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Der Jugendbund · 1929-10-01 · 10 (1.10.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
10 (1.10.1929)
Date
1929-10-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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gebührt ihm das Verdienst, einen wertvollen Beitrag zur ältesten Geschichte der .luden auf deutschem Boden dargeboten zu haben und Referent kann es sich vorstellen, wie gerade auf Grund dieses Aufsatzes in einer kleinen, geschichtlich interessierten Arbeitsgemeinschaft fruchtbringende Arbeit geleistet werden könnte. Zwei der hervorragendsten Forscher auf dem Gebiete der Geschichte der Juden_ in Deutschland steuern im vorliegenden Hefte wertvolle Beiträge bei. I. Elbogen berichtet über „Hebräische Ouellen des deutschen Frühmittelalters zur Rechts- und Wirtschaftsgeschichte", in dem er das halachische Werk Maasse hageonim auf geschichtliches Material durchforscht und M. Frcudenthal, der das Kahlsbuch von Sugenheim herausgibt. — Es soll zum Schluß dem Wunsche Ausdruck gegeben werden, daß diese* Zeitschrift von allen unseren Bünden und vielen einzelnen abonniert und zum Gegenstand intensiver Arbeit gemacht wird. Paul Lazarus, Wiesbaden. Bilder aus meiner Heimatgeschichte. Ein Beitrag zur Geschichte und Heimatkunde der Juden in Bayern. Von A. Friedmann. Ingolstadt. 78 Seiten. Preis 2.— Mark (bei größerer Abnahme tritt Ermäßigung ein). Verlag L. Stadelmeier. Ingolstadt. 1929. Eine Reihe knapper, inhaltsreicher Kapitel, die fast durchwegs auf geschichtlicher Grundlage beruhen, geben uns Ausschnitte aus dem Leben der Judcnheit in Bayern seit dem 15. Jahrhundert. So formt sich aus vielen, oft recht mühsam gesammelten. Mosaik*teinen ein farbiges, abgerundetes Bild. Der Verfasser, ein Verbandsfreurd. hat damit ein wertvolles Werk geschaffen. Eine. Gefahr, freilich, wollen wir meiden: wenn wir hier gar viel von Leid und Verfolgung lesen, so soll doch kein Haß in uns aufkommen. Ja. wir sollen uns sogar fragen, ob nicht manches Unangenehme, das uns zustößt, vermoidbar wäre, wenn noch mehr Zurückhaltung und unbefangene Gesinnung in unseren Kreisen heimisch würde, bei Wahrung alles berechtigten Selbstbewußtseins. — Unter diesem Gesichtspunkt kann das Werk zur Lektüre und für Heimabende nur empfohlen wc'rden. Dr. A. R. Eröffnung von Fern-BeratungssteHen von Dr. flrtur Reichenberger Vor einiger Zeit wurde hier dargelegt, worin das Wesen einer Fcrn-Bcratungsstelle besteht. Wir wollen es heute noch einmal kurz anführen: Es gibt mancherlei Zweifelsfragen und seelische Sorgen schwerster Art. wo man entweder niemand weiß, an den man sich um Ra! wenden könnte oder wo einem der Mut hierzu fehlt. Verschiedene Großstädte haben zwar bereits sogenannte Lcbens-Beratungsstellen. aber nicht jeder kann sich entschließen, sie persönlich aufzusuchen, wenngleich dies eigentlich das richtige wäre. Dann aber leben ja viele, die Rat suchen, außerhalb der größeren Städte, ja, gerade hier finden sich oft viele wertvolle, aber vereinsamte Menschen, die keine glcichgesinnten finden. ( Mit Rücksicht hierauf haben wir die Schaffung von sogenannten Fcrn-Beratungsstellcn vorgeschlagen, und zwar für allgemeine Fragen, vorwiegend soweit es sich um Fragen erzieherischer, weltanschaulicher oder religiöser Art handelt (also keine berufliche, keine medizinische, keine juristische Beratungsstelle). Wir wollen nun aus dem Theoretischen ins Praktische schreiten: folgende Mitarbeiter*) haben sich nun bisher zur Fern-Beralunirsarbeit bereit erklärt: Fräulein Susanne Asch, Charlottenburg, Wielandstr. 11: Herr Werner Felix, Charlotler.burg 4, Weimarer Str. 29; Herr Fritz Werner Oppenheim. Elmshorn bei Hamburg: Herr Dr, Artur Reichenberger, Ichenhausen bei Ulm; Frau Else Schilfarth, München, Hirsch-Gereuthstraße 29: N (Fau Schilfarth ist Nichtjüdin). Wie nimmt man nun die Fern-Beratupgstelle in Anspruch? 