Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 4 (4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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iler Zweck und damit hatten die Verbände allen •jireiclit. Sie hatten die Massen richtig erfaßt und aus der Mitte all dieser Menschen erstehen dann auch solche, die beufen sind, einmal ihrem Verband meh r als Mitglied'zu sein. : 'icse Verbünde haben heute ein Ideal, dies hat aber der Vor l ind in rastloser Arbeit selbst geschaffen. Die heutig-- i 'unieration weiß von dieser Arbeit nichts mehr, sie sieht nur ihren vorbildlichen Verband als das Ideal. Mein neuer W e g . d e n ich hiermit zeigen will, fr c h t dahin, laß neben der ideellen Seite auch ein wirt- -chaftlieber Faktor g e s c h n f f e n w i r d. F Ii f lll.e der Schule entwachsenen jungen Juden ii u ß es.eine Selbst Verständlichkeit werden. I i e s e m Verband anzugehören, da er Vorteile bietet, die für ein Vorwärtskommen nötig i n d. Dann wird sich aus der Masse der Teil heraus- . ristallisieren. der auch für die ideelle Seite etwas übrig hat. i'ann wird auch bald die chronische Ebbe' in der Kasse trer- -chwinden. jeder wird gern seinen Reitrag zahlen. Der Zentralvorstand hat eingesehen, daß irgend etwas geschehen muß, und ein kleiner Anfang ist gemacht mit der Stellen- \ eriiiittlungsnothilfe. Alles in der Welt hat zwei Seilen Man kann idealistisch sein, ohne dabei die Realität zu vcr- L'e--en und dies heute mehr denn je. lüe angeführten Verlande, ihre wirtschaftliche Tätigkeit nur al- Mittel zum Zweck benutzend, könnten heute ohne dieselbe nicht bestehen. Meine angeführten Beispiele sind nicht dahingehend nisziilegcn, damit wir jetzt auch Krankenkassen usw. eröffnen. Ich möchte aber eine Diskussion, in der alle Vereine beteiligt sind, d a r Ii b e r r - fj! T n e n , auf welchem Gebiet u n a e r Verb a n d ein Faktor werden könnte, de n m a n i m L eben der jungen Menschen braucht. Kritiken heraus! l ud - die liigendveroine hallen das Wort! Unser Ziel? von Paul Hannemann. Berlin Immer wieder wird uns. nicht nur aus den Kreisen inderer Kunde, sondern auch ganz besonders aus unseren eigenen Reihen vorgehalten, daß wir kein großes bedeutendes Ziel hätten. Immer wieder müssen wir hören, daß wir kein Ideal besaßen, das junge Menschen machtvoll zu uns führt nid an uns bindet. Hierin glauben viele unserer Freunde das l'ebel zu Beben, das an einer Krisis des Verbandes die Schuld trügt. Dah->r i-t es von größter Wichtigkeit, sich so kurz vor einer bciiedeuteiideii Tagung wie München mit diesen Stimmen inseinanderztiaetzen. Bei flüchtiger Betrachtung, bei einseitigem Vergleich mit anderen Bünden, kann man leicht in die Versuchung geraten, diesen Stimmen recht zu geben. Denn besitzen wir tatsächlich ein ähnliches begeisterungsfähiges Ziel, das z. B. eine zionistische Organisation ihrer Jugend geben kann, wie den Wiederaufbau Palästinas, die Errichtung einer jüdisch-nationalen Heimstätte, oder wie es die deutschjüdisclie lugend fordert, die Pflege und den Schutz des Deutsch Judentums? Wohl haben auch wir ein Zi 'l. Herbert Felsenthal hat es einmal in folgender bekannter Form gebracht. ' Vom gesamtjüdisclien Wollen zur gesaiiitjüdisclH-n Tat. Aber ist das ein zur Begeisterung junger Menschen fähiges Ziel? Sind das bei näherer Betrachtung nicht nur Sehlagworto. die einer ernsten Kritik nicht standhalten? Was will denn das gesamtjüdische Wollen? Worin~T)osteht denn die gesamtiüdische Tat? Wir erhalten die Antwort: Die K r / i e h n ri g ' zum jüdischen Menschen. Das wäre ein Ziel! Besonders wenn man sieh darüber einigen könnte, was ein jüdischer Mensen ist und welchen Wert er für die Gesamtheit besitzt. Aber brauchen wir zur Erreichung dieses Zieles eine .1 u g e n d b e w e g u u g? Könnten wir da nicht viel besser einen Verein zur Pflege der-jüdischen Geschiebte und Literatur, der jüdischen Religion gründen? _, 'Alle diese Fragen und Zweifel sind.'vorhanden und doch besitzen wir ein großes begeisterungsfähiges Ziel. Ein Ziel, das weit