Der Jugendbund
- Journal
- Der Jugendbund
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 5 (1.5.1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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mariin Boldner Was steht dawider, daß wir. die deutschen Juden, daß die Juden der Welt freudig zur verantwortlichen Mitarbeit am Palästinawerk die Gelegenheit ergreifen, die die Erweiterung der Jewish Agency bietet; was steht dawider, daß wir alle zur Verwirklichung der Bitte des Gebetes unsere Hand reichen: ubne jeruschalajim ir hakaudesch bimhero bejaumenu, daß ein jüdisches Palästina aus dem zionistischen fleginn werde. I Wiissen wir doch alle um den hohen Wert, den es zur Belebung und Verwirklichung des Judentums in der Welt haben wird — njeht als nationale Heimstätte einer stets nur beschränkten Zahl von Juden, aber als Brennpunkt religiösen und kulturellen jüdischen Lebens Ein hoher Wert, eine Hilfe auch uns, die für unser eigenes Schicksal dem Golus und seinen Aufgaben verhaftet bleiben wollen. Was steht dawider: Eine Formulierung im Palästinamanidate, der wir nicht voll zustimmen können? Ein Beschluß, daß es kein Golus gebe und darum kein jüdisches Zentrum nötig sei? Ein anderer, der empfiehlt, abzuwarten, bis auch der letzte unter uns sich entschieden habe für oder wider — ehe man den Finger rühre? Oder gar tiefsinnige Ueberlegung. daß man nicht von der Sache her und von der Seele, sich lenken lassen solle, nicht vom Sehen, Fühlen. Wünschen, nicht von den Tat-Sachen, sondern von ihren Begriffen her . . . Und der „Begriff" des Deutschjuden verbietet .... die Talsache des Juden. Mithin, was steht dawider?, daß kaum einer ist, wer er ist, daß fast jeder Beamter ist seiner Partei., fremder Meinung, und ohne eigene Verantwortung, daß er nur ,,für sich" aber nicht „im Leben" Jude ist, Mensch ist ohne den Begriff, aber mit Herz und Seele mit Sehnsucht und Gebet. Das steht wider die Schar der Juden, die Palästina nicht für sich, sondern für das Judentum wollen! u/alter mecKienburg Die Erweiterung der Jewish Agency ist eine Notwendigkeit um dieser drei Dinge willen: der Stärkung der politischen Position des jüdischen Volkes nach außen, des Aufbaus des Landes, der inneren Sammlung und Einung innerhalb des jüdischen Volkes selbst. ' Um der Stärkung der politischen Position willen — das ist das Nächstliegende. Die Jewish Agency ist vorgesehen als völkerrechtlich anerkannte Repräsentanz des jüdischen Volkes in seiner Gesamtheil. Gewiß beschränkt sich ihre Kompetenz auf einen begrenzten Raum, aber der Palästinaaufbau ist doch so wichtig für die Gestaltung unserer ganzen Zukunft, daß die Instanz, die in bezug auf diese zentrale Aufgabe als Organ der jüdischen Gesamtheit fungiert, zugleich damit eine allgemeine repräsentative Bedeutung gewinnt. Es ist daher nicht möglich, daß die Agency einseitig wie bisher nur von Vertretern der Gruppen des Judentums gebildet wird, die den Palästinaaffbau stet; schon und mit größter Intensität am nationalen Geist gefordert haben Man braucht den außenpolitischen Wert eines Organs, wie es die Agency sein wird, nicht zu über-, schätzen, um doch zu erkennen, daß ihre Wirkungsmöglichkeiten sich ungleich steigern werden, wenn sie sich wirklich als Vertreterin des ganzen jüdischen Volkes legitimieren kann. Um des Landes willen — denn Beteiligung an der Agency heißt, Teilhaben an der Verantwortung für den Aufbau, heißt ganz nüchtern ideelle und materielle Leistung für Palästina. Sicherlich werden die „Palästinafreunde" nicht mit dem gleichen Feuer für die große Sache eintreten, wie die Zionisten mit der Ausschließlichkeit ihres Zieles. Und wir teilen die Sorge vieler Zionisten: ' Verwässerung der fdee, Gefahr für die Fortsetzung der Arbeit in dem gleichen