Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 9 (1.9.1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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der Völker" mit tönenden Worten in Verträgen ächten und gleichzeitig jene foltern, welche ihr Leben aufbauendem Leben und nicht dem organisierten Menschenmord weihen wollen. Eure Stimme wird zu den Kriegsdienstgegnern in den französischen Strafkolonien von Cayenne, nach Guyana, in die Gefängnisse Frankreichs, der Schweiz, Jugoslawiens, Hollands, Paraguays usw. usw. dringen, sie wissen lassen, daß ihr zu ihnen steht und alles daran setzen werdet, sie zu befreien. Den Frieden predigen, bringt uns nicht vorwärts. Zum Frieden erziehen, heißt zur Tat, zur unerschrockenen Tat erziehen, heißt Furchtlosigkeit wagen gegenüber allen Behörden und seinen Mitmenschen. Erziehung zum Frieden heißt Erziehung zur Persönlichkeit, zu Menschen, die nur in sich selbst ihr Gesetz finden und unbesiegbar werden durch ihren unerschütterlichen Glauben an die Befreiung der Menschheit von dem Dämon Gewalt — durch Recht und Gerechtigkeit, durch Liebe und die höchste Selbstüberwindung: Gewaltlosigkei:. Jüdisches Gesetz und Weltfriedensarbeit Uon Rabbiner J. Samuel. Berlin Der große Rechtslehrer Rudolf von Ihering hat vor über 50 Jahren in dem noch heute höchst bedeutsamen Werk „Der Kampf ums Recht" den einleitenden Gedanken ausgesprochen, daß das Ziel des Rechts der Friede sei, das Mittel dazu der Kampf. In den Kampf um den Frieden ist heute auch die jüdische Gemeinschaft eingetreten und ihr Waffenträger in diesem Kampfe ist' die jüdische Jugend. Ihr wurde aus Schicksal und Not, aus dem Erleben* der schwersten Schuld der Menschheit die Weisung zuteil, einen neuen Kampf zu führen, einen hohen und feierlichen, aber auch zähen und ernsten Arbeitskampf um die Befriedung der Welt und der Menschheit Doch hat jüdische Jugend in besonderem Maße hohe Verantwortung, sie hat ihren Kampi um das beglückende Ziel freizuhalten vom Beigeschmack der Modeströmung, ja sogar fast vom Mitklingen der Kausalität, die ihn aus ihrer ungeheuren Schwere gezeitigt hat: sie hat ihn einzustellen in den Krei* der Menschheitsaufgaben des Judentums und ihre Waffen sich zu holen aus heiligem Arsenal, aus der Ewigen Idee des F r-i e d e n s , wie sie im jüäischen Schrifttum in beispielloser Schönheit verankert, im Prophetentum eines Jesaiah zum Zeichen und Gleichnis geworden ist für alle Zeiten und Völker. Ans der unübersehbaren Fülle von Aeußerungen unserer weisen Lehrer des Talmud und Midrasch seien einige markante Beispiele herausgehoben, aus denen uns ersichtlich werden kann, wie unsere Großen den Frieden als ein Gut betrachtet haben, das der materiellen und geistigen Schöpfung organisch .innewohnen muß. „Friede", das ist ein Beiname Gottes, und die Mischna schreibt uns vqr, mit diesem Friedensgruße den Mitmenschen zu grüßen. Und Rabbi Tanchuma erklärt das berühmte iesajanische Wort, -daß der „Bildner des Lichtes und Schöpfer der Finsternis auch Vollbringer des Friedens" ist, in der Weise, daß gleich dem Ausgleich zwischen Licht und Finsternis in die Natur der Welt bereits hineingelegt sei die Idee des Frieden*. Auch R. Asarjab bezeichnet ihn als ein Gnadengeschenk, das der Welt verliehen worden sei. Natürlicher Träger der Friedensidee ist der Mensch, da er schon in seiner Schöpfung al< Synthese zwischen Geistigem und Materiellem dem Frieden diente. (Bereschith rabba 12.) Die sittliche Macht der Friedensidee erkennt das Judentum selbst heim Götze-iierer als Positivum an (L. c. 3&). Sie ist es, die ein Kelch des Heiles, ein Gefäß der Segnungen lyr Israel und die Menschheit geworden ist, daß Gott kein besseres-für uns linden konnte. Dies ist nach Rabbi Schimcon ben Jochai die Deutung des Schrittverses: „Wenn Gott seinem Volke Macht v> rleihen will, dann segnet Er es mit Frieden". Ist aber der Friede so kostbares Gut. so gebührt dem Streben nach Frieden mit Recht eine ' Sonderstellung unter anderen Bestimmungen des Rcligionsgesetzes. Diesem Gedanken hat der Gelehrte Chiskijah Ausdruck gegeben, indem er sagt: „Jedes andere Gottesgebot haben wir auszuüben, wenn die Situation es uns