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Der Jugendbund · 1929-11-01 · 11 (1.11.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
11 (1.11.1929)
Date
1929-11-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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DIE JUNGGRUPPE Alle Einsendungen sind an Herbert Felsenthal. Düsseldorf. Grai-Adolf-Strafce 14. zu richten. Offener Brief an liebe alte Bekannte von Hammah. Kameraden und verband Stramme Jungen marschieren durch den Wald; Juden; Pfadfinderschlips; wissen Sie, meine Freunde, welchem Bunde Sie angehören? Und glauben Sie, daß sich im Leben jener ilruppe etwas ändern würde, wenn man den Verbandschristhaum im Wimpel in einen ' Kameradengeicr umwandeln wurde? Worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen Kameraden, Kadimah und Verbandsjunggruppen? Wollen Sie, meine Herren vom grünen Tisch, die Sie vermutlich auch in Zukunft die Verhandlungen fuhren werden, die Sie aber schon gut fahren, an keiner Fahrt mehr teilgenommen haben, wollen Sie wirklich uns weismachen, uns jungen Menschen, jene Schattierungen, die Sie herausarbeiten, wiesen Daseinsberechtigung einer Zersplitterung nach? Sollen erst die Schattierungen zu Schatten werden, in denen die Zukunft, die Jugend des Judentums ertrinkt? Soll Politik dort sein, wo Herzen zueinander schlagen sollten, aufwärts und vorwärts, im gleichen Schritt und Tritt? Kann sich irgendeine Gruppe' noch den jüdischen Gegebenheiten verschließen, zu denen auch die Beschäftigung mit dem Zionismus gehört? Kann eine Erziehung in einem deutschen Bunde anders als gleichzeitig deutsch und jüdisch sein? Kann ein Bund heute ohne die Elemente der Pfandfinderci arbeiten? Wo liegen also die Unterschiede? Daß die Kameraden alle als Rechtsanwälte in den C. V. gehen, daß die Kadimahner alle palästinensiche Aerzte werden, daß die Junggruppier im Verband graue Haare und einen Bart bekommen, — all das ist schon beim letzten Karneval als Fabel entlarvt worden. Es ist das ungeheure Verdienst Grunewalds in Mannheini, immer wieder auf die Notwendigkeit einer jüdischen Jugendgeraeinschaft hingewiesen zu haben. Wir sind seiner Meinung. Hans May, Frankfurt a. M. um die Todesstrafe Es kann bestimmt nicht an meiner Unerfahrenheit liegen, daß ich verstehe, wie Menschen, die an Geist oder Körper Krüppel sind, oft sogar staatlich von Wohl fahrt sein rieh Inn gen materiell und geistig unterstützt werden, während ein sogenannter Krüppel des moralischen Empfindens ganz einlach von der Welt abgeschlossen wird und eine denkbarst unmoralische und entsittlichende Behandlung erfährt. Jemand hat gemordet. Die Ursache kann auch der klügste Staatsnnwalt nur höchstens bis zum äußersten Innern der „Verbrecherseele" herausziehen. Den eigentlichen tiefinnersten Grund und das wirkliche Denken und Seelenleben des Mörders kann nicht einmal ein Psychologe finden, denn jeder Mensch ist ein Individuum, er wiederholt sich keinmal mehr, und seine Gedanken, die er etwa ausspricht, faßt ein anderer wiederum anders auf, denn dieser andere denkt auch anders. Der Mörder wird zum Tode verurteilt, ohne daß man sich um seine sittliche Besserung bemüht, denn nach der Straf h a n d 1 u n g und nach dem „Gesetz" verdient er Todesstrafe. Sein Richter glaubt sogar, ihn genügend erkannt zu haben und meint, auf seinen Tod dringen zu müssen. Aber anstatt, daß er selber das Beil in die Hand nimmt, läßt er einen Henker, dem irgendwelcher Intellekt zum Verbrecher, den er tötet, fehlt, der noch nicht einmal den Grund zur Todesstrafe weiß, einen Kopf abschlagen, der das Unglück hatte, für seine Handlungsweise nicht die Majorität zu besitzen und daher für unsere endlich begrenzte menschliche Gesellschaft als Abweichender, als Irrtümler, als Verbrecher galt. Er paßte also für die Mehrheit oder den Staat nicht mehr in die Gesellschaft der Menschen. Ist eine solche Handlungsweise des Staates nicht furchtbarer Despotismus? Er will sich schützen, indem er abweichende Menschen beseitigt. Er will aber auch die anderen vor