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Der Jugendbund · 1929-09-01 · 9 (1.9.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
9 (1.9.1929)
Date
1929-09-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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7. Weltjuge^lliga. Hauptsekretariat: Berlin SW 11. Möckernstraße 133a. 8. Bund entschiedener Schulreformer. Prof. Paul Oestreich. Berlin-Friedenau. Menzelstraße 1. —. Monatsschrift: „Die neue Erziehung". Einzelheft (zirka 80 Seiten) 1.20 RM. Vierteljährlich 3.50 RM. 9. Bund für ra'dikale Ethik. Magnus Schwantje, Berlin W. Düsseldorfer Straße 23. 10. Deutscher Monistenbund. Geschäftsstelle Hamburg 36. Klein-Fontenay-Straße 1. Organ: „Monistische Monatshefte" (Hamburger Verlag. Hamburg 37. ABC-StraOe 57) Vierteljährlich 1.50 RM. 11. Jüdischer Friedensbund. Geschäftsstelle: Berlin-Schöneberg, Am Park 15. Geschäftsführer: Dr. Alfred Nossig. 12. Vereinigung der Freunde von Religion und Völkerfrieden. •" Pastor Bleier. Berlin-Charlottenburg. Weimarer Straße 36. 13. Internationaler Versöhnungsbund. Sekretariat: Heppenheim a. d. Bergstraße. Monatsblätter, geleitet von Dr, N. Ehlen und Dr. H. Hartmann. 14. Gesinnungsgemeinschaft antimilitaristischer Pfarrer. Leitung: Lic. Dr. Hans Hartmann. Elberfeld. Röberstraße 4. 15. Liga gegen koloniale Unterdrückung und Imperialismus Deutsches Sekretariat: Berlin W 8, Wilhelmstraße 48. Jahresbeitrag 2 RM. L 16. Großdeutsche Volksgemeinschaft. Mit der Monatsschrift ..Vom trohen Leben" (Der wesentliche Menschl, Verlag dei Scholle. Berlin-Weißensee, Elsaßstraße 57. 17 Katholische Weltjugendliga. Vierteljährlich erscheinendes Mitteilungsblatt „Erwachsene Jugend". Jährlich 1.20 RM. ^Verlag Werl. Kreis Soest in Westfalen. 18. Bund freier sozialistischer Jugend. Helmuth Drechsler. Berlin-Friedenau. Becherstr. 24. I. — Monatsschrift „Freie Sozialistische Jugend", Zeitschrift der Kindergruppen: „Die Jungschar". Der unbekannte jüdische Soldat uon j. Raphael. BecKum „Wer frei von Haß ist, bedarf keines Schwertes." (Gandhi.) Das war nicht der, den man zum Offizierstellvertreter gemacht hatte, — das war auch nicht der Stabsarzt oder der Proviantamts-Inspektor, und erst recht nicht der Küchenhengst, die Schreibstubenseele. Der unbekannte, nebensächliche jüdische Soldat war noch viel, viel unbekannter und nebensächlicher als seine Kameraden, die auch bloß Nummern darstellten, Teile einer Massenpsychose, Teile eines Massenheeres. Teile des Massengrabs. Er ist nur einer von den Zwölftausend. Einer, der schweigend den Torniste» schleppte, der immer Gemeiner blieb, und dessen Urlaub stets verschoben werden mußte, weil gerade Sperr« war. Ueber ihn fiel die Judenzählung von 1915 her, — außer den anderen i.'ualcn der Schikane, der Unterstände, Zoten und Feldgottcsdienste. Dieser L'nbekannle war genügsam wie ein Hund. Kam er in ein halb zerschossenes Städtchen und las er dann irgendwo ein Firmenschild mit einem „jüdischen" Namen, so brannte in ihm ein Stück Heimai auf, — oder wenn er gar in einer verlassenen Wohnung eine Mesusah an der Tür fand, und es gab ihm einen Stich, als er einmal auf dem Tisch der Schreibstube ein Tallis als Decke sah ... In Kleinigkeiten lebte er dahin. Was Frömmigkeit war, wußte er nicht mehr. Froh war er, wenn man ihn zum Beten abkommandierte, und wenn er zwanzig, dreißig Kilometer mit seiner Gasmaske und dem Verpflegungsschein laufen durfte. Gott war gut, — denn er riß ihn ein paar Tage aus der Hölle der Front in eine Holzbaracke, wo ein Vorbeter'jüdische Melodien sang. Beten hatte er verlernt. Man stand da, innerlich versteint, kein Wort konnte über die Lippen dringen. Es war alles fremd, weit weg, — und die Gebete waren voller Liebe und Frieden, - voller Unwirklichkeit. Feiertage, Feste gingen ohne Bedeutung. Versöhnungstag —7 Mitten im Gebet heulte nebenan die Sirene: Fliegeralarm! Lichter mußten erlöschen, und der Vorb»ter sang im Dunkel weiter, jüdische Melodien. Das war halb ergreifend, halb komisch. Bis die ersten Bomben aufschlugen, — Versöhnungstag —! Und man kroch in die Keller. 