Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 6 (1.6.1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/6492456-6352309-6352553--0815-4928973- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE JUNGGRUPPE Die Schrlftlelhing dieser Rubrik liegt in den H«nden von Jack Raphael. Beckum i. W.. an den alle Einsendungen zu richten sind. Bundestag der Junggruppen Kurzer Vorbericht. Der Bundestag der Junggruppen fand Pfingsten unter der Teilnahme von 350 Junggrupplern statt. Er begann mit dem Referat über die Bundesidee von Leo Eschclbacher. Am Nachmittag folgte das .Referat „Idee und Tat im Judentum", von Manfred Altmann. An beide Referate schlössen sich Ar- .eitsgemeinschaften an. Am Abend fand die erste gemeinsame Feier unseres neuen Bundes statt. Die Worte Martin Seliginanns, die hebräischen Lieder der Gruppen und der gemeinsame Tanz vereinigten sich zur eindrucksvollen Bundesfeier. Krst gegen Mitternacht, als das Feuer verzischt war. kehrten wir in unsere Quartiere zurück. Der folgende Tag war durch Spiel, Sport, Arbeitsgemcin- -chaften und Beratungen ausgefüllt. Die alte Bundesleitung, bestehend aus Martin Seligmann, Manfred Altmann und Leo Kschelbacher, wurde wiedergewählt. Nach einer kurzen Schlußfeier gingen die Gruppen auseinander. Wenn man den Bundestag unter dem Gesichtspunkte beurteilt, daß es unsere erste Veranstaltung dieser Art war und daß auch gute Organisation eine Sache der Erfahrung ist, so kann man ihn als einen guten Erfolg und Fortschritt in unserem Bunde bezeichnen. L. E. outontatslose Jugend Nachstehende Vorbemerkung darf nicht übersehen werden: Der Verfasser der folgenden Zeilen legt Wert auf die Feststellung, nicht etwa lokale Zustände schildern zu wollen. Die Redaktion. Miniaturrevolution in der Kille! Wobei der Kampf selbstverständlich — der Sicherheit halber mit „geistigen" Waffen ausgetragen wird! Und warum diese Aufregung? Der neugierige Frager. würde da recht nette Auskünfte •ii hören bekommen. Herr X., eifriges Mitglied einer freiheilchen Vereinigung, fuchtelt zorngeschwellt mit der neuesten Nummer.des „Jugendbund" vor meiner Nase herum: „Lesen Sie nur, was diese grünen Jungens sich da herausnehmen!" Immer vornehm und sachlich!). Ich studierte den Artikel, ohne darin etwas Staatsiiftahrdendes entdecken zu können. Ein junger Mensch in M Alter, in dem ihn die jüdische Religion als erwachsen betrachtet (und die jüdische Gemeinde — — als Kind!), hatte sich (unerhört!) einige Worte der Kritik an Einrichtungen der Gemeinde und des Gottesdienstes zu üben "herausgenommen! Während ich lese, beobachtet mich der „Ankläger" mit Znrnesfalten auf der Stirn durch seine Intelligenzbrille. (Hornrand garantiert 2 Zentimeter!) „Ja, was sagen Sie eigentlich zu solchen Lümmeln? Wären nicht wirklich ein paar Ohrfeigen am Platze? Das müßte man dem Direktor mitteilen. Hätten w i r je gewagt, so über Lehrer oder Aeltere zu sprechen? Götter waren das für uns, sage ich Ihnen. Es fehlt eben Zucht in der heutigen Zeit. Und die Jugend? In den Jugendbünden wird der Geist der W idersetzlichkeit geschürt! Ich habe ja für Ihre Vereine noch etwas Sympathie bewahrt, im Gegensatz zu meinen Kollegen, aber ich rate Ihnen dringend, unsere Jugend - es empfiehlt sich vielleicht von 19 Jahren ab — zu geselligen Abenden, Literaturkränzchen — ich lege Ihnen die Beschäftigung mit Schiller und Goethe ans Herz! - oder zu Skat- und Tanzabenden zusammenzufassen. und nicht solche Sachen zu besprechen, welche die Jugend in dem Alter wir sind ja unter uns! — noch nichts angehen. Statt dessen erlauben Sie sich, Vierzehnjährigen mit sexuellen und sozialistischen Fragen zu kommen. Ich bin, wie Sie wissen, kein verbohrter Reaktionär, aber was zu viel ist, ist zu viel! Sagen Sie mal, hätten wir uns so was erlauben dürfen? Ich brächte es heute noch nicht über mich, über solche Dinge zu reden. Ein Skandal ist das! Und die Folgen? Sehen Sie sich nur diesen Junggruppenteil an!" — Der Herr mit der „domok rat isohon WolUnseJiauung rnuMo schließlich gemerkt haben, daß der dahinplätschernde Redestrom (Ströme sind im Gegensatz zu Bächern gewöhnlich sehr unklar!) nicht den gewünschten Eindruck