über dein Ziel elnseitif! religiöser Richtungen oder jüdisch-politischer Organisation steht. Wir müssen es Hinein wenig anders formulieren. Nicht dir Erziehung zum jüdiseh-ß-n Menschen wollen wir. sondern die Erziehung zum Menschentum überliaiiiit. Das ist ein jüdisches Ziel., ia ieh behaupte: .Da s jüdische Ziel an sich. Wie können wir dieses Ziel erreichen. Durch die Pflege der jüdischen Religion, der indischen Werte und mit Hilfe der F.rziebungsmethoden der Jugendbewegung. Dieses Menschentum soll nicht lebensfremd sein De-- halb wollen wir es uns nvt dem Wege der Einfügung in die Oemcinscbaft erringen. . ■ ■ . Wir erziehen uns selbst, indem wir Ulis au den anderen erziehen! — Von diesem Standpunkt müssen wir alle unsere Fritu u lösen. ,:,'■.'»■ Sei es die Frage des Führet problem-. Feit von der Nuforitäl di - Einzelführers: hin zum führerlosen Ftthrert Ii in. So etwa: Eine Menge wandert durch viele (legenden. I>er jeweils Einheimische marschiert an der Spitze. Sei es die Frage alt und jung. Wir brauchen die Alten zur Erreichung unseres Menschentum- (teils dureh Ihr gute-, teils durch ihr schlechtes Vorbild). Die Alten aber niüss,.n langsam einsehen, daß sie wichtige Posten (besonders in geistiger Beziehung") der Jugend frei zu geben haben. rVnVn Frühlingsfest - Befreiungsfest Von Dr. s. Mein. Düsseldorf Pessacb naht wieder — das unvergängliche Fest tinbe-iegbarea Lebensmutes. „End wären wir auch alle weise, alle erfahren, alle bejahrt, alle gelehrt — es läge uns doch die Pflicht ob, vom Auszuge aus Aegypten zu erzählen," so -agt die Hagadah. Warum? Weil wahre Befreiung nur uns Verden kann aus innigster. Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart. Frühling ist unmöglich ohne Winter: daß wir ihm zujubeln, daß wir sein wunderbares Wirken in uns spüren, ist nur dadurch möglich, daß wir den Winter, daß wir den Ablauf der Jahreszeiten erlebt haben. Wer den Winter nicht spürt, wird auch den Frühling nicht schätzen. Wer den Winter lebendig erleid, der wird auch in ihm den Frühling ahnen. So lehrt uns das Judentum, das mitten in die kalte Jahreszeit hinein die Feier des Cbamischo ossor setzt, den Neujahrstag der Bäume, an dem wir im Geiste die Säfte emporsteigen sehen in eben dem Baume, der äußerlich noch ganz in den Fesseln des Winters leblos seine kahlen Zweige zum Himmel emporstreckt. End in diesem Feste der Mazzot. des Brotes der Sklaven, das uns hineinversetzt in die Winterszeit unsrer Geschichte, sehen wir Juden mit Bewußtsein das Frühlings- und Freiheitsfest. Unser Frühling und unsre Freiheit, sie sind noch nicht da, aber wir schaffen sie uns — den Blick nach rückwärts gewandt, und doch ganz in der Gegenwart lebend. Unser sittlicher Wille Ist es der uns -<> in einzigartiger Weise Vergangenheit und Gegenwart verknüpfen läßt: „Seht, das ist das Brot des Elends, das unsere Väter im I ande Aegypten gegessen haben. — Wen es hungert, der komme und esse, wer bedürftig ist. der komme und feiere Passnlt Dieses Jahr hier, im kommenden im lande Israels: dieses Jahr als Knecht, im kommenden als Freier." Was ist uns den Jungen, dieses Fest? ..Los von der Vergangenheit, los von allen Bindungen, laßt uns Neues schaffen!" Das ist der Ruf. der uns eiitgcrenschallt. Ist das der Sinn des Pefesach. des Freihcitsfesto? Ist das der Sinn der Befreiung aus der Knechtschaft? Des ist wohl der Ruf der Kncehtesseele. die nichts kennt, als nur das-eine: I os von allen Kettep, die nicht die neuen Ketten sieht, mit denen sie sich unbewußt und unbedacht belädt. Vicht diese Rufe können uns einen neuen Frühling, neu» Freiheit bringen. Vertieft euch in den Sinn des Judentums, dann werdet ihr in der innigen Verknüpfung des Vergangenen. Envergänglichen mit lebendiger Gegenwart wahre Befreiung finden. Lißt euch nicht betören durch Sirenenrufe. die eurer Bewegtheit und eurer Eigenart schmeicheln, die aber nichts anderes bewirken, als euch in neue Fesseln zu schlagen. Frei sein heißt: Sein Gesetz kennen und es in Freiheit anerkennen, nach i ti m leben und es lebendig erhalten.