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Der Jugendbund · 1929-07-01 · 7 (1.7.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Jugendbund
Volume
15 (1929)
Issue
7 (1.7.1929)
Date
1929-07-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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DIE JUNGGRUPPE Verantwortliche Schriftleitung: Jack Raphael. Beckum f. W. Rufruf an alle Junggruppen! Unser erster Bundestag liegt hinter uns. Dreihundertlünfzig Junggruppier haben den von uns ersehnten Bund beschlossen. Die Grundlage der bündischen Arbeit ist geschaiienl Drei Aufgaben liegen vor uns: Erfassung und Vertiefung unserer Idee! Verwirklichung des gesamtjüdischen Gedankens! Verwirklichung des Gedankens der Jugendbewegung! Aussprachen auf dem Bundestage haben begonnnen, Wege zur Erfüllung unserer Aufgaben zu weisen. Jetzt ist es an Euch, unsere Aufgaben zu erfüllen! Unsere Pflicht ist: Intensivierung der Arbeit! Verantwortungsgefühl der Führer! Verantwortungsbewußtsein jedes einzelnen!" Unser Bund wird sich aufwärts entwickeln, wenn jeder seine Kraft einsetzt! Die Bundesleitung ist zum ersten Male von Euch gewählt. Möge diese Wahl ein Zeichen des Vertrauens sein zu unserem Weg und unserem Ziel. Chasak! Für die Bundesleitung: Leo Eschelbacher. Bundestag Der von allen Gruppen lang ersehnte Bundestag begann am Pfingstsonntag 1929. Schon ab Samstagabend kamen fast unablässig Gruppen ans allen Gegenden zum Tagungsorte. Sehr bald entwickelte sich das große Treiben eines Bundestages und wir konnten das stolze äußere Ergebnis von 350 Teilnehmern feststelleniDie Organisation am Sonntagvormittag klappte nicht so hervorragend. Immerhin konnten wir. wenn auch mit erheblicher Verspätung, den Bundestag durch Martin Seligmann eröffnen. — Nach seinen kurzen Begrüßungsworten folgte unmittelbar das Referat von Leo Eschelbacher über „Die Bundesidee". Er teilte sein Referat in folgende Teilgebiete: Stellung der Junggruppe zur Jugendbewegung; Stellung der Junggruppe zum J identum: Stellung der Junggruppe zum Verband. — Er stellt folgende Richtlinien auf: 1. Die Junggruppe steht auf dem Boden der neuen Jugendbewegung, d. h. sie lehnt die radikale Opposition gegen alles Bestehende und die dementsprechend autonomistische -Stellung der Jugend ab und stimmt dem Ziel der ■Jugendbewegung der letzten Jahre bei. durch'Hineingehen in die Gesellschaft, und auf dem Boden der Wirklichkeit diese Gesellschaft umzuformen. 2. Die Junggruppe steht auf der vom Verband vertretenen Idee des Gesamtjudentums. 3. Die Junggruppe steht auf dem Boden des Verbandes. Freilich führte der Referent aus. daß wir, die Junggruppen, die Zukunft des Verbandes sind, daß eine kontinuierliche Erziehun4slinie nur dann besteht, wenn sie unten, d. h. in der Junggruppe, beginnt. Der Verband muß sich klar sein, daß sich evtl. auf Grund unserer Fortentwicklung das Gesicht des Verbandes eir es Tages ändern könnte. Zum Schluß stellte der Referent -folgende Formulierung der Bundesidee zur Diskussion: Der Bund der Junggruppen ist dem Verbard der jüdischen Jugendvereine Deutschlands angeschlossen. Er erzieht seine . Jugend im Geiste der neuen Jugendbewegung und in der Erkenntnis der Einheit des Judentums zu lebenstüchtigen Menschen und aufrechten Juden. Gegen 13 Uhr war das Referat beendet und die Mittagspause trat ein. Es folgte gegen 16 Uhr das Referat von Man- 4 fred Altmann, Trier, über „Idee und Tat im Judentum". (Folgt in der nächsten Nummer:) Das Wetter, welches den ganzen Tag über trübe und regnerisch gewesen war. hellte sich auf und bei strahlender Sonne landen die geplanten Arbeitsgemeinschaften