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Der Jugendbund · 1930-02-01 · 2 (2.1930) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
16 (1930)
Issue
2 (2.1930)
Date
1930-02-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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i DIE JUNGGRUPPE S= Alle Einsendungen sind an Herberl Felsenthal. Düsseldorf. Graf-AdoU-Strafte 14, zu richten. Frankfurter Führertagung Die Frankfurter Führertagung begann am 25. Dezember .l)29. Der erste Tag war mit drei Referaten ausgefüllt, deren uifgabe es war, uns über das Verhältnis der jüdischen Jugend ii Umwell, gesehen von drei verschiedenen Standpunkten - Kameraden, Kadimah, Verband —. zu orientieren. Für n Standpunkt der „Kameraden" sprach F.rnst Wolf. Frankui I a. M. Davon ausgehend, daß sich unser historisches Schicksal in Deutschland erfüllen würde, forderte der Referent Aufgehen in der Umwell durch Eingreifen und Mitarbeit an deutschen kulturellen, sozialen und politischen Fragen sowie Be- Ivampfung des Antisemitismus, den der Referent als unechte Reaktion bezeichnet. — In der sich anschließenden Arbeitsgemeinschaft traten scharfe Gegensätze auf; vor allem die Frage des jüdischen Volkes und seiner Aufgabe, ferner die ( rage nach der Ursache des Antisemitismus waren sehr umstritten. — Für den Standpunkt der Zionisten sprach der ehemalige ßundesführer des „Kadimah". Georg Guttmann. Wir befinden uns heute in einem Assimilationsprozesse, der einen \ ,'rlustprozeß jüdischer Werte darstelle. Er fordete für die jüdische Jugend eine neue Kultur, die einerseits in volklicher, also gcfühls- und gruppenmäßiger Bindung, anderseits in kultureller Verbundenheit besteht. Für die eine Seite fordert er als Mittel die Neubelebung der jüdischen Feste, die Notwendigkeit, sie nicht nur ZU halten, sondern auch zu feiern, für die andere Seite fordert er jüdisches Wissen, wozu er drei Hauptaufgaben stellt: das Erlernen der hebräischen Sprache, der jüdischen Geschichte, und die Beschäftigung mit jüdischen Gegenwartsfragen. An dieses Referat schloß sich keine Dis- '.i'ssion. sondern nach kurzer Pause folgte das dritte Referat iles Tages, gehalten von unserem Verbandsfreund Dr. Gustav Löffler. — Er ging von der Frage aus: Warum gehen wir in den liund?. und brachte drei "Antworten: 1. Weil wir jung sind: J weil wir Juden sind, 3. aus unserem Geltungsbedürfnis herius. Er entwickeile dann unsere Stellung zur Umwelt und zu den politischen Fragen der Gegenwart im Sinne des Verbandes. (Aul diese Stellung wird in dem in Kürze erscheinenden Rundbrief über Verbandsidee von Herberl Felsenthal eingegangen werden.) Er forderte für den Führer Wahrhaftigkeit in Selbsterziehung und Bundeserziehung. Weiter betonte er, daß zur Erziehung der Jugend Romantik notwendig sei. Er forderte Sportarten, die dem Menschen dienen, wie Rudern, Schwimmen, Samariterdienst. Ferner besprach er die religiöse Erziehung und noch vieles einzelne, was für die Führerbildung und Gruppenerziehung wesentlich war. — Der Abend des ersten Tages war ausgefüllt mit einem gemütlichen Zusammensein der Führer und der Sitzung eines engeren Kreises, der sich mit den Aufgaben des ersten Tages beschäftigte. Der zweite Tag begann mit dem Referat des Bundesleiters I.eo Eschelbacher über die augenblickliche l äge im Bund. Der Referent berichtete über die Auseinandersetzungen von Bundesleitung und Verbandsleitung und stellte zur gedeihlichen Weiterarbeit folgende organisatorische Forderungen auf:— 1. Aufstellung eines Minimalprogran ■ms. 2. Bildung eines Führerkreises mit der Aufgabe der innerjüdischen Diskussion und dpr Beschaffung eines Führernachwuchses. 3. Verkleinerung der Arbeitsbezirke zwecks Intensivierung der Arbeit. 