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Der Jugendbund · 1929-09-01 · 9 (1.9.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
9 (1.9.1929)
Date
1929-09-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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DIE JUNGGRUPPE Verantwortliche Schriftleitung: Jack Raphael. BeAum i. W. milder können auch hellen Die nachstehenden Notizen sind der kleinen, aber ganz wundervollen Schrift „Das Jugendbuchlein Volkerversöhnung" von Johann Ohrtmann entnommen. Jeder Junggruppier hat die Pflicht, sich dieses Heft, das nur. 25 Pfennig kostet, sofort anzuschaffen! Kriegsgeschichten lesen manche Kinder gern. Aber es gibt wenig gute Kriegsgeschichten. Die meisten sind von i'.en ausgedacht, die* selbst zu Hause hinter dem Ofen icktcn, und sollen "nur dazu dienen, die Leute wieder zum i ^führen zu verlocken. Die guten Kriegsbücher, die den \ so schildern, wie er wirklich war, die sind so schreckend grauslich, daß ihr sie doch nicht lesen könnt. Lest .. >!ialb lieber keine Kriegsbücher, aber Bücher von spannen- Abenteuern, von Kapitän Scott am Südpol, von „Palle" i i< Kopenhagen, der mit 15 Jahren allein um die Erde fuhr, Sven Hedin, der Tibet durchforschte, von Livingstone, der H iicnlos durch Afrika zog. Das sind feine Bücher. In vielen Ländern veranstaltet man Preisausschreiben für er, deren Aufsätze über den Frieden oder über waffen- Hetdentura einen Preis erhalten. In Dänemark war für rieten der erste Preis eine Reise nach der Völkerbunds- .'■cnf. In Oesterreich schrieben 2000 Kinder solche Auf- -..'./<. Den ersten Preis von 100 Schilling (ungefähr 60 Mark) bekam ein Junge aus Steyr. In Deutschland ist mir bis jetzt unem solchen Preisausschreiben nichts bekannt. Wenn aber wieder euch in der Schule ein Aufsatzthema wählen :, dann wißt ihr jetzt eins! Aus Arnfels von der österreichisch-jugoslawischen Grenze -threibt die 13jährige Hilde Legerth: Die Nachbarschule Kappel liegt schon jenseits der Grenze. Es kommen nun oft Kinder von Kappel in unsere Schule, die schlecht oder gar-nicht deutsch sprechen. Meist sind es nder von armen Winzern oder Dienstboten. Obwohl sie!awische Staatsbürger sind, werden sie in unserer Schule . aufgenommen. Bald lernen sie unsere deutsche Sprache. VI i verkehren mit ihnen, weil viele von uns mit slowenischen l en verwandt sind, so auch ich. Daher haben wir keinen laut sie, wir wollen in Frieden mit ihnen leben. Zwei Geschichten, die mehr sind als Fabeln L Eine Häsin saß im Nest bei ihrem Jungen. Da ging rundum ein großes Geschieße los. Aha", sagte die Alte und stellte die Löffel, „ich merke. - ^eht auf den Herbst zu, die Menschen verlangt es nach lerem Pelz! Komm, Junge, wir wollen uns retten!" Sie flüchteten ins Ackerland. Da sahen sie Menschen über die Felder springen, denen ndere entgegenwarfen, alle mit rauchenden Gewehren in Hand. Piffpaff, da knallte es. Piffpaff, weiter ging die wilde Jagd. Piffpaff, schnell wie ein Spuk war alles vorbei. ..Nein, so was!" sagte die Alte und schnupperte neugierig in einem Toten, der mit eingeschlagenem Hirn in der Ackerlurche lag, „die Welt ist verrückt geworden. Man hat uns Hasen gänzlich vergessen. Die Menschen jagen sich selber!" „Haben die auch einen Balg, Mama?" Ein Narr stand an der Landstraße. Da zogen viele Soldaten vorbei, mit Pfeifen und Trommeln. ..Was wollen die Soldaten?" fragte der Narr. „Die ziehen in den Krieg", antwortete man ihm. ..Warum tun sie das," fragte der Narr weiter. „Sie schlagen die anderen Soldaten tot, stecken die Dörfer an, zerstören die Städte, treiben die Leute weg", war die Antwort. „Warum tun sie das?" fragte der Narr. „Damit der Krieg schnell zu Ende geht und wieder Friede im Lande ist!" sagte man ihm. Da entgegnete der Narr: „Es scheint mir dann doch, daß es vernünftiger wäre, wenn die