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Der Jugendbund · 1929-11-01 · 11 (1.11.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
11 (1.11.1929)
Date
1929-11-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Ein Brief zur Frbeit im Bund ' Dieser Brief ist durch Zufall uns bekannt geworden. Die sehr ernsthaften und wichtigen Gedanken einer Jugendbündlerin sind für uns und unsere Arbeit wichtig. Die Red. Ihr habt gesagt, Ihr freut Euch, wenn Ihr aus dem Mitgliederkreise einen Brief bekommt. Da der gestrige Abend — ich kann noch immer nicht ganz glauben, daß Ihr wirklich so gar nichts verstanden habt — mehr Unklarheit als Klärung gebracht hat — was er nicht sollte —, und da es zu einer Zeit, da in Palästina die einzigen Menschen der heutigen Judenheit. die wirklich arbeiten, kämpfen und sterben, eines jüdischen .Jiijendbundes, gleich welcher Richtung, unwürdig ist, uneinig und verärgert zu sein über Bagatellen —, möchte ich schriftlich versuchen, zu klären, was gestern gemeint war. Also: Zuerst einmal: Die „Mißvergnügten" (Martin hat den Namen schön geprägt) sind gar nicht'mißvergnügt, wenn sie das wären, würden sie sich den Teufel um das Wohl und Wehe des Bundes kümmern. Es sind gerade Menschen, die den Bund lieben und gern darin arbeiten — arbeiten kann bei uns doch nur heißen: weiterarbeiten an sich selbst im Rahmen der „gesamt-jüdischen Einstellung" und dadurch Einfluß gewinnen auf die „Neuen", von denen wir (wenigstens in unserer Gruppe), ein ganz Teil haben, und auch sie zu dieser Einstellung bzw. zur Arbeit zu bringen. Denn — unterschätzt es bitte nicht, daß in den Gruppen außer den bestallten Leitern auch noch einige sind, die persönlichen Einfluß auf die Mitglieder haben! Man kann es nicht genug betonen, daß gerade bei uns die persönliche Bindung die wichtigste Vorbedingung zu einem Zusammenarbeiten ist. In einer Schule' kommt es zum größten Teil auf die Persönlichkeit des Lehrers an, bei uns ist es ebenso unerläßlich, daß sich die Mitglieder schlechthin wohl fühlen, daß sie gern kommen, weil „nette Leute da sind". Es klingt vielleicht platt, ist aber nicht so nebensächlich. Und da haben wir's schon! Nette Leute! Alles, was in erster Linie von Euch verlangt wird, ist etwas „Nettigkeit"! Es ist gar nicht so lächerlich und infantil, dies Verlangen. Sagt doch auch Ihr einmal: Wir. „Ich schließt die Ketten fester — wir macht frei!" Es ist sehr wichtig, daß diese Leute in den Gruppen, von denen ich eben sprach, die, die Ihr „mißvergnügt" nennt, sich frei fühlen, ohne Angst, daß nach irgendeiner nicht ganz so zahmen Aeußerung (Jugend ist nun einmal nicht zahm) die Anschnauzer und Einschreibebriefe fliegen. Sonst hätte nicht P. gestern gegen die gewettert, die eine so feindliche Absicht nicht im entferntesten haben, die im Gegenteil geglaubt hatten, daß ein aufrichtiges Wort auch eine aufrichtige Antwort bekommen würde, daß es besser sei, offen zu sagen, was stört, als im geheimen beleidigt zu sein oder ^jar zu hetzen. Kinder, es soll und kann natürlich keiner aus setner Haut heraus! Aber schließt doch mal an Euren an sich sehr guten Apparat einen etwas zarteren Lautsprecher an! Wenn Ihr viel zu tun habt — wenn Ihr manchmal nervös und abgespannt seid —, keiner wird es besser verstehen, als die „Mißvergnügten" (die ja leider zum Teil auch gar nicht mehr so sehr jung sind), denn sie sind es auch oft genug. Bitte, wimmelt einen Teil der rein technischen Arbeiten auf Mitglieder ab! Auch technische Arbeit bindet an den Bund. Wir haben doch in den Gruppen schon so schön angefangen zu „arbeiten". Euch ist es immer noch nicht genug. Seid nicht so ungeduldig. Es wird schon werden! Ich finde, es ist schon ein großer Fortschritt gegenüber den Vorjahren. Wir haben doch vor nicht einem Jahr ganz von vorn angefangen. Und das eben ist nicht ganz allein den Verdiensten des Vorstandes, des engeren und des weiteren —, sondern auch anderen Leuten zu verdanken. Diese Menschen haben wir bitter nötig! S i e wollen und sollen kein Amt haben--aber laßt ihnen eine Meinung! Seid nicht so geringschätzig. Es kann nicht jeder ein fabelhafter Redner sein, vielen fällt es schwer, ihre Gedanken auszudrücken, wenn solche Mitglieder sich bemühen, ihren Gedanken