Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 9 (1.9.1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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unbedingte Beachtung. — In demselben Verlag erscheint die Zeitschrift „Vom frohen Leben", deren Sonderheft „D e r Krieg in der Dichtung" (August 1928, Preis 75 Pf.) sehr fein für unsere Heimabende „Die jüdische Jugend für den Frieden" zu verwenden ist. Es enthält Auszüge aus den bedeutungsvollsten pazifistischen Werken von Walter Schönbrunn, Bruno Frank, Georg von der Vring, Bruno Vogel, Leo Weismantel, Paul Raynal usw. und eine Reihe von Antikriegsgedichten. Jeder sollte sich dieses Heft anschaffen. „Nie wieder Krieg." Eine Zeitschrift der schweizerischen Jugendgemeinschaft „Nie wieder Krieg". Erscheint in Zürich monatlich. Abonnementspreis jährlich 2,50 Fr. Der mutige Schriftleiter Alfred Rusterholz ist ein bekannter Kämpfer und schreibt so, -daß die Jugend diese Probleme und ihre Verquickungen mit dem Weltgetriebe verstehen kann. Die letzten Nummern enthalten prachtvolle Arbeiten über den Sozialismus, die pädagogische Revolution, das Prinzip der Gewalt, das Friedenswerk der Kirche und das Buch von Otto Lehmann - Rußbüldt über die internationale Rüstungsindustrie. (Siehe Besprechung!) Die Zeitschrift hat's gut: sie lebt unter der Förderung des Professors Leonhard Ragaz, der seit Jahrzehnten in der vordersten Front der Friedensbewegung Europas steht. Ich bekomme gerade das Juliheft 1928 der Zeitschrift in die Finger, das diesem Kämpfer ganz gewidmet worden ist, und das besonders wertvoll durch die Beiträge „Religiöser Antimilitarismus" und „Der wahre Pazifismus" geblieben ist. Otto Lehmann - Rußbüldt: Die blutige Internationale der Rüstungsindustrie. Fackelreiterverlag Hamburg-Bergedorf. 1929. Diese Schrift ist eine von den wirklich wenigen, die durch die unzweideutige Sachlichkeit ihrer aneinandergereihten Dinge so außergewöhnlich stark überzeugt. Das heißt: sie braucht gar nicht überzeugen zu wollen, — die Tatsachen, die Blicke hinter die farbenschreienden Kulissen einer bekanntlich immer ..nationalen" Kriegsindustrie, die schmucklosen Miniaturen um Herrn Alfred Krupp, den Offizier der französischen 'Ehrenlegion, dieses hochfeudale, kapitalistische Durcheinander und verständnisinnige Händeschütteln über alle Grenzen hinweg, während die andere Hand mit dem Geld in der Tasche klimpert, — reichen aus, reichen gründlich aus! Ja, es reicht sogar, um einen der sattsam übel aulstoßenden Kriegerver- inier. Frontmenschen und Erbfeindaspiranten, die bloß mit I lolzgewehren spielen, gründlich zu zeigen, was eine Harke ist. und' was es bedeutet, wieder mal bei (den Herren internationaler Industrien!) passenden Gelegenheiten den betreffenden deutschen, französischen bzw. englischen Gott von allen Baikonen. Kanzeln und Redaktionsbüros anrufen zu lassen. — Ihr aber, junge Menschen und Juden, stürzt euch auf dieses Buch, damit ihr endlich so etwas wie ein Gewissen in euch \erspürt. Die Schrift kostet bloß eine Mark! J. R. Aufforderung von j. Raphael. BecKum i. W. Es gibt heute keinen Winkel auf Erden mehr, wo man nicht in irgendeiner Tonart und Lautstärke vom Frieden . det, und das Wort Pazifismus fängt an, salonfähig zu erden. Dieser Gefahr muß man rechtzeitig gerade in den 'einen bewußter Jugend zu begegnen wissen. Denn immer, enn übermäßig -laut und vorlaut vom Frieden gesprochen i ird, lauert das Gespenst des Krieges auf einem ganz be- Jeren Sprungbrett. Vom Frieden allein darf nicht gesagt und gesungen werden. .Man muß für ihn aktiv arbeiten. Man muß den konsequenten. itigen Kampf gegen den Krieg, gegen jede Unmoral der sozialen Zustände, gegen Imperialismus und gegen das System der kolonialen Ausbeutung und Unterdrückung aufnehmen, und klar erkennen, wo der Feind steht! Nicht das Spielen mit Bleisoldaten und mit den Holzgewehren der Kriegervereine ist die Gefahr, — Gefahr allein liegt in der Verdunklung der wahren Ursachen jeglicher Kriei^vorbereilungen. Völkerbund, Kelloggpakt genügen nicht Sie sanktionieren bestehendes Unrecht, wollen den- Status quo Von 1919 lür alle Ewigkeiten sichern, jene „Neuordnung", die sich mit weiteren kolonialen Unterdrückungen und sozialen Ausbeutungen abgefunden hat. Das darf die jüdische Jugend, die religiös und pazifistisch ist, nicht zum Schweigen bringen. In diesen Wochenhat sich in Berlin ein