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Der Jugendbund · 1929-08-01 · 8 (1.8.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
8 (1.8.1929)
Date
1929-08-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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ich für sehr geeignet, unseren Vereinen und Junggruppen ein Bild von dem Schaffen Mendelssohns zu geben. Jeder Veri.indsverein sollte es in seiner Bibliothek haben, der billige -chaffungspreis dürfte auch dem kleinen Verein die Be- Jlung ermöglichen. Die der neuen Auflage beigegebene .iraphie Mendelssohns ist etwas dürftig. Ausstattung und Otuck sind angemessen. Eugen Roth. Ludwig Holländer: Deutsch-Jüdische Probleme der Gegenwart 32 S. Philo-Verlag, Berlin 1929. 1,30 RM. Diese Schrift ist ein Beweis dafür, daß man ohne Schärfe, .idenschaftslos, wie der Verfasser selbst eingangs betont, eine Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner führen kann, .line dabei die Gegensätze in den Hauptfragen zu verwischen. Schon diese Grundeinstellung, ,die wir im Verbände stets als die allein mögliche bezeichnet>haben, verpflichtet uns zur Bechäftigung mit den Ausführungen Holländers. Es ist aber weiterhin noch etwas, was gerade den jungen Menschen zur '.ektüre reizt: er wird bei keiner einzigen Zeile die Empfindung!<aben, als spräche hier ein Abgeklärter. Nein, man fühlt, hier sieht ein Mann, der sich selbst noch mitten in der Problematik des jüdischen Lebens befindet. Und es ist kein Zufall, daß der Verfasser, der (S. 20) vor einer zu ausgiebigen Beschäftigung mit innerjüdischen Fragen warnt, in seiner ganzen Schrift selbst nicht davon loskommt. Wir verdanken Holländer eine genaue Klarlegung des deutsch-jüdischen Standpunktes. Für ihn ist Judentum nicht' lediglich Religions-, sondern zugleich Schicksals- und Stammes- ,imeinschaft (S. 9, 13). Aber die Bedeutung des Judentums liegt nur im Geistigen, völkische Bindungen sind keinerlei Kitt |S. 25). Als Ziel des Centraivereins bezeichnet er (S. 23) die Einbettung der Juden in kultureller und jeder anderen Beziehung im deutschen Volke, bei Aufrechterhaltung aller jüdischen Werte. — Es ist ihm unbedingt darin zuzustimmen, daß diese Aufgabe sehr viel schwerer ist als ein glattes „Nationaljudentum". Mir fällt ein Wort von Rousseau ein: „La d6mocratie, c'est un plebiscit de tous les jours". (Die Demokratie ist eine sich täglich wiederholende Volksabstimmung.) Alle Vergleiche hinken, aber auch die deutsch-jüdische Einstellung erfordert alle Tage die erneute Ablegung des Bekenntnisses '.um deutschen Volke. Und die „Saturiertheit", die man dem Centraiverein häufig zum Vorwurf macht, ist heute, nachdem der Zionismus um seine Anerkennung nicht mehr zu kämpfen braucht, auf der Gegenseite zum mindesten in gleichem Maße vorhanden. Noch ein Punkt verdient hervorgehoben zu werden. Holländer schreibt auf S. 7: „Die Betrachtung der Entwicklung Jes Zionismus wie des Centraivereins zeigt, daß beide Begriffe in ihrem Inhalt einem steten Wandel unterworfen sind." Diese Feststellung, die uns im Veibände nicht neu ist, mag manch einen der älteren Generalion stutzig gemacht haben. Man muß aber noch einen Schritt weiter gehen. Ich schließe mich Holländers Ansicht (S. 30), daß in Kernfragen niemals Kompromisse geschlossen werden können, rückhaltlos an. Daneben gibt es aber Fragen, die eine gesamtjüdische Betrachtung erfordern. Dazu gehört nach Auffassung der jungen deutschiiidischen Generation unbedingt das Palästinawerk (vgl. den Aufsatz von H. Gerson, „Deutsch-Jüdisch" in der Jugendbeilage Nr. 4 der Centralvereins-Zeitung vom 12. April 1929). Die Ansicht Holländers (S. 29), daß ein Mißlingen der palästinensischen Siedlung keine ungünstige Einwirkung auf die Lage der gesamten Judenheit äußern würde, vermag ich aus d'esem Grunde nicht zu teilen. Wer ehrlich die Wahrheit sucht, kann an dem Büchlein Holländers nicht vorübergehen. RichardC ohn, Halle a. S. ting über „Freiheit und Bindung als Aufgabe der gegenwärtigen Jugenderziehung", analytisch gut Prof. Dr. Flitner über „Die junge Generation im Volke". Es sind noch vertreten: Prof. Dr. Stählin „Familie und