Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 5 (1.5.1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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heraus, daß Menschen wichtiger sind als Begriffe und staatsrechtliche Konstruktionen. Ich bin der Meinung, daß nur durch die Zusammenarbeit von Zionisten und Gegnern des Nationaljudentums im Palästinawerk. Palästina aus seiner Stellung als Streitgegenstapd in der Judenheit aller Länder erlöst wird. ül, Grundsätzlich gibt es für Juden, die den Begriff der Galuth im zionistischen Sinne verneinen, nur eine Form der Lösung jüdischer Not: Sie dort beheben, wo sie besteht, d h. also, die Lösung der Judenfrarge ist stets und überall als Emanzipationsproblem aufzufassen. Es gibt jedoch Fälle, in denen Hilfe nicht im eigenen Lande angebracht werden kann, in denen Umschichtung und Siedlung in neue Wohnsitze notwendig wird. Dann geht eben auch in dieser Beziehung der Mensch und seine Not über Begriffe und staatsrechtliche Konstruktionen und deshalb begrüße ich die Möglichkeit, für solche •luden, die in ihrer Heimat bürgerlich und seelisch sich nicht zu Voümenschen entwickeln können, in ein anderes Milieu zu verpflanzen, in dem diesmöglich ist. Die Jewish Agency wird hoffentlich die Garantie dafür bilden, daß der palästinensische Jude sich ohne Zerrissenheit, ohne bürgerliche Zweitklassigkeit und ohne wirtschaftliche HM entwickeln kann. Tagungen Eind MicKe von der Hauptversammlung des Reichsaussehusses der deutschen üugendveroände (Goslar. 18. u. 19. Apni 1929) von Richard Cohn, Halle a. s. Der Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände hat gelegentlich der diesjährigen Hauptversammlung zum ersten Male den Versuch unternommen/die „Politischen Ziele und Vi ege der iungen Generation" behandeln zu lassen. Es sprachen nacheinander die Herren Max Westphal f SPD.). Dr. Heinr. Krone (Zentrum) und Dr. G o e p e 1 (DYP.) In der jungen sozialistischen Generation gibt es kein besonderes politisches Wollen, alt und jung haben dieselbe-^Ziclsetzung.- Dennoch sieht die sozialistische Jugend ihre Aufgabe neben der Erhaltung der von den Vätern erkämpfen Rechte in dem Aufbau der Idee. Dagegen besteht im katholischen Lager eine Spannung. Und zwar sind die Züge, die gegenwärtig die katholische Jugend aufweist, Gemeinsamkeiten der heute lebenden jungen Generation: größere Wahrhaftigkeit, ein Wille zum besseren Verstehen und gegenseitiger Achtung. An die Stelle gewissenloser Demagogie ist sachliche Polemik getreten. Das Denken ist nicht mehr individualistisch, das Handeln und Wollen quillt aus einer letzten Verantwortung, nicht der Augenblick oder die Zweckmäßigkeit entscheiden. Die katholische Jugend führt so ihr Eigenleben, aber zur Durchsetzung ihres politischen Willens benutzt sie die Partei als Werkzeug. In der volksparteilichen Jugend streitet man dagegen darum, ob neues politisches Schaffen durch die Partei möglich ist. Hier betont man auch nicht so sehr das Glauben wie das Können. . daher auch die Forderung nach gründlicher politischer Bildung.' Die Vorträge gaben einen guten Ueberblick über die gegenwärtig« staatspolitische Bewegungwder jungen Generation In der Aussprache dagegen hörte man inniger von der aktiven \X illensbctätigung der Jugend als von politischen Ideen, die an die Jugend herangebracht werden. Aus dem weiteren Verlauf der Tagung sei das ausgezeichnete Referat von Hermann Maaß über die „Erholungsfürsorge für erwerbstätige Jugend" erwähnt. Die Hotthuser Tagung des Aelterenbund ..Kameraden- 1. Vorbemerkung. Wenn ich für den Jugendbund im folgenden den Versuch unternehme, von der Tagung, die der Aelterenbund „Kameraden" in den Ostertagen abhielt, eine Uebersicht zu geben, io bin ich mir bewußt, daß ich dies nur durch eine Art Transponierung in den Gedankenkreis der Leser des „Jugendbundes" vornehmen kann. So bitte ich auch den Bericht zu verstehen. * ■ 2. Der Teilnehmerkreis. Zwischen Gast und Bundesmitglied ist bei der Aelteren- Tagung, soweit die Berechtigung in Betracht kommt zu diskutieren oder zu fragen, kein Unterschied. Ich nahm als Gast teil. Der Aelterenbund setzt sich zum größten Teil aus ehemaligen Mitgliedern des Wanderbundes „Kameraden" zusammen. Er umfaßt ungefähr 60 Menschen. Diese relativ kleine Zahl bedingt die Art seiner Wirkung. Ueber ganz Deutschland verteilt, ist jeder einzelne von ihnen, wenn man sich zu gemeinsamer Beratung zusammenfindet, Exponent seines heimatlichen Wirkungskreises, ebenso wie er dort Exponent seiner Generation ist. Ein kleines Gremium also, aber deswegen konzentrierter und intensiver in der Art. Jeder kennt den anderen, Andeutungen genügen, wo anderwärts erst die Prinzipien geklärt werden müssen. 