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Der Jugendbund · 1930-03-01 · 3 (3.1930) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
16 (1930)
Issue
3 (3.1930)
Date
1930-03-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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•»eines Verbandes, so ist der Verband den Beitrat« nicht wert, den er erhebt. Was soll werden? Der Verband soll werden zu einem Hund, der mit den Methoden junger Menschen, mit ihrer Unv oreinger.ommcnheit, mit ahrer Rücksichtslosigkeit, mit ihrem Feuer, für die Erneuerung des deutschen Judentums kämpft. Nur wenn der Verband ein eigenes Gesicht hat und in der Oet'fentlichkcit zeigt, wird die Masse'der Jugend, die heute heimatlos und verzweifelt denn das ist die deutsche Uebcrsetzung für indifferent — ist, ihm folgen. Nur dann werden >:ch auch ■ die tührerischen Menschen bei ihm einfinden. Der V erband soll seine gesamtjüdische Gesinnung umsetzen in einen entschlossenen Kampf für alles, was jüdisch, ist, für allesi was der Krneuerung des jüdischen Lebens, der jüdischen Gemeinde dient. Dieser Kampf um die gesamtiüdischc Zukunft ist ein politischer Kampf. Es ist ein Kampf um das demokratische Wahlrecht in allen jüdischen Gemeinden, ist ein Kampf um den gts.-un1 lüdischen Charakter des Palästina Werkes, ist ein Kampi um eine Gestaltung des nidischen Gemeinschaftslebens, wie sie heutigen Renschen angepaßt ist (Synagoge Gemeindehaus, christliche Freundin — jüdische Freundin, Parnossim |Justiz- und andere Räte] Gemeindevertreter und andere Fragenkomplexe). Wenn ihr glaubt, die Massen jüdischer .unger Menschen mit Vorträgen oder Delegiertentagungen zu gewinnen, so werdet ihr schnell und eindeutig enttäuscht werden. Wenn ThT ahur wagt, einen radikalen Kampfbund an Jie Stelle dieses Debattierklubs einflußloser Rhetoriker zu ■etzen, dann und nur dann werdet ihr Erfolg haben. Erzieherischen Erfolg durch Wachsen eures Mitgliederkreises. polnischen Erfolg durch Wachsen eures Einflusses in den liemcinden. eine* potenziert durch das andere! Rechnungsüberprüfung uon Rabb. Dr. Klein, Dusseldon Das. was ich hier zu den Ausführungen Ernst Holzer's sagen mochte, soll nicht etwa ein« Verteidigung der Verbands-!eitun^r sein, der ich ja selbst angehöre und hinter die ich mich -- da> sei vorweg bemerkt — rückhaltlos stelle. Es geschieht, weil ich aus innerstem Wahrheitsgefühl und aus unbeirrbarer l.itbe zu unserem Verbände heraus, dem ich seit siiner Gründung angehöre, sprechen muH. Wer mich kennt, weiß, difl ich nicht für unnütze Worte bin. sondern lieber arbeite. H[ieT aber muß einmal gesprochen werden, damit unsere E,rc Je die Gefahr erkennen, die dem Verbände durch die sogenannte Opposition erwächst. Ich möchte nicht miß\ erstanden werden: ich kämpfe nicht gegen Opposition überhaupt, gehöre beileibe nicht zu denen, die fordern, däß alles gutgeheißen werde. . was eine verchrliche Verbandsleitung tut nd ~agt. Aber d i c s e Opposition bekämpfe ich. weil ich Ii 'Wohl die Art ihres Kampfes, wie sie im Lande umherzieht und durch einseitige Darstellung für sich wirbt, mißbillige — das ist die Art der Politik im häßlichen Sinne, einer Jugendorganisationnicht würdig — als auch ihre Absichten in bezog auf die Gestaltung des Verbandes für verderblich nalte, Es ist ohne Zweifel: Holzer — das ist die Opposition — will nnseren Verband zu einem reinen Instrument der Politik machen. Er will eine neue politische Partei »chatten, wozu der V erband al» Stoßtrupp dienen soll. Ein Experiment, dauns meines Erachtens von der Jugendarbeit fort und mitten ins Parteigetriebe führen muß. uns in einen Kampf treiben wird, dem unser Verband nicht gewachsen sein kann. Ernst Holzer ist. wie er schreibt, durch die Vereine gezogen, hat also auch viele Worte gemacht, was er ja an anderen so \ erurteilt. Er wird zugestehen, daß es doch immerhin nur wenige unserer Vereine gewesen sind, die er kennen .»lerr.: hat. Nun. ich bin seit Jahren durch die Vereine gezogen und kenne wohl die allermeisten, habe mich auch h»-müht. nicht nur Worte zu machen, sondern mit zahllosen Menschen aus dieser ..Masse" personliche Zwiesprache zu pflegen, stehe seit Jahren mit vielen dieser Menschen in brieflichem Verkehr und kann mir wohl ein Urteil erlauben. Ich kenne den ..alten" Verband und den ..neuen" und sehe im I einen Fortschritt, der größer i»t. als Ernst Holzer ahnt. Vi n auch im einzelnen vieles zu wünschen übrig bleibt. Jedenfalls ist es eine maßlose Uebertreibung die Jahre vor Dre-den in der Weise, wie Holzer e^ tut, gegen die 2 Jahre nach Dresden abzuheben. Da ich beiden Verbandsleitung, angehört habe, darf ich sagen, daß die Aufbauarbeit \ Dresden groß war, daß aber die Widerstände innerer un äußerer Art nach Dresden — das brauche ich ja der Opp sition nicht auseinanderzusetzen — bedeutend gestiegen «in*.