1. Man schreibt sein Anliegen an eine der angegebenen Adressen. Sofern man nun seinen Namen nicht nennen will, ) Anmerkung: Wer sich zum Mitarbeiter geeignet iühlt, der wende sich an Dr. Artur Reichenberger, Icheniiausen bei Ulm. und gebe an, inwiefern er sich zur Mitarbeit geeignet erachtet, ferner Alter und Beruf. wählt man eine Chiffre (also bestimmte, jedoch beliebige Zahlen oder Buchstaben). Dann gibt man die Nummer seines Postamts an (postlagernd, oder auch hauptpostlagernd) und den Ort, also z. B. L. F. 300, Hamburg, Postamt 43, postlagernd. Dies schreibt man sich auf, da man später unter dieser Chiffre (Kennwort) die Antwort bei dem betreffenden Postamt verlangen muß. 2. Man le^e zur Deckung der Porto- und Papierkosten jeder Anfrage etwa 20 oder 30 Pf. in Marken bei. Weitere Kesten entstehen nicht, da die Beratung unentgeltlich ist. Die Fern-Beratungsstelle gibt dann nach einiger Zeit an die Chiffre (also hier z. B. an L. F. 303, Hamburg, Postamt 43, postlagernd) Antwort. Sie weiß also nicht, wer sich an sie gewendet hat und kann trotzdem Bescheid geben. Dadurch wird eine freie Aussprache ermöglicht. Wer Bedenken hat, kann sich sogar der Schreibmaschine bediene». So wird vielleicht mancher vor unüberlegten oder verzweifelten Schritten bewahrt. Und mancher unsicher gewordene Mitmensch kann so vielleicht wieder Halt und Zuversicht finden. Eine Bitte aber haben wir: nehmt unsere Beratung nur dann in Anspruch, wenn es sich wirklich um ernsthafh Ircbleme und Fragen handelt. Die Fern-Beratungsstellen selbst bitten ferner um Nachsicht, wenn ihre Antwort nicht so rasch eintrifft, wie man e vielleicht erwartet. Aber man hat nicht immer freie Zeit und übrige Kraft nach des Tages Mühe. Also, bitte, Geduld! Und unsere Beratung soll nur ein Versuch sein, zu helfen. Wir bringen in erster Linie, außer der Zuversicht, daß wir un- vielleicht für die gestellte Aufgabe einigermaßen eignen, einen guten Willen mit und wobl auch Verständnis für seelische Schwierigkeiten. Wenn wir dann wirklich helfen können, i soll dies unser schönster Lohn sein! Internationale Korrespondenz Uon J. Raphael, Bechum l. W. Im Verband der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands ist im August 1928 eine Stelle für Internationale Korrespondenz geschaffen worden, nachdem besonders von Seiten mehrerer Junggruppen der Willen hierzu bekundet worden ist. Diese Einrichtung sollte zunächst den Zweck verfolgen, interessierten jungen Menschen unserer Organisation die Möglichkeit zu geben, mit ausländischen jüdischen jun<ren Menschen in einen geeigneten Briefwechsel zu treten. Keinesfalls war etwa daran gedacht worden, in eine Konkurrenz mit denselben .allgemeinen Bestrebungen der Weltjugendliga zu kommen, denn in einer sofort mit dieser Gemeinschaft aufgenommenen Korrespondenz wurde von beiden Seiten ausdrücklich betont, in allen Fällen mit gegenseitiger Unterstützung und Hilfe die Neueinrichtung eines Gedankenaustausches zwischen jüdischen junjre Menschen zu fördern und auszubauen. Insbesondere kam zunächst eine Zusammenarbeit mit der Auslandsstelle England der WJL. zustande. Darüber hinaus mußte natürlich unsere Arbeit darauf hin fielen, mit den ausländischen Jugendlichen jüdischer Kreise und jüdischer Verbände, auch jüdischer Unlerrichtsanstalten. in Kontakt zu kommen, und dazu brauchten wir vor allem die Hilfe jüdischer Organisationen. Von Seiten der Groß-Loge und der Liberalen Weltvereinigung erhielten wir die erforderlichen hinweise und Adressen ausländischer, vor allem britischer, Organisationen und Vereine. Insgesamt sind an uns aus den Reihen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands bis zum August 1929, also innerhalb Jahresfrist, 61 Anfragen nach internationaler Korrespondenz eingegangen, das ist — wenn man bedenkt, daß wir immer noch im Anfanjrsstadiura dieser Arbeit stecken — eine beachtenswerte Zahl. Von diesen Anfragen konnten bisher 41 erledigt werden und einen Partner in der Korrespondenz erhalten. Auch diese Zahl besagt, daß trotz aller Schwierigkeiten, in die jüdischen Kreise des Auslands hineinzugelangen, schon merkliche Beziehungen geknüpft werden konnten. Zum Teil sind bereit-. fi

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