Gemeinschaften", Studienrätin Nitzsche ,JDie Familie", Dr. Stapel „Volk und Staat", Generalpräses Wblker „Die Jugendführtmg". Sie sollen den Kreis der Lebenswelt der Jugend runden. Arbeitsgemeinschaftenunserer Bünde sollten die Referate diskutieren, um zu konkreteren Ergebnissen zu kommen, als es den Referenten zum Teil gelungen ist. J. Die Lebenswelt der Jugend in der Gegenwait. (118 Seiten. Preis 3 RM.) Im März 1923 veranstaltete der Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände eine Führertagung in Bad Homburg. Sieben Vorträge sind nunmehr in einer Broschüre im Selbstverlag des Reichsausschusses erschienen, darunter auch der von Dr. Gertrud Bäumer, die verhindert war, ihn zu halten. Mit Bedauern ist festzustellen, daß die Ausführungen von Dr. Liebenberg, Berlin, über „Arbeit und Beruf" und die von Dr. Karsten, Berlin, über „Die Schule" in der Broschüre fehlen. Der Herausgeber wünscht, daß die Broschüre die Diskussion fördere, und gerade die Problematik der beiden ausgelassenen Vorträge hätte eine gesunde Diskussionsbasis abgegeben, die in Homburg bei der eigenartigen Zusammensetzung der Menschen nicht möglich war. Am Lebendigsten wirken auch im Druck die Ausführungen von Prof. Dr, Nol- Ludwigf Lewisohn: Der Fall Herbert Crump. Drei-iMasken- Verlag, München. Die Lektüre dieses Buches ist nur dem gereiften Menschen zu empfehlen. Mit meisterhafter Feder schildert hier der Jude und Amerikaner Lewisohn das Schicksal eines Künstlers, der an einem Ehe genannten Irrtum zugrunde geht, weil sich die Gesellschaft in einem puritanischen Amerika ihm. entgegen, an die Seite des Schlechten stellt. Die DarstVllJRi des Falles Crump rührt Menschliches, allzu Menschliches, d. h. Unmenschliches auf. Sie entflammt den Leser zu zornigem Aufbegehren gegen die Macht solcher Konvention. Und vermag vielleicht immer wieder in einem Menschen die Gewißheit zu sichern, daß eine neue edlere, weil verstehende Gerechtigkeit not tut, als die buchstabengläubige dieser Zeit. E. H. » Berichtigung: Der Verfasser des Buches „Menschen der Liebe" ist Dr. Karl N ö t z e 1 in Pasing b. München, Hermannslraße 8. In die Besprechung des Buches haben sich zwei Fehler eingeschlichen. Es mußte s+att „Jugendfrage" „Judenfrage" und statt „geradezu modern" „gerade modern" heißen. Dr. A. R. Helft unseren stellenlosen Freunden I Viele von uns sind seit Monaten stellungslos und in verzweifelter wirtschaftlicher Lage. Für diese muß Arbeitsgelegenheit beschallt werden. Die Verbandsleitung hat mich beauftragt, den Versuch zu machen, hellend einzugreifen. Es ist Ehrenpflicht jedes Jugendbündlers, jede Arbeitsgelegenheit, welche es auch sei, mit genauen Angaben über Art der Tätigkeit und Verdienstmöglichkeit sofort an mich zu melden. Auch sind Angaben über Freunde, die sich in gleicher wirtschaftlicher Not befinden, mit genauen- Unterlagen der bisherigen Tätigkeit (Bild, Zeugnisabschriften, Gehaltsansprüchen) sofort an mich weiter zu ::eben. Im Auitrage der Verbandsleitung: Waldemar Strauß, Berlin SW 68, Ritterstraße 52. flus dem Leben des Verbandes Wir haben über eine Reihe erfreulich verlaufener Treffen der Landesverbände -und Bezirksgruppen zu berichten. In einem ausführlichen, musterhaften Rundbrief wertet Erwin Segall das Treffen des Bezirksverbandes P o m - m e r n in der Jugendherberge bei den Fünfsecn am 30. Juni aus, von dem er zusammenfassend sagt, daß es „Bindungen zeugte zwischen den Menschen — zwischen Menschen und Eund — zwischen den Bünden — und alle diese Bindungen getragen von der Idee unserem Verbandes und geleitel von der Treue zu dieser Idee". Dem Treffen ging ein Heimabend in Schivelbein voraus, dessen Mittelpunkt das Referat von Erich Altmann (Hamborn — Stettin) über das Thema „Berufsnot und Berufshilfe" bildete, ein Thema, das wärmstes Interesse fand. Allmann forderte, daß man die Menschen nurBerufe ergreifen lasse, zu denen sie sich „berufen" fühlten. Die Not an Arbeitsstellen solle durch eine Organisation bekämpft werden, die nicht eine Art Stellenvermittlung darstelle, sondern aus einem Netz von überall vorhandenen

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