Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 9 (1.9.1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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zwangsläufig aus jeder Situation ergibt. Das Werk darf als die erste konsequente Verwirklichung des rein chorischen Dramas bezeichnet werden. Schriften für Junggruppen Die. nachstehend aufgeführten Schriften, die der Erziehung zur pazifistischen Gesinnung gute Dienste leisten, sind im Verlag der Neu-Sonnefelder Jugend, Heppenheim an der Bergstraße, erschienen und auch von dort zu beziehen. Zuerst sei erwähnt der 6. Band der Jugendbücher der Neuen Gesellschaft, „H elden der Güte" von .Martha Steinitz. Heldentum ist nach der leider landläufigen Auffassung eng verknüpft mit der Bedienung von Kanonen und mit dem Werfen von Handgranaten. Die Kitschbücher vom „Krieg", die wohl noch hier und da in Jugendbibliotheken anzutreffen sind, besorgen seit Jahrzehnte-n diese Art einer „Helden- Verehrung". Martha Steinitz führt uns die wirklichen Helden der Geschichte vor — das sind diejenigen, die sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit in den Dienst der Menschheit stellen und sich dem Prinzip der Gewalt furchtlos ent^egenstemmen. sind Helden vom Schlage der ersten jüdischen Märtyrer, Menschen, die Leid in Liebe empfangen, und darum ist in dieser Schrift der Auszug aus Martin Bubers chassidischen Legenden unter der Ueberschrift, „Jüdische Helden" besonders bezeichnend. In einem Abschnitt „Heldentaten" wird neben Beweisen christlichen Opfermuts auch die kleine Tragödie einer unbekannten jüdischen Schneiderin wiedergegeben. Unsagbar großes Heldentum spielt sich meist abseits von den übersichtlichen Straßen des_Lebcns ab. — Von den anderen Schriften des Verlages seien nachdrücklichst empfohlen: Estelle Roß. „F r i e d e n s w e g e". (Preis 80 Pfennig.) Geschichten über Menschen, an die man noch denken wird, wenn man sämtliche Generale und Schlachten längst verjressen haben wird! Dann: .. \ m N c u b r u c h". (Preis 1.50 RM.) Eine feine, religiöse Sammelschrift zur Erneuerung, mit Beiträgen von Fr. W. Förster, Blumhard, Hans und Peter Klassen. Aufsätze über Tolstoi. Gandhi. — In dem Buch von Ebba Pauli „Der Eremit" liegen uns kurze Erzählungen vor, geeignet auch für unsere jüngsten Freunde. Die Verfasserin, die in der internationalen V ersöhnungs^trbeit -eine bedeutende Rolle spielt, weist uns hier den Weg aus dem nichtssagenden Getriebe der Zeit in die Stille der Selbstbesinnung. Das Buch kostet 3,25 RM. Die in ihm. am Schluß enthaltenen Geschichten „Der Wanderer" und „Die Geschichte einer Nonne" sind außerdem noch in einem Sonderheft, in sehr geschmackvoll-bescheidener Aufmachung, zum Preise von 80 Pf. erschienen. — Unbedingt wertvoll sind für unsere Jüngsten die kleinen Sammlungen „Legenden", „Der Rchfriedel". „Hcrma" und „Das Land der Verheißung", in denen wundervolle kurze Geschichten von Manfred Kyber, Klabund. Frank Thieß. Wally Klassen u. a. aneinandergereiht sind. Jedes Bändchen kostet nur 95 Pf. Von den älteren Junggrupplern hat gewiß schon mancher ..Blicke" in die Politik hinein getan. Wer sich — ohne zu langweilen — in die „Geheimnisse" des Betriebs einschleichen will. lese die sehr amüsante Schrift von Friedrich Gorg Müller: ...Michel, deine Eselohr.cn . . .!" (Werkbundverlag. Wurzburjr. 80 Seiten. Preis 1.50 RM.) Da kannst du mal erfahren, was. wie und warum du bist, und du wirst all die zur unbewußten Gewohnheit gewordenen Merkwürdigkeiten und Ungezogenheiten fotografiert finden — damit du mal endlich in deinem Kreise, in dem du mit verspießerst, den Versuch einer Aenderung und Erneuerung anstellst. . . Kämpfe — —! Tagungen Ueber die K o 1 o n i a 1 t a g u n g~ auf der Freusburg berichtet uns Jakob Jacobs, Frankfurt a. M. u. a.: „Es war nicht die große Organisation und das lebendige Getriebe, die den Kongreß in Eerdc zu einem starken Erlebnis werden ließen, die diesmal wirkten: der Kreis der Teilnehmer war wesentlich enger und der Bearbeitungsstoff konkreter. Die Arbeit litt an einem übergroßen Andrang von Stoff, der programmäßig erledigt werden sollte, an dem Widerstreit der sich mißverstehenden Meinungen. In den ersten Tagen jagten sich die Referate (Alfons Paquet, Dr. Rudolf Jardou. ein junger Franzose, Schüler der ecole coloniale, Reichsminister a. D. Külz, Regierungsrat Zache. ). Angenehm berührte, daß Kolonialgegner neben Repräsentanten des Bundes für koloniale Erneuerung gleichermaßen ihre Anschauung von der kolonialen Entwicklung vortragen konnten; in der