Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 8 (1.8.1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Vertrauensmännern bestehe. (Der Vorschlag soll jetzt vom Verband in die Tat umgesetzt werden. Die Schriftleitunp.) Diese sollen dafür Sorge tragen, daß bei einer Stellenvakanz Mitglieder des Verbandes oder Menschen, die ihm nahe stehen, in eine engere Auswahl für die Neubesetzung dieser Stellen gezogen werden. — Bei dem eigentlichen Treffen' inmitten der ..Pommerschen Schweiz", das von den Schivelbeiner Freunden mustergültig vorbereitet war, war der Verband durch Fritz Schwarzschild (Düsseldorf) und Waldemar Strauß (Berlin) vertreten. Rund 70 Freunde aus den Bünden Stettin, Lauenburg. Stargard. Schivelbein, Belgard, außerdem zahlreiche Gäste aus Polzin, Bärwalde, Falkenbursr, Jakobshagen, Klaushagen, Nau-!*ard, Bublitz, Schlochau, Da^>cr, Lierlin waren eingetroffen, so daß etwa 110-Teilnehmer gezählt werden konnten. Erwin Seegall hob bei der Begrüßung die durch persönliche Aussprache befestigte Uebereinstimmur g mit der Verbandsleitung hervor. V\ aldemar - Strauß betonte, welche Wertschätzung die Verhandslcitung der hier geleisteten Arbeit entgegenbringe und sprach besonders dem L.-V.-Leiter Seegall den Dank aus. Fritz Schwarz'schild referierte dann über „Wesen jüdischer Jugendarbei t". Er stellte die immer klarer hervortretende Entwicklung unseres Verbandes zum Erziehungsbund dar. Erich Altmann sprach über „D i e Aufgaben unseres Verbände s". Er betonte als Aufgaben des Verbandes: Die Notwendigkeit der menschlichen Erfassung der Mitglieder im Bunde — Entwicklung der Vereine zu Bünden. Als konkrete Aufgaben bezeichnete er: Die Arbeit in der Gemeinde, das soziale Wirken, die Beschäftigung mit den palästinensischen Problemen, mit der messianischen Idee und der Friedensfrage. Erwin Secgall sprach über ..Die Zukunft des B. -V. Pommer n". Er wandte sich gegen die Bildung von Junggruppen außerhalb der Bünde. Die Bünde selbst müßten von innen heraus neuaktiviert werden. — Die Aussprache zeugte von großem Interesse und Liebe zür Verbandsarbeit. — Sportliche Wettkämpfe und gemeinsame Gesänge beschlossen den inhaltreichen Tag. Als Ergebnis sei hervorgehoben: 1. Die jungen Menschen in Polzin haben sich unter dem Eindruck der Tagung zu einem Kreise zusammengeschlossen, der im Sinne des Verbandes arbeitet. 2. Die os tpommerschen Kleingemcinden werden miterfaßt werden. 3. Die Arbeit der Gruppen wird künftig einheitlicher und intensiver sein. Als nächste Veranstaltung des Bezirksverbandes wird am 4. August ein ..Bädertreffen" in Swinemünde stattfinden. Spriniren wir von Pommern nach dem Westen, weil zeitlich anschließend: Am 7. Juli hatte der Rheinisch-Westfälische Bezirksverband sein Bezirkstreffen bei Werden an der Ruhr, 'über das uns in launiger Weise der verantwortliche Hamborner Bund berichtet. Schade, daß der Platz nicht reicht, den witzigen Brief ganz zu bringen. Nach vielen Schwierigkeiten trafen sich rund 150 Freunde aus einer großen Anzahl von Bünden und verbrachten bei sportlichen Wettkämpfen. Spielen und Unterhaltung einen schönen Tag. (Ein Wort'an den Berichterstatter: Der Brief ist kostbar: aber verschaffst Du dem' Schriftleiter die Mittel für eine Allonge zur Zeitung, damit er Dir soviel Raum zugestehen kann?) Am 14. Juli fanden gleich zwei Treffahrten von Landesverbänden statt. D:e nordbayerischen Vereine Nürnberg, Bamberg. Würzbur?, Kitzingen. Bayreuth und Koburg waren Gäste des Bamberger Bundes. Im Bamberger Stadion trafen sich 130 Freunde bei Lcichtathlc'ikwettkämpfen. Es wurden zum Teil vorzügliche Resultate erzielt. Nach einem vom JJV. Bamberg gestifteten kleinen Imbiß wurde nachmittags im Walde durch den Vorsitzenden des Landesverbandes. Dr. R ü 1 f .«die Preisverteilung vorgenommen. Auf dem Treffen erklärte der wiedergegründete JJV. Koburg seinen Beitritt zum Verband. Der Nord westdeutsche Bezirksverband hatte zu gleicher Zeit einej Treffahrt bei Hameln. Nähere Berichte fehlen noch. — Nachzutragen ist eine Wanderung der württembergischen Vereine Eßlingen, Ludwigsburg, Göppingen. Ulm und Stuttgart am 23. Juni von Göppingen aus über Ichenhausen. wo der alte jüdische Friedhof besichtigt wurde, Bad Boll auf den Boßler (Schwäbische Alp). Zwischendurch trieb man Ballspiele und gemeinsames Singen. Im Laufe des Sommers werden auch mit anderen Vereinen des Schwarzwalds und des Unterlandes derartige Fahrten veranstaltet werden, um den