Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 7 (1.7.1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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eis interessieren dürften: „Für die Jungens ist alles bis ins leinst* vorgeschrieben. Und für uns Mädels? Ein blaues I. je nach Geschmack — und fertig! Natürlich ist es sehr tig, daß wir Mädels uns die Kleider selbst anfertigen sollen, ist auf alle Fälle billiger und macht auch viel Spaß. Kleider : jedoch sehr unpraktisch. Auf jeder Fahrt wird geturnt, Mädels müßten da also immer einen Turnanzug extra mit- : limen. Das beansprucht erstens Platz im Rucksack und ^itens ist die lange Umzieherei vor dem Turnen gar nicht Ii.in. Ein Vorschlag, wie mehrere Mädels von uns ihre ihrtenkleider haben: blaue Bluse, blauer Rock (mit Gummi¬ oder an der Bluse angeknöpft), darunter vom selben Stoff Pumphose (mit Gummizug oder auch aufgeknöpft). Wenn jturnt wird, braucht also nur der Rock heruntergestreift zu werden. Es ist überhaupt sehr nett, wenn auch hier eine Art Kluft betont wird." — Im übrigen veranstalteten ein paar i.inßgruppler an den Pfingsttagen eine sehr nette Tour in die .l.ireiche Gegend um Kustedt und Gnarrenburg — fein kleiner! rsalz dafür, daß man nicht in Gaimühle sein durfte. Gelsenkirchen. Außer dem eben fertiggestellten neuen Bücherrzeichnis versendet die Gruppe einen ausführlichen Jahresbericht, dem im großen und ganzen ein anerkennenswerter Aufstieg in der Arbeit und der Erziehung zum Bunde zu entnehmen ist. Die Mitgliederzahl hat sich verdoppelt, eine mngere Jungen- und Mädchengruppe wurde gegründet, und immer größerer Wert ist auf das Fahrtenleben gelegt worden Den Höhepunkt des Jahres bildete die große Führertagung, die nicht zuletzt grade den Gelsenkirchner Freunden einen merklichen Aufschwung gegeben hat. Vereinigte Junggruppe West-Westfalen. In dieser Gruppe ^ind 35 Mitglieder aus 6 Orten in drei-Zügcn zusammengeschlossen. Jeder Zug hat seinen Führer und seinen Helfer. Mit der Einführung der Kluft ist begonnen worden. Sitz der .lunggruppe ist Ahlen i. nW. — In den wöchentlichen Arbeitsgemeinschaften wurden bisher behandelt u B.i Bund und l'lternhaus, Weshalb gehe ich in die Junggruppe? Ich und um mich herum. Warum Kluft?, Warum ich Jude bin. — Jeder Zug macht zwei Fahrten im Monat. Die ersten beiden Züge waren, schon mehrmals auf großer Fahrt zur Möhnetalsperre, nach Schloß Assen, wo zum erstenmal abgekocht wurde. {.I. R. war auch dabei und hat sich davon überzeugt, daß die Gruppe fein intakt ist und nochmal was richtiges wird!) Leni und Else entpuppten sich als prima Köche, — erst^re auch als Meisterin mit der Klampfe. Hans Gumpert war Ofenb.iumeister. Die Jüngeren gingen neulich auch auf eine 17-Kilometer-Fahrt. Zur Führerin wurde Hilde Andrieße, Beckum, gewählt, zum Helfer Hans Gumpert, Ahlen. — Die gesamte Gruppe wird demnächst ein feines Sommerfest arrangieren. Saarbrücken. J. Tschisik sendet folgende Stellungnahme zu einem Vortrag, der die Frage der Erneuerung des Juden- Bücherschau Dr. Bcermann: Beiträge zur Wesenserkenntnis des Judentums (Verlag der „Abwehrblätter", Berlin W 35, Flottwellstraße 7 — Preis 0,75 RM). Diese anspruchslos auftretende Broschüre des als Wissenschaftler wie als Publizist namhaften Rabbiners stellt Apologetik im besten Sinne dar* wie sie recht selten ist und perade von der Jugend nur warm begrüßt werden kann. Dem Verfasser kommt es darauf an, „auf die Momente abzuheben, mit deren Betonung der Judenhaß der Gegenwart die sittliche Minderwertigkeit des Judentums behaupten möchte, und aus den Quellenschriften der jüdischen Religion ihren wahren Charakter idarzutun". Diese Aufgabe ist ausgezeichnet erfüllt. In einer von umfassendem Wissen zeugenden Darstellung wird das Judentum als Gesinnungsreligion charakterisiert, die Originalität der iüdischen Lehre gegenüber dem Panbabylonismus aufgezeigt, die Deutung eines „Rache- und Nationalgottes" Israels widerlegt und nachgewiesen, wie wenig von einer ..Doppelmoral" des Judentums und jüdischer „Engherzigkeit" gesprochen werden könne. Man findet eingehend belegte Erörterungen über die Stellung des Judentums zur körperlichen Arbeit, über die kaufmännische Moral im Judentum, und ein besonderes Kapitel behandelt die Geschlechtsmoral des Judentums, deren hoher Wert vollends deutlich wird, wenn man einen Blick auf die orientalische Religionsgeschichte