3. Die Themen. a) Zedakah und die moderne Wohlfahrtspflege. Durch die wirtschaftlichen Verhältnisse bedingt, ist heute die Frage der Wohlfahrtspflege eine der wichtigsten Fragen des deutschen Judentums. Die notwendig gewordene Organisierung des Wohltuns hat den „Sozialbeamten" geschaffen. Eine Reihe von Fragen erheben sich. Wie kann der Sozialbeamte der drohenden Mechanisierung seines Berufes entgehen? Wie ist das Verhältnis zwischen Beamten und ehrenamtlicheh Helfern? Wie kann und soll die bündische Jugend mithelfen? Wo liegt die Abgrenzung des Arbeitsfeldes der Wohlfahrtsämter und der privaten Wohlfahrtseinrichtungen? Wie kann überhaupt und in welcher Form soll geholfen werden? Wo haben sich Mängel in der organisierten Wohlfahrtspflege herausgestellt und wie sind sie zu beheben? Das einleitende Referat von Emmy Strauß, München, und die lebhafte Diskussion, die sich mit diesen aufgeworfenen Fragen beschäftigte, gab eine Fülle von Anregungen und Wissenswertem, deren Auswertung bei jedem einzelnen, von lokalen Verhältnissen bestimmt, aber immer wertvoll sein wird. b) und c) Die wirtschaftliche Entwicklung des Aktien k a p i t a 1 s. Die S t a a t s a u t o r i t ä t und Wirtschaftsautonomie. Gerade bei der Darlegung des Inhalts dieser Referate und der an sie sich anknüpfenden Diskussion empfinde ich den engen Rahmen dieses Berichts als drückend. Jedes tiefere Eingehen in die Probleme sprengt ihn. Deswegen kann nur eine Skizze gegeben werden. Von wo aus man auch Dinge der Wirtschaft betrachten, welchen Abschnitt aus der Wirtschaftsordnung man auch beleuchten mag. die Kernfrage bleibt immer dieselbe: Gibt es für einen iungen Menschen, der in das bestehende Wirtschaftssystem hineingestellt ist, eine Möglichkeit, die von ihm erkannten Mängel von seinem Platze aus zu ändern? Kann er die Mechanisierung bekämpfen, bleibt noch etwas von der Idealvorstellung seines Berufes (aus der Jugendbewegung her) übrig? ' An die Behandlung dieser Fragen kann man mit zwei Voraussetzungen herangehen. Entweder 1. ich lehne die bestehende Wirtschaftsordnung in toto ab, oder 2. ich bejahe sie, da sie eine notwendige Realität ist. Referenten waren Franz Wollff und Ernst Löwenthal 'beide in Frankfurt a. Main). Die Mehrheit der Diskussionsredner bekannte sich zur zweiten Voraussetzung, aber selbstverständlich war es gleichzeitig jedem Redner, daß jeder einzelne seinem Beruf und Kräften entsprechend, versuchen muß, die Mängel, die sich ihm bei objektiver Betrachtung der Wirtschaftsordnung gezeigt haben, zu bekämpfen und die Diskrepanz zwischen gewolltem Vorbild und Wirklichkeit möglichst zu verringern. d) Der Rabbiner (vom Standpunkt des Rabbiners und des Laien). Der Weg zum Jüdischen führt zur Bejahung der jüdischen Gemeinde. Jeder von uns übersieht die Lage der Gemeinden der Gegenwart und jeder von uns hat sich schon mit den Fragen, die sich aus dieser Bejahung ergeben, beschäftigt. Eine der. wichtigsten Fragen ist die Einstellung zum Rabbinerberuf. Jeder Rabbiner hat sich, vor Antritt seines Amtes, Aufgaben ethischer, pädagogischer und sozialer Art gesetzt, die er innerhalb seiner zukünftigen Gemeinde erfüllen möchte. In die Praxis hineingestellt, wird er abhängig von seiner Gemeinde sein. Er wird einsehen müssen, daß auch bei dem Rabbinerberuf die Realität der gegebenen Tatsachen viele der früheren Illusionen zerstörte, er nur einen kleinen Teil seiner Plane verwirklichen kann. So ungefähr der Gedankengang des einleitenden Referates des Rabbiners. (Dr. Elk, Stettin, und des Laien Erich Hirschberg, Oppeln). Die lebhafte Dis-