Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 10 (1.10.1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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alle trennenden Anschauungen hinweg eine gemeinsame Basis für das Aufbauwerk Palästinas gefunden wurde, daß die Befriedung der jüdischen Welt im Zeichen des Heiligen Landes ein großes Stück vorwärts gekommen war. Um so erschütterter waren wir, als wir nach unserer Rückkehr von den furchtbaren Kämpfen in Palästina hörten, in deren Verlauf so viele Opfer auf jüdischer und arabischer Seite gefallen sind. Die Trauer um unsere toten Brüder in Hebron und in den Kolonien verband sich mit der Sorge um den Bestand der schon geleisteten Aufbauarbeit. Wir sagten uns: Jetzt ist es Zeit, unsere oft abgegebenen Sympathiekundgebungen für Palästina in die Tat umzusetzen. Jetzt müssen wir unsere Hilfbereitschaft beweisen. Wir wandten uns daher umgehend an die für uns gegebene Stelle, an das deutsche Initiativkomitee der Jewish Agency und schrieben an dessen Vorsitzenden, Herrn Direktor Oskar Wassermann folgenden Krief: Düsseldorf, 4. September 1929. Herrn Direktor Oskar Wassermann, deutscher Delegationsführer im Council der Jewish Agency Berlin.. Sehr geehrter Herr Direktor! Die für den morgigen Abend von den deutschen Delegierten im Council der Jewish Agency für Berlin einberufene Kundgebung gibt uns Veranlassung, den Gefühlen der Trauer über die schmerzlichen Vorkommnisse in Palästina Ausdruck zu geben. Wir haben durch den Eintritt in das Initiativ-Komiteo unseren ernsthaften Willen bekundet, an dem gesumtjüdischen Aufbauwerk Palästinas tätigen Anteil zu nehmen. Wir wissen, welchen Gefahren das Palästinawerk in diesem Augenblick ausgesetzt ist. Gerade diese Erkenntnis zwingt uns, unsere Verbundenheit ' mit Erez Israel in diesem Augenblick nicht nur durch Worte noch einmal zu beteuern, sondern durch sofortige Inangriffnahme praktischer Maßnahmen in die Tat umzusetzen. Die Verbandsleitung hat daher mit gleicher Post beim deutlich Initiativ-Komitee dem Wunsch Ausdruck gegeben, ihr Mi gest'atten, einen Hain des Verbandes der jüdischen Jugend- ,reine Deutschlands in Palästina zu errichten und wird die Mitglieder des Verbandes auffordern, zu den hohen Feiertagen ihre Spenden diesem Werke zuzuführen. Da uns keine Möglichkeit gegeben ist, bei der morgigen Versammlung vertreten zu sein, bitten wir Sie, diesen unseren HeschluB der Versammlung zur Kenntnis zu bringen. Wir begrüßen Sie in vorzüglicher Hochachtung Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Wir hatten diese Form der Hilfsaktion gewählt, weil wir es für richtig hielten, etwas für das Land und damit für ille seine Bewohner zu tun. Zudem war diese Maßihme am ehesten geeignet, durch eine Sammlung auch kleiner Beträge, eine dauernde Verbindung zwischen uns und ilaslina herzustellen. Auf unser Schreiben erhielten wir vom iativkomitee folgende Antwort: Berlin W 15, den 8. September 1929. Meinekestraße 10. Sehr geehrte Herren! Wir bestätigen den Empfang Ihres Schreibens vom 4. d. M nebst beigefügter Kopie Ihres an Herrn Direktor Oskar Wassermann gerichteten Briefes vom gleichen Tage. Wir begrüßen es mit Genugtuung, daß Sie beschlossen haben, gerade in diesem Augenblick Ihre Verbundenheit mit Epe« Israel auch durch - die Tat sichtbar zum Ausdruck zu I ringen und deshalb einen Hain des Verbandes der Jüdischen lugcndvereine Deutschlands in Palästina zu errichten. Wegen der Einzelheiten der Durchführung Ihres Projektes würden wir Sie bitten, sich mit dem Zentralbüro des Keren K.vemeth für Deutschland (Berlin W 15, Meinekestraße 10) in Verbindung zu setzen, da-ja bekanntlich das ganze Gebiet der Aufforstung in Palästina zum Tätigkeitsbereich des Keren Kalemeth gehört. Wir haben der hiesigen Zentrale des Keren Kajemeth von Ihrem Vorhaben Kenntnis gegeben und ihr mitgeteilt^daß sie weitere Nachrichten von Ihnen bekommen wird. Mit wiederholtem Dank und vorzüglicher