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Der Jugendbund · 1929-12-15 · 12 (15.12.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
12 (15.12.1929)
Date
1929-12-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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S= DIE JUNGGRUPPE Alle Einsendungen sind an Herbert Felsenlhal. Düsseldorf. Graf-Adolf-Strafe 14. zu richten. Ein mannwort an alle Führer Von fflartm Seligmann Diel Bundesloitung hat euch in den letzten Wochen einen bis ins einzelne detnilUerten und nach Jahrgängen gestuften Arbeitsplan an die Hand gegeben, Sie hat ilamil nicht nur die so oft gehörte Ausrode aus der Well geschafft, dal» man hiebt wisse, wie und was in den Gruppen zu arbeiten sei, sondern sie hat auch dadurch den Anfang gemacht, die Itandeearbeit unter bestimmt« FrziöhungsgcsichiapunktO' zu -tollen, Die hei uns so stark eingerissene Flauheit und Indifferenz wird sieh ülier diese bedcjitsamo Veröffentlichung der führenden Instanz des Hundes nicht hinwegsetzen können. Ich glaube vielmehr, dal» durch dieses Frziehiingsprngraiiiiii and die im Dezember stattfindenden Fülirerknrsc das He-* wnBtsein innerhalb der Führerschaft Ifirmer klarer wird, daß wir nur dann als Hund eine Existenzberechtigung haben, n i'im wir gewisse Ideale unserer Zeil e r / i e Ii e r i s c h in unserer Arbeit umzuwerten verstellen. Wir werden ein Krzichungsbiind sein oder werden nicht sein! Dies hei AI es zu erkennen und die notigen Konsequenzen daraus >.n ziehen. Aus gesundheitlieben Gründen null» ich es mir leider versagen, zu einem der Führorkurse zu erscheinen; Parum mochte;ich auf diese Weise euch etwas ans* Metz loircn. was mir als das Kriterium unserer ganzen Arbeft im Augenblick erscheint. Einen breiten Rahmen nimmt innerhalb des erwähnten Er/iohungsprogrnmms das Jüdische ein. Zwar hat das ..Allgemeine", wie wir doch gewöhnlich alies Nichtiüdischc in der Arbeit nennen, auch seinen Platz, aber wohl selten hat in unseren Heiden ein ArheitsprocYniiun < ine solch starke Betonung auf das jüdische Clement gclect. Und das mit Hecht! Ist es nicht die traurige F.rkenntuis aller anderen jüdischen JugendtKrtTOgUng — gleich oh sie im radikalzionistischen oder gar radikal-doutsehjüdisolion I ngor steht —, daß die Assimilation unserer Väter die heutige jüdische Jugend vor ein entseeltes Judentum, stellt, daß das Judentum heute keine Tatsache des T'ebens mehr für ilie westeuropäische Judenheit. sondern allenfalls * eine Angelegenheit der Er i n n e r u n g ist. daß das Judentum heute keine Wirklichkeit mehr ist? Fnd wir, auch ein Bund indischer Jugendbewegung, sollten abseits stehen? Nein, liebe Freunde, auch wir wollen wieder mit Finsatz unserer ganzen Kraft uns unser Judentum zurückerobern, auch wir glauben an eine große jüdische Zukunft, auch wir wollen an ihr teilhaben! I*m aber so wardige Nachkommen der großen Generationen vor uns ZU sehen, müssen wir viel, sehr viel arbeiten. Man hat uns im I aufe der letzten 180 Jahre ungeheuer viel, fast alles geraubt. Wir. zum mindestens die westeuropäische Jugend, haben heute nur noch ein Judentum ohne Geist, eine Form ohne Inhalt, eine Vergangendeit ohne Gegenwart. Fs wird ein schwerer Kamnf. ein grof.es Hingen werden, uns alle.« dies zurückzugewinnen und darauf neues indisches I eben zu gestalten. Wer aber faul und feige ist. der bleibe gleich ietzt zurück und lasse uns ungeschoren. Wer aber die Sehnsucht nach wahrhaft jüdischem T eben in sich spürt, wer das Judentum, für das sich unsere Ahnen auf dem Scheiterhaufen geopfert haben, des harten Kampfes wert hält, der mache endlich Frust und beginne mit einer straffen -vstomntischen Erziehung in einer Gruppe zum jüdischen Menschen! Den Weg weist euch der Arbeitsplan der Hundesleitung. Hein äußerlich mag es den Anschein haben, »hl*ob die Hundes- Ieitung mit eurer bisherigen jüdischen Arbeit zufrieden wnr und nur ein größeres Maß etwa bei den filteren Jahrgängen verlangt. Tatsächlich aber ist das Erziehungsprogramm für den, der es richtig versteht, von einem ganz anderen Geist getragen. Tatsächlich fordert es eine Intensivierung der jüdischen Arbeit auf der ganzen Linie. Unsere bisher geleistete Arbeit in dieser Hinsicht hat wenig Erfolg gehabt. Wir haben es uns zu leicht gemacht, unsere Anstrengungen wuren viel zu gering. Hier tut es not — um mit einem euch geläufigen