Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 2 (2.1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Arbeit, die wir auf Grund unserer Erfahrungen für ebenso richtig halten wie er die seine. Und das ist meine Ueberzeugung. daß wenn der Verband in seiner heutigen Form auseinanderfiele, sofort eine neue Organisation notwendig gegründet werden müsse, die seinen Platz einnimmt. Negativ ist J. J.s Kritik deshalb noch, weil er es verschmäht, uns seinen Weg aus diesem Dilemma zu zeigen. W ep soll damit gedient sein? Ist es ihm wirklich ernst damit, daß sich der Verband in einem Wellental befindet, dann muß er doch als der begeisterte Freund des Verbandes, der er sein will, .dies daransetzen, das Verbandsschiff schnell aus dieser üblen Situation herauszuführen. Statt nun einfach zu sagen, wie es nach seiner Ansicht besser gemacht werden könnte, verweist er mit schöner Geste auf die Münchener Tagung So negativ diese Geste auch ist. uns hier hat sie nicht überraschen körnen. Auch w ir haben ihn einmal gefragt.. als er bei uns — o Ironie des Schicksals — in außerordentlich akademischer Weise aber jüdische I.ebensgestaltung gesprochen hat. welchen Weg er unseren um Gestaltung ihres Daseins ringenden jungen Menschen zeigen könne. Auch damals hat er diese jungen Menschen, die von brennendster Not zu dieser Frage getrieben wurden, leer, nach Hause geschickt, indem er ihnen mit der gleichen schönen Geste gesagt hat. daß er nicht zu uns gekommen sei, um uns Ratschläge zu erteilen. Damals ist ihm gesagt worden, das die Situation unserer Menschen zu nothaft ist. als daß sie allein mit der Aufrollung von Problemen zufrieden sein könnten. Und schließlich muß gesagt werden, daß Intellekt allein nicht helfen kann. Die kleinste Tat — auch wenn sie noch so unscheinbar scheint — wiegt mehr als das schönste Problem. .Jede Opposition ist nun einmal in der glücklichen Lage eine bessere Zukunft in Aussicht stellen zu k innen, wenn sie einmal Regierung werden sollte. Frage ist nur. ob man dem Verband auf Grund der bisherigen Aeußerungen J. J.s raten kann, daß diese Opposition Regierung wird. Und so habe ich an Jakob Jacobs zwei Fragen: Einmal: Wie stellt er sich zur Masse? Ist er sich bewußt, daß er eventuell mit dem Schicksal von 10 000 jungen Juden spielt? Zweitens; Welches sind seine Thesen? Wir haben ein Recht, wenn er die Regierung will, seine Thesen, kennen z,u lernen und können uns nicht darauf einlassen, diese in letzter Minute vorgetragen zu bekommen. Schließlich hat auch Martin Luther sich nicht gescheut, seine Thesen öffentlich bekanntzugeben, damit jeder sie lese und sich mit ihnen auseinandersetze. Berichtigung Ernst Holzer b:ttet uns.' mitzuteilen, daß er Waldemar Strauß zur Abgabe einer Erklärung in der Wiesbadener Vorstandssil/ung nicht ermächtigt hat. Insbesondere ist die in der letzten Nummer des ..Jugendbund" im Protokoll der Vorstandssitzung " vermerkte Zurückziehung des Holzer- Jacobs'schen Antrages auf Mißbilligung der Verbandsfr.-tinde. die die ..Erklärung deutscher Juden' unterzeichnet haben, vrn den Antragstellern nicht beabsichtigt. Hierzu teilt uns W aldemar Strauß mit. daß er in seinen Ausführungen über den Antrag Holzer in Wiesbaden offenbar n iiiverstanden wurden sei. Weiterhin legt er Wert auf die Feststellung, daß seine Rede nur verkürzt im Protokoll wieder- ■J'U-Hen worden sei. Bücherschau Heinrich Graf Coudenhove-Kalergi: „Wesen des Antisemitismus". Paneuropa-Verlaj. Wien-Leipzig-Paris. Preis: Ganzleinen 8.— RM., broschiert 5,50 RM. „Judenfrage und Judenhaß sind heule brennender denn je", chreibt R. N. Coudenhove-Kalergi im „Antisemitismus nach Ji.ni Weltkrieg", der einleitenden Schrift zur Neuausgabc des Werkes seines Vaters Heinrich Graf Coudenhove-Kalergi: „Wesen des Antisemitismus". Das Werk, das soeben im Paneuropa-Verlag (Wien, L, Hoiburg) ersheint, gibt einen Querschnitt durch die Geschichte des Anüscmilismus von der Antike bis zur Gegenwart, gestützt auf gründliche und objektive Forschungsarbeit, durchglüht von 4 einem leidenschaftlichen Willen, den Kern einer der umstrittensten und beharrlichsten Erscheinungen der Geschichte zu erlassen und gerecht darzustellen. Das große und bleibende Verdienst dieses Buches. lie „• gerade in dieser Behandlung eines Stoffes, der noch heult unvermindert zu schweren Auseinandersetzungen Anlaß gib! welche nur zu oft nichts eher vermissen lassen als objektiv ■ und gerechte Betrachtung. Der Autor dieses Buches ist ein ehemaliger österreichischungarischer Diplomat, dessen nichtjüdische Abkunft auU.