über die beiden Referate statt. Einen weiten Raum nahmen die Verhandlungen über unsere Bundesidee ein. Es-zeigte sich, daß über die uns berührenden Fragen noch keine allgemeine Klarheit herrscht, und — um es gleich vorwegzunehmen — zu einer einheitlichen Bundesidee ist man nicht gekommen; freilich wurde durch die Diskussion die Grundlage zu weiteren schriftlichen Auseinandersetzungen und somit die Aussicht auf eine Einigung geschaffen. Die einzige Frage, über welche wir uns restlos eini'4 wurden, war die unserer Stellung zum Judentum, indem wir uns nach vielen Diskussionen einmütig zu der gesamtjüdjischen Einstellung des Verbandes bekannten. Unterdessen ha'.Je sich auf dem Lagerplatz ein richtiges Bundestagslagerlebeii entwickelt. Die Gruppen hatten ihre Zelte aufgeschlagen, kochten ab, die Jüngeren trugen sportliche Wettkämpfe aus, während die Aelteren zum großen Teil an den Diskussionen und Arbeitsgemeinschaften teilnahmen. Das Wichtigste eines Bundestages, der persönliche Konnex untereinander, war bald hergestellt. Das größte Erlebnis des ersten Tages war die abendliche Bundesfeier. Zum ersten Male versammelte sich der neue Bund um das Lagerfeuer und erlebte die große Gemeinschaft, die Martin Seligmann mit einer Ansprache einleitete. -Erpt um Mitternacht kehrten wir in unsere Quartiere zurück und noch lange fanden wir keine Ruhe. Der Morgen des zweiten Tages war vor allem sportlicher Betätigung vorbehalten. Die Völkerballbundesmeisterschaften wurden ausgetragen. Die Chemnitzer Mannschaft zeigte sich überlegen. Unterdessen saßen die Führer beisammen und setzten die Aussprachen des vorhergegangenen Tages fort. Um 14 Uhr versammelten sich die Gruppen zur Wahl der Bundesleitung und wählten fast einstimmig die alte Bundesleitung wieder. Martin Seligmann beschloß den Bundestag durch eine kurze Schlußfeier, und ein Teil der Gruppen rückte ab, während noch viele den Tag über zusammen blieben, um dann nach jHausc oder weiter auf Fahrt zu gehen. Wir sind zwei Tage im Lager zusammen gewesen, haben uns kennen gelernt, haben uns über gemeinsame Fragen ausgesprochen. Wer diese.zwei Tage miterlebt hat, hat erfahren, daß unser Bund geschaffen ist. Epilog zum Bundestag Bundestag! — Verkörperung höchster Spannung, höchster Freude. Und noch dazu: Unser Bundestag! Das Treffen unserer Menschen, die, wachgerüttelt durch die Notwendigkeit jüdischer Arbeit der Jugend, zusammenkamen, um kennen zu lernen: Wege und Menschen, Arbeit und Ziel. Wir haben gelernt! Woher die Enttäuschung? Muß man uns Junggrupplern immer Fertiges oder Vorgekautes darbieten? Wir haben zu viel von den „Anderen' erwartet und darüber unsere eigene Vorarbei|t gessen. Das wissen wir nun. Das nächste Jahr ist's besser! Waren nicht alle da, nach denen wir uns zwei Jahre gesehnt hatten, von denen wir Neues hören wollten und gehört haben? Sind wir nicht ein „Bund"? Wir wissen, was fehlerhaft war. Wir können es verbessern. Der Bundestag ist unser Jun^gruppenerlebnis. | G. Aus den Gruppen Detmold. Im Mai trafen sich die benachbarten Gruppen zu einer Wanderung durch den Teutoburger Wald. Ernst Heilbrunn, Detmold, leitete das Treffen, bei dem man sich auch ergiebig über Junggruppenfragen unterhielt. Kluft wurde entschieden abgelehnt. Auch das Pfadfindertum. Die Detmolder stehen in enger Beziehung zu Bielefeld und Herford, möchten aber endlich auch mal Fühlung mit anderen Junggruppen kriegen. Anschrift: Ernst Heilbrunn, Detmold, Gartenstraße 12. Wesermünde. Zum Thema Junggruppenkluft schreibt noch Carla Kiefer nachstehende Zeilen, die besonders die

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