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Der Jugendbund · 1929-10-01 · 10 (1.10.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
10 (1.10.1929)
Date
1929-10-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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einem Ausmaß und einer Schwere vor, daß auch die Kraft und der Mut reifer Menschen besten Willens erlahmen, und daß es frech-erlogene Schmeichelei oder Kurzsichtigkeit wäre, wollte man „die Jugend" als zu ihrer Bewältigung berufen .•icnnen. Aber die Jugend und unsere jüdische voran sollte doch ganz anders als bisher ihren Teil zur mählichen Ueberw indung der zahllosen Schwierigkeiten beitragen. Wesentliche Fragen des Wirtschaftslebens, — ich nenne nur eine der dringendsten, die der Arbeitslosigkeit und ihrer ■ l eberwindung und damit im Zusammenhaag die der T a r i f e—, können nur von Arbeitnehmern und Arbeitgebern, von Jungen und Alten in Gemeinsamkeit klärend beantwortet werden. Jüdische Jugend kann als jüdischen Anteil zur Lösung das uriiidische Prinzip der Gerechtigkeit in die Wagschalc werfen, muß sich darum vorerst zur Trägerin dieser Kraft heranbilden. In der sozialen Problematik gilt et in erster Linie, eine Sphäre des Vertrauens, der Hilfs- Sereitschaft und des Willens zum gesellschaftlichen Ausglerch zu schaffen. Mag man sich in den Jugendbünden bzw. in Sondergruppen darüber aussprechen, was im Sozialismus oder laszismus als Ordnungsversuchen gut oder schlecht ist, ob der Kommunismus oder ein stufenförmiger Aufbau der Ge- ' -«•llscliafl nach Berufsständen die beste Gewähr für endgültige Harmonie biete! Weit wichtiger und allein zur Gestaltung itihrenj sind noch .so bescheidene soziale Leistungen Jurch die Jugend selbst. Einfache und mit geringstem Zeitverlust verbundene Hilfeleistungen an Alte, Alleinstehende, Kränkliche und, Schwache, betätigt beim Gange zur Schule, «um Bureau oder auf dem Nachhausewege von dort, Spaziergänge älterer Jugendlicher mit den sich selbst überlassen«.n kleineren Kinder proletarischer Kreise, Führung kleiner Trupps Jugendlicher bei Ausflügen und Wanderfahrten während der Freizeiten, Betreuung von Gefährdeten und Verwahrlosten, kleine künstlerische Veranstaltungen in Alters-, Siechen-, Blinden-Häusern, das sind — soziale Leistungen, wie sie der Jugend angemessen sind, wichtiger als etwaige bescheidene Mitarbeit an den sozialen Einrichtungen (Beratungen, Stellenvermittlungen) der Erwachsenen. Es war gewiß .eine notwendige soziale Tal der jüdischen Jugend, ein eigenes Erholungsheim in Seesen zu schaffen; aber man übersehe doch nicht, daß die soziale Leistung hierbei vorwiegend bei den Alten lag. und überschätze daher gerade dabei nicht den Anteil der Jugend. Ein gut Teil zur Lösung der sozialen und wirtschaftlichen Fragen wird man beitragen, wenn man die Lösungsversuche mit den Mitteln des ruhig wägenden Verstandes anpackt und die Regungen der Leidenschaften, der Triebe aus üblen Instinkten tunlichst ausschaltet. Dies aber wird erst möglich sein, wenn man die rein triebhaft handelnde Masse als Masse" überwindet. Es ist wahr: das „Gesicht" der Masse wird nie geändert (Holzer). Aber den einzelnen, nur allzu leicht dem Herdenungeist Verfallenden (solange er rein triebhaft lebt), -zu eigenem Urfeil fähig zu machen, heißt die Masse zerschlagen. An dieser Stelle entscheidet sich nach meiner Ueberzeugung die Frage nach einer wahren Menschheitskultur, und damit nach dem Werden einer sinnvollen Welt, einer Welt, wie sie dem messianischen Hoffen allein entspricht. Wer an der Ueberwindung der Masse als „Masse" verzweifelt, muß jeden vermeintlichen Fortschritt skeptisch betrachten. Nur wer an die Wandlung der stumpfen, wankelmütigen Masse in eine Summe von urteilsfähigen, stetigen Individuen glaubt, ist zur gläubigen Mitarbeit im Reiche wahrer Menschheitskultur fähig. Darum bedeutete es eine Entscheidung von großer Tragweite, als der VJJD. vor zehn Jahren den Dienst an der. Massenwandlung auf sich nahm. "Wahrhaftige Gestaltung in dieser Hinsicht gelänge aber erst dann und würde den VJJD. zugleich vom Verdachte massenartiger Organisationsform befreien, — wenn man zielstrebig daran ginge, einen klaren, wohlgegliederten Arbeitsplan zur Erfassung und Acndcrung der jüdischen Herdenmenschen, für alle