auferlegt oder seine Zeit gekommen ist! Hier aber heißt es: „Verlange nach Frieden und strebe ihm nach!' Doch keineswegs, so äußert sich der Weise weite hin, darf der Gesichtskreis dieses Strebens ein zu enger sei. Wenn auch jede planmäßige Friedensarbeit in der s i t t liehen Fundierung der Keimzelle der Gesell schalt, in der Familie ihren Ursprung haben soll, kann si sich darin und im „Frieden der Stadt" allein nicht erschöpfer Wohl in keiner Idee lebt der Drang nach Expansion, da Streben, in der Seele der Allgemeinheit Wohnung zu finder stärker, als gerade in der Idee des Friedens. Fast klassisc ist dafür das weitere Wort des letztgenannten'Gelehrten. Such ihn (den Frieden) an deinem Orte, und erstrebe ihn für eine anderen Ort, denn wenn man schon „in den Höhen", w nicht waltet Hader und Streit, des Friedens und des göttlich. Friedensstifters bedarf, um wieviel mehr in den Niederung», des irdischen Lebens. Und wenn der Friedensbote Elijah kommt, dann ist seine Bestimmung nicht, diesen für unre :encn für rein zu erklären, den einen heranzuziehen, de; andern abzustoßen, sondern lediglich Frieden zu bringen übt ■ die Welt. Wenn wir diese Bestimmung zu unserer Ar beitsmethode machen, dann ist sie im Geiste Elijahu und des Gesalbten, den er uns künden wird, echt, messianische Tat. Bei aller Anerkennung jedes edlen menschlichen Streben v. > wir demselben begegnen, muß gerade die Arbeit an de' Friedensidee, dem Ureigentum des Judentums, uns mahnei . hier die uns wesensfremden Arbeitsmethoden des Schlagworte-: '.-J der Reklame abzulehnen und in Demut und Stolz unser:- eigenen Weg zu gehen. „Auch die Toten brauchen den Frieden!" (Bamidbar rabba 11.) Mit besonderer, durch die Zeitgeschichte und bitterste Erfahrung bedingter Erschütterung leseil wir dieses Wort. _ Und dennoch, —■ es ist die Zeit gekommen, dies einmal in tiefem Ernst auszusprechen — warum lassen wir nicht ab davon, wieder und wieder unsere Tote': als Zeugen anzuruien, daß wir im Kriege unsere Pf lieh' taten! — Warum nicht an das so unendlich Höhere denken1 — Ein Wort von inniger Tiefe hat uns die Mechilta aus dem Munde des großen Friedensfreundes Rabbi Jochanan ben Sackai überliefert: „Die „vollkommenen Steine", aus denen der Altar gefertigt war, sie stiften Frieden zwischen Gott und Seiner Welt". So sollten auch für uns unsere Toten gelten gleich den Opfersteinen, aus denen man einen Altar des Friedens baut und zur segensvollen Vollendung des Weltfriedens erst einmal den Frieden unserer Gemeinschaft fest verankern. Auch darüber mag uns ein Wort des Midrasch belehren: am Tape, wo das „Zelt der Gegenwart" aufgerichte' worden war, ging Mose hinein und vernahm eine Stimme von außergewöhnlicher Schönheit und Lieblichkeit, und Gott sprach: „Die Weisung des Friedens tue ich meinen Kindern kund." (Tanchuma.) i Doch nichts vermag wohl stärker den Zusammenhang di I hora mit der Idee de» Friedens zu erhellen als jenes Gottc - Wort: „Nur dem Volke, das den Frieden liebt, kann ich meine Lehre geben (Jalkut, Jithro). womit zu gleicher Zeit das gra diose Bild vom Weltfrieden am Ende der Tage" mit dem Zeitpunkte verknüpft ist, da Gotteserkenntnis alle Welt erfüllt. Urd das Wort des großen Rechtslehrers v. Ihering, das wir eingan I erwähnt haben, es ist nichts anderes als die verblüffende E:" fahrung eines Midraschwortes (Rabba), daß es der Sinn de lüdischcn Rechtsgrundsätze sei, der Welt den Frieden z bringen. Und an djie liebliche Gestalt des „Hohen Liedes", di in Jugendfrische und Schönheit prangt und bezeichnenderweise jun Namen „Sulamith", die „Friedreiche" führt, knüpft de Midrasch an, und er weist im Bilde dieser schlichten Hirtiaus Judas Stamm uns, die jüdische Jugend, an, daß wir un zu dem Volke bekennen sollen, dessen ewige Aufgabe e Kt, Werkzeug und Träger der Friedensidee zu sein, gc mäß dem Gottesspruch: „Ich will der Welt den Frieden geben! ' - Nicht Umweg aber, sondern heiligen Weg zu heiligem Zii bedeutet es, wenn wir in unserer Gemeinschaft erst di Krijftc unseres sittlichen Wollens stärken, nicht Enge de Herzens, sondern Tiefe des ehrlichen Fühlens, wenn W u n s e r n Weinberg hüten, um in einem größeren Wächter sei zu können. i