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Der Jugendbund · 1929-11-01 · 11 (1.11.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
11 (1.11.1929)
Date
1929-11-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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ilun schwer fallen d»e Möglichkeit zti haben, seine Beiträge im Rauschen des jüdischen Blätterwaldes zu hören. Es besteht die eigenartige Erscheinung, daß eine so zerfahrene und verfahrene Gesellschaft wie die jüdische keine Kritik hat, daß kein einziges publizistisches Organ in Deutschland sich, wenn auch nur in Teilen, der aufbauenden Kritik hingibt Aus diesem Mangel resultiert das Unvermögen zur notwendigen Entwicklung, die nicht nur Nachrichtenreportage und Familien-Romane verlangt; Entwicklung die fordert, „daß Forderungen gestellt und Thesen angeschlagen werden." Die Forderung die hier aufgestellt wird besagt nicht weniger, als daß der an der jüdischen Presse beteiligte Kreis von Menschen im deutschen Sprachgebiet kritischen Einfluß auf die Entwicklung der Gesellschaft und damit ihrer Presse nimmt; daß er in soziologische Kat'hegorien einordnet, wie Glaeser richtig gesehen hat, was heule als ästhetisches Eseay bestenfalls die Spalten ziert. Es ist nicht einzusehen, warum dies nicht mit der bestehenden jüdischen Presse gehen sollte, die unmöglich ihr Ideal der Wirkungsmöglichkeit darin erblicken kann, der Schabbosnachmittagsunterhaltung und dann den zweifelhaften Zwecken der Zeitungmakulatur zu dienen . Wenn aber aus irgendwelchen, mir nicht vorstellbaren Gründen, die jüdische Presse sich gegen Erziehung durch Kritik sperren sollte, dann muß es in der Form einer eigenen Publizistik geschehen, die aus einer Haltung heraus klaren Blicks und Willens — öffentliche Interessen vertritt. Arbeit für den Frieden Am 16. Oktober trat die Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden in Berlin zu einer sehr eindrucksvollen, gemeinsamen Kundgebung zum ersten Male an die Oeffentlichkeit. Die Protestanten waren durch Pfarrer Dehn, die Katholiken durch den entschiedeneu Kriegsgegner, Pater Stratmann, vertreten, für den Jüdischen Friedensbund sprach Rabbiner Dr. Baeck, Oscar Wassermann ,und Dr. Nossig. Auch der Kreis Jungjüdischer Pazifisten war zu der Kundgebung geladen. Die Tagespresse berichtet eingebend über dieses Ereignis und spricht sich besonders begeistert über die Worte von Pater Stratmann aus. Als erste Tageszeitung veröffentlichte der „Dortmunder Generalanzeiger" in seiner Nummer ,287 den vollständigen Wortlaut der Richtlinien des inzwischen geschaffenen Kreises Jungjüdischer Pazifisten mit einer zustimmenden redaktionellen Vorbemerkung. Die provisorische Leitung dieses Kreises, der bereits in allen Teilen des Reiches wertvolle Mitarbeiter hat, liegt in den Händen von J. Raphael, Beckum i. W., Redakteur M. Reinheimer, Berlin und Berthold Simonsohn, Bernburg. Die pazifistische Presse (siehe „Menschheit" Nr. 40: „Das Judentum ist der Friede!'*) hat sich wiederholt intensiv mit der Gründung dieser Gruppe befaßt. Die Presse behandelt in letzter Zeit des öfteren die Frage des VDA. (Verein für das Deutschtum im Auslande), für den gerade in den höheren Schulen — nicht immer mit dem erforderlichen Taktgefühl — eine etwas starke Propaganda gemacht wird. Im „Anderen Deutschland" (Nr. 41) untersucht Studienassessor Herners, ob der VDA. ein Faktor der Völkerversöhnung und des republikanischen Gedankens ist. Auch in der — hiermit erneut dringend empfohlenen — Zeitschrift „Der Schulkampf" (Heft 10) gelangt das Thema VDA. in einer Zuschrift zur Sprache. Es dürfte vielleicht von Interesse sein, wenn unsere Verbandsfreunde uns über ihre Stellungnahme zu diesem Kapitel schreiben würden! Der Brith Schalom (Friedensbund), eine Organisation in Palästina, die dem inneren und äußeren Frieden des heiligen Landes ihre Arbeit widmet, erläßt eine Kundgebung zu den blutigen Vorgängen in Hebron und Safed und fordert von allen Seiten — Juden, Arabern und Engländern — den unbedingten Willen zur Bekämpfung des kriegerischen Ungeistes. Uehfer die Internationale