Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 12 (15.12.1929)
- Date
- 1929-12-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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gäbe des Verbandes kann es mir sein, eine sinnvolle Gestaltung der Freizeit in die Wege XU leiten. Die andere Richtung, zu der ich micli selbst bekenne, ist der Ansieht, eine solche Auseinandorroißung des Verbandes ist auf die Dauer nicht zu ertragen. 'Wenn der Verband nicht auch die Gestaltung des Rerufes mit in sein Aufgabengebiet hineinzieht, hat er seine Aufgabe am jüdischen jungen Menschen nicht' erfüllt. Wenn ich recht sehe, ist das auch der Sinn der Ausführungen von Karger, der auf seine Weise versucht, diesen Zusammenklang von Berufsarbeit und Freizeitgestaltung herbeizuführen. 'Löf f ler: Nach allen Aoußeriingen erscheint mir als Wesentlichstes, mit aller Kraft bemüht zu sein, den Menschen draußen das Bewußtsein beizubringen, der Verband sei nicht nur eine soziologische Angelegenheit, sondern der Zusammen- -rhluß von Menschen, die aus einer gemeinsamen Schau, von <ie gemeinsam verbindenden Kräften her. eine gemeinsame Strecke Weges oder einen Hauptweg zusammengehen wollen. Man kann zwar von einer Idee nicht leben, aber man muß. wenn man als einzelner oder als Organisation arbeiten will, von einem Plan, von einer Idee, einer Mann getrieben sein, notwendigerweise für einen indischen Mcnsrbenkreis und Verband von einer indischen Tdee. Finden wir in Deutschland und überhaupt in der Diaspora nicht endlich einmal da« dynamisch-jüdische, so seht es noch schneller mit uns abwärts wie Teilhaber prophezeit hat. Ich schlage vor. daß man vom Verband aus eine Methode findet, daß die jungen Menschen sich untereinander durch Briefe und Zusammenkünfte Uber diese Dinge aussprechen. Tch glaube, eine Dvnamik zu seilen, von der ans -man sieb aussprechen kann. Diese ist das Verlangen, aus Gerechtigkeit diesen rbnotiseben Zustand heute zu meistern, der Wille zur Einheit in Judentum und Welt (Toben ..Die Einheit Gottes erfordert die Einheit der Menschen"), das dritte ist die Tat. Gerechtigkeit. Einheit. Tat als Formunr in der Welt und ans selbst. Eine derartige Absage gegen den Geist, wie sie augenblicklich an allen Stellen herrseht, haben wir vielleicht nie vorher in der Welt erlebt. Keiner ist zu erfassen, der nicht spürt, es gilt sein Leben als Ganzes. — Eine Organisation, die an dieser vitalen Frage, wie Wirtschaftskampf und I ebensgestaltung vorbeigeht, verübt Selbstmord. Heute ist die proRo Wirtschaft in Frage gestellt. Es ist das einzig Beglückende in dieser Situation, daß wir ganz von vorne anf ingen können, daß es gilt, neu zu gestalten. Wir müsen die Kernfrage, die Frage der revolutionären und evolutionären T'mgestaltung zur Diskussion stellen. Nicht eine, zwei Richtungen müssen sprechen. Der einzelne Mensch muß sich klar werden, aber die Klärung können wir ihm nicht geben. Vielleicht bekommen wir doch no'h den Zusammenschluß von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken, wo alles hineingeschmolzcn und neu angefangen wird. Die .Tudenheit als Oanz.es könnte dazu kommen, der Menschheit Vorschläge zu machen, aus diesem Geist der Gerechtigkeit heraus die Kernprobleme zu meistern. Ich habe mit Ilahn einmal verabredet. Hahn solle im .Tugendverband und ich in der Loge dahin wirken. Der Jugendverband hat die Pflicht. die=e Dinge endlich einmal entschieden anzugreifen aus der ideellen Einstellung heraus, die ich als abstrahiert jüdische Idee klarzumachen versucht habe. Wenn er das tut. so hat er mehr als je ein Recht zur Weiterarbeit. (Fortsetzung folgt.) Probleme der Jewish flgency Wir setzen hiermit die Aussprache über dieses wichtige Problem fort. Die Schriftleitung. Berthold Simonsohn, Bernmirg: i. Die alten Fronten — hie Zionismus, hie C. V. — gehören der Vergangenheit an. Die große innerjildische Tat der Jewish Agency hat zunächst die Kritik verstummen lassen. Ich verschließe keineswegs die Augen, daß sie einem unhaltbaren Zustand, einer unmöglich gewordenen-Parteienbildang ein Ende gemacht hat. Jetzt müssen wir aber der neuen Situation Rechnung tragen. Die bisherige ideologische Auseinandersetzung in ihrer L'nsachlichkei.t ist immer unzeitgemäßer geworden. Wir müßten darüber hinaus sein, alle diese Fragen durch