Generalaussprache, die nicht befriedigen konnte, zeigten sich wieder die beiden großen Fronten: die der Revolutionäre und die der „republikanischen Parteien". Alles, was dazwischen oder darüber lag, war ausgeschaltet, wirkungs- und einflußlos; und in der besseren Arbeit der Kommissionen (politische, wirtschaftliche und kulturpolitische), in denen es oft sehr stürmisch herging, war die größte Mühe, die Thesen auszuarbeiten, die den gemeinsamen Willensausdruck demonstrierten: den Willensausdruck, daß das bestehende Kolonialsystem radikal geändert werden müsse. Ein alles überwiegender Wert zeigte sich bei allen überparteilichen Treffen darin, daß eine neue Methode politischen Wirkens versucht wird. Denn es treffen sich die Politiker von morgen, und das ist maßgeblich. Ueber das 2. Int-ernationale Sozialistische Jugendtreffen in Wien vom 12. bis 14. Juli berichte! Max Schweisheimer, Chemnitz: „Nur wer die Sphäre des Wiener politischen Lebens kennt, vermag die freudige Erregung zu verstehen, die sich der Wiener Bevölkerung anläßlich des Internationalen Jugendtreffens bemächtigte. Deutschland mit 15 000 jungen Menschen stellte naturgemäß den Hauptanteil. Starke Delegationen waren aus England, Belgien, den nordischen Ländern Schweden und Holland und Dänemark gekommen. Ungarn und Polen. Tschechoslowakei und Frankreich, Bulgarien und Rumänien, alle österreichischen Provinzen, die internationale sozialistische Studentenkorporation hatte ihre Jugend gesandt. Die jüdische Jugend war durch 3 starke Delegationen eindrucksvoll vertreten. Aus Palästina waren etwa 25 junge sozialistische Jungen und Mädel gekommen, die in ihrer malerischen Tracht neben den Amerikanern wohl die interessantesten Teilnehmer des Treffens bildeten. Ferner war der jüdische Weltverband, der Poale Zion, außerordentlich stark vertreten, und schließlich sei noch als 3. der geschlossen auftretenden jüdischen Gruppen, die Jugend des sozialistischen Bundes „Zukunft" in Polen, erwähnt. Doch auch in allen anderen Delegationen waren junge jüdische Menschen vertreten, die in Reih und Glied mit der sozialistischen Jugend der ganzen Welt marschierten. Das Wort ist zu schwach, um den Jubel zu beschreiben, mit dem die Wiener Bevölkerung und vor allem das organisierte Proletariat den Aufmarsch der 50 003 begleitete. Der stundenlange Zug, der am Samstagabend vom Stadion Hohe Warte, wo sportliche Wettkämpfe und Turner-Freiübungen stattgefunden 'Ratten, mit Fackeln, sich zum märchenhaft beleuchteten Rathaus bewegte und dort erst gegen Mitternacht eintraf, sowie der Festzug am Sonntag, der sich über den ganzen herrlichen Ring bis zur Rotunde im Prater bewegte, war erfüllt vom unbeschreiblichen Jubel der Wiener. Eines möchte ich als den Hauptwert dieser Tagung besonders hervorheben. Diese Jugend, die da durch die Straßen Wiens marschierte, aus vielen Ländern gekommen und doch durch die gemeinsame Idee zu einem Großen zusammengeschweißt, diese natürlichen ernsten und entschlossenen Gesichter, diese Generation des Heute und des Morgen ist der beste Garant, daß soziale Gerechtigkeit und Sinn für die Heiligkeit des Lebens eine große Schar frischer, denkender Menschen als Kämpfer hat. Das Lied, das immer und immer wieder mächtig durch die Straßen Wiens brauste und vor dem Kriegsministerium zu trutzigem Orkan anschwoll, dieses Lied: Nie, nie, nie wollen wir Waffen tragen, nie, nie, nie wollen wir wieder Krieg, war mehr als ein Kampflied, es war das heilige Gelöbnis, der heilige Schwur der neuen Jugend, der Träger der kommenden Generation, aufzuräumen mit dem jahrtausendalten Verbrechen des Krieges, des Mbrdens an der unschuldigen Menschheit. Bücherschau Katholische Stimmen gegen den Krieg. Eine internationale Sammelschrift. Im Verlag der Scholle. Berlin-Weißensee. Preis 50 Pf. Diese Schrift, die mit ergreifender Eindringlichkeit zum Problem des Friedens Stellung nimmt, gehört in die Hand jedes jungen Menschen, und erst recht in die Hand des jungen Juden. — solange wir leider. leider keine auch nur 10 ähnliche Zusammenstellung religiöser Stimmen gegen den Krieg aufzuweisen haben! (Wann werden endlich die entschiedenen jüdischen Worte in die Zeit hinausgerufen?) Alle Friedenskämpfer der Nationen kommen hier mit dem Aufschrei echter Religion: Dr. Franz Keller, Freiburg; Dr. Ude, Oesterreich: Pater Franziskus Stratmann; der Franzose Demulier; der Italiener Don Luigi Sturzo. Der Anhang des kleinen Werkes enthält eine bedeutsame Literaturzusammenstellung. Eine Religion, die solche Kämpfer für den Weltfrieden hat, verdient