19. Volksbund für Geistesfreiheit. Leipzig, Zeitzer Straße 32, Zimmer 70. 20. Deutscher Bund für Mutterschutz. Sekretariat: Berlin- Nicolassee, Münchowstraße 1. Monatliches Organ: „Die Neue Generation". 21. Friedensbund deutscher Katholiken, Frankfurt a. M., Liebfrauenberg 37. 22. Deutscher pazifistischer Stundentenbund, Frankfurt a. M„ Westendstraße 13. Die Mitarbeit der jüdischen lugend am Ufeltfriedenswerk Eine Rundtrage unter uerbandsmltgltedern Paul Hannemann. Berlin Der Wille zum Frieden ist der Kampf gegen den Krieg Die Abkehr vom Kriege ist eine der größten Menschheitsprobleme der Gegenwart. Noch in keinem Zeitabschnitt unserer Geschichte wurde um diese Idee so gerungen wie heute. Eine Jugendfrage ist sie, weil die Jugend es sein wird, die bei einem künftigen Kriege am aktivsten wirken muß; eine Sonderfrage der jüdischen Jugend ist sie nicht, und deshalb wird die Mitarbeit unserer Jugend an der Weltfriedensarbeit in keinem Punkte anders gerichtet sein dürfen als die der Gesamtjugend. Wie soll sich die Jugend im Falle eines Krieges verhalten? Wie kann sie zur Vermeidung von Kriegen beitragen? Die erste Frage ist sekundärer Art. Man kann über sie diskutieren, aber man wird, da sie im Augenblick keine praktische Bedeutung hat, kaum zu einer Lösung gelangen. (Zum Beispiel: Kriegsdienstverweigerung?) Die zweite Frage ist die wichtigste. Sie zeigt ein Arbeitsfeld und Wege, die man beschreiten kann. Andere redeten auch vom Widersinn des Krieges, zweifelten an Gott. Viele hatten es satt, — hin und wieder lief e'ner davon, einer ging in Urlaub und kam nicht wieder, einer verstümmelte sich, — jeder drückte sich, so gut er's konnte. Der unbekannte Jude ging, wohin man ihn schickte, — war so unsagbar gehorsam und in seiner unheimlichen Zufriedenheit unerklärlich, undurchsichtig, — den andern oft genug unsympathisch. Außerdem hatte er einen Hauptfehler: er besaß keinerlei Sinn für Haß. Und war gestopft voll mit Mit- .teid. Weil dieses Mitleid ganz unsentimental war, konnte man es nicht begreifen. Ein Jude war immer so anders, flüsterte man. Und so blieb er allein, — auch in seinem Mitleid, das ein Aufbäumen des Gerechtigkeitsgefühls in seiner durcheinandergehasteten Seele war. Seine Augen sahen das Elend der „feindlichen" Zivilbevölkerung anders. Militärische Notwendigkeiten? C° est la guerre? Der unbekannte jüdische Soldal trug in sich ein besonderes Organ für Leid und Jammer, — aus armseligen Häusern wurden alte Menschen und hungrige Kinder gejagt, — auf den schlammigen Landstraßen irrten alte Menschen und hungrige Kinder umher. — Gott hatte sich aus der Welt zurückgezogen, — fern versteckt. Die Kameraden vergaßen die Not in den öden Soldatenliedern, im Kochgeschirr voll Schnaps, — hatten Last genuii mit dem Heute, dem Unmittelbaren. Indessen rang der unbekannte jüdische Soldat mit dem Uebermorgen. Im Grübeln, Suchen war" er Meister. Hoffnungen und Vorsätze, Träume, Gelöbnisse wuchsen in den Himmel, und er merkte es kaum, wenn man ihn gleichzeitig beim Appell wegen dreier fehlender Sohlennägel, wegen eines offenen Rockknopfes, wegen eines verlorenen Päckchens Verbandszeug anschnauzte und ihn ein paar mal mehr antreten ließ . . . Was war so ein Appell! Scheinbar etwas für die Ewig- . keit, etwas Unabänderliches. Dieser unbekannte Jude wußte es besser. Wenn der Appell mit seinen lächerlich aufbrausenden Schikanen und Schimpfereien längst vergessen sein wird, — und man wird ihn bestimmt vergessen! — werden die Träume von einer anderer Weltordnung, von Menschheit und Menschlichkeit noch leben Es gibt Träume, die zäher sind, als sogenannte Wirklichkeiten. 6

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