mit ihren orgiastischen Kulten wirft. Schließlich gibt der Verfasser noch in scharfen Umrissen ein Bild davon, wie viel wahrhaft großzügige Leistung das Judentum neben seiner Lehre auf allen Gebieten der Kultur aufzuweisen hat. In einem Anhang „Die tums behandelt hat: „Der Weg, der in unserm Bunde zu verfolgen wäre, so .führte der Redner aus, sei die Hebung des Gemeinschaftsgefühls durch Einführung einer „Kluft", durch gemeinsame Wanderungen, gemeinsamen Sport usw. — Dieser Weg hat etwas Ansprechendes für uns. Werden wir aber durch solche Gemeinschaft zum Judentum erzogen? Ich finde nicht. Wir haben das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Das genügt noch nicht. Wir müssen hören, sehen, daß. wir mit Juden zusammen sind. Das genügt immer noch nicht.] Wir haben alle „das Gefühl", Juden zu sein. Doch sind wir keine bewußten Juden. Wollen wir es sein, so müssen wir ganz genau unsere Religion und Tradition kennen — und -auch halten! In unserer Religion sind nur starre Formalitäten erhalten, von der Tradition blieben bloß klägliche Reste. Viele können die hebräische Sprache noch lesen, wenige verstehen sie, und noch wenigere sind es, die sie sprechen können. Die Gesetze sind größtenteils vergessen, und die noch nicht vergessen sind, werden kaum beachtet. Unsere blühende, jahrtausendalte Kultur ist auf ein Minimum gesunken. Ja, pflegen wir die Gemeinschaft, aber erfüllen wir sie mit jüdischem Geiste! Seien wir uns bewußt, daß wir Juden sind, und handeln wir danach! Dann wird für das Judentum eine bessere Zeit anbrechen."_ München. Ein paar unternehmungsfreudige Jungens haben eine Junggruppe geschaffen, deren Leiter Fritz Keßler, Wagmüllerstraße 20, ist. Chasak zur beginnenden Arbeit! Heilbronn. Etwas verspätet, aber nicht zu spät, sei noch nachzutragen, daß die Gruppe eine gut gelungene Treffahrt mit Worms und Frankfurt - im Odenwald veranstaltet hat. Man war besonders erfreut, den großen Häuptling der Frankfurter Pfadfinder, Karl bzw. Hans May, kennen zu lernen, und der Heilbronner Führer, Richard Meyer, ist restlos begeistert. Die große Fahrt war der Auftakt zum Bundestag. Worms. Die Leitung unserer Gruppe hat Herbert Felsenthal. Kaiscr-Wilhclm-Straße 22, übernommen. Es bestehen hier ein Mädelzug. ein Zug der jüngeren und ein Zug der älteren Jungen. Adressenänderungen Die Anschrift des Bundeskassierers lautet: Leo Bauer, Chemnitz, Maxstraße 7, 3. Etg. internationale Korrespondenz Die Nachfrage nach englischerKorrespondenz ist inzwischen derart umfangreich geworden, daß vor August weitere Zuschriften nicht erledigt werden können. Ebenso erübrigen sich Anfragen wegen Schüleraustauschbcsuchen für diesen Sommer. Wer aber einen Austauschbesuch für das nächste Jahr plant, möge sich melden. J. Raphael, Beckum i. W. religiösen Quellenschriften des Judentums" sind zugleich einige sehr bedeutsame, unterrichtende Bemerkungen über Talmud und Talmud-Zilate niedergelegt. — Die in prägnantem Ausdruck gehaltene Schrift sollte um ihres lehrreichen- Inhalts willen eben auch unter uns Jungen größte Verbreitung erlangen, wodurch gleichzeitig die finanzielle Basis geschaffen würde, sie weitgehend christlichen Kreisen zuzuführen. Also, diese kleine Broschüre müßte jeder kennen und besitzen! Dr. Lutz Rosengärt. Der junge Tag. Eine Auswahl aus dem Schrifttum der Gegenwart. Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung, Hamburg. Kart. 0,70 RM., Leinen 1,50 RM. Die Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung unternimmt es. für Dichter unserer Zeit durch ihre Dichtung selbst zu werben. Der Versuch, durch ein schmales Bändchen, „das Werk eines Dichters in charakteristischen Proben selbst für sich sprechen" zu lassen, muß als gelungen bezeichnet werden. Tatsächlich sprechen diese vornehm ausgestatteten, dabei billigen und völlig in sich abgeschlossenen Bändchen für sich. Es liegen bisher Stehr, Molo, Scholz, Zech und Dörfler vor. Weitere werden folgen. Die Sammlung, die geeignet ist, Kultur, Ausdruck der Zeit,-ins Volk zu tragen, verdient weile Verbreitung. Oscar A. H. Schmitz, Wespennester, Neue Folge. Sozialismus und Judentum, ihre Einordnung in die abendländische Kultur. Musarion-Verlag, München. Ein originaler Schriftsteller setzt sich hier mit zwei Kulturproblemen auseinander, deren Existenz, wie er meint, die abendländische Kulturmenschheit nicht zur Ruhe kommen läßt; 5