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Der Jugendbund · 1929-11-01 · 11 (1.11.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
11 (1.11.1929)
Date
1929-11-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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platz (nicht über zwei bis drei Stunden), Aufschlagen des Lagers, Kochen, Spiele, Abmarsch am Spätnachmittag, Heimkehr bei Einbruch der Dunkelheit. Nun einige Ratschläge: Schon das Treffen ist bei der uns scheinbar angeborenen „jüdischen Pünktlichkeit" schwierig. Aber da gibt es ein gutes Mittel, nämlich Benutzung der Eisenbahn. Es-ist eine erwiesene Tatsache, daß der Gedanke, daß der Zug nicht wartet, zur Pünktlichkeit erzieht. Benutzt man die Straßenbahn, so hilft nur erbarmungslose Abfahrt zur angegebenen Zeit. Gewöhnt man die Gruppe erst einmal daran, daß gewartet wird, dann wird bald gröbste Unpänktlichkeit einreißen. Voraussetzung für einen Erfolg ist aber hier wie überall absolute Vorbildlichkeit des Führers, was Pflichterfüllung angeht. Bewährt hat sich auch in äußersten Fällen ein Weckdienst folgendermaßen: Zwei zuverlässige Leute (es gibt solche in jeder Gruppe) treten zwei Stunden vor Beginn der Fahrt mit Rädern an und fahren von einem zum anderen und wecken ihn. Möglichst beteilige sich der Führer an einer solchen Agitation. Die Ausrüstung des einzelnen soll sich auf ein Minimum beschränken. Jedenfalls genügt ein Brotbeutel (den jeder besitzen sollte) zur Unterbringung der erforderlichen Materialien. Gemeinsames Gut muß gleichmäßig in der Gruppe verteilt werden, vor allem ein Völkerball (den jede Gruppe besitzen sollte), Zeltmaterialien, Kochtopf usw. Eine Zeltbahn trägt man im gerollten Zustand übergehängt nach Art des Schulter¬ oder Brotbeutelriemens. Der einzelne sollte besitzen: ein Fahrtenmesser, den schon .erwähnten Brotbeutel, Aluminiumteller und -besteck, einen Kompaß, eine Pfeife (sofern der Führer Autorität genug besitzt, daß nicht den ganzen Tag Flötenkonzert gemacht wird), einen Meter Kordel oder dünnen Draht, ein Stück Schnellverband (Traumaplast) und, last not least, ein Liederbuch (Sotten, Unser Lieder, Sauerlandverlag, Iserlohn, Preis 75 Pf.). Der Führer braucht außerdem Karle, Personalausweis oder Reisepaß, etwas Geld (10 M.) für alle Fälle. Nun kann der Marsch losgehen, wohlgemerkt, mit ordentlichem Schuhzeug. Die Marschleistung richtet sich natürlich nach der Zusammensetzung und dem Zustand der Gruppe. Man soll ruhig zeitweise (auf Chaussee und durch geschlossene Or!- schaften) im Gleichschritt in Reih und Glied gehen, der Wimpelmann voraus. Ist man an Ort und Stelle angelangt, so soll nach einer kurzen Verschnaufpause das Lager in Ordnung gebracht werden. Das Zelt wird aufgeschlagen, sofern die Gruppe Zeltmaterial besitzt, was nicht dringend genug empfohlen werden kann; wenn abgekocht wird, soll die Feuerslelle errichtet werden. Man macht das folgendermaßen: Mit einem Spaten wird ein Stück Erde ausgestochen, so daß ein Loch entsteht; auf das Loch wird später der Topf gesetzt. In das Loch wird Holz gebracht und Papier zum Anfeuern. Wenn das Feuer brennt, kommt der Topf darauf. Die Geschicklichkeit besteht nun darin, daß dauernd Luft dem Feuer zugeführt "wird, daß es „Zug" hat. Am besten übergibt man die Wartung des Feuers einem einzelnen. Ueber Kochen und Zeltbauen unterrichtet das kleine Heft der Burgwacht „Knappen, heraus", das zum Preise von 0,35 RM. vom „Verlag der Ostmark", L. Loewe, Potsdam, Kronprinzenstraße 24 25, zu beziehen ist, und welches auch aus anderen Gründen jeder Jungführer besitzen muß. (Außerdem wurde in der Augustnummer des „Jugendbund" empfehlenswerte Fachliteratur genannt.) Während all dieser Vorbereitungen können schon die Unbeschäftigten mit Völkerball und anderen Spielen beschäftigt werden. (Spiele ebenfalls in „Knappen, heraus".) Nun kann das Lagerleben beginnen, ist ein Bach in der Nähe, kann gebadet werden. Dann wird der mehr oder minder gar gekochte Fraß verzehrt. Der Führer achte besonders auf Gemeinschaftsgeist in puncto Essen, er muß auch hier wissen, wieviel er seiner Autorität zutrauen kann und mit gutem Beispiel vorangehen. Nach dem Essen wird zunächst sauber gespült, dann zweckmäßigerweise eine Verdauungspause eingelegt, die mit Singen ausgefüllt ist. (Dauer eine halbe Stunde.) Dann kann ein Geländespiel beginnen.' Auch hierüber findet Ihr Rat in „Knappen, heraus", also wirklich viel für 35 Pf.l Wenn so der Nachmittag unter Spielen