theoietisches Parteigezünk lösen zu wollen; vielmehr haben wir nach der Praxis unsere Idee einzurichten. Am besten ist es, wir setzen Zionismus und jüdische Nationalgesinnung nicht mehr gleich. (Der antizionistische „Bund", die judische Arbeiterpartei Polens, ist uational-i'idisch eingestellt!) Wir wollen nicht mehr die fiten künstlich errichteten Schranken. Es gibt nur ein Judentum und darin nur drei Gruppen — die nationaldeutschunjüdischc (Xautnarinverband. und die große Menge des. <". V.), die propalästinensische und die jüdisch--ozialistisehe. Der Verband hat geglaubt, für die eine Stellung nehmen zu müssen. Er kann dafür gewichtige Gründe anführen, durchschlagende nicht! Der korporative Eintritt in die Agency ist und bieibt ein«) Verletzung der Neutralität, die nur darum unangefeindet geblieben ist, weil der größte Teil voller Erlösungsgefühlr zu sehen glaubt, daß der Gedanke unserer Neutralität nun scheinbar auch für die ältere Generation verwirklicht worden sei. Diese Optimisten! Mit der Neutralität ler Jewish Agency ist es nicht weiter her als mit der I Yborpartcilichkcit der Generalanzeigerpresse. ' II. Die Agency ist nunmehr das -stärkste Bollwerk des Palästinaaiifliauc. Dem Zionismus ist es gelungen, die kapitalkräftigen - Leute für sich zu gewinnen. Irgendein romantischem Xationalgefühl mag jene großen Herren, die sich nicht scheuen. Zins zu nehmen und ihre Angestellten auszubeuten (was wohl mit der jüdischen Ethik ..einigermaßen" in Widersprach stehen soll), veranlaßt haben, ihrer Verbundenheit mit dem ..Gesamtjudentum" klingenden Ausdruck zu geben. Jedenfalls ist die kapitalistische Seite des Zionismus derart gestärkt, daß die Poalo Zion ein unbedeutendes Faktum geworden ist — trotz Blum, trotz der Begeisterung prominenter Führer der zweiten' Internationale, trotz der kommunistischen Kwuzoth. Im Übrigen glaube ich nicht, daß so .berechnende Geschäftsleute, wie die amerikanischen und deutschen Bankiers und englischen Industriellen, aus— reinem Idealismus ihr Geld hergeben. Natürlich will man „so nebenbei" auch an Palästina verdienen. Der- Kampf um die Tote-Mcer-Konzession zeigt, wohin der Weg geht. Auf diese Weise verbindet man die Gelegenheit, sich den Namen eines hochherzigen Menschenfreundes zu machen, mit der Gewißheit, daß der sozialistische Einfluß ausgeschaltet, arabische und jüdische Arbeiter in .Feindschaft gehalten und Anteilscheine an der jungen palästinensischen Industrie in die eigene Tasche gesteckt «erden. Jene Führer der Jewish Agency können uns kein Vertrau.-n abgewinnen, solange sie nicht daran gehen, in ihrem Wirkungskreis die jüdische Ethik zu verwirklichen, und das soll, wie man so sagt, heißen: Weniger profit-berechnet, als sozial und konsequent pazifistisch handeln. III. ■ Im übrigen haben die blutigen Kämpfe in Palästina, das einmütige Vorgehen der Araber ohne Standesunterschied gezeigt, daß an Frieden in Erez Israel vorläufig nicht zu denken ist. Der Zionismus ist ein Werkzeug des englischen Imperialismus geworden. Ist es denkbar, daß eine jüdische Bewegung die Menschenrechte einer anderen Nation mit Füßen tritt? Ich glaube, daß nicht eher in Palästina der Frieden einziehen wird, bis die heuchlerische Balfour-Deklaration aufgehoben ist, die nur gehalten wurde, weil es im augenblicklichen Interesse des englischen Imperialismus lag, in die nationale Erhebung der Araber einen Keil zu treiben und das ebenfulls gegebene Versprechen auf einen großarabischen Freiheitsstaat zu brechen. „Aber", höre ich jetzt die neusten Freunde des Palästinaaufbaues sagen, „bedenken Sie doch, welche ungeheuren Vorteile die jüdische Einwanderung für ganz Palästina und überhaupt für die ganze Menschheit mit sich gebracht hat, wie aus steinigem Boden wieder ein Land mit Wiesen, Wäldern und Aetkern, mit blühender Industrie, durch jüdischen Fleiß geschaffen ist!" Ich möchte jene Herren darauf hinweisen, daß sie sieh damit die bolschewistische Theorie, daß Wohltaten aufgezwungen werden können, zu eigen machen und sie bitten, daraufhin auch die Konsequenzen in ihrer Stellung zu Sowjet-Kußland zu ziehen. England hat jetzt den schönsten Vorwand, den Arabern die politische Selbstverwaltung vorzuenthalten, „muß es doch die jüdische Minderheit vor der Terrorisierung durch die arabische Mehrheit bewahren". ■ 3 \