Zusammenhalt zu stärken. — Die Berliner Bünde trafen sich schon dreimal mit auswärtigen Vereinen: Zu Pfingsten besuchten zwölf Berliner und Berlinerinnen das Heim in Seesen und machten mit 18 Freunden aus Hannover eine gemeinsame Fahrt über Bad Grund, Wildemann, Lautenlal nach Seesen zurück. Anfang Juni trafen sie sich mit den Stettinern in Chorinchen, am 30. Juni mit Magdeburg und Dessau (insgesamt 35 Teilnehmer) in Wiesenburg. Das schöne Einvernehmen wird besonders hervorgehoben. — Das Eisenacher Treffen des Mitteldeutschen und Sächsischen Bezirksverbandes, das wir das letzte Mal kurz erwähnten, nahm am 22. und 23. Juni einen schönen Verlauf. Von der Verbandsleitung war Fritz Schwarzschild anwesend. Das Hauptreferat von Max Schweisheimer über „Gegenwartsaufgaben moderner jüdischer Jugend" forderte vor allem stärkere Beschäftigung mit der Politik, Bekämpfundes Antisemitismus, größere Duldsamkeit in innerjüdischen Dingen, erhöhtes Verständnis für soziale Fragen. Es wurde folgende Entschließung gefaßt: „Die Gemeinden und iOrganisationen werden angesichts der steigenden wirtschaftlichen Notlage der jüdischen Jugend dringend irebeten. die jüdischen Arbeitgeber auf ihre Pflicht hinzuweisen, bei Einstellung von Arbeitskräften jüdischen Bewerbern bei Gleichwertigkeit den V orzug zu geben." Von Fahrten der Vereine erwähnen wir ein Treffen der Vereine Dresden und Chemnitz im Erzgebirge, ein solches von München mit Freunden aus Fisch ach. Augsburg. Ichenhausen, Ingolstadt in Schondorf am Ammersee: ein Treffen der Vereine Emden, Wilhelmshaven, Bremen. Wesermünde, Bremerhaven in Bad Zwischenahn; eine Dampferfahrt der Mainzer in den Rhein?au; Sternfahrten der Berliner Ortsgruppen nach M e c h e s e e. Ueberall wurden Abendspaziergänge und sportliche Veranstaltungen durchgeführt, in vielen Vereinen auch allsonntägliche Wanderungen. Trotz der großen Hitze ruht auch die geistige Arbeit nicht. In Hamborn hat man mit der Bearbeitung von Martin Rubers „Drei Reden über das Judentum" begonnen; in Mainz setzte Dr. Levi die Arbeitsgemeinschaft fort, Karl Ljppmann hielt einen Heimabend über „Der Streik im modernen Wirtschaftsleben" ab; in Beckum besprach man den „Jüdischen Friedensbund"; in München die Themen „Todesstrafe". ..Jüdische Schule", „Gestaltung des Gottesdienstes". Berlin- Norden bearbeitete in der Bibelpruppe „Versöhnungstag" und Vorschriften des Leviticus, in der Geschichtsgruppe „Die Epoche der Kreuzzüge in Spanien, Byzanz und im Morgenland"; Berlin-Osten im Zyklus Jüdische Charakterköpfe „Moses Mendelssohn": Berlin-Wittenbergplatz ..Mose" und „Jesus", „Kommunismus", „Kriegsbücher"; in U 1 m leitet Rabb. Dr. Cohn Heimabende über „Fragen jüdischer Ethik" und „Apologetik". Von Vorträgen, die im letzten Monat natürlicherweise zurücktraten, erwähnen wir: Maler Herrn. Fechehbach sprach in Stuttgart über „Charakter und Kjunstw e r k", J a c.k Raphael hielt in Beckum den; dritten Vortrag im Zyklus Heinrich Heine: „Der Hetzer", Drj Neuhaus, Mülheim, sprach in Oeynhausen über „Was müssen wir vom Talmud wissen?" In Göppingen hörle man Rabb. Dr. Tänzer über „Geistige Selbsterziehung" und ,,Grundzüge des Judentums". Die Arbeit des dortigen Vereins hat es zuwege gebracht, .daß die Gemeinde ein Heim zur Verfügung stellte und Sportgeräte anschaffte. In Hannover: sprach Gerd Weile über „Goethe und die Juden", in Ingolstadt der Vorsitzende der CV.-Ortsgruppe Amberg über!„Mobilmachuna befohlen" (Worte zur Abwehr). — Der Mon.tefiore Frankfurt a. Main konnte am 17. Juli sein neues Heim einweihen. Jakob Jacobs, der Vorsitzende, sprach über ..Die Jugend und das Heim". Heute sei das Jugendheim nötig, es müsse der Jugend von der Allgemeinheit gegeben werden, weil die Synagoge nicht mehr wie früher als Zentrum des Gemeindelebens fungiere. Leider entledige sich die Gemeinde dieser Pflicht nicht, deshalb sei das kleine Heim höchstens ausreichend für Arbeitsgemeinschaften und kleine Heimabende, bedeutend kleiner als das frühere, eine Anklage gegen die unzureichende Gemeindepolitik. — Inzwischen sind viele Freunde in die Ferien gegangen, andere rüsten zur Reise. Ferienstimmung überall! Dank allen, die uns mit Kartenprüßen erfreuten! Die Verbandsleitung und treue Freunde arbeiten schwitzend und sorgend am Winterprogramm. Sie wünscht euch allen gute Erholung und hofft, daß Ihr demnächst mit frischen, verdoppelten Kräften ihren Anregungen folgt. . K. Denkt an die Fördererliste des Verbandes!