- Daß trotzdem das Ganze gehalten und, wie ich meine, ii vielem sogar vorwärlsgetricben wurde, ist ein Plus der sei Dresden geleisteten Arbeit. Dabei verschließe ich mein. Augen nicht vor dem Indifferentismus großer Kreise im Ver band, vor der ungeheuerlichen Schwierigkeit der Arbeit, di. gerade an dieser Masse zu leisten ist. — Glaubt aber Ems Holzer wirklich, daß diese Masse durch Radikalismus zu ge Winnen sei? Im Augenblick vielleicht, aber sicherlich nich auf die Dauer. Es mag leicht sein, durch, geeignete Schlag vyorte. die Urteilslose berauschen und ihren Instinkten entgegenkommen, wie radikale Lösung der sexuellen Frage usw einzufangen. Soll das aber die Grundlage ernster, verantwortungsbewußter Jugendarbeit sein? Das sind Fragen, die si individuell, mit einer solchen Feinfühligkeit, mit einem solchen Maß liebevollen Eingehens auf die Einzelpersönlichkeil behandelt werden müssen, daß es nur angeht, sie vor der breiter Oeffenllichkeit zu erörtern, wenn es in besonders verantwortungsbewußter Weise geschieht. Wie entsetzlich Schwei das ist, wie eine richtige oder falsche Behandlung solcher Fragen ein Menschenleben zu beeinflussen vermag, davon weil! ich ein Lied zu singen, der ich als Jugendberater ständig damit zu tun habe. Glaubt Ernst Holzer wirklich, daß wir diesen Dingen aus dem Wege gehen wollten? Ganz so rückständig wie er uns hinstellen will, sind wir denn doch nicht. Waruni ich seinen Aufsatz über diese Fragen zurückgewiesen habe darüber mag er mein Gutachten noch einmal durchlesen, dessen Abschrift er in Händen hat. Damit sind wir vom Allgemeinen ins Einzelne gekommen Kurz noch einige Richtigstellungen, die mir notwendig er- •cheinen, damit kein falsches Bild entsteht. Von einer „Desertion in Massen" aus dem Verband is: mir, der ich doch jeden Brief an den Verband lese und die Auflageziffcr dieser Zeitschrift kenne, nichts bekannt. Einer Anzahl eingegangener oder gestrichener Vereine entspricht mindestens dieselbe Zahl von Neugründungen. Daß die Zahl der Juden in Land- und Klcin^emeinden ständig zurückgeht, weiß jeder: daß deshalb diese Vereine kleiner werden und schließlich eingehen, ist natürlich. In großen Städten habe ich die Beobachtung gemacht, daß die Vereine immer mehr zu ..Jugcnd"-Vereinen werden, weil sich die Allen, die früher ad infinitum ihm angehörten, aus zwei Gründen von ihnen trennen: einmal, weil sie die Arbeit, die eingesetzt hat, nicht mehr mitmachen können, oder weil ihr Arbcilsberuf ihnen Sorgen bringt, daß sie sich davon ganz in Anspruch nehmen lassen. Dadurch ein Abgang, der aber nichts zu tun hat mit ..Massenflucht". Ueber die Behauptung, daß die Hälfte unserer Mitglieder ..Alte" seien, lese man einmal Steinhardts Bericht über seine Rundreise im V erband. Da fällt ihm in dem halben Hundert der verschiedenartigsten Vereine gerade das Gegenteil auf. nämlich, daß so wenig ..Alte" mehr zu finden sind. Wenn da- Bild in gewissen Land- und Mittelstadtgemeinden anders sein sollte, so glaube ich. daß die Miteinbeziehung der älteren Generation in die Vortragstätigkeit des Jugend Vereins keine Sünde ist, sondern mit zu den Aufgaben gehört, die der Jugendverein innerhalb dieser Gemeinden zu lösen hat. — Ernst Holzer mag die „geistig bedeutenden ungen Me'nschen, Studenten" nennen, die sich von uns gewendet haben. Sic müssen dann doch irgendwo anders sein, und es ist doch merkwürdig, daß alle Jugendorganisationen ober Mangel an führerischen Menschen klagen. Und anderseits das „Heer der Angestellten", das sich von uns wendet Ja. ich frage den unbefangenen Leser, wer kann dann, wenn Holzers Behauptungen stimmen, noch bei uns sein, wer bleibt da noch übrig? Dieses Heer der Angestellten wird sich einmal melden, damit Holzer merkt, daß es nicht die Flucht ergriffen hat. Daß die Verbandsleitung sich schützend vor die Unterzeichner der „Erklärung deutscher Juden" gestellt habe, ist cire geschickte Verdrehung des tatsächlichen Sachverhalts, den man durch Lektüre des im ..Jugendbund" veröffentlichten Protokolls der letzten Hauptvorstandsitzung in Wiesbader, leicht erkennen kann. , Es ist nicht weiter auffallend, aber bezeichnend, daß nur die Jugendvereine im Umkreis von Frankfurt, leider nicht in Frankfurt selbst. Großes, natürlich ohne Hilfe der Verbandsleitung, geleistet haben sollen. Zur Beruhigung unserer Freunde darf gesagt werden, daß auch anderwärts im Verband ge-

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