Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 10 (1.10.1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Die jüdische Jugend hat somit eine jüdische Jugendbewegung zu sein, mit spezifisch jüdischen Aufgaben. Es gehen manche Bewegungen in unserer Zeit, den jüdischen Menschen neu zu schaffen, aber sie scheitern fast alle. Wir Jugend haben den Vorzug der Jugendlichkeit vor diesen: deshalb darf für uns Jugendbewegung nicht tot sein. W eil das Judentum eine stete Bewegung von seinen Menschen geradezu fordert, weil der Mensch sich immer wieder sein Judentum neu erringen soll, deshalb kann für uns aber auch Jugendbewegung nicht Selbstzweck sein, sondern Jugendbewegung als geistige Einstellung in den Dienst der Erneuerung des jüdischen Menschen zu stellen, ist der neue jüdische Sinn der Jugendbewegung, die wir darstellen wollen. Bewegung. Leben, Frische, Wahrheit in die drohende Erkaltung des jüdischen Menschen zu bringen, eine rastlose Erneuerung unserer selbst im Sinne der Schaffung eines neuen verinnerlichten, jüdischen Menschen, wie ihn das Judentum selbst von uns zweideutig fordert, das ist unsere Aufgabe! Zusammengefaßt: Das Judentum im einzelnen Menschen und im gesellschaftlichen Leben mit neuer Klarheit und Festigkeit zu begründen, den verinnerlichten jüdischen Menschen der reinen Gesinnung und Tat zu schaffen. Selbsterneuerung und damit Erneuerung unseres Volkes für das Judentum. Hilde Altmann, Trier. Wir sind Jugendbewegung D. h. wir halten den Zusammenschluß der Jugend zum Kampf, zur Verbesserung, zur Erneuerung unserer Umwelt für notwendig. Wir verbinden uns. um als selbständige Jung- Gruppe uns selbst zunächst für den Kampf zu wappnen und später den Kampf zu führen. Wir versuchen in unserer Gruppe eine Form zu schaffen, die die Zeichen unseres Kampfes und unseres jugendlichen Lebens trägt. Wir befinden uns heute noch in einem Zustand, in welchem die Aufgabe, das Ziel unseres Bundes noch nicht klar ist. Uns treibt aber eine Not zusammen, die Not des jungen Menschen, die wir zu beheben suchen. Daß wir .zur Vervollkommnung unserer Arbeit bereits Bestehendes. Erdachtes zur Hilfe nehmen, ist eine Selbstverständlichkeit. Unser Kampf gilt der augenblicklichen Gesellschaftsform, die uns bedrückt und eine gesunde Enwickelung des jungen Menschen nicht zuläßt. Wir sehen überall den Gegensatz zwischen den Idealen, die der Mensch mit sich trägt, und seiner Tätigkeit, die rücksichtslos nur auf den Erwerb von ..Geld" ausgeht. Da die Mehrzahl von uns aus der regierenden Gesellschaft herauskommt, ist unsere Arbeit vorläufig auf uns beschränkt. Sie ist dadurch, daß sie der Gesellschaft den Nachwuchs entzieht, Kampf und dadurch, daß sie uns e r zieht. Vorbereitung zum Kampf. Unsere Arbeit ist Erziehungsarbeit. Da die Erziehung von unserem Bunf ausgeht, ist sie Gemeinschaftserziehung. W ir erziehen uns zur Selbständigkeit. W ir erziehen uns zu Gemeinschaftsmenschen. Wir erziehen uns zur W ahrhaftigkeit. W ir erziehen uns zum Kampf. Gerd Wey], Düsseldorf. Singen Der Wert des Singens wird in den Gruppen allgemein verkannt. Man sieht darin nur ein Zeitvertreib. Es ist aber nicht so. Der erzieherische Wert des Singens kann sehr groß sein. Es wirkt auf jeden Einzelnen in der Gemeinschaft, wenn gemeinsam Lieder richtig gesungen werden, nicht indem man schreit, oder irgendwelche Mißtöne von sich gibt. Es ist gut, wenn man das Singen einigermaßen von Hundegebell unterscheiden kann. Wie wunderbar es ist, wenn schöne Lieder richtig gesungen werden, möchte ich euch an folgendem Beispiele beweisen. Der JJWB. Chemnitz hatte eine öffentliche Purimfeier.' An drei Viertel des Abends wurden Lieder zum Vortrag gebracht, die allen Anwesenden ausgezeichnet gefielen. Ich glaube, der JJWB. hätte nicht so einen großen Erfolg gehabt, hätte er sein Programm anders ausgestaltet. Richtig singen ist sthr schwer, zumal noch in einer Gruppe. Ich möchte nun versuchen, einige Anleitungen dazu zugeben. Zuerst die Frage: Was? Als gemeinsames deutsches Liederbuch schlage ich für den gesamten Bund vor: Jugendliederbuch von Albrecht, Arbeiterjugendverlag. Berlin SW 61, Belle- Alliance-Platz 8. Der Preis beträgt 60 Pfg. Durch Leo Bauer, Chemnitz, Maxstr. 