Soldaten nicht erst den Frieden zerstörten und wenn doch gleich der Friede im Lande bliebe!" Die Schuljugend reist ins Ausland In Dresden hatte vor einigen Monaten der Deutsche Lehrerverein seine Haupttagung. Zusammen mit Vertretern der französischen Lehrerschaft fand eine eindrucksvolle Kundgebung unter dem Motto statt: „Die Schule im Dienste der Volksversöhnung und der Völkerversöhnung". Wir wissen es ganz genau, daß solche öffentlichen Kundgebungen in der Epoche einer hereinbrechenden Vorkriegszeit unendlich notwendig sind. Die Stimmung stieg auf den Höhepunkt, als der deutsche Redner, ein Elsässer von Geburt, im Schlußwort erklärte: „Mein Vater hat 1870 auf die Deutschen geschossen. Ich bchoß 1914 auf die Franzosen — mein Sohn soll auf niemand mehr schießen!" Derartige Worte bedeuten einen gewaltigen Fortschritt seit jenen Tagen, da wir in der Schule di» Sedangedichte einpauken mußten und planmäßig — um nicht zu sagen: lehrplanmäßig — auf den Kasernenhof hin erzogen wurden. Stehengebliebene Spießer werden noch mehr in Staunen geraten, wenn sie jetzt von den Reisen und Fahrten hören, die Jugendliche aller Staaten gegenseitig ins Ausland unternehmen, um die diversen „Erbfeinde" aus eigener Anschauung und nicht aus den üblichen Verzerrungen der Geschichtsbücher kennen zu lernen. Jedes Jahr tauschen die Schüler und Schülerinnen ihre Besuche aus, und viel Giftstoff wird dadurch am sichersten aus der Welt geschafft. Die Knüpfung persönlicher Beziehungen unter der Jugend ist — vorsichtig ausgedrückt — eine unbedingt erforderliche Ergänzungsarbeit zu den Mühen des Völkerbundes und der Politik der „erwachsenen" Leute und Berufsdiplomaten. Auf die schöne Musik, der Verträge, der Zeitungen, der internationalen Frühstücksreden allein kann man sich eben nicht restlos verlassen. Was die allgemeinen Friedensorganisationen und christlichreligiösen Bünde bereits seit längerer Zeit in dieser Arbeit des internationalen Schüleraustausches leisten, muß nunmehr endlich auch von jüdischer Seite tatkräftig unterstützt und vollendet werden: wir brauchen den gegenseitigen Austausch unserer jüdischen Schuljugend! Der junge Jude hat noch längst nicht die letzte Pflicht in der schweren Arbeit der Völkerverständigung und Kriegsbekämpfung erfüllt. Aber er kann und muß jetzt mit diesem elementarsten praktischen Friedenswerk beginnen. Wer an den Austauschbesuchen von jüdischer Schuljugend wirkliches, aufrichtiges Interesse hat, soll mir schreiben. Die Eltern werden gern dieses Bestreben unterstützen, wenn sie an die Worte denken: „Unser Sohn soll a*f niemand mehr schießen. . .!" Wir wollen arbeiten, daß wir schon im kommenden Sommer die ersten jüdischen Austauschbesuche junger Menschen begrüßen können. J, Raphael, Beckum i. W. .Der Krieg" Der bekannte Leiter des Sprechchors der Berliner Volksbühne, Karl Vogt, veröffentlicht soeben im Verlag „Der Sturm", Berlin W 15, ein eigenes Sprechchorspiel unter diesem Namen. Er will mit diesem Werk den Wahn heutigen Krieges in seinen Erscheinungen und Voraussetzungen'in die Erinnerung und das Gewissen der Lebenden wachrufen. Dieser Ruf ertönt mit einer monumentalen Gewalt und läßt die Kraft und die Wirkung einer Aufführung ahnen. Das Spiel schildert den letzten und den zukünftigen Krieg in allen grausigen Stationen bis zum Giftgasende. Die Wucht der Darstellung und eine aufrüttelnde Komposition von großer Formsicherheit, die sich an den langjährigen Erfahrungen des Verfassers am Theater und mit seinem Chor geschult hat, vermitteln einen überaus starken Eindruck. Die Uraufführung durch den Sprechchor des Sozialistischen Kulturbundes in Olfenbach a. M. zeigte die erschütternde Gewalt dieses Chorspiels. Interessant ist der wechselnde Stil, bis zur Verwendung von Urlauten, der sich 9

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