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Der Jugendbund · 1929-09-01 · 9 (1.9.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
9 (1.9.1929)
Date
1929-09-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Kriege vermeiden heißt, ihre Ursachen beseitigen. Kriege tntstehen einerseits aus wirtschaftspolitischen Gründen, andererseits beruhen sie auf dem Zustandekommen einer Massenpsychose. Die wirtschaftspolitischen Gründe müssen wir dadurch verringern, daß wir diejenigen politischen Parteien unterstützen, die durch ihre Richtung gegen einen Krieg eingestellt sind und in ihrem Programm^ ein Wirtschaftssystem anstreben, das künftige Konflikte vermeidet. Die Massenpsychose muß dadurch beseitigt werden, daß man die Schrecken und das Unheldenhafte eines heutigen Krieges zeigt, daß man versucht, die Völker einander näher zu bringen. Hier ist das größte Arbeitsfeld der Jugend. Wir müssen durch Kenntnis der Kulturgüter und der Menschen den Wert und die Eigenart anderer Völker kennen und verstehen lernen. Der Weltjugendbund muß hier mit seinem Wirken einsetzen. Der Austauschgedanke, der besonders in diesem Jahre in vorbildlicher Weise von der Liga für Menschenrechte durchgeführt wurde, muß noch mehr propagiert werden. Viele Schüler, Studenten, junge Kaufleute und Angestellte wissen noch nicht, daß sie hierdurch fast ohne besondere Ausgaben mehrere Wochen im fremden Lande verbringen können. AU diese Wege lassen sich unendlich vermehren. Wenn es dann der Friedensidee' gelingt, die Jugend aller Völker zu durchdringen und zu begeistern, dann wird nach dem alten Satze: „Wer die Jugend hat, hat die Zukunft!" die Friedensidee nicht mehr nur eine Idee sein, sondern sie wird eine Tatsache werden. Herbert Horn, Hannover Wenn heute, nach einem der furchtbarsten Kriege, Männer versuchen, in unverantwortlicher Weise einen neuen, noch viel grausigeren Krieg vorzubereiten, ist es die Pflicht aller fühlenden Menschen, diesem Wahnsinn entgegenzutreten. — Die Idee des Pazifismus: „Du sollst nicht töten, weil du selbst nicht sterben willst", gelte für alle. Die Ansicht, daß der Pazifismus aus dem Gefühl des „Sichdrückenwollens" entstanden ist, ist unlogisch; denn gehört nicht der Einsatz aller guten Kräfte dazu, den ewigen Frieden zu erstreben?! So sei die vornehmste ünd unermüdliche Arbeit unserer Jugend, dem ewigen Frieden zu dienen. — Die •vornehmste Arbeit unserer jüdischen Jugend sei, durch innere Einigkeit und Wahrhaftigkeit der Welt zu zeigen, daß dieser ewige Frieden, wie wir ihn erstreben, tatsächlich möglich ist. Walter Rheinhelmer. Kaiserslautern In diesen Tagen sitzen einmal wieder die Staatsmänner Europas beisammen, um den Weg zur „Befriedung Europas", zur „Liquidierung des Weltkrieges" zu finden. Dieses Ziel des dauernden Friedens, das die Führer der Nationen erstreben, ist auch die Sehnsucht breiter Volksmassen in allen Ländern Europas. Doch da sich andererseits in den Ländern eine nicht ganz unbedeutende Schar von Gegnern dieses Zieles findet, so ci scheint es in der Tat sehr dankenswert, daß in diesen Blättern die Frage zur Diskussion gestellt wird, wie wir jungen Juden an der Arbeit für den Frieden mithelfen sollen. Ich will davon reden, auf welche Weise wir tätig sein sollen, um dieses Werk zu fördern, wenn wir uns dafür einsetzen wollen. Da erscheint es mir von sehr großer Bedeutung, daß wir im eigenen Kreise zunächst unsere .Gedanken zu diesem Probleme austauschen, daß wir uns in Arbeitsgemeinschaften, Heimabenden und Diskussionen bemühen, selber eine klare Einstellung zu dieser Frage zu gewinnen, daß wir die Argumente, die die Gegner der Friedensarbeit vorbringen, besprechen und entkräften, daß wir die Argumente, die uns selbst für die Idee begeistern, klar herausarbeiten, jeder vielleicht einen anderen Gesichtspunkt als besonders wertvoll in den Vordergrund stellend. Wenn wir uns — jeder einzelne — so Klarheit verschafft haben, erst dann kommt das Eintreten für die Idee nach