1 \ erkleinerung der Bundesleitung bzw. Belassung des derzeitigen durch den Austritt zweier Mitglieder erzielten Standes von zwei Bundesleitern, d. h. einem aus den Reihen der Junggruppen und einem Mitglied der Verbandsleitung. Die Forderungen wurden angenommen, der Führerkreis gebildet, die Gaue verkleinert, die Bundesleitung, di'; nunmehr aus Herbert Felsenthal und Leo, Eschelbacher besteht, bestätigt, das am 1. Dezember in Düsseldorf für Westdeutschland aufgestellte Minimalprogramm für sämtliche Gruppen anerkannt. Am Nachmittag fand eine Arbeitsgemeinschaft von Dr. Lölfler über den Begriff Eros und das Verhältnis von Führer und Gruppen statt. Die Beteiligung .in dieser Arbeitsgemeinschaft, deren Thema alle fesselte, war rege. Daran schloß sich eine eindrucksvolle Chanukkafeier und der "offizielle Schluß der erfolgreichen Tagung an. Winterlager der westdeutschen Gruppen Das Lager dauerte zehn Tage und fand in und bei Winterberg im Sauerland statt. Leider war die Beteiligung sehr gering, denn nur die Gruppen Gelsenkirtfhen, Duisburg. Hamm und Düsseldorf nahmen teil. Das Quartier war anfänglich der Sitzungssaal des Rathauses zu Winterberg. Der sonst so würdige Sitzungssaal der Stadtväter Winterbergs war in grauenvoller Weise entstellt. Die eine Hälfte des Zimmers war mit Stroh belegt, während die andere Hälfte mit Tisch und Sesseln den Tagesraum darstellte. — In den ersten Tagen hatten wir Glück, denn es lag etwas Schnee, so daß wir Schi liefen. W i e wir liefen, möchte ich liebet nicht näher beschreiben. Am ersten Chanukkaabend machten wir eine stimmungsvolle Feier, welche durch ein Festessen ergänzt wurde. Trotz unserem allabendlich so inbrünstig gesprochenen Schi-Gebete taute es am folgenden Tag. Außerdem mußten wir unser schönes bisheriges Lager verlassen. Wir marschierten nun zur nächsten .luhe Neuastenberg, die etwa fünf Kilometer von Winterberg entfernt ist. Nachdem wir es uns dort gemütlich gemacht hatten und immer noch nicht der ersehnte Schnee kam, machten wir kleinere Fahrten und durchstreiften die Sauerländer Berge. Aber noch einmal W*r der Wettergotl uns hold und schenkte uns einen Schneetag. Nach einigen Sturmfahrten bei Schnee und Hagel war das schöne Lager beendet. Führertreffen der mitteldeutschen Gruppen am 26. Januar in Leipzig Die Tagung war geleitet von Fritz Schwarzschild. Anlesend waren Vertreter der Gruppen Bernburg. Chemnitz, Erfurt, Halle und Weißenfels. Am Vormittag gaben die einzelnen Gruppen ihre Berichte ab. aus denen zu ersehen ist. daß planmäßig und regelmäßig gearbeitet wird. Allerdings leiden die Gruppen an der räumlichen Trennung von einander, die es ihnen kaum ermöglicht, ihre Mitglieder auf Treffen zusammenzuführen und in regelmäßigen Führerkursen ihre Erfahrungen auszutauschen. Die Organisationsfragen wurden in Uebereinstimmung milt den Düsseldorfer und Frankfurter Beschlüssen neu geregelt. Der Bezirk zerfällt in zwei Gaue, Gau 11 Thüringen (Herbert Grünstein, Erfurt) und Gau 12 Sachsen (Betti Israel, Halle). Es sollen Vertreter der mitteldeutschen Gruppen in den in Frankfurt gewählten Führerkreis entsandt werden. Ostern 1930 soll vom zweiten Osterfeiertag an in der Nähe von Erfurt ein mehrtägiges Lager stattfinden, das durch mehrere für März angesetzte Treflen vorbereitet werden soll. Das Minimalprogramm der westdeutschen Kreise wurde durchgesprochen und zur Grundlage der Arbeit bestimmt. Es fanden ferner eine Arbeitsgemeinschaft über Grundfragen der Erziehung, eine Singgemeinschaft und eine Lesegemeinschaft — Fritz Schwarzschild (lj. Buch Moses. Kap. t Vers 1 und 2) — statt. Gautag des Gaues 2 in Kaiserswerth am 2. Februar 1930 Aufregung — Sensation — Romantische Jugendherberge. Anmarsch Samstag. Zackiger Klotz der Hamborner. Düsseldorfer mit Klampfen (?). Das belagerte Kaiserswerth wird zu nachtschlafener Zeit [20'i Uhr) von dauerlauflrampelnden und singenden Horden durchstreift In der Ju-He großes Essen, dann Gesang bis zur Heiserkeit. Es folgen Proben für den nächsten Tag bis 0 Uhr. Nachtruhe. 6 Uhr großes Wecken. Recken eingefrorener Körperteile und Gemüter. Der Turm wird beflaggt, Menorah steigt in die kalten Höhen der Windmiihlenflügel. Der Himmel ist bö»e, Anmarschierende Gruppen. Der Himmel wird 'n bißchen zutraulicher. Er läßt sich schließlich überreden. Fängt an zu *

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