auf mich machte. ..Was sagen Sic nun?" wandte er sich an mich. „Frau, bring doch mal dem Herrn Likör und Zigarren!" Als ich ablehnte, meinte er: „Nu, dann nich, — wie Sie wollen!" Jetzt legte i c h los: „Da Sie so gütig waren, mir hierzu die Gelegenheit zu geben, will ich offen zu Ihnen sprechen. Sie sind heute ein alter Mann. Als Sie jung waren, hatte es noch keinen Weltkrieg, keine Trusts, keine Jugendbewegung gegeben. Aber Hand aufs Herz: Waren Sie stets mit Ihren Litern und Lehrern zufrieden? Sie fordern Bescheidenheit. Ich behaupte nun, daß unsere Jungen und Mädel in den Fragen, die Sie angehen, ebenso viel verstehen, wie viele der alten Generation. Im übrigen finde ich es immer noch besser, sie sprechen offen aus, was sie wissen und wissen wollen, als daß sie zu Brockhäusern, Meyers oder gar Sc^iundfilmcn ihre Zuflucht nehmen. Ferner regen S i e sich über die Kritik am Gottesdienst auf! Ich entsinne mich nicht, Sie in letzter Zeit beim Gottesdienst gesehen zu haben. Ich vermute also, daß auch Ihnen da nicht alles zusagt. Was in diesem Artikel steht, billige ich juch nicht. Denn die Kritik richtet sich gegen äußerliche .Kleinigkeiten, die eine Aufregung auf beiden Seiten nicht wert sind! Aber daß die Jugend in ihren eigenen Blättern jetzt schon nicht mehr soll sagen dürfen, was ihr am Herzen liegt, — das billige ich noch viel weniger!" — „Aber die Autorität —!" wirft mein Gegenüber ein." Das hät mit Autorität nichts zu tun. Das nennen wir Aufrechterhaltung eines Vorurteils und einer einseitigen Vergewaltigung. Vfir hetzen die Jungen und Mädel nie gegen eine Autorität auf. Wir sagen vielmehr: vermeidet Krach mit Eltern und Schule. Ihr zerreibt Eure Kräfte und Euren Idealismus im Kleinlichen. Stark sein im Grundsätzlichen, Nachgeben im einzelnen. Wo aber Autorität zum Decknamen für einseitige Gewalt wird, in' diesem äußersten Fall, vermögen wir Geduld nicht mehr zu predigen. Dann heißt es: Entscheide dich für den Bund, für Dein Judentum, oder für Deinen persönlichen Frieden! Bist Du stark genug, dann kämpfe bis zum Ende, dann komm zu uns! Wir werden Dir das Verlorene ersetzen. Zerrüttest Du dabei Geist und Gesundheit, dann weiche der Gewalt und halte im stilken zu uns! Wir wollen den nun einmal stets überschäumenden lugcndlichen Oppostionsgeist in positive Bahnen lenken, d. h. zu gemeinschaftlichem Schaffen. Es müßte doch in Ihrem Interesse liegen, wenn die Jugend wieder das Jugendtum gewinnt. Bewegt sich dabei die Kritik nicht immer in den bürgerlich zahmen, ausgetretenen Geleisen, fr Herrgott, .dafür sind wir ja jung! Vergessen Sie nicht, daß diese Jugend die jüdische Gemeinschaft wieder lebendig machen muß, sonst steht es schlimm um uns! Und ist denn die Jugend, wirklich afttoritätslos? Ordnet sie sich denn nicht freiwillig in große Bünde ein? Strebt nicht sie grade zu einem neuen Verhältnis zu Gott? (— Ist das nicht auch eine Autorität?. Und größer vielleicht als Eltern und Lehrer?). Vor dem Grandiosen und Guten, vor der wahrhaften Autorität, die sich, nicht täglich, immer wieder reklamehaft zu betonen braucht, beugt sich die Jugend freudig und gern! Vor deti. kleinen „Tyrannen", die grade der von Ihnen empfohlene Schiller in seinen Räubern so prachtvoll schildert, hoffentlich niemals! Wenn man unter Autorität den Mehrbesitz körperlicher, finanzieller Mittel und von Jahren versteht, dann sind wir stolz, daß die Jugend noch echt demokratischen Freiheitsdrang besitzt, daß sie sich nicht ins Vergnügen stürzt wie jene blasierten Jüngelchen, die keine Probleme haben, und daß sie in unsere Diskussionsabende kommt! . ' i ', Bescheidenheit der Jugend — wo sich's gehört, .über bitte: auf Gcgenseitigkeitf" — Sprach's und entfloh. Schon damit der Artikel nicht noch länger w;rd. Berthold Simonsohn. Bücner, nach denen man fragt Die Kreistage haben OMre Gruppen rrfreuliohcrweisc aufgewirbelt. Es hagelt nur so Anfragen, Wissensdurst ige und interessante Briefe, die irgend eine Lösung für irgend eine Sorge vorlangen. Das ist gut. Aber io.b. glaub.-, einen ('(•beistand aus manohen der Fragen herauslesen zu müssen: man beweist oft genug, daß man sieh anscheinend WdflW um o