-r Frage steht und der sich auf Grund eines tiefgründigen Wissen-, einer weltumspannenden Erfahrung und vorurteilslosen Gerechtigkeit mit der Grundfrage des Antisemitismus auseinander setzt. Die Resultate dieser Auseinandersetzung sind für Juden und Antisemiten gleich lesenswert. Jeder, den das Probien, des Antisemitismus interessiert, sollte dieses Buch kennen. Dr. Robert Scharf: „Stimmungs-Training". Eine kleine Broschüre, die manchem jungen Angestellte wertvolle Hinweise geben kann. Einfach, wohl in vielem allz : einfach, wollen diese Auszüge aus Vorträgen bei der Kläriiiij von Berufsfragen helfen. F. S. l-'elix Weltsch: ...I udenfrage und Zionismu s". Eine 1 "isput.it hm. AiMieFerungsatctlr Solbstwehr. l'r.iir I. iVI.-hu 22, schertet ."m Seiten, Prehi J Mark. Die Frage der Jewish Agency hat in allen jüdischen Lagen „•ine lebhafte Diskussion lervorgerufen. In harmonischer Zusammenarbeit zwischen Zionisten und Nichtzionisten soll da« große Aufbauwerk in Palästina vor sich gehen, und die letzten leider so traurigen Ereignisse dort haben bewiesen, wie stark das Gefühl jedes einzelnen für die gemeinsame Arbeit ist Zweifelsohne ist, daß der Zionismus unser jüdisches Selbstbewußtsein aus dem Schlafe erweckt hat. So erging es auci dem bekannten Prager Religionsphilosophen und Universilälsnbcrbibliothekar Dr. jur. et phil. Felix Weltsch. Erst in reifem Viter kam er zu seinem Judentum, mit dem er hart gerungen hatte. Wie in seinem Buche: „Gnade und Freiheit", so bewundern wir auch jetzt seine kristallklare Sprache, die uns der Menschen Weltsch so nahe bringt, daß wir den Philosophen Weltsch ganz vergessen. Freund und Gegner, das ist er selb*: in einer Person. Streng hat er alles Für und Wider geprüft um zum Schlüsse im Zionismus das bejahende Judentum anzuerkennen. Zionismus ist für ihn mehr als ein politischer Begriff, sondern eine „Gestalt", aufgebaut aus Sprache. Ras-,. Kultur, Literatur. Kunst.. Geschichte, Religion . . . Den Antisemitismus und seine Stellung zur Judenfrage die Bedeutung des Mandats, Einwanderung, Finanzierung, land wirtschaftliche Kolonisation, Arbeiterorganisation, Gesundheitswesen und kulturelle Entwicklung, all das lernen wir in knappen Zügen kennen. Diesen konkreten Tatsachen stellt nun Weltscli die Idee des bewußten Judentums gegenüber, seine Stellung im Weltorchester, sein Aufbau zur harmonischen „Gestalt". Diese Diskussion zwischen Freund und Gegner bietet trotz ihrer Kürze ungezählte Anhaltspunkte für fruchtbare und anregende Debatten bei Vereinsabenden. Nicht der Tradition nicht der Religion, sondern der Macht der Idee verdank! Weltsch sein Judentum. Doch zur Idee kommt man nur über den steinigen Weg der Wirklichkeit. Aus dieser klaren Erkenntnis heraus schuf sich das Judentum in seinem grandiosen Selbsterhaltungskampfe die Jewish Agency. Viele junge jüdisci.e Menschen kämpfen wie Weltsch um eine innere Entscheidung Seine Schrift wird ihnen den Weg weisen. Ernst Meißner, Prag. Walther Itatlicnaii. I'olili-ihi' Briefe. Carl Reitoer. Verl«?. Dre-don. M gab nach dem Kriege eine Zeit der Memoiren. General« and ätaatetniinncr der .gruben Zi it -< h rieben.- Qtd';Ver; fa«aer_ dieser Generaiv-l.'iteratur wurcu veranlaßt, sieb Vi" •I<t Welt zu ont—gehuldigen, für die Taten, ili.' sie begangen null die rie nicht begangen hatten. - Wenn heute, rieben Jahre nach «einem Tode, die politischen Briefe Rutlieniiucm scheinen, kam dieser Wunsch nicht in Fra-re. Deshalb und w.-il ee pich hier um Briefe bandelt, die KAM aus dem Erleben jener Zeit und oi..... jeden Xebeitzweck fresch rieben rnrdeu. hat diese Sammlum; besonderen dokumentarischen Wert. Aber Iiier stehen wir vor Größerem: vor dem Denk mal eines Menschen, eine» Toten, der auf die heute Lebenden stirker wirken kann, als er es zu seinen Lebzeiten vermooste. Sehickaal einet) zu frUh Geberenen. Und daß dieaei Mann Jude war. Deutscher und Demokrat, dadritckt allen von uns. die an dem Lehe......i im. herum Anteil nehmen. dies Hu, l, in die Hand.