außen hin. Dann gilt es, die Erkenntnis zu verwerten, zu der wir bei der vorangehenden Arbeit gelangt sind! Gerade unsere jüdischen Lehren, die uns schon bei unseren Arbeitsgemeinschaften über die Friedensarbeit den rechten Weg weisen können, werden uns, auch hier die rechte Einsicht geben und uns eine wertvolle Unterstützung sein. So wollen wir, .wenn auch oft nur mit bescheidenen Kräften, mitwirken an der großen Arbeit für den Frieden Europas und der Welt. , Ludwig icKeineimer. Gotha Es ist selbstverständlich, daß die jüdische Jugend nicht abgesondert stehen darf und wird, wenn es gih, mitzuhelfen, der Welt den Frieden zu geben, der von Dauer ist. Wie aber kann sich die Jugend für diesen Zweck betätigen? Es «enüm nicht, wenn wir große Reden schwingen und nach außen hin durch Kundgebungen unseren Willen zeigen, mit der Jugend aller Völker in Verbindung treten, um so über die politischen Landesgrenzen hinweg Brücken zu schlagen. Das ist alles ganz schön und gut, aber > ich sehe darin nicht den alleinigen, sicheren Weg, um aus unserer Jugend Menschen zu bilden, die einmal die Idee des Weltfriedens wirksam machen können. Wir müssen innerhalb unserer Bünde von Grund auf beginnen. Dazu genügen nicht Wochen, noch Monate. Noch ist das von den Alten übernommene Wort „Krieg muß sein, so lange Menschen leben", zu geläufig. Diese der Menschheit unwürdige Ansicht müssen wir Jugendliche aus unserem Denken ausmerzen. Unsere ständigen Zusammenkünfte bei Heimabenden geben Gelegenheit, durch Gedankenaustausch unseren Weltanschauungen eine Richtung zu geben, die auf dem Gedanken der Weltverbrüderung aufgebaut ist. Durch wohlvorbereitete Arbeitsgemeinschaften in den Stoff einzudringen, die Schwierigkeiten kennen zu lernen, ist eine Aufgabe der einzelnen Bünde. Ich sehe vor allem in den Junggruppen ein vielversprechendes Arbeitsfeld gerade für diese Idee. Erst wenn teder Einzelne sich mit dem Problem beschäftigt hat, wenn es jedem in die Seele eingedrungen ist, ihm nicht mehr Problem, sondern Selbstverständlichkeit geworden ist, daß Menschen und Völker in Frieden nebeneinander leben müssen, dann glaube ich, ist das Ziel erreicht. Berthold Simonsohn. Bernburg L Wollen wir nicht alles verleugnen, was uns die Bibel, was uns die Propheten gesagt haben, wollen wir unser Judentum nicht zur Phrase machen, so müsset wir für den Frieden und die Kriegsbekämpfung eintreten. Das kann und darf für uns kein Problem mehr sein. — n. . Mit dem Bejahen der Friedensarbeit ist es nicht getan." Schuld am Kriege ist nicht allein, wer zu ihm hetzt noch viel mehr, wer es dazu hat kommen und ihn sich gefallen lassen. ■ 4 ' m. % , •; Frage: Wie ihn bekämpfen? Durch Predigen, Ueberzeugen, ethische Gründe? Durch flammende Reden? Das haben die Edlen aller Zeiten versuche- Erfolg gleich null! Denn der Pazifismus ist kein Einzelproblem. Er.ist zu erklären und zu verwirklichen nur aus einer gesamt-soziologischen Erkenntnis. Der Krieg ist nur das Symbol einer Ordnung, die auf der Gewalt basiert, die allem Göttlichen und jeder jüdischen Ethik ins Gesicht schlägt. iv. Kampf gegen den Krieg kann der Einzelne nicht führen. Drum Organisation! (Friedensgesellsjchaft, soz. Partei). Heißt Judentum: wahres Priestertum des Guten — nicht der Kanzel — dann hinein in die Kampforganisationen als geistige, aber nicht beamtete Führer. Im Kampf gegen das Asoziale, Unjüdische und seinen hervorragendsten Exponenten „Krieg" müssen wir als Juden vorangehen, wie unsere Propheten vor mehr als 2000 Jahren allen Völkern voranschritten. — V. Heute bedeutet dieser Kampf nicht mehr Beten und Reden. Der Krieg ist kein ethisches Problem mehr, er ist ein soziales. -Darum nicht platonische Erklärungen und schließlich doch auf die erste vaterländische Phrase umfallen! Stellen wir uns dahin, wo wir Zustimmung finden müßten — Löffler sagte es früher einmal —, „an die Seite des geistig und materiell ringenden Proletariats".

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