Jüdischer Friedensbund konstituiert. Bei der bloßen Bekanntgabe der Gründung darf es unter keinen - Umständen bleiben! Ein kompromißloser, junger Vortrupp muß in diese neue, wichtige Organisation hinein! Ich fordere alle religiösen, unbedingt pazifistischen, opferbereiten jungen Freunde auf, sofort mir zu schreiben. Wir wollen uns sammeln! flus dem Leben des Verbandes Der Badische Landesverband veranstaltete in diesem Jahre sein „Badisches Treffen", zu dem sich last 200 jüdische Menschen in Freiburg versammelt hatten Durch mustergültige Organisation und Vorbereitungen der Freiburger Verbandsfreunde hatten es diese verstanden, neben der Gemeinde Freiburg auch die Freiburger Loge UOBB., den Israelitischen Frauenverein Freiburg, die Ortsgruppe des RJF., die Stadt Freiburg und den Badischen Oberrat für diese Veranstaltung zu interessieren. Die meisten Organisirrionen hatten neben vielen Freiburger Privatpersonen eine große Anzahl praktischer und wertvoller Preise gestiftet, von denen die Stadt Freiburg ihren Preis dem Fünfkampfsieger durch einen Vertreter der Stadt persönlich überreichen ließ. Der Wanderpreis des Badi- , sehen Landesverbandes wurde in diesem Jahr von der Mannschaft des JJB. Karlsruhe gewonnen. — In Verbindung mit der Preisverteilung an die einzelnen Sieger würdigte Lutz Themal, Pforzheim, die Verdienste der Freiburger Freunde, insbesondere ihres Vorsitzenden Bruno Danziger, sowie des Vorstehers der Gemeinde Freiburg, Prof. Maier. Unser Bericht wird diesmal recht kurz. West- und Süddeutschland steckt, während der Schriftleiter diese Zeilen aus dem bayerischen Hochgebirge, erfrischt durch herrliche Eindrücke, Sole- und Latschenbäder, Inhalationen und was sonst die Erholung bietet, schreibt, mitten in den Ferien, Mittel- und Ostdeutschland hat gerade die Arbeit wieder begonnen. Was soll da viel zu berichten sein? — Wie die ganze deutsche Judenheit, so rüsten sich selbstverständlich auch unsere Vereine für die 200-Jahrfeier des Vorkämpfers der Emanzipation. Moses Mendelsohn. Voran selbstverständlich der einzige Jugendverein, der in Deutschland den Namen dieses Mannes trägt, der Moses-Mendelsohn-Verein Bad Kreuznach. Er will den Tap in Form einer Morgenfeier begehen, bei der Dr. Dienemann, Offenbach, die Gedenkrede halten wird. Den Aultakt der Winterarbeit wird das Thema dieser Nummer: „Die jüdische Jugend für den Frieden", bilden. Das ist für unsere Jupend die rechte Umrahmung unserer hohen Feiertage, als deren Höhepunkt das Judentum „Versöhnung" fordert und kündet. Möchte es aber nicht beim bloßen Reden bleiben, sondern Gesinnung sich formen, die sich im Leben äußert An größeren Veranstaltungen ist zu erwähnen ein wohlgelungenes Sommerfest der Bezirksgruppe Mitte des Khcinisch-Westfälisc he n Bezirks Verbandes in G e 1 s e n k i r c h e n am 23. Juli, bei dem rund 300 Gcmeindcmitglieder anwesend waren. Gelsenkirchen bearbeitej in einer Arbeitsgemeinschaft Mendelsohns „Phädon" und „Jerusalem". — Die Berliner Bünde setzten ihre Arbeit wie gewohnt fort, so Berlin-Norden in der Bibel- und Geschichlsgruppe, Berlin-Osten in der Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Xharakterköpfc". Berlin-Zoo im Zyklus „Jüdische Köpfe", — Sonst wurde allgemein viel gewandert. Besonders zu erwähnen ist die T r e f f a h r t der pommerschen Bünde Belgard, Polzin und S c h i v e 1 - bein in Arnhauseh (Pommersche Schweiz) am 4. August, an der sich 31 jugendliche Menschen beteiligten. Ab erfreulichstes Ergebnis darf festgestellt werden, daß die so lange versuchte gemeinsame Arbeit der drei benachbarten Bünde einen vielversprechenden Anfang genommen hat. Die diesjährige vierte Treffahrt Berlins fand am 18. August mit den Bünden Forst und Kottbus statt und vereinte im herrlichen Sprcewald über vierzig Bundesfreunde. Vom Wetter begünstigt, war der Verlauf der Fahrt ein durchaus zufrieden- - teilender und die Stimmung untereinander, besonders während der mehrstündigen Kahnfahrt, eine recht erfreuliche. Als Gast des Berliner Bundes nahm an der Fahrt Germaine Bonnet aus Bar sur Aube (Frankreich) teil, die im Rahmen des Schüleraustausches der Liga für Menschenrechte den im Juli stattgefundenen Besuch urlserer Bundesfreundin Lotte Hannemann bei ihr in Bar sur Aube zur Zeit hier erwidert. Wir freuen uns, besonders feststellen zu können, daß Germaine Bonnct ein gutes Verstehen mit unseren Berliner, Forster 11