Hochachtung Initiativkomitee für die Erweiterung der Jewish Agency in Deutschland I. A.: Rosenblüth. Wir durften nicht zögern, wollten wir die Zeit vor den hohen Feiertagen, die uns für Sammeltätigkeit besonders geeignet erschien, richtig ausnützen. Wir gingen deshalb auf den Vorschlag des Initiativkomitees, dessen Auskunft uns frei von parteipolitischen Gesichtspunkten erscheinen mußte, ein, obT wohl es uns, den Grundsätzen unseres Verbandes entsprechend, lieber gewesen wäre, wenn wir unsere Sammelaktion durch einen von allen Parteien des Judentums als neutral anerkannten Fonds der Jewish Agency selbst hätten tätigen können. Da der Keren Hajessod für unseren Zweck nicht herangezogen werden konnte, vereinbarten wir mit dem Keren Kajemeth, daß unsere Sammlung als eine gesonderte Aktion u nie res Verbandes betrachtet werden muß. Wir erklärten uns aus Sparsamkeitsgründen bereit, die von dem Keren Kajemeili unter Zustimmung der Jewish Agency vorbereiteten Sammelblocks „Hülfe durch Aufbau" zu benutzen, mit der Maßgabe, daß wir die Bons mit der Aufschrift: „Hain des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands im Einslein wald" Überdrucken dürften. Den Hain wollten wir im Einsteinwald pflanzen, weil wir wußten, daß dieses Geschenk der Juden Deutschlands für den großen Gelehrten aus unserer Gemeinschaft gleichzeitig von vielen neutralen jüdischen Organisationen Deutschlands mit Stiftungen bedacht wird. Wir glaubten, durch diese Maßnahmen hinreichend Vorsorge getroffen-zu haben, um unsere Sammlung als eine Sonderaktion des Verbandes für Palästina gekennzeichnet zu haben. Zuschriften von beachtlicher Seite haben aber der Verbandsleitung gezeigt, daß die technische Ausführung unseres Planes zu wünschen übrig ließ und zu Mißverständnissen Anlaß geben konnte. Wir bedauern, daß durch die Fassung unseres Rundschreibens und das beigefügte Propagandamaterial Zweifel an dem eigentlichen Sinn unserer Aktion aufkommen konnten. Wir hoffen, daß durch den oben veröffentlichten Briefwechsel diese Zweifel um so eher behoben werden, als wir dafür Sorge getragen haben, daß die von uns gesammelten Gelder nur dem von uns vorgeschlagenen Zweck zugeführt werden. Bücherschau Zeitschrift für Geschichte der Juden in Deutschland. Phllo- Verlag, Berlin. 1. Heft April 1929. Jahresabonnement 10 Mark, Einzelheft 2,75 Mark. Eine empfindliche Lücke auf dem Gebiete der Geschichte der Juden in Deutschland ist mit dem Erscheinen dieser Zeitschrift ausgefüllt worden, und alle, die ein Interesse an der Erforschung unserer Vergangenheit hier auf deutschem Boden hahen, werden mit großer Freude dieses Organ begrüßen können, das in regelmäßigen Abständen erscheinen und über alle Fragen des geschichtlichen, politischen, wirtschaftlichen, kulturellen, literarischen und religiösen Lebens der Juden in Deutschland berichten wird. Gerade für unsere Bünde und insbesondere für die Arbeitsgemeinschaften in ihnen wird diese Zeitschrift bald ein unentbehrliches Hilfsmittel sein, und eine Fülle von Anregung wird jedem zuteil, der geschichtlich interessiert, diese Zeitschrift durchblättert. Schon das erste Heft mit seinem überaus reichen Inhalt gibt einen Beweis dafür. R. Straus bietet einen ganz vorzüglichen Aufsatz „zur Forschungsmethode der jüdischen Geschichte" und le^t darin das Programm der Zeitschrit dar. A. Kober stellt die Literatur zur deutschen jüdischen Geschichte zusammen, die seit dem Jahre 1892 erschienen, und H. Löwe ergänzt die überaus interessanten Darlegungen Kobcrs durch eine umfassende Bibliographie der hierhergehörigen Literatur aus dem letzten Jahre. S. Levi sucht sehr anregend und tief schürfend in drei Grabsteinen des Mainzer Alterlums-Museums die Grabsteine jüdischer Soldaten der römischen Besatzungsarmee in Deutschland zu erkennen; ohne Rücksicht darauf, ob die wissenschaftlichen Folgerungen, die L. in seinem Aufsatz aufstellt, auch von anderer Seile einmal ihre Bestätigung finden, auf jeden Fall 5