Mord und Fehltritt abschrecken. Doch da steigt die Frage auf, ob der Staat nicht auch durch Vernunft gegen Verbrechen überzeugen will. Gewiß will er das. Warum behält er aber das Abschreckungsmittel bei? Drei Gründe kann man dafür nennen: 1. das Unvermögen der Justiz oder des Staates, zu erziehen; 2. hat er Angst vor den „staatsgefährlichen Verbrechern" und 3. ist die Todesstrafe Tradition. Warum werden nicht an Menschen, die die Todesstrafe erleiden sollen, Serumversuche gemacht, sondern nur an Tieren, wie Hunden und Kaninchen, obwohl später trotz Vorversuchen Menschen an neuartigen Medizinen sterben können? Ist es da nicht besser, den totgeweihten Verbrecher als „Versuchskarnickel" zu benutzen, damit andere Menschen erhalten bleiben? Bestimmt, aber die Rücksicht und Achtung des einen Menschen vor den anderen reicht dazu nicht aus. Jeder etwas, nur etwas besonnene Mensch sträubt sich gegen die Vernichtung, er will der Fliege nicht die Flügel ausreißen, die nagende Maus nicht ertränken und der blühenden Rose nicht die Blütenblätter einzeln zerrupfen. So entspringt also die Todesstrafe der uralten Rachsucht aus der Zeit, in der der Mensch entstand und als die Blutrache ein gesteigerter Kampf ums Dasein war; Auch hier wirkt das Besserungsgesetz, und so ist die Todesstrafe, obwohl wir den Anspruch auf Zivilisation machen, immer noch da. Daher muß die kommende Generation, wie vor 2000 Jahren die Pharisäer, dem Henkerhandwerk, das vom Staate unterstützt wird, ein Ziel setzen. Werner Borchardt, Bernburg. Autruf Liebe Freunde! Treffahrten und Tagungen reichen nicht aus, um die persönlichen Bindungen unter uns so stark zu machen, wie sie zu einem guten Bund unbedingt gehören. Die einheitliche Arbeitsmethode kann nur dann Erfolg zeigen, wenn alle — aber auch ohne Ausnohme — sich auch außerhalb tler Gruppenvcrnnstaltungen, Fahrt und Heimabend, mit den wichtigsten Fragen des Bundes beschäftigen, und mit anderen Freunden darüber aussprechen. Der beste Weg hierzu ist der Briefwechsel mit auswärtigen Junggrupplern. Da jedoch unser Bund verhältnismäßig jung ist und wir uns auf dem Bundestag noch fremd gegenüberstanden, ist der Mangel an Freunden im Bunde für die meisten noch sehr groß. Aus diesen Gesichtspunkten heraus haben wir uns entschlossen, mit dem heutigen Tage ein Brief Wechsel are.t einzurichten, das den Zweck hat, Briefwechsel im.Junggruppei.bund zu vermitteln. Diejenigen von euch, die daran Interesse haben, rasch zu Freunden — außerhalb ihres Wohnorts — zu kommen, wollen an das Briefwechselamt des Bundes: Hans Mannheimer, Worms (Rh.), Krimhildstr. 20, schreiben und ihr Alter, sowie deutliche Adresse und besondere Wunsche mitteilen. Außerdem bitte ich euch, doppeltes Porto (30 Pf.) beizulegen. Ich verspreche prompte Erledigung. Herzl. Chasak Hans Mannheimer. Zur Technik der Fan-t Man macht leider immer wieder die Erfahrung, daß die Wichtigkeit und Bedeutung der Fahrt in unserem Bunde noch nicht genügend erkannt worden ist. Dies beruht wohl einerseits auf der Verkennung ihres Wertes für die Erziehung und die Förderung der Gemeinschaft, anderseits aber auf der oft bestehenden Unkenntnis über ihre Technik. Sache der Führerblätter wird es sein, mit der Zeit den jungen Führern unseres Bundes die Mittel in die Hand zu geben, die zur gedeihlichen Führung einer Junggruppe vonnöten sind. Zweck dieser Zeilen toll sein, über die Technik der Fahrt einigen Aufschluß zu geben. (Eins zuvor: Gewandert wird bei 4*dem Wetter! Die Erfahrung hat gelehrt, daß vollkommen verregnete Fahrten mit die schönsten waren.) Beginnen wir mit dem einfachsten, der Sonntagsfahrt, die eigentlich jede Gruppe jeden Sonntag machen müßte: Der Führer gibt am besten schon Anfang der Woche Ziel der Fahrt und Treffpunkt bekannt. Er selbst muß sich auf die Fahrt durch Studium einer guten Karte (1:50 00 oder 1:100 000) vorbereiten Das Programm einer solchen Fahrt lautet allgemein: Treffen (möglichst früh), Fahren bis vor die Stadt, Marsch zum Lager- 9

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