nationalen und sozialen Geist wie bisher. Gewiß, es wird viele geben, die in die Agency gehen, weil man sich mit Tatsachen abfinden muß. Die Arbeit für Palästina wird sie ganz der Sache gewinnen. Erst die Nähe kann zur Bereitschaft, zu vollem Einsatz führen. Die gewiß nicht leichtfertigen Bedenken müssen also zurücktreten. Unsere Aufgabe in Erez Israel ist zu groß, um nur das Werk einer Gruppe, einer Partei sein zu können: und es soll auch wirklich Werk des ganzen Volkes sein. Entscheidend wird die Erweiterung der Agency für das innere Leben der Juden selbst sein. Für ihr Bewußtsein wird es wieder eine zentrale Instanz geben, die das jüdische Volk in seiner Gesamtheit vertritt. Die Agency wird das Symbol der Einheit sein, der Sammlung. Zum ersten Male seit Jahrtausenden erklären die Juden der ganzen Welt, daß sie eine gemeinsame Aufgabe haben. Und diese gemeinsame Aufgabe ist nicht negativ, nicht Abwehr des Angriffs, nicht nur konservativ auf die Erhaltung des Bestehenden und Zerbröckelnden gerichtet, sondern Werk eines Aufbaues, Zukunftsgestaltung. Durch die Schaffung der Agency wird das jüdische Volk dokumentieren, daß es noch an seine Einheit und an seine Zukunft glaubt. Es besteht die Gefahr, daß sich weite Kreise des deutschen Judentums der Agency fernhalten, weil einige ihrer Führer die ausgefahrenen Geleise einer Politik nicht verlassen wollen oder können, die ihre Entscheidungen immer wieder trifft mit dem Blick auf den möglichen Eindruck da draußen. Es wird Aufgabe der jüdischen Jugend sei«, für den Agencygedanken in allen Lagern zu werben. Wir alle treten ein für die Stärkung der jüdischen Position nach außen, für innere Einheit und Konzentration und für den Aufbau Palästinas (wenn auch in verschiedenem Grade). Es ist kein Zufall, daß die deutschjüdische Jugend offen die Beteiligung an der Agency fordert. Die C.-V.-Jugend ist mit vielen Prominenten des C.-V. zusammen in. der letzten Hauptvorstandssilzung in der Minderheit geblieben. Der Gegner des Eintritts sprach von dem jüdischen Idealismus der C.-V.-Jugend, der sie den Eintritt fordern, ließ. Nun wohl, machen wir uns alle diesen jüdischen Idealismus zu eigen, der zugleich im Einklang steht mit einem sehr gesunden Realismus, und fordern wir, die ganze jüdische Jugend, aus jüdischem Idealismus fyeraus gemeinsam die allgemeine Jewish Agency. Kurt Lowenstein l. Palästina ist die Jahrhunderte, seit der Zerstörung des zweiten Tempels hindurch für alle religiös oder auch nur traditionell empfindenden Juden ein Gegenstand besonderer Empfindung gewesen. So verschiedenartig begründet diese innere Stellungnahme zu Palästina bei dem einzelnen auch gewesen sein mag, niemand hatte dem anderen die eigene Haltung zu Palästina als die allein richtige aufdrängen wollen oder versucht, die Gefühle der anderen als geringwertiger hiniu-_ stellen. Es ist dem Zionismus vorbehalten geblieben, aus Palästina als universellem Zentrum jüdischen Empfindens ein Parteiidol zu machen und aus dem Sammelpunkt gesamtjüdischen Empfindens ein Kampfobjekt. In der Jewish Agency begrüße ich den ersten Schritt, der die Wiederherstellung der gesamtjüdischen Palästinatradition einleiten kann. II. Das Vorherrschen der zionistischen Ideologie im Palästinaproblem hat dazu geführt, daß in jüdischen, aber auch in n:chtjüdischen Kreisen die Terminologie zionistischer Propaganda als allgemein jüdische Ansicht angesehen und gebraucht wurde. So ist die Fassung der Balfourdeklaration und des Mandatstextes zu erklären, die sich zu eigen zu machen jedem den nationaljüdischen Gedanken oder ■ den Palästinaaufbau ablehnenden Juden einen starken Gewissenszwang auferlegt. Wenn sich diese Juden gleichwohl mit der Idee der Jewish Agency befreunden, so tun sie es' nur aus der Erwägung - I 3