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Der Jugendbund · 1929-09-01 · 9 (1.9.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
9 (1.9.1929)
Date
1929-09-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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D€P ,|UO€lYf>BUTNP miTTfeimneen oes vepBQnpes D€P jüDiscnen juofcnDV6B€ine DeujscHLflnDs 15. Jahrgang Düsseldorf, den 1. September 1929 Nummer 9 flll<5 riPITJ Inhalf"?'C l!ld's': c,i*nd ur den Freden. - Erziehung zum Frieden, von Gertrud Baer. Berlin. — Jüdisches m! c.?CS! , Wellfr'edensarbeit. von Rabbiner J. Samuel, Berlin. - Kriegsdienstverweigerung und Jugend, von Martha Steinitz, Leeds. — Interparteusche und internationale Zusammenarbeit, von Werner Jantschjre. Frankfurt a. M. - Wirtschaft und Friede, von Bernt Hoffmann, Breslau. — Die Organisationen des Friedens. — Die Mitarbeit der jüdischen .lugend am Weltfriedenswerk, von Paul Hannemann. Berlin. — Feuilleton. — Die Junggruppen. — Bücherschau. — Aufforderung. — Aus dem Leben des Verbandes. — Stellenvermittlungsnothilfe. — Mitteilungen der Verbandsleitung. — Adressen, änderungen und Neugründungen. — Spendenliste. — Anzeigen. 3>ie iüdiU'he Jugend für den frieden Wir haben schon früher gegenden Krieg gesprochen und geschrieben. Wir wollen jetzt für den Frieden arbeiten. Dieses Heft will nicht Bekenntnis sein. Es ist Zeugnis für unser Wissen, daß wir jungen Juden in der Arbeit für den Frieden zu wenig nach innen geschaut haben. Den kämpferischen Willen unserer Menschen für eine friedliche und gerechte Gesellschaft wollen wir wecken und festigen. Darum geben wir keine Erklärung ab. Wir zeigen die Hindernisse auf, die auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens sich einem wahren Frieden entgegenstellen, die Aufgaben, die der einzelne im-Bund und außerhalb des Bundes lösen soll. Andere junge Menschen sind uns vorangegangen, wir wollen zu ihnen gehören. Erziehung zum Frieden von Gertrud Baer, Berlin Erziehung zum Frieden ist nur ein Teilbezirk in dem großen Komplex einer neuen Erziehung überhaupt. Erziehung zum Frif len kann nicht okkuliert werden auf die alte Erziehung c ner alten Generation von Eltern und Lehrern, sondern sie Ii organisch wachsen aus neu bereitetem Erdreich, wenn sie lensgesinnung und Friedensbereitschaft zur natürlichen oshaltung der Jugend werden lassen will. Die heute schulentlassene Jugend hat es darum nicht leicht, Veit aus einem Gesichtswinkel zu sehen, der oft allem spricht, was Schule, Haus, Zeitungslektüre, Geschichtswerke, Biographien als des Lebens höchste Werte preisen. I ile, Haus, Gesellschaft, Wissenschaft, Kunst um sie her »md Ausdrucksformen, Instrumente einer Schicht, die ihre Herrschaft gründet und erhält durch Gewalt. Alle Einrichtungen dienen ihr. Sie ist der eherne Schutzwall, in den man nicht ungestraft einbricht. Jugend aber wird ihn troiz der Verhöhnung, trotz des Boykotts der Herrschenden niederlegen, diesen Wall. Ihr Werkzeug ist Wissen. Wissen um das Wesen der Gewalt, ihre Triebfedern und ihre Ziele. Wissen um die Lüge, Heuchelei, Knechtung, Ausbeutung, deren sie bedarf, um zu bestehen. Wissen um die Wahrheit. Erziehung zum Frieden — Selbsterziehung wie Erziehung anderer — ist vor allem Erziehung zur Wahrheit. Sich Tatsachen verschaffen über Zeugnisse der Gewaltabwendung, der aktiven Friedensarbeit in anderen Ländern, sie mit aller Mühe bekanntgeben, Fühlung, Austausch suchen mit der Jugend der Welt, gemeinsam wandern, gemeinsam arbeiten, gemeinsamer Hilfsdienst in verwüsteten Gebieten: dann wird das Weltbild des Einzelnen, das Weltbild einer ganzen Generation sich bald verändern zugunsten der Erkenntnis, daß alle Staatsgrenzen nur Produkte äußerer Willkür sind, Zeichen der jeweiligen Machtkonstellation, daß die Menschheit hingegen eine Einheit, ein Unteilbares ist, in das jeder von uns eingebunden ist mit seiner Eigenart. Mut zur Wahrheit aber verlangt vor allem rücksichtsloses Aufdecken aller Vorbereitungen für neue Gewalt, neue Kriege. Die Literatur über das wahre Gesicht des kommenden Krieges wird totgeschwiegen — aber sie ist vorhanden. „Giftgas- und bakteriologischer Krieg und der Schutz der Zivilbevölkerung" ist ein Thema, das einen Kursus Jugendlicher einen Winter hindurch beschäftigen kann und angetan ist, das „Heldenideal" manches Jungen und manches Mädchens gründlich umzugestalten und ihnen Rüstzeug zu geben für fruchtbare Auseinandersetzungen mit Gewaltanbetern und Kriegsromantikern. Wissen schafft innere Unabhängigkeit von den Schlagwortmeinungen und Presselügen der herrschenden Schicht, Wissen schafft Achtung und Anerkennung für Leistungen, Eigenschaften, Haltung des französischen, polnischen, belgischen Nachbarn. Wissen schafft Mut zur Solidarität. Erziehung zum Frieden ist die Herstellung einer bewußten Solidarität aller jener, denen die Stimme ihres Gewissens Richtmaß für alle ihre Handlungen ist, die der Stimme ihres Gewissens lieber gehorchen als der Befehlsgewalt irgendeines Mächtigen der Erde. Was die Dienstvterweigerer während des Krieges, was die Verweigerer des Militärdienstes in allen Ländern mit Wehrpflicht für die Idee dek Friedens getan haben und täglich unter unsagbaren Opfern und Qualen durch den Volleinsatz ihres Lebens von neuem tin, sollte eingeschrieben werden in die Seelen der Jugend und ihr leuchten auf ihrem Wege. Wird Jugend es zulassen, daß ihre Kameraden, die ernst machen mit den Worten des Kellog-Paktes und den Krieg nicht vorbereiten wollen, den man soeben geächtet hat, länger in Gefängnissen gefoltert werden^-Heraus, Kameraden und Kameradinnen, zu einem aktiven Protest. Ruht nicht, bis der letzte Militärdienstverweigerer aus dem Gefängnis entlassen ist. Brandmarkt in breitester Oeffentlichkeit die Heuchelei, die Gewissenlosigkeit der Regierungen, die den Krieg „im Namen

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