gültig und bindend, aufzustellen und durchzuführen. Das" Stadium des Kxperimentierens war nötig, muß aber überwunden sein. Das Werk, dessen Bewältigung mit der Zeit unser VJJD. als seine spezifische Sendung übernahm, ist gar schwer; aber es ist dankbar, weil aussichtsreitn. Denn die „Masse" ist an sich das Undifferenzierte und Unbewegte, aber zugleich Mutterboden des Neuen, Unverbrauchten, mit elementarer Kraft und Beweglichkeit Begabten. Diese Folgerung aus dem eingangs dargelegten Grunderlebnis will sich bewußt auf das Aufzeigen der großen und wichtigsten Aufgaben und Gestaltungsmöglichkeiten beschränken. Jedem einigermaßen Nachdenklichen wird es ohne weiteres einleuchten, daß in der Werkstatt der großen Formungen auch all die anderen, oft erörterten und für den einzelnen wichtigen Lebensfragen zur Bewältigung sich einstellen werden. Die aus dem Hineinreichen in ewige Sphären, in das Bereich des Sittlichen, der Kunst, des Schönen überhaupt täglich neu erwachsenden Fragestellungen und Schwierigkeiten werden aber leichter und gründlicher der Lösung zugeführt. Wenn man sie im Zusammenhang mit der Lebensganzheit, mit dem Werden der neuen Menschheit empfindet und nicht als bloße Spekulation oder von außen herangetragene, eigentlich lebensfremde „heteronome" Gesetzlichkeiten. So liegt die feine, tief gefühlte Schau unseres Freundes Paul Lazarus vom neuartigen rabbinischen Seelsorger durchaus auf der Linie des hier gezeigten, neuartigen Wirkens im Kreise des Verbandes, und ist fraglos aus dem Zusammenklang in diesem Kreise erstanden. — Frucht der Gemeinschaft. Wird sich so die Grundkrai! unseres VJJD., die Trennungen und Absonderungen über brückende, Engen in Weiten wandelnde „Neutralität als schöpferisch im Großen mit der Zeit erweisen, — dam dürfen die Geschöpfe unserer Verbandsidee und Verband^ gemeinschaft mit reinem Gewissen und gutem Rechte ihr. Stimme und ihre Forderung nach Einheit in die Gemeinde stuben hineintragen, sie dürfen in Gebilden vom Range um; der hohen Bedeutung einer Jewish Agency das über brückende Element bilden, und sie können sich die Kraft zutrauen, der jüdischen Jugend in der Welt den Weg zur meinsamen Plattform zu weisen. Wissen wir doch schon jel aus den Worten des begeisterungsfrohen Freundes Raymoni Raoul Lambert, daß unserem Werke des gerechten Ausgleichs, der Menschenverbrüderung, des Völkerfriedens drüben in Frankreich gleichstehende junge Juden als Helfer zuwachsen. Und so winkt, wenn auch erst in einiger Entfernung, das liebliche Bild der endlich sich bildenden großen Gemeinschaft jüdischer Menschen, die wiederum aus der Freude am gemeinsamen Werke sich entfalten wird. Unsere Palästina-Aktion von Dr. Hahn, Essen Die Verbandsleitung ist anläßlich der letzten Ereignisse in Palästina an die Bundesmitglieder mit der Aufforderung herangetreten, freiwillige Beiträge für die Errichtung eines „Hainedes Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands i FinSteinwald" zu spenden und zu sammeln. Dies Vorgehe:' bedarf der näheren Erläuterung. Im Verfolg der seit Jahren vom Verband eingenommene Haltung zu den Versuchen, ein neutrales Palästina-Aufbauwerl z.u schaffen, mußten wir unsere besondere Aufmerksamkeit di Vorbereitungen zur Bildung einer überparteilichen „Jewis Agence for Palästine" zuwenden. Das Ergebnis dieser Be ratungen war, daß die Verbandsleitung offiziell in das Initiativ komitee für die Erweiterung der Jewish Agency eintrat. Wii waren nicht die einzige Jugendorganisation, die sich zu diese« Schritt entschloß. Gleichzeitig mit uns traten auch de ..Aelterenbund der Kameraden" und die „Deulsch-Jüdischt Jugendgemeinschaft" dem Initiativkomitee bei. Auf der entscheidenden Sitzung der Jewish Agency für Deutschland, die am 26. Juni d. J. in Berlin stattfand, wurde unserem Verband be den Wählen ein Stellvertretersitz innerhalb der deutsche: Delegation zugebilligt. Als Vertreter des Verbandes hat de erste Vorsitzende darauf an der ersten Tagung der Je»i- Agency in Zürich teilgenommen. Es ist nicht angängig, in diesem Zusammenhang über di l'.rgebnisse der Züricher Beratungen eingehend zu berichtet E» muß in unserer Zeitung darüber noch ausführlich gesproclu werden. Als Gesamteindruck blieb die Ueberzeugung, daß üb

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