Kinderbuch -Ausstellung in Genf berichtet E. Kempe in Nummer 8 der „Jugendschriften-Warte" (Hamburg 13). — Das Augustheft der Zeitschrift „Paneuropa" sei noch erwähnt, das den offenen Briefwechsel zwischen Coudenhove-Kalergi und Kurt Hiller enthält, der durch seinen politisch-philosopliisehen Inhalt das größte Interesse verdient. — Die Deutsche Liga für Menschenrechte versendet gegen Rückporto kostenlos ihren neuen Führer durch ihre Tätigkeit. Das Holt enthält ferner eine kurz gefaßte Geschichte der Liga und ein Adressenverzeichnis. J. R. Eine Schau „Weltarbeit für den Frieden" Von J. Raphael Im Rahmen des Beckumer Jüdischen Jugendvereins veranstaltete ich zum ersten Male eine Schau „Weltarbeit für den Frieden", die eine kurze Uebersicht über Tätigkeit, Programme, Schriften und Werbeblätter der Friedensorganisationen geben sollte. Es dürfte angebracht sein, derartiges Anschauungsmaterial auch in anderen Jugendvereinen anzuschaffen, gelegentlich zu ergänzen und von Zeit zu Zeit vorzuführen. Am besten ist es, die Schau mit einigen Vorträgen vor kleineren Gruppen zu verbinden und in dieser Weise eine ständig intensive Aufklärungsarbeit zu treiben. Die Veranstaltung uns-erer .Schau ist gefördert und unterstützt worden von folgenden Organisationen: Deutsche Liga für Völkerbund, Frauenliga für Frieden und Freiheit. Liga gegen Imperialismus, Liga für Menschenrechte, Deutsche Friedensgesellschaft, Bund der Kriegsgegner. Bund der Bodenreformen Weltjugendliga, Schweizerische Jugcndgemeinschaft „Nie wieder Krieg", Französische Liga für Menschenrechte u. v. a. Die Schau selbst umfaßt nachstehende Abteilungen: I. Flugblätter.. Darunter: Die Blätter der Internationalen Frnuonliga: Gegen den Giftgaskrieg, gegen Kolonialismus, gegen Antisemitismus und Friedhofsschändungen. — Blätter des Bundes der Kriegsdienstgegner: Gegen Wehrpflicht, Kriegsspiclzeug und Schundliteratur etc. — Blätter der D. F. G.: Die Toten des Weltkrieges, „Pazifistische Illusionen"?' Gegen die Schuldpropaganda, Ziel und Weg der D. F. G. u. a. Ferner: Satzungen des Friedensbundes der Kriegsteilnehmer, Flugblatt über Kriegsdienstverweigerung, europäische Kriegsgefahr etc. t II. Zeitschriften. A.- Politische: Der Krieg, Kolonial-Revue, Keine Kolonien. Der Fackelreiter, Der Schulkampf, Paneuropa, Die Friedenswarte, Das andre Deutschland, Die Menschheit, Deutsche Zukunft, Das junge Zentrum (Heft 12/1927), Johannisfeuer (Heft 12/1927), Die Erde (Heft 6,1926), Neuwerk (Heft September 1928) etc. B. Religiöse: Der Friedenskämpfer, Erwachende Jugend. Lotsenrufe, Geist und Wahrheit, Versiihnungsbund-Blätter, etc. — C. Wirtschaftliche: Bodenreform-Blätter. III. Schriften. Berichte der Internationalen Fraueuliga, Für einen Weltbund der Jugend, 10 Jahre Kampf der Jugend für den Frieden. Martin Rade, Die Verpflichtung der Kirche zur Friedenarbeit, — Laserstein, Das Judentum ist der Friede! — .Katholische Stimmen gegen den Krieg, — Adolf Damaschke — Internationale geistige Zusammenarbeit — Bulletins „Der Kriegsdienstgegner" — Deutschland und der Völkerbund — Das Genfer Protokoll — Völkerbundsfragen — Uebor Giftgase — Gas Uber Deutschland — Die blutige Internationale der Rüstungsindustrie etc. IV. Xusländisches Material. Flugblätter der Französischen Liga für Menschenrechte — Cahiers des Droits des Hommes — Nie wieder Krieg! Schweizer Blätter etc. 1 V. Verschiedenes. Satzungen und Propagandamaterial des Bundes entschiedener Schulreformer — Protokoll der II. Antiimperialistischen Tagung in Frankfurt a. M. — Sammelmappe: Jüdischer Friedensbund. — Sammelmappe: Wichtige Aufsätze der pazifistischen Presse. — Sammelmappe: Internationale Korrespondenzen usw. VI. Bücherschau. Hier wurde nur ein ganz kleiner symbolischer Ausschnitt gegeben: Das Alte und Neue Testament, beide in hebräischer Ausgabe, Rolland, Die Zeit wird kommen! — Kriegsbriefe gefallener Studenten — Raynal, Das Grabmal des Unbekannten Soldaten — Barthel, Mühle zum Toten Mann — Tolstoi, Der Fremde und der Bauer — Buber, Der heilige Weg — Der Krieg in der Dichtung. ■ . ■ - ■ 5

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