vergangen ist, wird das Lager abgebrochen. Papier darf nicht fortgeworfen werden. Es wird auf einen Haufen geworfen und nachher zusammen verbrannt. Bei dieser Tätigkeit muß man sich hüten, einen Waldbrand zu entfachen! Zum Schluß treten alle abmarschbereit an, und ein Mann wird bestimmt, um den Lagerplatz nach verlorenen Gegenständen abzusuchen. Dann geht es mit Gesang nach Hause. Nach der Fahrt empfiehlt es sich aus mancherlei Gründen, ein Bad zu nehmen. Das ist etwa der Verlauf einer sonntäglichen Fahrt. Das nächstemal werde ich über Klotzfahrt, Nachtfahrt und Zwei- bis Dreitagefahrt schreiben. Unterdessen stehe ich aber für jede Auskunft gern zur Verfügung und hoffe, daß ihr euch dieser Gelegenheit bedienen werdet. Ihr könnt diese Fahrt vielfach variieren, dies sollte nur ein Anhaltspunkt sein. Die letzten Kniffe und Pfiffe werdet ihr nur in eigener Erfahrung lernen. Chasak! Leo Eschelbacher, BjS., Düsseldorf. Entgegnung an Helga Slmoni In der Oktobernummer behauptet Helga Simoni, daß das Singen der Landsknechtslieder auf Fahrten der Friedensarbeit des Bundes widerspräche. Glaubst Du im Ernst, daß das Singen von ein paar schönen mittelalterlichen Landsknechtsliedern unseren pazifistischen Gefühlen und der Friedensarbeit irgendwelchen Abbruch tun kann, Dabei sind sie nicht einmal alle so wild, wie Helga Simoni sie hinstellt, ich möchte hier nur auf das schöne Lied „Wir alten Söldner von der hohen Wart'" hinweisen. Dagegen hat Helga Simoni vollkommen recht, wenn sie darauf hinweist, daß wir auf Fahrten mehr hebräische Lieder singen sollten. Allerdings braucht man auch nicht, wie das vor einiger Zeit einmal geschehen ist, in provozierender Weise durch eine größere Mittelstadt zuziehen unter „Grölen" hebräischer Lieder, und den Gesang vor der katholischen Kirche, der gerade die Kirchgänger nach vollendeter Messe entströmen, noch um ein Erhebliches zu verstärken. Wie würde es auf uns wirken, wenn die Hakenkreuzler während oder nach dem Gottesdienst unter Absingen von „Hakenkreuz am Stahlhelm" an der Synagoge vorbeiziehen? Kurt Mayer, Düsseldorf. Elternabend des b.j.s. Düsseldorf Am 17. Oktober veranstaltete die Düsseldorfer Junggruppe einen Elternabend unter dem Motto: Ei-Wi-Au (Eifelfahrt. Wimpelweihe, Auslandsfahrt). Nach einem Klaviervortrag und einem Reigen der Küken nahm Herr -Rabbiner Ör. Klein die Weihe des ersten Ortsgruppen-Wimpels vor. Er übergab den Wimpel, indem er an die ehrwürdige Tradition der Menorah und der jüdischen Stammesabzeichen erinnerte und die Gruppe aufforderte, im Geiste ihrer Vorfahren die alten jüdischen Formen mit neuem Leben zu erfüllen. Darauf folgte die humorvolle Schilderung der Eifelfahrt der mittleren Gruppen mit Hilfe der während der Fahrt gemachten Aufnahmen. Als nächstes begann dann die Hauptsache des Abends, der Lichtbildervortrag über die diesjährige Auslandsfahrt des Bundes nach Schweden. In abwechslungsreicher Weise erzählten die fünf Schwedenfahrer ihre mannigfachen, teils ernsten, teils heiteren Erlebnisse während der Fahrt, — wie sie die Sturmnacht im Kattegatt auf einem kleinen Frachtdampfer tiberstanden, — wie sie sich ohne Landes- und Sprachkenntnisse durchschlugen, von fetten und mageren Tagen, — von herrlichen Wäldern, Seen und Felsen, — von bunten Trachten und von vielem anderen. Leider litt die Projektion der vielen Aufnahmen etwas unter der Unzulänglichkeit des ^Apparates, jedoch wurde das Publikum durch die Vorträgt reichlich entschädigt. H a b a u. Fortsetzung von Seite 8. Leber schöne Wanderungen schreiben uns Essen I Hengstey-See, Wedauer See) und E i s e n a c h. Von besonders interessierenden Heimabenden und Arbeitsgemeinschaften lieben wir hervor: In .Höchst über Tagesfrag'en („Jewish Agency", „Internationale jüd. Frauenarbeit", „Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden", „Jüd. Wohlfahrtspflege in Deutschland"); in Essen über „Weimarer Verfassung"; in Stuttie " ' ■ gart „Die Lehrer des Talmuds" (Rabbiner Dr. Auerbach): in Göttingen „Probleme der Zeit"; in Schivelbein ..Hebräisch", „Jüd. Geschichte und Literatur" (Jankelowitz); in Chemnitz „Aktuelle jüdische Fragen" (jüd. Leben, jüd. Religion, die nationale Bewegung, Kolonisation. Leiter Rechtsanwalt Dr. Fleiß), „Grundfragen des Verfassungsrechts" (Rechtsanwalt Wisla), „Soziologie des Judentums" (Dr. Machnitzki); in Hameln „Caliban" von A. Zweig, „Die Juden als Rasse und Kulturvolk" von F. Kahn, „Jüdische

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