7 III, zu beziehen. Dieses Buch muß sich jedes Gruppenmitglied anschaffen. Dazu ist noch eine Ausgabe mit Melodien zum Preise von 3 RM. erschienen. Diese Aus- 10 ' gäbe sollte der Singwart jeder Gruppe haben. Im obengenannten Liederbuch finden wir fast alle die Lieder, die in einer Jugendgruppe gesungen werden sollten, z. B.: Freiheitslieder, Wanderlieder, Lagerlieder. Selbstverständlich wollen wir auch hebräische Lieder singen. Ein gutes Liederbuch, das für uns passt, kann ich Euch vorläufig noch nicht nennen. Wer hebräische Lieder haben will, schreibe mir. Ich werde ihm dann Noten und Texte schicken. Die Kardinalfrage ist nun: Wie sollen wir Lieder lernen: Als Vorbemerkung: Unser Singen soll nicht Attraktion sein. Ein Singheimabend im Monat ist unbedingt notwendig. Die Gruppe besorgt sich auf irgend eine Art eine Klampfe, die sie einem Chawer zur Verfügung stellt. Das Lernen der Texte muß ganz mechanisch erfolgen. Der Führer gibt von einem Singheim zum anderen Texte an, die gelernt werden sollen. Die noch unbekannten Melodien werden zum nächsten Singheim vorgespielt oder vorgesungen, solange, bis sie von allen erfaßt sind. Am Anfang kann noch ein Chawer den Text angeben. Zuerst wird einstimmig gesungen. Dann mehrstimmig. Diese Singheimabende stehen ganz im Dienste des Liedes. Die gelernten Lieder kann man je nach ihrer Art zu den verschiedensten Gelegenheiten verwerten: Zur Verschönerung des Heimabends singt man zu Beginn und Schluß einige Lieder. Auf Fahrt, beim Marschieren. Am Lager. Am Feuer. Zu Gau- und Kreistagen werden Singwettbewerbe veranstalte"! usw. Wenn ihr richtig singen könnt, werdet ihr große Freude daran haben. Und nun der langen Rede kurzer Sinn: Versucht richtig und;;ut Singen zu lernen. Den Weg habe ich euch gezeigt. Frisch an die Arbeit, die es zweifellos dabei geben wird. Und dazu Chasak Leo Bauer.. Judische Jugend für den Frieden und Fahrtenlieder Frieden! hallt es durch unsere Reihen. Jüdische Jugend arbeitet für die Friedensidee überall — nur nicht auf Fahrten. Alles was da gesungen wird, sind Kriegs- und Soldatenlieder. W ir Junggruppier bevorzugen gerade diese. Es ist aber gar nicht nötig, es gibt viele schöne Wanderlieder und vor allem auch hebräische, die sich ebenso gut zu Fahrtenlieder eignen. Helga Simoni, Hamborn. Sozialistische Literatur Da man sich neuerdings in den Junggruppen mit der Gedankenwelt des Sozialismus befaßt, es aber zumeist an Kenntnis der einschlägigen Literatur mangelt, sei im folgenden der Versuch gemacht, die wichtigsten und zugleich leichtverständlichsten sozialistischen Bücher theoretischer und schöngeistiger Art zusammenzustellen. Die Uebersicht muß natürlich — allein in Anbetracht des beschränkten Raumes — Torso bleiben. Die beste-Einführung in den wissenschaftlichen Sozialismus geben: Rudolf Abraham: „Die Theorie des modernen Sozialismus" und G. Eckstein: „Kapitalismus und Sozialismus"; hierher gehört auch der Roman „Eiserne Ferse" des Amerikaners Jack London, der reine meisterhafte Darstellung marxistischer Gedankengänge enthält. Von den Schriften, die aus der Feder der Altmeister des Sozialismus selbst stammen: Marx-Engels: „Das kommunistische Manifest": Lassalle: „Arbeiterprogramm" und Engels' „Die F.ntwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft". Neben diesen Grundschriften des wissenschaftlichen Sozialismus sei besonders auf die Bücher Max Adlers hingewiesen, die sich durch besondere Schärfe und Klarheit des Denkens auszeichnen, (Lest vor allem seine Broschüren: „Der Sozialismus und die Intellektuellen", „Die Kulturbedeutung des Sozialismus" und „Die Aufgabe der Jugend in unserer Zeit".) Eine sehr brauchbare Einführungsschrift in die sozialistische Betrachtungsweise der Geschichte, in den „historischen Materalumus" ist Reimes: „Die materialistische Geschichtsauffassung". Eine meisterhafte Anwendung dieser Methode stellt Mehrings „Deutsche Geschichte" dar. Von demselben Verfasser stammt auch die beste (allerdings sehr umfangreiche) geschichtliche Darstellung der deutschen Sozialdemokratie. Das heroische Leben derer, die das rote Banner vorantrugen, spiegelt sich in August Bebels Autobiographie „Aus meinem Leben". Besonders die Mädels gehen Rosa Luxemburgs Briefe und Angelika Balabanoffs „Erinnerungen und Erlebnisse" an, desgleichen Prof. Dr. Anna Siemsens wundervolles „Mädelsbuch". Ein lebendiges Bild von dem Leben und Wollen der sozialistischen Jugendbewegung gibt das „Buch der Roten Falken" und die reich und gut bebilderte „Rote Kinderrepublik". Weitere Einblicke in die Arbeit und Problemwelt der jungen