Ausdruck zu geben, laßt ihnen Zeit, hört ihnen zu und bemüht Euch, sie zu verstehen, denn wenn einem beim erster derartigen Versuch gleich Achselzucken begegnet, macht makeinen zweiten. Ihr sprecht immer davon, Euch Nachwuch. heranzuziehen. Ist es Euch damit wirklich Ernst, danr gebt eben diesem Nachwuchs Gelegenheit, sich zu entwickeln Ihr könnt nicht darauf warten, daß Genies in den Bunt: kommen, die sind überall nur vereinzelt vorhanden. Wir müsser, halt mit den Durchschnittsjuden rechnen, mit der Durchschnittsintelligenz. Wenn unsere Menschen liebevoll behandelt werden kann aus ihnen etwas werden. Wir dürfen nie vergessen, da!) die Mitglieder nicht für den Bund da sind, sondern, daß de' Bund dazu da ist, diese Menschen in anderer Form zu erziehen — wie die Schülerverbände —, sie menschlich und jüdisch weiterzubringen! Dazu muß alles, was sie im Bunde tun. freudig und freiwillig geschehen. Ihr wollt 'positive Vorschläge! Für die Arbeit? Ich denke daß doch in bezug darauf das Programm des Verbandes so reichhaltige ist, daß man nur in seinem Rahmen zu arbeiten braucht und nach seinen Anregungen. Wenn Ihr über die Winterarbeit sprechen wollt, ruft nicht ein paar Leute auf eir paar Minuten zu Euch, sondern versammelt dazu den Führerkreis (möglichst erweitert), besser aber noch alle aktiven Mitglieder, um vor ihnen darüber zu sprechen. Unter Benutzuni der Rundbriefe können dann vielleicht noch mehr Mitglieder für Referate herangezogen werden. Je früher darüber gesprochen wird, desto besser kann man sich vorbereiten. Die Themen der Rundbriefe sind so interessant, daß ich persönlich sie am liebsten alle lesen möchte. Es wird sicher vielen so gehen, und es würde sich lohnen, sie zu benutzen. Und Ihr wollt positive Forderungen: Zieht Euch den Nachwuchs wirklich so heran, daß am Ende des Jahres Menschen da sind, die durch wirkliche Wahl den neuen Vorstand bilden können. Ihr wollt ja eine Verjüngung! Es sind schon geeignete Menschen da, die innerhalb eines halben Jahres mit Eurer Hilfe dazu fähig sind. Nur müßt Ihr ihnen mit Euren Erfahrungen, die Ihr ihnen voraus habt, zur Seite stehen. Die Jüngeren müssen den Bund in die eigenen Hände nehmen. Das können sie aber nur mit Hilfe der Aelteren, und die muß ihnen anstandslos zur Verfügung stehen. Kommt ihnen entgegen! Ihr habt Menschenkenntnis genug, um den Weizen von der Spreu zu unterscheiden. Großsprecher finden sich überall mal — auch sie meinen es gut —, aber die Besten sind schon zu erkennen. Ich schreibe dies, weil ich — da ich ja für offizielle aktive Arbeit sowieso untauglich bin (wegen des Alters und technischer Schwierigkeiten) —, weil ich aber doch so mit dem Bund verwachsen bin, daß alles, was ihn betrifft, mir am Herzen liegt. Ich betrachte mich deshalb als eigentlich unparteiisch Darum scheue ich mich nicht, meine Meinung offen zu sagen. Ich habe keinen Posten zu verlieren und unterstütze deshalb die Jungen — nicht im Kampf, sondern im ehrlicher -Streben! Bücherschau Jüdisches Lexikon. Ein enzyklopädisches Handbuch des jüdischen Wissens. Begründet von Dr. Georg Herlitz und Dr. Bruno Kirschner. Bd. III. Jüdischer Verlag, Berlin. Das verdienstliche Werk wird mit diesem Bande in noch sorgfältigerer Weise fortgesetzt, als es in den ersten Bünden der Fall war. Man merkt, daß die Erfahrungen, die bisher gesammelt wurden, benutzt worden sind. Die Artikel sind konzentrierter und gleichmäßiger geworden. Auf einige Aufsätze, die für unsere Vereine wichtig sind, möchten wir besonders hinweisen, wobei wir betonen möchten, daß es gut wäre, wenn möglichst alle Vereine Gönner fänden, die ihnen «las Werk stiften würden. Welch eine Fülle von Anregung wurde z. B. der Aufsatz über „Israel" bieten, in dem über „\ olk Israel" und „Königreich Israel" Erschöpfendes und Anregendes ausgeführt ist. Der Artikel „Italien" ist für viele sicherlich Neuland. Gut ist auch der eingehende Artikel „Jerusalem" mit schönen Abbildungen, und der Artikel „Jesus", der in knappen, klaren, objektiven Ausführungen das Lebensbild und Wirken, sowie die Theorien über seine Persönlichkeit darstellt. Instruktiv ist auch der Artikel „Jiddische Sprache", interessant der über „Jüdische Jour-

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