los. Üeffnete ihn. 7