Wort zu sprechen — ..gehörigen Druck dahinter zu machen". Wer glaubt, seine ihm anvertrauten Menschen in dem bisherigen Tempo zum wahren Judentum zu führen, so daß sie es liebgewinnen und es I«Iben,/der sollte die Arbeit lieber gleich heute aufgeben, Der Kampf, von dem ich euch gesprochen habe, erfordert nehen - der Intensivierung die 15 e s clrWu u i g u u g des Tempos. Wie ''''' dem gan'.cn Kund im allgemeinen etwas "lehr T.....peramont wünsche, SO hier besonders. Heraus ,-nis dem langwelligen Trott! Mehr Betrieb, Leben, Tempo! Nun bitte ich euch noch einen Augenblick um Aufmerksamkeit flii eine Bemerkung, die ich an euch ganz persönlich richte. An anderer Stelle in dieser Nummer habe ich zu der Frage Stellung g......mmen, inwieweit der Jugendfiihrer die Möglichkeiten zu jüdischer Erziehungsarbeit in der Hdnd hat. Die gleiche Forderung nach dem gilt ausgebildeten jüdischen Junglehrer, die ich dort erhob, gilt auch hier, wenn au« h mit der Einschränkung, daß der Junglehrer in der Hegel nicht der eigentliche Gruppenführer, sondern mehr dessen fachkundiger Helfer -ein wird. Aber ich weiß, daß die Verwirklichung clieser Notwendigkeit noch längere Zeit dauern wird, weswegen ihr djteb heute selbst helfen müßt. Wenn ihr also ernsthaft Suren Jungens und Mädels helfen wollt.wahre ■Inden zu werden, dann — und das ist zunächst für euch das wichtigste —, müßt ihr anlangen, es gelbst zu weiden. I »as ist doch klar, nicht? I >, r Führer muß; stets etwas voraus sein, um als Vorbild wirken zu können, l ud dazu gehört ein Minimum jüdischen Wissens. Erstens müßt Ibr eued etwas hineinarbeiten in das Schrifttum. Teile der Bibel,1 des Talmuds, vor allem der Propheten müßt ihr lesen, um so langsam etwas von der Größe jüdischen Geistes und dem Unsagbaren' Reichtum unserer Schriften zu spüren. Zweitens iniißt ihr euch mit allen Ausführungen jüdischen Lebens der -Gegenwart auseinandersetzen. Dann werdet ihr merken, daß in unseren Tagen starke* zukunftstrSchtlgc Kräfte am Werke sind, um ein neues lebendiges Judentum zu bauen. Selbstverständlich müßt ihr die jüdische (Jeschichte und ein großes Maß hebräischer Sprachkenntnisse beherrschen. Auf diese Weise werdet ihr allmählich als luden "erstarken und dann die Kraft besitzen, euer wieder h bendig gewordenes Judentum auf die'Gruppen zu Itbcrl ragen. Es kommt eben darauf an, daß ihr von der Vergangenheit über euch selbst den Weg zur Zukunft des Judentums findet. I'anii werdet ihr nicht nur Fähret im Judentum, sondern \ ielmedr noch: Führer z u m Judentum sein! Aber, ro< hl verstanden: unberührt von der Gmppenarboit müßt ihr selb-t euch jüdisches Gut erarbeiten, müßt euch selbst zu wirklicherem jüdischen l eben durchkämpfen. Der Weg ist bei einigem guten Willen nicht schwer. Gewiß wird sich ifl jeden Ort ein geeigneter Mensch finden, der euch die nötige Anleitung gibt, ohne die ihr natürlich nicht auskommt. Nun tut es endlich! Es ist brennend nötig für eure Gruppe und nöti^ gewiß auch persönlich für jeden einzelnen von euch. Ihr seid durch die Chance, mehr als tausend junge Menschen dem Judentum w iedergebcvnO.u können, dio.cU'h als ihren Führern in den Händen lie^t. in hohem Maße in i t - verantwortlich an ' jüdischer Zukunft. Darum tut eure Pflicht und beginnt im Sinne diV-J^Kie'hungsprogranimes eine zielbewußte jüdische Arbeit, zunächst in euren eigeTTCn Reihen und dann in den .<'nippen. Macht endlich Ernst damil. es ist höchste Zeit! Vergoßt aber bei allem nicht das Wort Martin Bubers: ..Nicht auf ein Bekenntnis kommt es an, sondern darauf, daß der. der seine Wnhrhi it in sich aufgenommen hat. sie lebe!*.* Gründung des BJS. Hamborn Wir haben eine Jungengruppe im Alter von V2 bis II Jahren, unter Leitung des Herrn Lehrer Grünwahl und meiner Fülirung. gebildet. Wir sind dem Jugendverein Hamborn angeschlossen, Es wird mit großer Begeisterung gearbeitet und wir haben den Willen, wie die anderen Gruppen, den Aufstieg anzutreten. Audi sind Gemeinschaftsgeist und Disziplin hei uns derartig ausgeprägt, daß wir uns mit lang (»•stehenden Gruppen messen können. Ks" War zweckmäßig. 'unsere frühere Gruppe aufzulösen, da der Altersuntcrsehiod zu groß wnr. und dadurch positive* Arbeit unmöglich zustande kommen konnte. Also, ein kräftiges „Chasak" unserer neuen BJS.-Gruppe. Felix Breßler, Hamborn. 5

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